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Topographia Germaniae
Winßheim (heute: Bad Windsheim)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1648, S. 107–108.
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[107]
Winßheim / Windsheim.

Diese Reichs-Stadt ligt an der Aisch / nahend Uffenheim / auf einem guten Boden / da herumb es auch einen stattlichen Weinwachs hat / von deme theils deß Namens Ursprung herführen. Wer sie erbauet / und zum Reich gebracht / haben wir nicht erfahren können. Anno 1412. ward sie vom Käyser Sigismund / den Burggraf Friederichen von Nürnberg versetzt / dem haben die Burger allhie Jährlich 400. Gulden für die Steuer geben / und sich darnach selbst lösen müssen / damit sie beym Reich geblieben seyn. Haben feine Privilegia, die Limnaeus de Jure publ. lib. 7. c. 55. setzet. Und werden allhie allein die Schmachsachen / so unter Burgermeister und Rath allda / auch ihren Burgern / und Zugehörigen / sich zutragen / vor ihrem allda wesenden Reichs- und Ober-Vogt / summariè, praeclusâ appellationis viâ, erörtert; Aber nichts destoweniger er / der Rath / zu einem Mit-Richter / auß Käysers Caroli V. An. 1556. ertheiltem Privilegio zugelassen; wie auß Wehnero, der Autor deß Discurß von den Reichsvogtheyen / am 138. Blat / schreibet. Besagter Reichs-Vogt wird von theils auch der Ober-Richter genannt / dessen Ampt beständig ist. Im Eussern Rath seyn 12. und im Innern auch so viel / und darunter 5. Burgermeister. Ihr / der Stadt / monatlich einfacher Reichs-Anschlag ist 4. zu Roß / und 30. zu Fuß / oder 168. flor. wiewol besagter Wehnerus nur 148. fl. setzet. Und ist der Rath / und die Burgerschaft / der Evangelisch Lutherischen Religion zugethan; allda auch kein Teutsch-Hauß / aber wol ein reformirtes Closter / darinn gleichwol keine Kirche mehr seyn solle. Sonsten ist da ein feine Pfarrkirch / auch im Spital eine Kirch / und eine Capellen; ein feiner Gotts-Acker / aber keine Kirche darauf; Item ein feine Schul / darauß etwann gelehrte Leut kommen seyn. Es ist diese Stadt etwas vest / welcher auch der gar nahend dabey gelegene Berg keinen Schaden thun solle. Anno 1428. im Hussitenkrieg / ist die Stadt erweitert / und der eussere Graben / und Ringmauer / gebauet worden / wie bey dem Sauer / in seinem Stadtbüchlein zu lesen. Ligt sonst gar eben / daher es da einen stattlichen Feldbau. Man hat vor dem jetzigen Teutschen Krieg auff die 800 Burger allhie gezehlet / der Zeit sollen deren noch ein wenig mehr / als die Helfte / da seyn. Dann auch diese Stadt in diesem Krieg viel außgestanden / wiewol sie keinen sonderbaren Ernst erwartet hat; inmassen dann sie sich Anno 1631. im spaten Herbst / gegen die Käyserische / und Bayrische; und An. 1632. im Septembr. gegen die Schwedischen / bey Zeiten bequembt / auch sich nachmals / so viel möglich in die Läuffte geschicket hat. In gedachtem 32. Jahr ist der König auß Schweden selbsten mit grosser Macht allhie angelangt; bey welchem damals deß Gian Becquerey, grossen Cham deß Käyserthumbs Chrimnitz / Großfürsten der Ezircasten / und Procoper / Tartarn / Botschafft / Audientz gehabt hat.

In der Anno 1650. zu Nürnberg gemachten Repartition, wegen der Schwedischen

[T36]
De Merian Frankoniae 148.jpg

[108] Satisfaction-Gelder / seyn dieser Stadt / für 133½. Monat / zugerechnet worden 22428. Gülden; welches just die oberwehnte 168. fl. für einen Monat / bringet. Zu Unterhaltung deß Käyserlichen Cammergerichts gibt diese Stadt Jährlich ordinariè 80. fl. nach der Erhöhung aber / wie ich finde 133. fl. 21. kr. 5. heller / den Thaler zu 69. kr. gerechnet. An. 1634. nach der Nördlinger Schlacht / hielte sie der Obriste Freyberger ein zeitlang blocquirt; die er doch wieder verlassen. Aber hernach / den 20. Octobr. bemächtigte sich der Freyherr von Suis derselben / als / wegen der Granaten / der Rath den Commendanten zu accordiren / wie zwar Kemnitz berichtet / gezwungen haben solle. An. 1648. den 3. 13. Martii / übergaben die Chur-Bayrischen dise Stadt / den Schwedischen / so sie angegriffen hatten / auf Gnad und Ungnad: deßwegen dann / zu Güntzburg / dem gewesten Commendanten der Kopff abgeschlagen worden; wie in Tomo 6. Theatri Europ. stehet.