Wilhelm Bauer’s Taucherkammer

Textdaten
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Autor: Friedrich Hofmann
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Titel: Wilhelm Bauer’s Taucherkammer
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 21, S. 331–334
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1862
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Wilhelm Bauer’s Taucherkammer.
Nach schriftlichen und mündlichen Mittheilungen und dem englischen Patent des Erfinders.

Alles Neue, das im Dienste der Menschheit einen Fortschritt erstrebt, hat eine Zeit des Kampfes zu bestehen. Es mag dies in der Natur des Menschengeistes begründet, mag eine weise Einrichtung desselben sein, weil wir gerade im Kampf vieles Tüchtige sich läutern und durch den Kampf groß werden sahen. Zu beklagen war aber von je das Eine, daß namentlich bei Erfindungen, welche eine Umwälzung in vieles Altgewohnte bringen mußten, jener Kampf nicht selten die Lebenszeit der Erfinder überdauerte; sie hatten rastlos und mühevoll gesäet, mußten ihr Saatfeld von Vorurtheil, Eigensinn und Kurzsichtigkeit zerstampft sehen, und erst für spätere Generationen brachen die Halme der Ernte aus dem Boden. Ein Denkmal auf’s Grab war im glücklichsten Falle ihr einziger Lohn.

Die Zeit so langandauernder Kämpfe sollte endlich vorüber sein, die Geschichte unsrer Kultur sollte wenigstens so viel bewirken, daß ihre Lehren den Männern von erprobten Erfindungen selbst zu Gute kommen.

Eine solche erprobte Erfindung ist Wilhelm Bauer’s unterseeische Schifffahrt. Man werfe nicht ein, daß der Gedanke an sie schon lange vor ihm da war und vielfache Versuche dem Bauer’schen vorausgingen: nicht der Gedanke, sondern die technische Ausführung desselben ist die Erfindung, und in ihr steht Wilhelm Bauer einzig da, denn er ist der Erste, welcher das unterseeische Schiff unabhängig machte von der Hülse von oben, welcher im luftdicht verschlossenen Raume sein Fahrzeug in der Tiefe beherrscht, welcher der Submarine eine eigene Seele giebt und das Meer für bedeutende Tiefen frei macht für des Menschen Streben und Forschen, soweit eben Menschenkraft die eigene Macht des Meeres zu bewältigen vermag. Gegen Zweifler und Spötter braucht eine große und kühne Erfindung, nachdem Locomotiven über und unter der Erde dahinbraufen und der Telegraphendraht über Land und Meer geht, keine besondere Rüstung mehr: hat doch selbst ein Thiers noch 1830 die Eisenbahnen, deren erste er in England sah, nur zu kurzen Lustfahrten für ausführbar erklären können. Das Beispiel genügt.

Die jetzt noch unberechenbare Wichtigkeit der Bauer’schen Erfindungen ist aus dem Nachfolgenden wenigstens soweit zu erkennen, daß unser beharrliches Bemühen für die Verbreitung der Kenntniß und für die Ausführung derselben Jedermann als gerechtfertigt erscheinen muß.

Bauer’s erste Erfindung war, wie unseren Lesern aus Nr. 41 des vorigen und aus Nr. 4 dieses Jahrgangs der Gartenl. bekannt ist, der Brandtaucher.[1] Einen solchen erbaute er zuerst in Kiel, wo er, nach zehn kleinen gelungenen Probefahrten, bei der elften den bekannten Untergang erlebte; mit einem zweiten, auf Kosten der russischen Regierung erbauten, machte Bauer 134 Fahrten. Dieser Brandtaucher ist noch im Besitz der russischen Regierung.

