Textdaten
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Autor: Karl von Holtei
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Titel: Von unserem alten Holtei
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aus: Die Gartenlaube, Heft 47, S. 765
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[765] Von unserem alten Holtei gehen uns nachstehende Zeilen zur Veröffentlichung zu. Nicht ohne im Innersten ergriffen zu sein, leisten wir der Bitte des trefflichen Veteranen deutscher Dichtung Folge, indem wir seine Worte hier mittheilen. Sie lauten:

„‚Die Kränze, die Du siehst, sind lauter Trauerzeichen
Erblichner Freuden, die den Freuden nach-erbleichen.
Für jede Lust, die starb, zum Denkmal einen Kranz
Hab’ ich geflochten, und umkränzt bin ich nun ganz.
Hier hängt der Freundschaft Laub, und hier der Liebe Flitter,
Und hier das Vaterglück, gemäht vom dunklen Schnitter.
Hier welkt die Jugend, hier der Ruhm, und hier daneben
Ist eine Stelle noch für diesen Rest von Leben.
Wer nach mir übrig bleibt, wenn ich geschieden bin,
Häng’ einen letzten Kranz aus dunklen Blumen hin.
Und wenn ein Gast besucht die leere Siedelei,
Ihr welken Kränze sagt: So geht die Welt vorbei!‘

Laß’ ich das eine Wort ‚Ruhm‘ als auf mich nicht anwendbar weg, und vertausch’ ich’s mit irgend einem auf meine geringe Bedeutung passenden Ausdrucke, dann bilden obige Verse unseres großen Friedrich Rückert den zweckmäßigsten Eingang zu nachstehender Bitte, womit ich Abschied zu nehmen denke von Allen, die mich seit langen Jahren durch schriftliche Grüße beglückten, und denen ich bisher immer noch, wenn schon sehr unregelmäßig, mit alljährlich matter werdender Hand, schriftlich zu danken liebte. Auch dieser letzten Lebensfreude muß ich nun entsagen. Denn ich darf nicht fernerhin empfangen wollen, nachdem ich unfähig geworden, zu geben. Wie viel ich dadurch verliere, ahnen wahrscheinlich diejenigen kaum, deren nachsichtige Huld mir unerschütterlich treu geblieben war. Weder Zeit, noch Raum, noch meine Versäumnisse konnten ihre Geduld erschöpfen.

Von nun an darf ich aber nichts mehr in Anspruch nehmen, als gütige Verzeihung. Der düstere Novembermonat ist so recht geeignet, diese letzte Bitte auszusprechen. Wird sie mir gewährt, dann will ich entsagend des ‚dunklen Schnitters‘ harren, der jeden Zweifel friedlich löset, der jeden Groll versöhnt.

Wer mich ein Bischen lieb gehabt, gönne mir dann auch ein Blümchen zu jenem ‚letzten Kranze für die leere Siedelei‘!

Breslau, im November 1874.

Holtei.

Vorstehendem Lebewohl an Freunde hab’ ich eine höchst prosaische Nachschrift, an Fremde gerichtet, beizufügen.

Mir sind die verflossenen Jahre kümmerlich-kränkelnden Daseins mannigfach noch verbittert worden durch Zusendung verschiedenartigster Manuscripte, zu welchen ich den mir – so wie Andern – unbekannten Verfassern und (!!!) Verfasserinnen Verleger gewinnen, und über welche ich kritische Urtheile abgeben sollte. Beides vermochte ich nicht.

Solche Erzeugnisse waren sodann sorgsam wieder einzupacken, der Sicherheit wegen recommandirt auf die Post zu befördern und machten mir förmliche Sorge. Diese Quälereien, mitunter auch von zudringlichsten Ansprüchen begleitet, gingen bisweilen über eines kranken Greises Kräfte und haben endlich, je älter und kränker ich wurde, nur immer mehr zugenommen. Weshalb ich gerade dazu ausersehen schien, bleibt mir unbegreiflich.

Ich sehe mich gezwungen zu erklären: daß ich derlei Frohndienste nicht weiter verrichten, sondern sämmtliche, mir auf diese Weise über den Hals geschickten Packete uneröffnet zurückweisen werde.

H.“