Über die Benutzung der Kartoffeln zu Branntewein

Textdaten
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Autor: Nicolaus Müller
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Titel: Über die Benutzung der Kartoffeln zu Branntewein
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 5, S. 257–277
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1792
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
s. a. Branntewein aus Erdäpfeln, Miscellaneen (Journal von und für Franken, Band 5, 5)#1, Miscellaneen (Journal von und für Franken, Band 6, 1)#1
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I.
Über die Benutzung der Kartoffeln zu Branntewein.
Ich habe bereits im Monat März durch das Journal von und für Franken (4ten B. 3 Heft S. 392) bey meinen Landsleuten gefragt: „ob sich irgendwo eine nähere Beschreibung von dem Branntewein finde, der aus Kartoffeln, oder wie sie bey uns im gemeinen Leben genennet werden, aus Erdäpfeln bereitet wird.“ Da die Frage über zwey Monate gänzlich unbeantwortet blieb, so habe ich in eben diesem Journal S. 658. des fünften Heftes weitläuftiger zu zeigen gesucht, mit wie vielem Vortheil die Kartoffeln zum Branntewein benutzt werden könnten. Ich spreche aus eigenen vielfältig gemachten Erfahrungen, welches bey vielen unserer heutigen ökonomischen Schriftsteller der Fall nicht seyn soll, und kann daher meiner Angaben desto gewisser seyn. So häufig dieses| Journal in allen Fränkischen Kreislanden, besonders im Hochstifte Wirzburg gelesen wird; so hat doch meine nähere Erklärung noch Niemand Veranlassung gegeben, seine hierüber erlangten Kenntnisse mitzutheilen. Es scheint, als ob diejenigen, die sich dieser Vortheile bedienen, mit ihren sich erworbenen Kenntnissen zurückhaltend wären. Die mehresten Leser des Journals sind vielleicht auch Leute, die sich mit diesem Zweige der Oekonomie nicht befassen, und die gelehrten Herren Correspondenten des Journals übersahen wohl gar die Frage, oder müssen sich erst hin und her nach Antwort erkundigen.

 Indem ich auf diese Antworten harrte, kam mir erst vor einigen Tagen die Abhandlung Herrn Karl Wilhelm Fiedlers, die zu Erfurt bey Keyser 1792 gedruckt erschien, in die Hände, welche er der Kurfürstl. Akademie der Wissenschaften zu Erfurt vorgelesen hat. Sie handelt von der Art aus Kürbissen und Kartoffeln Branntewein zu brennen, und enthält zugleich Beschreibungen und Zeichnungen von Quetschmaschinen und Mühlen.

 Da mein Verfahren von jenem des Herrn Fiedlers ziemlich verschieden, und wie ich mir schmeichle, erweislich vortheilhafter und bequemer| ist; meine Angaben auch vor jenen dieses zum voraus haben, daß sie nicht ins Große gehen, sondern dieses Geschäfft von geringen Leuten mit gutem Erfolg getrieben werden kann, so eile ich, meinen Landsleuten die Eröffnung einer nützlichen Industrie, nach meinem geringen Ermessen, vorzutragen, und achte mich für belohnt genug, wenn ich irgend einem und dem andern dadurch einen Fingerzeig zu geben im Stande war, seinen Wohlstand zu verbessern. Vielleicht reizt meine Bekanntmachung auch das geübte Nachdenken einsichtsvoller Oekonomen, durch Zusätze und Verbesserungen meine Verfahrungsweise immer mehr zu vereinfachen oder zu veredeln.


