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Topographia Superioris Saxoniae: Wittenberg

Topographia Germaniae
Wittenberg
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 193–198.
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[T60]
Wittenberg

A. Das Schloß. B. Mühlen. C. Elbe thor. D. Rahthause. E. Pfarrkirche. F. Collegium. G. Collegium Augusti. H. Elbe brücken. I. Vorstatt. K. Elbe fluß. L. Fischer Vorstatt. M. Vorstatt gegen Osten.

[193]
Wittenberg.

Diß ist die Haupt-Statt in Chur-Sachsen / oder im Chur-Creysse / an der Elb / 8. Meylen von Leipzig / vnd 11. von Magdeburg gelegen / welche Dreslerus in seinem Stättbuch / vom 602. biß auffs 618. Blat / Bertius lib. 3. Rer. German. p. 717. Ens in Deliciis apodem. p. 275. Peccensteinius part. 2. Theat. Saxon. fol. 34. vnnd part. 3. fol. 149. seqq. vnnd andere mehr / beschrieben haben: daher wir desto kurtzer hindurch gehen / aber was sie nicht haben / etwas weitleufftigers vermelden wollen. Woher dieser Statt der Nahmen kommen / seynd die Gelehrte nicht einer Meinung. Theils wollen ihn von dem Grossen Wittekind / der Sachsen Heerführer / so viel Jahr lang mit den Francken / vnd dem Keyser Carlen dem Grossen / Krieg geführt / herbringen / als ob er dieses Orths Erbawer gewesen. Andere sagen / daß seyn Sohn / Witekind der Jünger / diß Witteberg erbawet / vnnd demselben solchen Nahmen gegeben habe. Die dritten vermeinen / daß Witteberg so viel als Albus Mons, der Wisse / oder Weisse Berg heisse / so / wie Taubmannus in Hercule Academico darfür helt / gegen Mitternacht gelegen / da jetzt die Weinberge seyn: vor Alters aber nur ein Sandhauffen / oder ein blosses vngebautes Erdrich daselbsten zu sehen gewesen ist: wie dann vnder dem Ersten Rectore der Hohen Schul allhie / der Burgermeister / Tylo Dehnae, sich Albiorensem, das ist / in albo monte Consulem, in die Matricul, oder Album Academiae, einschreiben lassen; wie hergegen etliche Rectores dieser Hohen Schul / sich nicht Wittenbergenses, sondern Wittenburgenses, von deß gedachten Wittekindi Burg / oder Schloß / an diesem Orth / geschrieben haben. Vnd dann / so wollen die Vierdten / daß die Juden / die etwan (gleich wie auch theils Wenden /) hierumb gewohnt / diesem Orth den Berg Libanum, vnnd das nechste Dorff vber der Elb / Pratan, oder vielmehr Ephratam, genant haben / vnnd daß Libanus in seiner eygenen vnd vrsprünglichen Sprach so viel als weiß / albus, oder candidus, heisse. Von welchem viererley Meynungen aber einem jeden frey zu vrtheylen hiemit vnbenommen seyn soll.

