Topographia Sueviae: Liechtenstain

Topographia Germaniae
Liechtenstain (heute: Lichtenstein)
<<<Vorheriger
Liebenzell
Nächster>>>
Lindaw
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1643, S. 120.
Wikisource-logo.png Schloss Lichtenstein in Wikisource
Wikipedia-logo.png Schloss Lichtenstein (Württemberg) in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[120]
Liechtenstain /

Ein Schloß / nicht gar weit vom Closter Gnadenzell oder Offenhausen / im Würtemberger Land / vnd auff einem lautern Felsen gelegen / also / daß seine vndere Gemächer in den Felsen eingehawen seyn. Ist nicht groß / vnnd von andern Felsen abgesondert / zu welchen man aber vber eine lange Brücke kommen kan / darunder ein sehr tieffer Graben ist / vnnd auff beyden Seiten Felsen / auff welche zugelangen / man langer Laitern von nöthen hat. Auff dem äussersten Felsen ligt das Schloß selbsten / so ein Tieffe in den Felsen eingehawen Cistern; ausserhalb aber; ein tieffen Schöpffbrunnen; vnnd vnten / da man hinab steiget / ein herrliches Wasser / so auß dem Felsen herfür quillet / hat. Man kan im Schloß durch einen Schnecken vom höchsten / zum vndersten Boden herab gehen. Vnder diesen harten Felsen / ligt gar tieff vnten der Fleck Honau / nach welchem / auff einen Pfeil Schuß weit / auß dem Felsen / der sehr schöne Bach Echetz entspringet / so hernach durch Pfulingen / vnnd bey Reutlingen vorüber fliesset. Gegen Mittag ligen die Dörffer Hausen / vnd Oberhausen / zwischen welchen ein langes Thal ist daselbsten auch hohe Berg / vnd Felsen / zu finden: Sonderlich aber ist vnder andern Felsen einer / durch welchen sich eine Höle gar weit hinein zichet / in die offtmals die Leuthe mit Liechtern gangen seyn / aber deren kein Ende haben finden können. Man kompt gleichwol zu einem gefährlichen Bühel / allda es wider liecht: Vnnd tieff darunder ein sehr lauters Wasser ist / dardurch man biß auff den Boden sehen kan. Es wird diese Höle das Nebelloch genennet. Dann wann darauß / bey heiterem Wetter / Nebel gehet / so folget darauff Regen / vnd Vngewitter; in massen die Leuthe solches auß langer Erfahrenheit wissen: Wie Crusius libro Paralip. rerum Suevic. cap. 12. fol. 46. berichtet.