Erster Abschnitt.
Darstellung des wahren Nutzens einer Brannteweinbrennerey aus Kartoffeln.
 Aus meiner eigenen vielfältig gemachten Erfahrung kann ich jedem versichern, daß man aus acht Wirzburger Malter einen Eimer oder aus einer Metze eine Maaß Branntewein gewinnen kann, der von dem aus Weinhefen schwer zu unterscheiden, und gewiß mit dem aus Getraid, Zwetschgen, oder von Trestern gewonnenen von gleicher Güte ist. Auf einen| Eimer ist ungefähr so viel geschrotenen Gerstenmalzes erforderlich, als bey dem höchsten Preis der Gerste für 2 fl 30 kr. geschafft werden kann. Da beym Holz, nach der Lage der Ortschaften, die Preise sehr verschieden sind, so läßt sich hier nichts ganz genau bestimmen. So viel ist aber gewiß, daß man nicht mehr als ein Wirzburgisches Klafter zu 2 Eimer braucht. Würden aber gar die Brennzenge so eingerichtet, wie ich unten Vorschläge dazu thun und Beschreibungen davon liefern will; so wird man wohl zu 3 Eimer und noch mehrern nicht mehr als eine Klafter bedürfen. An manchen Orten wären auch wohl Steinkohlen mit Vortheil zu gebrauchen. Schläget man aber auch das Klafter zu 5 fl 30 kr. an, und braucht, dem angenommenen bewährten Maaßstabe zu Folge, zu einem Eimer nur die Hälfte; so ist auch hier der Aufwand nicht größer, als 2 fl. 30 kr. Den Wehrt der Kartoffeln selbst will ich nicht ansetzen. Man braucht sie an den allermeisten Orten zu weiter nichts, als zur Hornvieh- oder Schweinsmastung. Dazu sind sie noch eben so brauchbar, wenn der Branntewein daraus gewonnen ist. Ja was noch mehr ist, in diesem Falle brauchen sie alsdenn nicht erst mit einem Aufwand von Holz gekocht zu werden, und| sind durch das beygemischte Malz zur Fütterung noch mehr gebessert. Mit Kleyen, geschnittenem dürren Klee, Getreid-Sud, oder Spreu vermengt sind sie ein vortreffliches Futter.

 Diesemnach käme also ein ganzer Eimer Branntewein

 an erforderlichen Malz  2 fl. 30 kr.
   Holz  2 fl. 30 kr.
5 fl. 

 Der Mittelpreis dieses Brannteweins ist immer 22 bis 26 fl. also die Maaß 20-24 kr. Solchemnach bleibt für die aufgewandte Mühe allezeit ein reiner Profit von 17-21 fl. Rhein. Allerdings ein ansehnlicher Erwerb, indem der Arbeit beym Brannteweinbrennen so ungemein viel nicht ist. Eine einzige Magd versieht die Brennerey und behält dabey immer noch Zeit genug übrig das Vieh zu füttern und auch andere Hausarbeit zu thun, wohl gar bisweilen halbe Tage mit in die Feldarbeit zu gehen.

 Im Winter, wo der Häckersmann im Felde wenig arbeiten kann, würde eine solche Brennerey von ihm mit Vortheil betrieben werden können. In Gegenden, wo das Holz| wohlfeil ist, und der Wein, wegen der Theure, selten genossen wird; wo Kartoffeln die Menge gebaut werden, und die Leute beym Genuß des Biers ohnedem häufig Branntewein trinken: würde ein solches Geschäfft noch ungleich vortheilhafter [ge]trieben werden können. Ich meine hier die Gegenden des Steigerwaldes, der Rhöne, des Speßhardts, des Odenwaldes.
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 Dabey ist nicht zu vergessen, daß die Einwendung: dieser Branntewein habe einen wildernden Geschmack; nur allein von Leuten gemacht wird, die den Kartoffeln abhold sind, oder es nicht gleich erfahren, wie die Manipulation beym Brannteweinbrennen aus Kartoffeln geschehen muß, oder die, weil die Zuthaten zu einer Sache nicht selten und nicht theuer sind, das Ganze deßwegen sogleich herabzuwürdigen suchen. Ich habe bereits an vielen hunderten, worunter ächte Kenner des Brannteweins waren, den Versuch gemacht; sie genossen ihn alle, wenn nicht für Weinhefen- doch für vortrefflichen Fruchtbranntewein. Nur meine Offenherzigkeit verursachte, daß manche nach Verlauf einiger Zeit und in dem Verfolge des Gesprächs erst fanden: der Branntewein müsse wohl einen wildernden Geschmack haben; was doch in der That nicht| ist, wenn man nur meine weiter unten zu ertheilenden Vorschriften genau beobachten will.