[194] Es liegt Wittenberg in einer schönen Ebne / ausser daß / wie obgemeldt / auff der Mitternacht seyten Berglein seyn / auff welchen Wein gepflantzet wird. Das auch obgedachte / vnnd berühmbte Wasser / die Elb / ist zwar / vor diesem / beym Schloß-Thor / nahend an der Statt her geloffen; aber hat sich bald von der Statt hinweg begeben / also / daß die Brucken / so Churfürst Friederich der Dritte von Holtz erbauet hat / einen ziemblichen Weg von derselben gelegen war. Nunmehr aber hat es alles ein andere Gestalt / bey dem jetzigen Kriegswesen / allhie / wie berichtet wird / bekommmen / vnnd hat man die Elb also geleytet / daß sie der Zeit gleich an der Statt herlaufft / vnnd dieselbe desto vester machet. Dann dieser Orth die nächste Jahr gewaltig befestiget worden / daß er wol für eine Haupt-Vestung zu halten seyn solle; so wol die Statt / als auch / vnd insonderheit das Churfürstliche Schloß / so am Ende der Statt / welche nach der Länge erbawet ist / gelegen / vnd welches Schloß Hertzog Bernhard der Ander zu Sachsen / Hertzog Albrechts deß Beeren Sohn / auß dem Anhaltischen Stammen / wider ernewert hat / in welchem hernach viel Churfürsten von Sachsen Hoff gehalten haben; biß obgedachter Churfürst Friederich der Dritte / oder Weise / solches von newem anders erbawt / in welchem alle viertheil Jahr das Chur-Sächsisch Hoffgericht gehalten wird. Es ist vorhin / neben andern Sachen allda zu sehen gewesen / vnd vielleicht noch / Churfürst Johann Friederichs Bettstatt / in welcher Er / mit seiner Gemahlin Sibylla / Einer Hertzogin von Gülch vnnd Cleve / Beylager gehalten / darin 6. Personen wol neben einander liegen können. Es gehört darzu ein Ampt / vnter welchem seyn / die Herrschafft Zanau: Item die Stättlein Schmideberg / vnnd Kemberg. An diesem Schloß ist ein ansehenliche Kirchen / vber welcher Thür stehet: D. Friderici D. Saxoniae, S. Romani Imperii, et Eiusdem Caesareae Majestatis Archimarschalli, Electoris, et Locumtenenitis Generalis, Landgravij Duringiae, et Marchionis Misniae M. D. XVIII. vnd neben solchem / deß Churfürsten / Titul / ferners diese Wort:

Struximus haec Divis, et nostrae cuncta saluti,
Et pro Saxonicae posteritate domus.

Sie ist / vor diesem / zu Allenheyligen: Item S. Vrsulae / vnd der Eylff tausent Jungfrawen Kirche genant worden. Melchias Nehel schreibet / p. 258. Exeges. Misniae, daß das Canonicat in dieser Kirchen / vnter deß Bistumbs Brandeburg Sprengel gehöre. Ioannes Matthesius aber / in der 2. Predigt vom Leben D. Luthers am 12. Blat / berichtet / daß noch vmbs Jahr 1517. die Schul / Kirch / vnnd Closter zu Wittenberg / in deß Bischoffs zu Brandenburg Sprengel gehört habe. Ist ein schönes Werck / hoch gewölbt / vnd gleich wol fast biß zum Ende ohne Pfeyler / in welcher / noch vor wenig Jahren / täglich zehen Studenten die Horas gesungen haben. Vnd seyn sonderlich höchstermelten Churfürst Friderici Sapientis, vnd seines Herren Brudern / Churfürsts Iohannis, deß Bekenners / so Anno 1530. die Christliche GlaubensBekantnuß zu Augspurg vbergeben / monumenta von Messing / darin zu sehen. Neben welchen beeden Churfürsten / auch viel andere Chur- vnd Fürstliche Personen / beeder Geschlechts / hierinnen begraben / so Er Churfürst Friederich der Weise / von andern Orten / hieher hat bringen lassen; wie hievon obeangezogner Dresserus: Item / Bertius (der gleichwol sich bißweilen in seiner Beschreibung dieser Statt verstösset /) zu lesen. In gleichem ruhen da Herr D. Martin Luther vnnd Philippus Melanchthon / deren Bildnussen gegen einander vber stehen. Es schreiben besagter