Topographia Palatinatus Rheni: Bruchsal

Topographia Germaniae
Bruchsal
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1645, S. 20–21.
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Bruchsal / Brussel / Bruessel.

Lateinisch Bruchsella, oder Bruxella genant / und drey Meilen von Bretta / im Prurhein gelegen / so ein Theil / oder Anhang deß Craichgöws ist / in welche Ebne sich desselben sehr fruchtbare Hügel / gegen dem Rheinwarts / hinunter lassen. Marq. Freherus bekennet part. 2. Origin. Palatin. cap. 4. pag. 14. daß er nicht wisse / wo der Nahm Prurhein herkomme? Es vermeynt zwar einer / daß er entweder Lateinisch seye / und so viel heisse / als porrò, weiter fort / dem Rhein zu; oder daß er vom Teutschen BruchRhein / oder Bruchrain / herkomme; weil es viel Brüch / und sümpfige Oerther / gegen den meisten Orthen / wegen deß wässerigen Erdreichs / so sauren Wein gebe. Gleiche Gestalt habe es auch mit dem Nahmen Bruchhausen / nicht weit davon gelegen / und mit besagtem Bruchsal. Es ist solches Ländlein Prurhein meistentheils dem Bistumb Speyer unterworffen / wiewol auch Pfaltz etwas darinn hat / so zum Ampt Brettheim gehörig / mit welchem dieser Prurhein hin und wieder vermischt ist. Der vornemste Orth darinn ist besagte Stadt Bruchsal / so gar alt; und vor Zeiten durch Tausch an Hertzog Otthen in Schwaben / und zu Wormbs kommen; welcher dafür dem Bischoff Burckarden zu Wormbs seinen Palast / in der Ringmauren zu Wormbs gelegen / geben hat. Folgends hat Käyser Conradus II. und sein Gemahlin / die Käyserin Gisela, solches Bruchsal / mit dem beygelegenen Ländlein / dem Stifft Speyer geschenckt; wie Bengrinius in Spita, pag. 177. bey obgedachtem Frehero meldet; mit deme es auch Münsterus lib. 5. c. 148. hält: Wiewol andere anderer Meynung seynd; wie in Zeilleri contin. Itin. Germaniae c. 25. n. 20. fol. 337. zu sehen. Das Schloß solle vom Bischoff zu Speyer hernach umbs Jahr 1200. erbauet; das Vogt Ampt aber / oder die Advocatia, allhie / vorhero / von Graf Conraden von Calve / oder Calb / dem Stifft erkaufft worden seyn. Es seynd in dieser / an dem Fluß Sals / oder Saltza gelegnen Stadt Bruchsal / umb das Jahr Christi 1502. oder 3. etliche auffrührische Bauren zusammen kommen / und haben einen Bund / in dem Dorff Untergrumbach / bey dieser Stadt gemacht; und weil ohngefehr einer einen bunten / oder färbichten Schuch / auffgeworffen / haben sie dahero diese Verbündnüß den Bundschuch genennet: Aber man ist ihnen zu bald auff die Hauben kommen / und seynd sie durch den Pfaltzgrafen / und Bischoff zu Speyer / theils erschlagen / theils gefangen worden / so folgends über die Klingen haben springen müssen. Was Anno 1690. im April / allhie zu Bruchsal vorgangen / und Chur-Pfaltz / wegen [21] etlich gefangener Bauren / die Stadt besteigen / die Thor auffhauen / und einnehmen / und die Bauren erledigen lassen / das findet man im Sleidano continuato part. 3. lib. 34. fol. 1425. Es ist gedachtes Bruchsal / im nechsten Teutschen Krieg / etlichmal eingenommen / und Anno 1644. von den Frantzosen / in den Brand gesteckt; aber / das folgende 45. Jahr / sambt Pissigheim / von den Käyserisch- und Bäyerischen / wieder occupirt worden: In einer Relation stehet also: Brussel / weil es mit hundert Mann auß Heylbrunn sich gewehrt / ward es / von den Frantzosen / Anno 44. in Brand gesteckt: Aber Anno 45. eroberten die Chur-Bäyerischen Bruchsal / Sintzen / und Bretten / so die Frantzosen besetzt hinterlassen / mit Gewalt; Wiseloch aber auff Discretion. Anno 1651. im Jener / überstiegen die Frantzosen auß Philipsburg diese Stadt / oder Städtlein / darüber fünff Burger tod geblieben / unterschiedene beschädigt / und das Städtlein geplündert worden ist. Es ist in Bruchsal ein gefreytes deß H. Reichs Stifft / so / nach dem das Closter Odenheim / Anno 1525. von den Bauren zerstört / mit des Bischoffs von Speyer / in dessen Schutz es ist / Bewilligung / hieher / transferirt worden. Hat seinen Dechant / und Chorherren / und wird das Odenheimische Stifft genant. Chytraeus, in seiner Rede von dem Craichgöw / sagt am 12. Blat / daß der Ertzbischoff Bruno von Trier / ein Graf von Lauffen / in der Graffschafft Brettheim / (wie in den Brieffen deß Odenheimischen Collegii stehe) ein Closter / neben dem Dorff / Odenheim / Anno 1122. angeordnet habe. In einer geschriebenen Verzeichnuß stehet / daß dieses Dorff Odenheim vor Zeiten Wigoldesberg seye genant / und das besagte Closter / bey Regierung Keysers Friderici Barbarossae, vom gedachten Ertzbischoff / unter der Regul Sancti Benedicti Anno 1161. gestifftet worden. Habe ohne Mittel dem Reich gehört: Dannenhero es Anno 1330. Käyser Ludovicus IV. wie auch Landaw / Weibstadt / und die Juden im Stifft / und der Stadt Speyer / versetzt; der Bischoff zu Speyer / versetzt; der Bischoff zu Speyer aber solches Closter / und Dorff / von einem Albrecht Hoffmann von Kirchheim / wiewol mit einer gesteigerten Summa Gelds / gelöst / und an sich gebracht; deßwegen es zwar folgends ein disputat geben; und hab sonderlich Chur-Pfaltz / (so dieses privilegium hat / daß es die Pfandtschafften im Reich lösen mag) sich umbs Jahr 1610. umb die Vogtey Odenheim angenommen; so doch verglichen / und von der Pfaltz dieses Pfandgut dem Stifft Speyer gelassen worden. Und dieses berichtet angezogene Verzeichnuß; aber Trithemius in Chronico Hirlaugiensi, stimmet auch mit dem Chytraeo, so viel das Jahr der Stifftung besagten Closters betrifft / überein / so unter Käyser Henrico V. geschehen / und bejahet ingleichem die Trierische Chronic solches / daß nemlich gemelter Bruno umb diese Zeit gelebt. Und haben wir in diesem Werck der Teutschen Städtbeschreibung vielfältig mit Verdruß erfahren; wie betrüglich die geschriebene Land- Städt- und Hauß Chronicken / und Verzeichnüssen; so nicht auß Obrigkeitlichem Befelch / sondern von privat Personen zusammen getragen werden / seyn. Gedachter Trithemius schreibet in seiner Sponheimischen Chronic / am 407. Blat / daß Anno 1495. gedachtes Odenheim / auß einem Benedictiner Closter / in ein weltliches Stifft / auff Zulassung deß Pabsts / und beschehen Anhalten der abtrünnigen Mönch / verwandelt worden seye; so aber ihme übel gefallen hat; wie daselbsten zu lesen ist.