 Ein anderer Vortheil erwächst dadurch, wenn, wie ich gar nicht zweifle, das Brannteweinbrennen aus Kartoffeln in Gang kommt, daß eine große Ersparniß des Getraids eintritt. Hier bin ich mit Herrn Fiedler einer Meinung, daß man auf alle Wege und Weise suchen müsse, weil einmal der Branntewein ein nothwendiges Übel geworden ist, ein anderes Ingrediens als Getraid auszufinden, woraus er in Ermanglung der Weinhefen, Trester und des Obstes gewonnen werden könne. Denn jedem Menschenfreunde muß es immer vorgestecktes Ziel seiner Bemühungen seyn und bleiben, die unentbehrlichen Bedürfnisse zur Nahrung der Menschheit im äusserst billigen Preise zu erhalten.

 So bald wir in unserm Fränkischen Vaterlande lernen werden, unsere selbst gebauten Kartoffeln zu Branntewein zu benutzen, werden wir unsere Landes-Erzeugnisse auch von dieser Seite gehörig verarbeiten; und künftig, bey gleicher Güte des Kartoffelbrannteweins, nicht mehr nöthig haben, unser baares Geld für Fruchtbranntewein nach Nordhausen zu schicken. Wenigstens ersparen| wir die Fracht, wenn wir auch, beym Überfluß an Getraide, weiter nichts könnten, als gleiche Preise mit den Nordhäusern halten. Häckersleute, die sich mit schweren Kosten einen Brannteweinzeng angeschafft haben, können denselben in Jahren, wo Obst und Trauben mißrathen sind, und das Getraid in hohem Preise stehet, beynahe gar nicht brauchen. Er stehet oft 4-5 Jahre müssig, und harret der Zeit, wo man ihn vielleicht wieder benutzen kann. – Kartoffeln wachsen jedes Jahr; somit wird auch in Mißjahren der Häckersmann durch meine gethanenen geringen Vorschläge Gelegenheit finden, sich etwas zu seinem weitern Fortkommen zu verdienen. Man wird es vielleicht auch erwarten, daß ich mich über den Anbau der Kartoffeln erklären möge; Herr Fiedler hat es in seiner Abhandlung gethan. Er hat sich die vorzüglichsten Arten derselbigen namhaft zu machen bemühet, und berührte sogar das Häufeln etc. da ich ihm hier gern die nähere Auseinandersetzung erlassen und in dem eigentlichen Benutzen der Kartoffeln zu Branntewein weitläuftiger gewünscht hätte. Indessen ist so viel gewiß: die Anpflanzung dieser Frucht hat allenthalben eine gute Aufnahme gefunden. Auch Herr Becker| ging in seinem beliebten Noth- und Hülfsbüchlein darüber kurz hinweg, um sich nicht bey allgemein bekannten Dingen zu verweilen. Ich fand unter den verschiedenen Gattungen der Kartoffeln keinen solchen Unterschied, wie Herr Fiedler. Nach meinen Erfahrungen war eine so dienlich, als die andere. Da man nun im Hochstifte Wirzburg sich seit einiger Zeit vorzüglich damit beschäfftiget, öde Plätze und Gemeinheiten urbar zu machen, sie zu Getraid, Wurzelwerk und besonders Kartoffeln zu benutzen; so haben Vorsteher von Gemeinden die schönsten Gelegenheiten von der Welt sich verdient zu machen. Man lese einen ähnlichen Vorgang in des Journals von und für Franken 3 Bandes 5ten Heft S. 640. Ich habe dort schon zum Erdäpfelbau, als zu meinem vorgesteckten Ziele, vor mehreren Jahren gearbeitet; und es thut mir weh, daß ich hier und da noch so manchen leeren Platz, so manche bloß mit Dornen und Disteln angefüllte Wüstung sehen muß, die längst besser hätte benutzt werden können. Sie ist es nicht; denn es fehlt entweder an einem Vortrag, der Eingang findet; oder es fehlt Gemeingeist und Eintracht unter den Gemeindgliedern. Gott gebe, daß die neue Art, die Kartoffeln zu benutzen,| Veranlassung werden möge, um auch alle noch übrigen Wüstungen umzuschaffen. Der Bau derselbigen schlägt beynahe alle Jahre ein, und wenn er nun mit mehrerer Thätigkeit unter dem Häckerstande befördert wird, so braucht dieser seine Brennzeuge nicht mehr, wie seither oft der Fall war, 4–5 Jahre müßig stehen zu lassen, und des daher entspringenden Erwerbes zu entbehren. Erwähnte Vortheile, genau erwogen, trieben mich an, aus dem Winkel, wo ich wohne, einmahl als Schriftsteller mit meinen Landsleuten zu reden.