Dresserus, vnnd Andere / als Keyser Carl der Fünffte / im Jahr 1547. den 25. Maij / allhie eingezogen / vnd seine Hispanier an ihne begehrt / Er solte besagten D. Luthern / der das Jahr zuvor gestorben / vnnd hieher gelegt worden / wider außgraben / vnd verbrennen lassen / daß er ihnen geantwortet habe: Lasset ihn ruhen biß auff den Tag der Aufferstehnng / vnnd deß allgemeinen Gerichts. Es ist in dieser [195] Kirchen sonderlich der Altar wol zu besichtigen; wie auch andere Gemälde / so die beede berühmbte Mahler / der Alte / vnd Junge Lucas Kranach / so zu Wittenberg gewohnt / gemahlet haben. Man siehet da auch ein Stuck von Wasser Farben deß Albrecht Dürers / so hoch gehalten wird: Item an der Wand ein Jägerhorn / so auß einer Greiffenklawen / wie die gemeine Leuth ihnen sagen lassen / gemacht / vnd von höchsternantem Churfürsten Friderico III. ab seiner Jerusalemischen Reyse / hieher gebracht worden seyn solle: Dabey hänget ein Rippe von einem Risen; wie zwar vorgeben wird; wiewoln glaublicher ist / was D. Daniel Cramer / im 2. Buch der Pommerischen Kirchen History / cap. 28. schreibet / daß nemblich zu Hertzogs Wartislai V. so Anno 1390. gestorben / Zeiten / im Jahr 1365. ein grosser Wallfisch / im Land zu Vßdom / in Pommern gefangen worden: dessen Rippen Er / vnd sein Herr Bruder / Wunder- vnd Grösse halben / hin vnd wider in die Kirchen zu hengen / vnd zu verwahren / verschickt haben; wie noch heutiges Tags etliche derselben verhanden / als zu Wittenberg in der Schloßkirchen / etc. Vnd dieses sagt D. Cramerus. In gemelter Schloßkirchen siehet man auch / auff einer Tafel die Länge Christi / wie Er im Grabe gelegen / so Niemands zutreffen solle / wie dann die Maß von vielen / so dahin kommen / davon genommen wird. Von den Heiligthümern / vnd Kirchen-Schatz / so in dieser Schloßkirchen vor Zeiten gewesen / vnnd vielleicht noch da seyn / ist ein besonderer Tractat verhanden / der allhie im Jahr 1617. wider auffgelegt worden ist. Aber auß dem Schloß ferners in die Statt wider zukommen / welche drey gewaltige veste Thor / als das Schloß: Elb: vnd Elster Thor hat / so ist in solcher insonderheit die Haupt- oder Pfarrkirchen / zu sehen / welche Churfürst Rudolph II. zu Sachsen / auß dem Anhaltischen Stammen / der Anno 1370. gestorben / im Jahr 1361. zu Ende geführt / vnd einen vermeinten theyl von der Dörnin Cron Christi / so auß Franckreich gebracht worden / in solcher hinderlegt hat. Sein Herr Vatter hat solche Anno 1353. zu bawen angefangen. Aussen her ist der Juden Schemhamphoras artlich in Stein gehawen. Inwendig seyn viel Epitaphia, vnnd Gemälde / die beyde obgenante Kranach / Vatter / vnd Sohn / gemacht; sonderlich aber ist der Altar zu sehen / daran das Nachtmal Christi / vnd vnden her D. Martin Luther auff der Cantzel stehend / abgemahlet / in dessen Bildnuß 2. Stich gewiesen werden / so ein Spanier damahlen / als Keyser Carl diese Statt eingenommen / mit einem Rapir darein solle gethan haben. Zur rechten stehet D. Aegidius Hunnius, der allda Anno 1603. vnnd D. Georgius Müller von Augspurg / so im Jahr 1607. gestorben / die auch beyde daselbst begraben liegen. Die Grabschrifften / vnd andere denkwürdige Sachen dieser Statt / vnd Hohen Schul / hat Balthasar Menzius zu Magdeburg in 8. trucken lassen. Besiehe auch von theils Grabschrifften in obvermelter Schloßkirchen / Nath. Chytraeum, in deliciis variorum in Europa Itinerum p. 473. Neben besagten beeden Kirchen / ist auch das Augustiner Closter zu sehen / welches höchstgedachter Churfürst Rudolphus erbawet / in welchem D. Luther vormals ein Mönch gewesen