Die Erfahrungen, welche Bauer mit seinen Brandtauchern gemacht hatte, leiteten ihn bei der Ausführung der Taucherkammer. Blieben nämlich auch alle Mittel zur Beherrschung des Fahrzeugs dieselben, so mußte doch die ganze Gestalt eine andere werden. Die Aufgabe des Brandtauchers war es, unterm Wasser seinen Feind auf dem Wasser aufzusuchen und sich ihm, oft weit in die See hinaus, unbemerkt zu nähern; dazu war möglichst rasche Vorwärtsbewegung ein Haupterforderniß, und deshalb mußte dieses submarine Fahrzeug die langgestreckte Gestalt eines Seehunds annehmen. Die Taucherkammer stellt sich andere Aufgaben, die als ihr Haupterforderniß möglichst bestimmte Lenksamkeit bedingen; sie muß auf ganz kurze Entfernungen von wenigen Fußen, ja Zollen, seitlich sicher bewegt werden können und darf, weil ihr nächster Beruf, zum Schiffheben, sie oft zu Schiffskörpern mit lose herumhängendem Tauwerk führt, möglichst wenig Anlaß zur Verstrickung in dasselbe bieten. Endlich soll die Taucherkammer bis zu Tiefen von 500 Fuß vordringen, muß also einem ungeheueren Wasserdruck Widerstand leisten können. Dies Alles bewog unsern W. Bauer, [332] für diesen Arbeits- und Forschungstaucher die Cylindergestalt vorzuziehen.

Unsere Abbildung zeigt uns die Taucherkammer zwei Mal, das eine Mal, wie sie zur Schiffhebung, sowie zu Bau- und Kriegszwecken verwendet wird, das andere Mal in ihrer Ausrüstung zu Perlen-, Korallen- etc. Fischerei, sowie für Zwecke der Naturforschung. Die Taucherkammer selbst bleibt aber in ihrer innern und äußern Construction dieselbe. – Wir sehen sie, für beiderlei Anwendung, gebaut aus starken Eisenplatten, die im Innern von hohen Rippen unterstützt werden, um sie zum Widerstand gegen den Druck einer Wassersäule von 500 und mehr Fuß zu befähigen. Auch hier kann durch Hähne Wasser in Wassercylinder eingelassen, durch Forcepumpen wieder ausgepreßt und dadurch nach dem Willen des Führers erzwungen werden, daß der Apparat, ganz nach dem jeweiligen Erforderniß, sinke, steige oder auf der Stelle verharre. Die Fortbewegung desselben wird je nach Bedarf durch comprimirte Luft, welche auf Pistons in Treibcylindern, oder durch Menschenkraft, die auf Schraubenpropeller wirkt, erzeugt, und die Steuerung in beliebiger Geschwindigkeit, sowie die Drehung der Taucherkamer um die durch ihre Cylinderform gedachte Achse durch die kleine Steuerschraube erreicht, welche zur Seite der großen Propellerschraube angebracht ist. Die Beobachtung der Gegenstände außerhalb des Apparats, sowie die Beleuchtung nach innen ist durch 6 Zoll dicke Krystallgläser in entsprechender Anzahl nach allen Richtungen geboten. Für den Fall, daß der Apparat nöthig hätte, möglichst eilig die Höhe zu suchen und das Niveau zu gewinnen, befindet sich am untern Verschluß ein von drehbaren Haken getragener Ballast, der sofort abgeworfen werden kann. Die Einsteigluke ist im obern Deckel angebracht.

Sehen wir somit den gesammten Mechanismus des Taucherschiffs oder Brandtauchers in der Taucherkammer auf engstem Raume (12 Fuß Höhe zu 9 Fuß Durchmesser) vereinigt und sind wir zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Kraft, welche bei fast anderthalbhundert unterseeischen Fahrten allen Anforderungen entsprach, auch hier dasselbe leisten werde, so stellten die verschiedenen neuen Zwecke dieses submarinen Apparats auch für die Technik neue Aufgaben, die ihre Lösung verlangten. Wir geben Aufgabe und Lösung bei den einzelnen Verwendungsweisen der Taucherkammer.