Zweyter Abschnitt.
Von dem Brennzeuge, der Kartoffel-Mühle und andern hiezu nöthigen Geschirre.
 Nach einer gemachten vieljährigen Erfahrung sind die Brennkessel, welche einen Wirzburgischen Eimer in sich enthalten, die allergemächlichsten. Ich weiß wohl, daß grössere, (mit oder ohne Hahnen) und auch kleinere gefunden werden; allein ausser der Gemächlichkeit empfehlen die von mir vorgeschlagenen auch die Leichtigkeit der Anschaffung. Die Kupferschmide der Haupt- und Land-Städte verfertigen dergleichen, besonders wenn man| ihnen die weiter unten vorkommende Zeichnung und Beschreibung vorlegen wird. Das Pfund dieser Arbeit, wozu Kessel, Brennhut, ein oder zwey Röhren erforderlich sind, kostet gewöhnlich 40–45 kr.

 Die Form der Kessel, deren Abbildung ich hier unter Fig. 1. liefere, hat die Eigenheit, daß sie viel Holz ersparen lässet. Das weiß ich nicht nur aus eigener Erfahrung, sondern ich sah sie auch, zum Fruchtbrennen verfertiget, von der Art in Nürnberg und Frankfurt. Überdieses haben auch reisende Handwerkspursche, die mich bey ihren Durchreisen Amtswegen besuchten, nach ihren Erzählungen und Einsichten in die bewährtesten Brannteweinbrennereyen Teutschlands diese Form immer als die vorzüglichste angegeben und gelobt.

 Das Bemerkungswürdigste hievon ist, wie der Buchstabe a bey Figur 1 zeiget, daß hier keine breiten oder flach gearbeiteten Böden sind.