ist / vnnd hernach darin gehauset hat: wie dann sein Studierstuben noch den Frembden gewiesen wird. Vnten ist die Communitet, in welcher / vor diesem / offt 300. vnd mehr / Studenten / zu Tische gängen seyn. Es gab einer alle Wochen fünff Groschen / oder fünffzehen Kreutzer / vnnd bekam darfür Mittags vier / vnd Abends drey Speisen / alle Mittag Polnisch Ochsen: vnd Abends / Junges Fleisch: auch am Sontag Mittags / zum Rindfleisch / ein Gebratens. Der Tranck war zwar ein gar geringes Nachbier; welches daher wenig genossen / sondern ihren Trunck entweder mit sich genommen / oder nach der Mahlzeit zu Hauß getruncken haben. Vnd konte man das Stattbier / Guckuck genant / vmb drey Pfenning die Maß; benebens auch herrliches Zerbster: vnd Torgauisch Bier; aber vmb etlich Pfenning thewrer: Item / Landwein / Francken- Rhein- Spanische / vnd andere Wein; vnd bey den Burgern / [196] gute Tisch / die Wochen vmb 14. Groschen / oder 42. Kreutzer / ins gemein haben. Bey obgedachter gemeiner Speißmeisterey / oder Communitet, hat Churfürst Augustus einen newen Stock auffrichten lassen / in welchem man die Doctor: vnd Magister Mahlzeiten zu halten pflegt. Sonsten haben in beyden besagten / vnnd beym Elster-Thor gelegnen / Stöcken / deß Herren Churfürsten Stipendiaten gewohnt. Dann allhie ein weitberümbte Hohe Schul ist / welche der viel höchsternante Churfürst Friederich der Weise im Jahr 1502. angerichtet / vnd an S. Lucas Tag allda eingeführet hat. Der Erste Rector war Martinus Polichius Mellerstadius, der H. Schrifft / beyder Rechten / vnd der Artzney D. Es seyn da drey Collegia. Im Alten lesen die Medici, vnd Philosophi, in zweyen Auditotoriis, oder Sälen; vnd daselbst ist auch das Theatrum Anatomicum. In dem Newen / oder Grossen / darin die Theologi, vnd zum theil auch etliche Philosophi, lesen / werden die vornehmbste Disputationes, vnnd Orationes; auch die Promotiones der Doctorum, vnd Magistrorum; gehalten. Im dritten / als der Juristen Collegio, ist zugleich die Rathstuben / in welcher die Herren Professores ihre Zusammenkunfften anstellen; wie auch das Dicasterium, oder der Schöppenstul / bey welchem man die Ratschlüsse / vnnd Vrtheil / in wichtigen Sachen / auch von frembden Orten abzuholen pflegt. Es hat diese Hohe Schul / oder Vniversität / vor dem jetzigen Krieg / feine Dörffer / in ergibiger Anzahl / vnnd gutes Einkommen / zu Besoldung der Herren Professorum, etc. gehabt. Vnd hat dieselbe auch die Nider- vnnd Hohe-Obrigkeit vber die Vniversitäts-Verwanthe / vnd die Vnderthanen auff den Dörffern; daher sie bißweilen auch am Leben straffen thut. Von andern Gebäwen ist insonderheit das Rathhauß zu besichtigen / welches vff dem schönen grossen Marckt / oder Platz / nahend der Pfarrkirchen / vnd dem Elbthor / stehet. Es hatte auch / vor dem jetzigen verderblichen Krieg / viel ansehenliche wol erbaute Häuser allda. Es schreibet Melchior Goldast / in seinem Buch vom Königreich Böheim lib. 3. ca. 7. p. 315. auß deß Ludovici Personae Oration. von Wittenberg / daß die Churfürsten zu Sachsen die Belehnung dieser Statt / vnd deß Flecken Trebitz / auß Verordnung Keyser Heinrichs deß Andern / bey den Bischoffen zu Bamberg suchen. Was allhie etwan denckwürdiges vorgeloffen / das hat man bey obangezogenen Scribenten nach zu suchen. Wir wollen zum Beschluß allein vermelden / daß höchst- vnd Lobwürdigst gedachter Keyser Carl / diese Statt Anno 1547. belagert. Die Meissen sagen / es habe sich die Belagerung den 15. Maij angefangen; vnnd weilen der gefangene Churfürst / Johann Friederich von Sachsen / in dem Lager in LebensGefahr