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Artikel „Gellert, Christlieb Ehregott“ von Wilhelm von Gümbel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 549–550, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gellert,_Christlieb_Ehregott&oldid=- (Version vom 14. Dezember 2019, 12:44 Uhr UTC)
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Band 8 (1878), S. 549–550 (Quelle).
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Gellert: Christ.[1] Ehregott G., ein hochgeschätzter Metallurg, geb. am 11. Aug. 1713 zu Hainichen bei Freiberg in Sachsen, gest. am 1. Mai 1795 zu Freiberg, war der Sohn des Pfarrers Christian G. und älterer Bruder des berühmten Dichters Chr. Fürchtegott G. Nach dem Besuche der Stadtschule seiner Vaterstadt und der Fürstenschule in Meißen bezog G. 1734 die Universität Leipzig und suchte dann 1736 sein weiteres Fortkommen als Lehrer an einem Gymnasium in Petersburg. Schon nach Verlauf eines Jahres wurde er zum Adjunkt der Akademie der Wissenschaften daselbst ernannt und widmete sich nun dort während eines 10jährigen Aufenthaltes unter dem Einflusse des großen Mathematikers Euler dem Studium der Chemie und Physik. Seine erste Publication, eine Uebersetzung von Cramer’s Anfangsgründen der Probirkunst, fällt mit dem Ende seines Petersburger Aufenthaltes zusammen. Ins Vaterland zurückgekehrt setzte er 1746 und 1747 in Freiburg seine Studien der Chemie und Physik neben jenen der Hüttenprocesse eifrig fort und ertheilte Unterricht in diesen Fächern. G. erhielt damals vom Kurfürsten eine kleine [550] Pension. Seine erste selbständige Schrift: „Anfangsgründe der metallurgischen Chymie“, Leipzig 1750, zeichnet sich durch Gründlichkeit aus und verhalf ihm 1753 zu einer besoldeten Anstellung als Commissionsrath, in welcher Stellung er mit der Aufsicht der Bergwerksmaschinen, mit der Prüfung der Schmelzprocesse und chemischen Untersuchungen der Erze betraut wurde. Mehrere kleinere Abhandlungen aus dieser Zeit, wie: „De tubis capillar. prismaticis“; „De phaenomenis plumbi fusi in tubis capillaribus“; „De densitate mixtorum ex metallis et semimetallis factorum“ erschienen 1750–51 in den Schriften der Petersburger Akademie Bd. XII und XIII. In dieser Stellung beschäftigte G. sich auch in praktischer Richtung eifrigst mit Verbesserungen der Bergmaschinen und des Hüttenprocesses. Schon 1755 folgte ein zweites größeres Werk „Anfangsgründe der Probirkunst“, welches gleichsam den 2. Band seiner ersten Publication bildet. Beide wurden ins Französische übersetzt und erlebten eine zweite Auflage. G. galt damals als einer der besten Metallurgen und sein Ruf zog viele, selbst ausländische Fachleute nach Freiberg, um sich bei ihm privatim weiter auszubilden. Im J. 1762 wurde G. zum Oberhüttenverwalter befördert und als 1765 die Bergakademie gegründet wurde, erhielt er die Professur der metallurgischen Chemie. Bis wenige Jahre vor seinem Tode setzte er seine Vorlesungen in diesem Fache, die er durch zahlreiche, mit größter Sorgfalt überwachte Experimente und Versuche zweckdienlich unterstützte, fort und bildete eine vorzügliche Schule, aus der eine große Anzahl tüchtiger Hüttenmänner hervorging und durch welche das sächsische Hüttenwesen zu hoher Blüthe gelangte. Später übertrug er seine Vorlesungen seinem Schüler Lampadius, setzte aber bis zu seinem hohen Alter die Versuche zur Verbesserung der Hüttenprocesse fort. Er erlebte die große Freude, ein neues Verfahren, das sogenannte kalte Amalgamiren zu entdecken, welches gegenüber der in Ungarn gebräuchlichen Methode wesentliche Vortheile und Ersparnisse gewährte. Mit Beihülfe Charpentiers wurde diese Methode 1790 in Sachsen eingeführt. Zur Belohnung seiner großen Verdienste wurde er 1782 mit Beibehaltung seiner Stellung zum wirklichen Bergrath ernannt. In späteren Jahren publicirte G. nur mehr wenig wie z. B. „Versuche, das in Dünste aufgelöste Wasser beim Schmelzen statt der Blasbälge anzuwenden“; „Ueber ein künstliches rothes Kupferglas“; „Die Verfertigung einer guten, dauerhaften Farbe aus Galmey“ u. s. w. Diese Aufsätze erschienen in Köhler’s[WS 1] bergmännischem Journal 1789–1791. G. erreichte rüstig und thätig, dabei allgemein geehrt und geschätzt das hohe Alter von 82 Jahren.

Köhler’s Standrede am Grabe Gellert’s. Schlichtegroll, Nekrol. für das J. 1795. II. Bd.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 549. Z. 15 v. u. l.: Christlieb Ehregott. [Bd. 45, S. 667]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Wikipedia: Alexander Wilhelm Köhler (1756–1832)