 Zweytens, daß sie auch auf eine ganz besondere Weise eingemauert werden. Vom Feuerheerde wird nämlich 8–10 Zoll hohes Mäurchen aufgeführt; damit, wie der Buchstabe b zeiget, der Kessel ringsherum (der Ort zum Einschüren ist ausgenommen)| darauf ruhe. Ober diesen rund um den Kessel aufgeführten Mauern wird beym Buchstaben c. 4 Zoll Raum oder Freyung gelassen. An die hintere Feuerwand mache man einen Aufsatz d von Backsteinen. In derselbigen lässet man eine Öffnung 4 Zoll breit und 6 lang, (Siehe den Buchstaben f.) rechter Seite des Feuerheerdes von oben; damit sich Feuer und Rauch um den Kessel f. schwinge, und ihn leicht erhitze. Oben an dem Halse des Kessels, auf der linken Seite der aufgestellten Backsteine, lässet man eine Öffnung 4 Zoll in das Gevierte g, damit der Rauch hinaus ziehe. Auf diese Weise gehet keine Hitze verloren, wie bey den gewöhnlichen Brennzeugen, wo der Zug des untergeschürten Feuers sogleich oben wieder hinausgehet. Es versteht sich ohne mein Erinnern, daß die Brennzeuge an recht gute Feuerwände gesetzt werden müssen.
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 Auch die Art der Brennhüte ist verschieden. Gewöhnlich haben sie zwey Saugröhren. Andere geben nur eine. Ich halte die einfachen für die besten: nur darauf hat man bey den einfachen zu sehen, daß sie etwas dicker gemacht werden. Sie dürfen zwey Zoll im Lichten haben. Es ist sehr zu empfehlen, daß das Rohr des Brennhuts, das durch die| Kühltonne zieht, sich ein bis zweymahl schneckenförmig abwärts winde, wie beym Buchstaben i. zu ersehen ist. Durch diese Einrichtung verliert sich der Geist des Brannteweins nicht so häufig und dem Rohre wird größere Abkühlung verschafft. Die zinnernen Röhren sollen den kupfernen vorzuziehen seyn. Bey den schneckenförmigen Röhren beschwert man sich gemeiniglich über die lästige Reinigung derselbigen; dagegen sind folgende Vortheile zu empfehlen. Man thue den Hut aufwärts in das Tonnenrohr, und schütte von der verdünnten Kartoffel-Masse, oder von sonst etwas Flüßigem zu erst hinein und lasse es durchlaufen. Wenn dieses geschehen ist, fahre man mit Eingießung des Wassers so lang fort, bis die Röhre ganz sauber ist. Da das einfache Rohr dicker ist, als die zweyfachen gemacht zu werden pflegen, so kann man auch mit dünnen biegsamen Weiden leicht durchfahren und dasselbige säubern.

 Die Kühl- oder Wasser-Tonne k. darf zu einem eimerigen Brennzeuge nicht weniger als 21/2 Eimer halten.

 Zur Erdäpfelbrennerey, die auf eine bedeutende, aber auch leichte Weise getrieben werden soll, ist auch eine Quetschmühle erforderlich.| Die Abbildung derselbigen stehet unter Figur 2. Sie erfordert zwey runde Steine 11/2 Fuß breit und eben so hoch a) Auf ein hölzernes 4 Fuß hohes Gestell b) werden sie in der Mitte mit eisernen Zapfen vest angebracht; damit sie gegen einander umlaufen können. An den Seiten c) werden zwey Stirnräder d) die besonders ein vestes Holz erfordern, angebracht; diese müssen im Umgehen einander treiben. Oben auf dem Stein d) wird ein Trichter an dem Gestell gesetzt, der so breit, als die Oeffnung der gegen einander laufenden Steine ist. An einem Zapfen, der durch den Stein gehet, wird ein Dreher e) gemacht, durch welchen die Kartoffeln abgemahlen oder abgequetschet werden. An jedem Steine wird unten die Queer ein Messer f) durch Schrauben bevestiget, welches beym Abquetschen die Steine sogleich wieder säubert; die untergesetzte Gelte g) nimmt die gequetschten Erdäpfel auf.

 Man braucht zu einer wohleingerichteten Kartoffelbrennerey noch verschiedene Gefäße. Ich werde sie weiter unten beschreiben.