Anwendung der Taucherkammer zur Schiffhebung. Dem Taucher ist ein gesunkenes Schiff angezeigt, er fährt mittelst der Taucherkammer in die Tiefe und hat es gefunden. In Tiefen, in welchen der Taucher noch unterm Taucherhelm aushält, also höchstens bis 100 Fuß, ließen sich, wie am Brandtaucher, mittelst eines Guttapertschaarms außerhalb des Apparats Arbeiten bis auf eine Entfernung von Menschenarmlänge verrichten. Da aber die Taucherkammer auch für Tiefen bestimmt ist, in welchen der Druck der Wasserlast die Anbringung eines solchen Armes ebenso unthunlich, als den Gebrauch der Hand unmöglich macht, so mußte W. Bauer die Eisenwände seines Fahrzeugs nach allen Seiten hermetisch geschlossen halten und, da von dem Apparat aus gleichwohl alle Arbeiten des Tauchers an dem gesunkenen Schiff verrichtet werden müssen, sich eine künstliche Hand von Eisen schaffen, d. h. durch technische Mittel die Stelle der Handarbeit ersetzen. Obwohl wir in unserer Abbildung die Taucherkammer nicht auch in ihrer Thätigkeit bei der Schiffhebung dargestellt haben (wir beziehen uns für diese Verrichtung derselben auf unsern Holzschnitt zum Artikel „Die unterseeischen Kameele“, S. 60, Nr. 4 dieses Jahrgangs der Gartenlaube, wo die Taucherkammer, freilich etwas zu klein und ein wenig undeutlich, gegeben ist), so wird doch unseren Lesern die sinnige technische Vorrichtung, durch welche Bauer seine Ausgabe löste, mit wenigen Worten anschaulich zu machen sein. An der Taucherkammer auf der rechten Seite unseres Bildes sehen wir aus der Wand zwei eiserne Lappen hervorstehen, welche seitlich durchlöchert sind. Durch diese Löcher kann von innen mittelst einer Kurbel ein Zahnschlüssel geführt werden, wodurch alsdann jeder zwischen die Lappen gesteckte Gegenstand an den Apparat befestigt ist. Soll nun z. B. ein Querarm in ein Fenster des zu hebenden Schiffs eingeschoben werden, um später den Hebeballon daran zu befestigen, so nimmt die Taucherkammer denselben am Niveau in diese Vorrichtung auf und fährt mit ihm in die Tiefe, stößt ihn hier in ein Fenster hinein, läßt ihn dann durch Zurückdrehen des Zahnschlüssels los, und der Querarm wird in der Regel sperrend im Fenster oder in der Luke liegen, wo er eingebracht worden ist. Hierauf steigt die Taucherkammer wieder an die Oberfläche der See oder des Sees oder Stromes, nimmt hier ebenso den Haken oder Ring, an welchen das Hebekameel mit dem mit der Luftpumpe auf dem Hülfsdampfer in Verbindung stehenden Schlauch befestigt ist, zwischen die erwähnten Lappen, hält ihn durch Vordrehen des Zahnschlüssels fest und fährt in die Tiefe, um ihn dem eingebrachten Querarm anzuhängen; sobald dies gelungen ist, giebt der Führer durch einen Telegraphendraht die Ordre zum Pumpen und hebt durch Zurückdrehen des Zahnschlüssels die Verbindung des Hebeballons mit der Taucherkammer wieder auf. Ist der Ballon gefüllt, so wird der Schlauch ausgezogen, der Apparat steigt an’s Niveau, nimmt einen andern Hebeballon mit dem Schlauche in seine Eisenhand und fährt auf diese Weise fort, bis durch die Zahl der Ballons die Kraft erreicht ist, welche das gesunkene Schiff emporzieht.

An Schiffen, welche weder Fenster noch Kanonenluken zur Einführung von Querarmen haben, müssen Haltepunkte für die Ballons hergestellt werden. Um diese Aufgabe zu lösen, gab Bauer der Taucherkammer mehrere lange Stopfbüchsen, in deren Bohrung von innen heraus ein Stahldorn beweglich ist, an welchen von innen mittelst großer Charnierhämmer geschlagen werden kann. Weil aber in diese Stopfbüchse von außen ein entsprechender Dorn oder Meißel eingesetzt ist, so treibt jeder Schlag auf den innern Dorn den äußern hinaus, und weil sich die Taucherkammer an der gewählten Stelle bei dem auf dem Grunde liegenden Schiffe ebenfalls auf den Grund setzt, so treibt sich ganz einfach dieser Dorn in die Schiffswand hinein, und so stellt man an jeder beliebigen Stelle des Schiffs die nothwendigen Angriffspunkte für die Ballons her. Die Lappen mit dem Zahnschlüssel sind übrigens noch für viele andere nöthige Werkzeuge, als Zangen, Haken, Sperren, Teufelsklauen etc. zu gebrauchen, sie repräsentiren in jeder Weise die Hand des Apparats.

