Topographia Palatinatus Rheni: Bensheim

Topographia Germaniae
Bensheim
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1645, S. 15.
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Palatinatus Rheni (Merian) b 025.jpg
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Bensheim.

Diese Stadt ligt zwo Meil unter Weinheim / und ist die vornehmste Stadt in der Bergstraß / und im Ampt Starckenburg / welches in sich hält das Schloß Starckenburg / sambt dem darunter liegendem Städtlein Heppenheim / dem Closter Lorsch; Item Mörlebach / und etlichen andern Dörffern. Dieser Orth / da besagte Stadt Bensheim jetzo / an dem Flüßlein Lutra / stehet / ist allbereit zu Zeiten Käysers Othonis I. und also eher / als Heydelberg / bekandt gewesen / und war anfangs ein Meyerhoff / oder Dorff / unter das Closter Lorsch gehörig / allda gedachter Käyser Anno 948. durch Vorbitt seiner Gemahlin / ein Wochen- oder Jahrmarckt auffgerichtet / und was davon zu Zolln gefallen / das ist dem H. Berg zu Heydelberg / oder dem gedachten Closter Lorsch zukommen. In der Pfältzischen Vehde / oder dem Bayer-Pfältzischen Krieg in Anno 1504. (welchen Ioan. Latomus in Annal. Francofurtens. unter allen / wie Goldastus lib. 4. de. R. Bohem. p. 509. bezeuget / am fleissigsten beschrieben) ist diese Stadt vom Landgrafen zu Hessen belagert; aber von den Bürgern so lang / und so mannlich defendirt worden / biß sie Pfaltzgraff Philips Churfürst / von Heydelberg auß entsetzt / darauff der Landgraf zwar abgezogen; aber alles in der Gegend verbrennt hat. Nicht weit von Bensheim / in dem Dorff Bürstadt / ist Anno 1496. ein Mißgeburt zweyer Zwilling gebohren worden.

Zwo Meilen hinter Bensheim / in Odenwald hinein / findet man wunderliche gleichsam gegossene / oder von der Natur formirte Stein / in Gestalt eines Altars / als wann ein Einsidler allda sich auffgehalten hätte. Unter andern ist noch daselbst ein sehr grosse steinerne Säul 35. Werckschuch lang / auß einem Stein; deren Diameter der untern Rundung / oder basis 5. Schuch; der Diameter, oder Durchschnidt / des Capituli, oder Obernrundung 4½ Werckschuch; darauß die Dicke der Säul / nemlich 6204/5. Schuch / entspringt. Welche Säul und Orth / zu besichtigen / Fürsten und Herren dahin gezogen / auch Wallfarten angestellt / und noch vor wenig Jahren das junge Volck ihren Tantzplatz allda gehalten haben. Man hat zwar / aber vergebens / solche Säul nach Heydelberg zu bringen / versucht. Dergleichen mächtige Stein / darinnen man wol wohnen könnte / finden sich / mit lebendig quellenden Brunnen / noch viel daselbst; und wird der Orth der Teuffelsberg / oder der Teuffels Burg genennet. Theils haltens für alte Römische Denckzeichen / als wie die Spanier auch in India solche / zur Gedächtnuß ihrer Ankunfft / gemacht: Oder es können es die Teutschen den Römern wol nachgethan haben: Oder es kan seyn / daß die besagte grosse steinerne auffgerichte Säul / der Teutschen Wart gewesen / allda sie auff die Römer acht gehabt / wann sie unten auff der Ebne ankamen / damit sie sich in die Wälde hinein / oder in die mit Hauffen außgehölte Steingruben / verkriechen / oder sich darinn / als in einer Vestung / wehren möchten; wie dann die Teutschen viel solche Raubschlösser gehabt haben; wie von diesem / was hie oben gesagt / ein gewester Professor zu Heydelberg / geschrieben hinterlassen hat.