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Dritter Abschnitt.
Das Verfahren mit den Kartoffeln beym Brennen selbst.
 Ich habe seither bey allen meinen Angaben immer auf einen Brennzeug, der einen Eimer hält, Rücksicht genommen. Zu einem solchen nehme man also 10 Mz. Wirzb. Gemäßes an Erdäpfeln auf einmahl. Ein größerer oder kleinerer Brennzeug fordert nothwendiger Weise ein anderes Verhältniß. Wenn die Erdäpfel mit Wasser rein abgewaschen sind, so werden sie auf viermahl in den Brennkessel gethan. Jedesmahl wird nicht mehr als 3-4 Maaß Wasser zugegossen und der Zeug wohl zugedeckt. Das untergeschürte Feuer erzwingt in dem Kessel einen starken Dampf oder Dunst, der die Kartoffeln alle malzig zerspringen machet. Ist das geschehen, so nimmt man dieselbigen heraus und mahlt sie auf der oben beschriebenen Mühle. In Ermanglung einer Mühle kann man sie auch in einem Trog oder Futterkasten zermalmen. So verfährt man, bis die 10 Metzen auf oben beschriebene Weise zermalmet sind. Die zermalmten Kartoffeln thut man hierauf in eine viereimerige Kufe, oder in ein aufgeschlagen Faß, das in der Brennstube, oder| sonst an einem warmen Orte steht, gießt 11/2 Eimer gelindwarmes reines Wasser, welches man aus der Kühltonne nehmen kann, und so viel als 1/2 oder 3/4 Wirzb. Mezen geschrotenes Gerstenmalz, welches man leicht selbst zurichten kann, darein. Vorher muß das Malz mit ungefähr 16 Maß starkwarmen Wasser abgebrühet werden. Zur Gährung bereitet man dann 1/2 Pfund Bierhefen mit 4 Maaß lauwarmen Wasser. Wenn dieses vorläufig geschehen ist, vermischt man alles wohl, mit der Fig. 3. angezeigten von Holz verfertigten Schaufel und sieht darauf, daß dasselbige wohl gemengt und mit einem Deckel wohl verwahrt werde. Binnen 3. 4. 5 Tagen nach Verhältniß der Wärme machet diese Mischung unter einander eine Gährung. Merkt man nun, daß die zerstossenen Kartoffeln sich zu Grunde gesetzt und die Oberfläche mit einer weiß schimmernden Rinde angewachsen sey, so ist das Ganze zum wirklichen Brennen reif.

 Beym Brennen selbst ist auf folgende Puncte wohl Acht zu haben:

 1) Man menge mit der oben beschriebenen Schaufel die in der Kufe in Gährung übergebrachte Masse wohl unter einander, und| mache den Brennkessel, bis auf einige Maaße, davon voll.

 2) Das Feuer unter dem Kessel mache man nur mittelmäßig und versäume

 3) nicht die in den Kessel gethanene Masse mit der schmalen Schaufel wohl aufzurühren, damit sie nicht anbrenne.

 Wenn der Kessel gehörig erhitzet ist, so setzet man den Brennhut auf den Kessel und stellet ein reines 10mäßiges Geschirr unter die Saugröhre.

 4) Man hat vor allen Dingen darauf zu sehen, daß es in zweyfachen Röhren nicht dicker als ein dünner Strohhalm, in einfachen aber wie ein gedoppelter ablaufe, was durch Stärke oder Schwäche des Feuers leicht zu gewinnen steht. Was ablauft, ist ein Halb-Branntewein oder sogenannte Läuterung; deren kann man gerne 9–10 Maaß gewinnen. Diese Läuterung hat einen guten Geruch und die gehörige Stärke. Man verwahrt sie in einem Fäßlein ungefähr von der Größe eines Eimers. Die gebrannten Erdäpfel werden nun zur Viehfütterung aus dem Kessel sauber ausgeputzet, und dann mit der übrigen Masse auf die eben beschriebene Weise verfahren.