war / so seye daher die Statt dem Keyser den 23. diß auffgeben worden / in welcher er / wie auch oben gesagt / den 25. hernach eingezogen; sonsten die darinnen sich vielleicht noch ein Zeit lang hetten wehren können; ob schon die Statt damahls so vest nicht gewesen / als der Italianer / Natalis de Comitibus, sie machet; auch / sonders zweiffels / die beede Bäch / so durch die Statt lauffen / oder doch der Eine / ihr genommen werden mögen. Mameranus Lucemburgensis, in Beschreibung deß Keysers Caroli Reyse / hat ein andere Meynung / als die Obere ist / vnnd sagt / es seye den 4. Maij das Lager auff ein vierthel Meyl von Wittenberg / gegen Abend / geschlagen worden; vnd wil Lorentz Peccenstein part. 3. Theatri fol. 159. seq. daß solches / sonders zweiffels / im Dorff Pistritz geschehen / welches Er / der Keyser / darauff befreyet habe. Siehe D. Bugenhagij History / wie es damahln allhie zugangen. In dem jetzigen Teutschen Krieg ist zwar Wittenberg nie recht belagert worden: hat aber sonsten sehr viel erlitten. Am H. drey König Abends deß Jahrs. 1637. wurd der Hohen-Schul Hospital / von denen damals in der Statt ligenden Kriegsleuthen / wegen deß newgebawten Aussenwercks / angesteckt / vnd verbrant / damit es nicht / wie man sagte / der Vestung schädlich / dem Feinde aber dienlich seyn möchte / weil die gantze Schwedische Armee damahls zu [197] Torgau lag / vnd gewaltig hieran streiffte; zu welchem herrlichen Gebäw deß Hospitals fast gantz Teutschland / auch Außländische Königreich / zugesteuret haben. Es wurden selbigesmal auch meistenteils abgebrant die Häuser in der Vorstatt vorm Elbthor; wie auch die meisten in der Vorstatt vorm Elsterthor / auff der langen Reihe.

Sonderlich ist Anno 1640. den 3. Octobris / Abends vmb halb zehen Vhr / in der Churfürstlichen Ampts-Mühlen / so gegen Abendwerts beym Schloß Thor / gegen dem Schloß / vnnd der Schloßkirchen / vber / gelegen / eine Brunst auffgangen; darüber die gantze Mühle im Fewer gestanden / ehe es jemand recht gewar worden / vnnd hat die schreckliche Glut ohngefehr in einer vierthel Stund so vberhand genommen / daß das Fewer mit aller Macht / in einem Augenblick / die benachbarten Häuser auff der Coßwiger Gassen / vnd darunder den Gasthoff zum Gülden Löwen / fast zu gleich angefallen / daß alles auff einmal im Fewer stund / vnd wurden davon die andern vmbliegenden Häuser auch angesteckt / daß niemand diesen armen Leuthen in ihrer Noth vermöchte zu Hülffe zu kommen. Auff der andern seyten stund das Churfürstliche Schloß / die Schloßkirche / vnd Ampthauß / in grosser Gefahr. Denn das Fewer grieff auch die gantze seyte am Schloß an / der Thurn vber der Einfahrt am Schloß brante an vnderschieden Orten: der gantze Schloßhof war voll Fewer; es schlug die Flamme zu allen Fenstern / vnd Gemächern / vnten / vnnd oben auff dem Dache / in das Schloß / vnd Ampthauß / da deß Herren Hoffrichters / vnd Hauptmans / Herren Hans Christophen von Ebeleben / auff Gartenberg / vnd deß Herren Ampt-Schössers / Wohnungen / daß auch das Bley an dem Fenstern zu schmoltzen / die inwendige Fensterladen / vnd was dem nahe / dazu daß Gespärr / vnd Balcken / an etlichen Orten schon branten. Mitten in Schloßhoffe brante Gehäuse vmb den Brun / darzu die Artolery Wagen / sodabey stunden. Die Flamme war so groß / daß auch vber die Vestung hinauß am Graben / die Balassaten an etlichen Oertern seynd angezündet worden. Das Fewer von der Mühle steckte auch an die Mittelreyhe gegen dem Marckte zu / zwischen der Coßwiger / vnnd Schloßgassen / an den oberwehnten beyden Bächen (so durch die