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Topographia Superioris Saxoniae: Weimar

Topographia Germaniae
Weimar
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Weissenfels
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 187–189.
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[T57a]
Weimar 1 (Merian).jpg
[T57b]
Weimar 2 (Merian).jpg
[187]
Weimar / Weymar / Weinmar.

Dieses ist eine auß den vornehmbsten Stätten in Thüringen / so den Nahmen vom Wein haben / vnnd so viel / als einen Weinmarckt / heissen solle; weilen man den Wein / so vmb Jena wächst / hieher zu führen / vnnd den allda zu verkauffen gepflegt habe. Andere sagen / daß die Statt den Nahmen von einem / der [188] allhie gewohnt / vnd den Wein zu pflantzen angefangen bekommen / den man deßwegen den Weinmayr genant. Es mag aber ein jeder davon glauben / was ihme beliebt. Sie liegt am Wasser Ilma / oder Ilm / so zwar nicht groß / aber böß ist / vnd sich leichtlich ergiessen thut: Es laufft auch ein anders Wässerlein durch die Statt. Der Boden herumb ist lustig / vnnd fruchtbar: der Lufft ist gesund; vnd die Statt zierlich / vnd wol erbawet. Hat schöne Kirchen; wolbestelte Spitäl / vnd andere für krancke / vnd notleidende Personen wol versehene Häuser. Vnnd ist das Lager gar bequem / vnnd fast in gleicher weite von Erfurt / vnd Jena. In der Haupt-Pfarrkirch zu S. Peter / vnnd Paul / seyn die Fürstliche Begräbnussen wol zu sehen. Vnd liegt auch da der fromme Churfürst zu Sachsen / Johann Friederich / dessen Grabschrifft ist: Iohan. Fridericus D. G. electus martyr Iesu Christi, Dux Afflictorum, Princeps Confessorum fidei, Comes Veritatis, signifer S. Crucis, Antesignanus patientiae, et constantiae, Heres vitae aeternae, obdormiscens in Christo, migravit ex hac miserrima vita in coelestem patriam, Vinariae M. Martio, D. III. Anno 1554. Aetatis 51. Am Altar seyn gemahlet ermelter Chnrfürst / sampt dero Gemahlin / vnd drey Sohnen: bey dem Crucifix / Lutherus, vnnd Churfürst Iohannes, so Lucas Kranich gemacht hat. Insonderheit aber hat die Hertzogin Dorothea Maria / geborne Fürstin von Anhalt / ihrem Herren / vnd Gemahel / Hertzog Johanni / ein sehr prächtiges / vnnd künstliches Grabmal / mit grossem Vnkosten / in dieser Kirchen auffrichten lassen / so die andern alle vbertrifft / wie Schröterus in histor. totius terrar. orbis descript. p. 149. berichtet. Das Schloß allhie / darinn der Zeit Hertzog Wilhelm zu Sachsen (so Anno 1598. den 11. Aprilis / geboren worden) Hoff helt / ist von Quaderstucken prächtig erbauet / vnnd mit sehr schönen Gärten / vnnd andern Sachen / vnnd Gebäwen gezieret: wie hievon / vnd der Statt selbst / Geörg Braun im 3. Theyl seines Stättbuchs / vnd auß ihme Caspar Ens, in deliciis apodemicis per Germaniam, p. 259. seqq. P. Bertius lib. 3. Rer. German. p. 711. Matthaeus Dresserus part. 5. Isagog. Histor. Vnd El. Reusnerus in Stemm. Witichind. Zu lesen. Es hat vorhin diese Statt eygene Graven gehabt / deren der letzte Hermann gewesen / welcher als Er Landgraff Friederichen zu Thüringen / vnnd Marggraven zu Meissen / zugenant den Ernsten / zu Erfurt spöttlich gehalten / von ihme vberzogen / vnd An. 1342. (al. 1345.) vmb diese / vnd andere Stätt / vnd Schlösser / etc. ist gestrafft worden; wiewol er ihm solche auff sein lebenlang hernach gelassen hat. Vnd von solcher Zeit an / ist folgends Weimar beym jetzigen Hauß Sachsen gewesen. Wiewol theils die Sach anders erzehlen. Siehe oben Jena. Das Wappen dieser Graffschafft / ist ein schwartzer Löw auffrecht in einem bleichgelben Felde / mit einer rothen Cron auff dem Haupt / vnd seyn rote Rosen Blätter vmb den Löwen herumb / im Schilde zerstrewet. Es hat diese Statt auch vnderschiedliche Vnfäll gehabt. Dann sie Anno 1299. vnd 1404. durch Fewer also verstelt worden / daß sie kaum einer Statt gleich gesehen; wie gemelter Braun saget. In der Thüringischen geschriebenen Chronic Adami Ursini stehet / daß Anno 1306. diese Statt von bösen Leuthen angelegt / vnd gar rein außgebrant worden: vnd daß Anno 1424. die Statt halb / vnd das meiste theil deß Schlosses / abgebronnen seye. Anno 1613. den 29. Maij / hat sich obgedachtes Wasser Ilm also ergossen / daß die Pulvermühl / die steinerne Bruck / der Fürstliche Lustgarten / das ansehenliche Badhauß / die Fleischbanck / die Poliermühl / vnd andere offentliche Gebäw mehr / seyn hinweg geschwämt / vnd sampt der Schloß Pastey / vnnd andern Sachen / zu Boden gerissen / vnnd verwüstet worden. Vnnd seyn 25. Fürstliche Pferdte / 84. Kühe vnd Kälber / 40. Schwein / vnnd was das meiste ist / in der Statt / 65. Personen / ohne was auff den Dörffern herumb ersoffen / geblieben / also daß der Schaden auff etliche Tonnen Goldes werth ist geschätzet worden: vnnd hievon weitleufftiger bey dem obernanten [189] Bertio zu lesen ist. Anno 1618. hat das Schloß allhie zusampt der Kirchen / den 2. Augusti auff etlich Tonnen Goldes / nit allein an Gebäuden / sondern auch wegen andern köstlichen Sachen / Schaden durchs Fewer gelitten. Es muß diese Statt auch vor Altets schon berühmbt gewest seyn / weilen Keyser Otto der Ander im Jahr 975. allhie einen grossen Reichstag gehalten / wie in einer geschriebenen Thüringischen Chronic gemeldet wird.