|  Wenn das ganze Geschäfft geendet ist, wird aus dieser Läuterung ein guter Branntewein folgendermassen bereitet. Man thut sie in den rein ausgeputzten Kessel, nebst 3 Loth Anis, 2 oder 3 klein geschnittenen gelben Rüben oder ein Paar Loth Sassafras, um ihm den etwas wildernden Geschmack zu benehmen. Er muß noch langsamer ablaufen, als die Läuterung selbst. Diesemnach werden in 7. 8. 9 Stunden zehen bis zwölf Maaß Branntewein abkommen und 6. 7 Maaß Läuterung übrig bleiben. Beym Abziehen kann man ein Sortiment machen. Der erste, als der Vorschuß, hat eine solche große Kraft und Stärke, daß er kaum zu genießen ist. Der mittlere ist der gute zum Trinken. Der letzte ist etwas schwächer. Unter einander gemischt gleichet er dem Hefen- oder starken Fruchtbranntewein und hält alle Proben aus: z. B. er brennt in der schönsten hellblauen Flamme, bis er sich selbst verzehrt. Gut ist, wenn das Abziehen an einem ganz stillen Tage oder einer stillen heitern Nacht, ohne ziehende Luft geschieht; sonst wird er gerne trüb. Begünstiget von der Witterung gewinnet man auch wohl mehr Branntewein.
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|  Da der Name Kartoffel-Branntewein vielleicht manchem anstößig ist, so wäre es ja leicht ihm einen ausländischen Namen zu geben. Franz Drake machte zuerst die Kartoffeln allgemein bekannt: wie wäre es, wenn man ihn Franz Drakens Magenwasser nennte?

 Durch sorgfältigeres Abziehen und die gehörigen Zusätze könnten aus diesem Branntewein wohl auch Liqueurs gewonnen werden. Meine Absicht geht aber nicht dahin, dergleichen chemische Veredlungen bekannt zu machen, sondern meinen Landsleuten nur eine neue Quelle der Industrie und des Nahrungs-Erwerbs zu eröffnen. Ich übergehe also alles, was hier gesagt werden könnte, mit Stillschweigen.

 Man wird mir vielleicht den Vorwurf machen, daß ich in Beschreibung der Art und Weise, wie man aus Kartoffeln Branntewein machen könne, allzuweitläuftig gewesen sey. Man wird mir Herrn Fiedlers Kürze in dem oben erwähnten Tractat entgegen setzen, und daß jeder, der nur jemahls Hefen- Frucht oder Trester-Branntewein verfertiget habe, dergleichen Handgriffe wohl wisse. Auf diese Einwendungen muß ich antworten: daß ich| nicht nicht nur denen verständlich seyn wollte, die im Brannteweinbrennen bewandert sind, sondern auch denen unter meinen Landsleuten, die davon nie etwas gesehen oder gehört haben.

 Ich darf auch öffentlich versichern, ohne mich einer Ruhmredigkeit schuldig zu machen, daß meine Beschreibung von einem meiner auswärtigen Herren Correspondenten, der als ein Gelehrter von Profession in seinem ganzen Leben sich um Brennereyen nicht bekümmerte, sehr deutlich gefunden wurde. Den Beweis lieferte er dadurch. Er behandelte das ganze Verfahren als ein Geheimniß und machte für sich in der Stille einen Versuch. Der Erfolg war, daß er mir 4 Wochen nach der von mir erhaltenen Beschreibung eine Probe seines mit eigener Hand verfertigten Brannteweins zuschickte, der von allen Kennern für einen der vorzüglichsten Brannteweine gehalten worden ist.

 Dieser geglückte Versuch lässet mich hoffen daß auch andere meiner Landsleute meine Beschreibung des Verfahrens deutlich und richtig finden werden. Sollte wider Vermuthen einer und der andere hier und da noch einen Anstand haben; so erbiete ich mich jedem,| der nähere Aufschlüsse fordert oder sich weitläuftiger erkundigen will, zur nähern Belehrung ohne allen Rückhalt, unentgeltlich bereit.     Markt Wipfeld d. 6ten Jun. 1792.
Nicolaus Müller 
Hochfürstl. Wirzburgischer Schultheiß.