Anwendung der Taucherkammer zu Bauzwecken. Hier treffen wir diese Eisenhand gleich in einer neuen Thätigkeit. Sollen submarine Bauten, wie Mauern, Wellenbrecher etc., von großen Tiefen bis zum Niveau aufgeführt werden, so tragen diese Lappen mit dem Zahnschlüssel das Baumaterial an die angewiesene Stelle. Unser Bild zeigt uns die Taucherkammer, wie sie einen Stein zum Bau führt. Getragen wird der Stein von einer hohlen, mit Luft gefüllten Metallkugel von entsprechender Größe; die Tragkraft dieser Kugel wird, je nach der Schwere des Steins oder sonstigen Baumaterials, geregelt durch Einlassen oder Auspressen von Wasser. Sobald die Kugel den Stein unterm Wasser trägt, so übernimmt die Taucherkammer das Ganze, um es nach dem Plan des Baumeisters zu verwenden. Da aber dabei ein erhöhter Widerstand zu überwinden, der Stein mit Gewalt an der tragenden Kugel niederzuführen ist, so muß hierbei als Motor für die Schraube comprimirte Luft angewendet werden, weil Menschenkraft allein dazu nicht ausreichen würde und andere Naturkräfte, wie z. B. elektromagnetische, noch nicht anwendbar sind. Eine Zahnstange mit Triebwerk macht es der Taucherkammer möglich, die betreffenden Baustücke sehr genau aneinander zu fügen. So wird durch die Taucherkammer ein ganz anderes submarines Bauen möglich, als es bis jetzt unter dem beschränkten Raum der Taucherglocke oder durch die von jeder Seebewegung abhängigen Helmtaucher geleistet werden konnte.

Anwendung der Taucherkammer zur Perl-, Korallen- und Goldfischerei, sowie für Zwecke der Naturforschung. Wir kommen jetzt zum andern Bilde unsers Apparates, der mit einer Art von Rädern ausgerüstet ist. Zu der eben bezeichneten Anwendung desselben ist ein fortwährendes Dahinwandeln auf dem Meeresgrunde erforderlich. Da aber dieser Grund oft sehr uneben ist, oft plötzlich an schroffe Abgründe und eben so oft an steile Felswände führt, so hat Bauer jenen Rädern mit Flügeln eine solche Einrichtung gegeben, daß er durch sie alle Bewegungen seiner Taucherkammer beherrscht. Zum Fortschreiten auf dem Grunde benutzt er die gerieften Radreifen, und weil der Apparat immer nahezu specifisch schwer erhalten bleibt, so dienen die Flügel, welche sich um ihre Radspeichen selbst drehen und durch einen Spurgang so selbst steuern, daß immer nur drei derselben auf das Wasser drücken, während alle übrigen sich durch das Wasserschneiden, auch zum Fortbewegen in der schwebenden Lage, zum Sinken, Steigen, Rückwärts- und Vorwärtsfahren, sobald der Spurgang durch ein Zahnrad versetzt wird, wozu nur eine Kurbel nach jedem Rade greift und von innen gehandhabt wird.

Soll nun die Taucherkammer arbeiten, d. h. Gegenstände (Perlen,

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Die Gartenlaube (1862) b 333.jpg

Anwendung zur Perlen- etc. Fischerei.  Bauer’s Taucherkammer.  Anwendung zu Bauzwecken.

[334] Pflanzen und auch kleine Thiere) vom Meeresgrunde aufheben und im Apparate bergen, so ist zu diesem Behufe an der Außenwand eine Trogzange so angebracht, daß, wenn die sie regierende Kurbel im Innern in Bewegung gesetzt wird, eine Schraube sammt der Trogzange sich zum Grunde hinabsenkt. Der Apparat fährt nun auf dem Boden hin und nimmt die betreffenden Gegenstände, Muscheln etc. ein. Hierauf schließt die Kurbel den Deckel und ergreift so die gesuchten Gegenstände, worauf durch die Zurückbewegung der Kurbel die Trogzange sich wieder erhebt bis zu ihrer Ausgangsstelle. Hier tritt, durch eine Schraube im Innern geführt, ein Schubladen aus der Hülle der Taucherkammer hinaus, die Trogzange öffnet sich, entleert ihren Inhalt in die Schublade (wie unser Bild es darstellt), und nachdem diese wieder zurückgezogen ist, beginnt dieselbe Arbeit von Neuem. Es ist einleuchtend, daß auf diese Weise in der Perlenfischerei allein binnen 6–8 Stunden mehr gefördert werden kann, als mit der bisherigen Methode in eben so viel Tagen oder gar Wochen. – Für naturwissenschaftliche Arbeiten sind wieder andere Werkzeuge, als Zangen, Schaufeln, Draht- und Glaskörbe nöthig, um Pflanzen, Thiere und sonst transportable Gegenstände möglichst unbeschädigt vom Boden zu trennen und an das Niveau zu tragen. Eine eingehende Beschreibung derselben und ihrer Anwendung müssen wir hier unterlassen; es kann sich Jeder selbst leicht ein Bild davon machen, wenn ihm die Einfachheit der Handhabung der hier beschriebenen Instrumente klar geworden ist.