Statt fliessen / vnd die Mühle treiben / aber damals abgestochen waren / daß sie solten geräumet werden / vnd die Mühle still gestanden /) daß die Schärne / vnd deß Sebald Zimmermans / Kleinschmides Hauß / zugleich in einer Stunde / mit im Fewer stunden. Das Schloß selbsten / sampt dem Zeughauß darin / hat GOTT wunderbarlich / in so schröcklicher Fewersbrunst / erhalten; wie auch die Schloßkirche / in welcher / wie obgemelt / D. Luther liget; auff welche Kirch sonsten das Fewer mit Macht stürmete / das gantze Dach war eytel Flamme / die Funcken flogen zu den Fenstern ein / durch das Dach stob das Fewer / daß auff den Morgen der Boden voll Asche gelegen. Zu öberst am Thurn hatte das Fewer schon drey Säulen / vnd etliche Balcken inwendig im Thurn angegriffen / daß das Holtz einer quer Hand tieff / vnnd mehr / an fünff Orten angebrand / vnnd zu Kohlen worden; da hat niemand Rettung gethan; der Küster / oder Meßner / ist allein dabey gewesen / vnnd mit Wasser nur auff deß Fewers außschlagen gesprengt / vnnd mit einem Schuch abgerieben. Obgedachte Pfarrkirch / das Closter / die Collegia, vnd der Herren Professorum Häuser / stehen noch alle. Sonsten aber von andern Häusern seynd etliche Jahr hero sehr viel darauff gangen; daß auß Wittenberg zum theil ein Weiter- vnd Wüsterberg worden. Dann gegen Morgen am Elster Thor / ist ein grosser weiter Raum / so weit man sehen kan / welcher zuvor bewohnt gewesen / nun aber nichts / als ein wüste stätte worden / darauff Graß wächst. So seynd auch rings herumb viel Lücken / vnd wüste Plätze. Sintemal vber die / durch die besagte Fewersbrunst / so 6. Stunden gewehrt / eingeäscherte / wolgebawte / vnd bewohnte 8. Häuser / sampt ihren Hinterhäusern / Brawhäusern / Schewren / vnd Ställen / wie auch den benachbarten Häusern / so vff [198] allen seyten sehr beschädigt worden / vnnd durch das außtragen viel Schade geschehen / vnnd auch zum theil die Löscher alles Preiß gemacht haben: So seyn im Jahr 1641. noch 92. Häuser nidergerissen gewesen / welche meist von den Soldaten / so zu vnderschiedlichen Zeiten / vom Jahr 1632. her / biß auff selbige Zeit / da in der Besatzung gelegen / meistentheils aber Anno 37. 38. 39. vnd 40. demolirt worden / darüber auch ihrer zween die Häuser erschlagen haben. Durch solche Verwüstung seynd dem Gottskasten bey der Kirchen allhie vber 6. tausent Gulden an Capitalien / wovon Kirchen- vnd Schuldiener ihren Vnderhalt haben sollen / hinweg gefallen. Vber diß waren damaln 84. vnbewohnte wüste Häuser / derer sich niemand angemast / da immer täglich eines nach dem andern zu Grunde gangen. Ausser der Statt / rings herumb / waren selbiger Zeit 34. wüste Häuser / vnd 87. welche nider gerissen worden / da auch nicht ein Stecken mehr davon gestanden. Es wurden auch noch damaln die fruchtbarsten Gärten zu Grunde verwüstet / vnd war deß Schadens noch kein Ende. Besiehe M. Iohann Friemen Beschreibung der obgedachten Fewersbrunst / so bey Herren Ioannis Hulsemanni, D. vnd Professoris Theolog. allhie / praxi Oratoriae Ecclesiasticae, Anno 1641. in 4. allda gedruckt / zu finden: daselbsten auch die Beschreibung der obgemelten abgebronnen Ampts-Mühle stehet; welche wol in die 300. Jahr gestanden / vnd so stattlich außgebawet war / daß sie vor ein Kunststücke im gantzen Lande ist gehalten worden; weil dergleichen Mühlwerck darin nicht zubefinden / vnnd das Holtz noch so frisch / daß nicht ein Holtzwurm da gewesen. Es wurde solche zugleich auch für ein Provianthauß gebraucht. Ein Mühlknecht ist im Fewer geblieben.

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