Schließlich kann die Taucherkammer auch zu Kriegszwecken verwendet werden. Wie sie bedeutend schwere Lasten von Steinen in der Tiefe regiert, eben so kann sie auch Petarden tragen, die mit 500 bis 1000 Pfd. Pulver und Bomben gefüllt und so ausgerüstet sind, daß sie mittelst einer Art Fuchsfallen oder durch pneumatische Sauger an den feindlichen Fahrzeugen, Hafenthoren und dergl. befestigt und auf elektrogalvanischem Wege oder durch Percussions- oder Zeitzünder entzündet werden. „Daß gegen die Wirkung von 500–1000 Pfd. Pulver und 5–12 Bomben (so schreibt der auch im Artilleriefache gründlichst erfahrene Erfinder) keine durch Menschenhände zusammengefügten Bauten zu stehen vermögen, dürfte Jedermann außer Zweifel sein. Aber auch angenommen, es widerstände eine noch zu erfindende Eisenwandstärke einem solchen Stoß, so ist doch klar, daß der plötzliche Ruck auf eine Wasserhose von 200 Fuß Höhe das Schiff, die Armirung und die Mannschaft dermaßen durcheinander werfen müßte, daß kaum noch ein lebendes Wesen sich auf demselben erhalten dürfte, abgesehen von der Wirkung des nun aus solcher Höhe herabstürzenden riesigen Wasserstrahls. – Zunächst wünschte ich jedoch die industrielle Ausbeute dieser unterseeischen Fahrzeuge gefördert zu sehen, denn dann werden unsere Küstenstaats-Regierungen sicherlich Gelegenheit nehmen, zu ermitteln, ob und wie weit sie es in ihren staatlichen Interessen finden, solche hyponautische Apparate für Kriegszwecke besonders construiren und ausführen zu lassen, da diese industriellen Taucherkammern ihrer cylindrischen Form wegen eben nur zur Vertheidigung von Küsten und Häfen, keineswegs aber zum Verfolgen des Feindes und zu entfernteren Angriffen auf denselben geeignet sind.“

Ueber die Anwendung und technische Ausrüstung der Taucherkammer zur Untersuchung und Reparatur der unterseeischen Telegraphenkabel will Herr W. Bauer selbst der Gartenlaube einen besondern Artikel liefern, in welchem er dann zugleich eine zweckmäßige Art der Legung dieser Kabel entwickeln und auf seinen in England patentirten Kabelcutter Bezug nehmen wird.

Auch diesen Artikel können wir nicht schließen, ohne unsere Leser und die gesammte deutsche Nation dringend zu mahnen, sich an den Sammlungen von Beisteuern zur Ausführung dieser großartigsten Erfindung der Gegenwart ebenso rege als rasch zu betheiligen, damit unserem Vaterlande die Ehre wie die Beute derselben nicht abermals vom Auslande entrissen werde.

Fr. Hofmann.



  1. Fachmänner und Techniker, welche eine eingehendere Beschreibung desselben suchen, finden diese in einer Broschüre von L. Hauff, „Die unterseeische Schiffsahrt etc.“ (Bamberg, Büchner 1859) und in Payne’s Panorama des Wissens und der Gewerbe, wo ich ihr (Bd. I. S. 207 u. S. 369) zwei durch einen Stahlstich illustrirte Artikel widmete. Bei der geringen Verbreitung beider Werke mußte mein damaliger Aufruf für Bauer und seine Erfindung nutzlos verhallen.