Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae: Grätz

Topographia Germaniae
Grätz (heute: Hradec Králové)
<<<Vorheriger
Gottesgabe
Nächster>>>
Gressel
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 33–34.
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Hradec Králové in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[T10]
Königgrätz (Merian).jpg
[33]
Grätz.

Dieses Namens seyn 2. Städte in Böheim / deren die Fürnehmste zugenant wird / Königin Grätz / weilen solche Stadt der Böhmischen Königin Leibgeding / und Wittib-Sitz ist. Ligt gegen Schlesien / und an der Elb / und Chrudimka / darein unterhalb die Orlitz kommt. Sie wird von den Böhmen Kralowijhradecz / und der Cräiß / so von der Stadt den Namen / Hradetzky Krag / genant. Als König Johannes in Böheim / der Könige Wenceslai deß Aeltern / und hernach Königs Rudolphi, Wittiben / Städte / Jaromir / Politz und Maut / einnahm; so ließ er Grätz / da sie Hof gehalten / bleiben. Anno 1423. hat sich Königin Grätz dem Zischka ergeben / dessen die Prager / und die Herren / nicht zufrieden gewesen / und daher die Grätzer Vorstadt / den 29. Augusti / angezündet / und in der Creutz-Herren Gassen / einen Thaboritischen Pfaffen / der ohne Ornat die Meß hielte / in S. Anna Kirchen ermordet haben: Darüber sich die Grätzer / so den Zischka heimlich lieb hatten / so erzürneten / daß sie / auß seinem Befelch / das Schloß einrissen: und ist immer zu zwischen den Pragern / so gut Hussitisch waren / und den Thaboriten / so die Päbstliche Ceremonien nicht leiden wolten / Neid geblieben. Käiser Sigismund versuchte einsmals Königin Grätz wieder zu bekommen; aber es musten seine Soldaten unverrichter Sachen wieder abziehen. [34] Und allhie solle / wie Aeneas Sylvius schreibet / jetztgedachten Käiser Sigismunds Wittib / die / ihrer Unzucht halber / beschryhene Barbara / eine geborne Gräfin von Cilly / den 11. Heumonats / Anno 1451. an der Pestilentz gestorben seyn / nachdem ein grosses Sterben zu Prag / und in dem gantzen Königreich Böheim / auch in Mähren / Polen und Oesterreich / gewesen. Sie wurde auß Vorschub Herrn Görgen von Podjebrat / so hernach Konig worden / gen Prag geführet / und in S. Veits Kirche / in der Könige Grufft / zur Erden bestattet. Anno 1621. ward Königin Grätz von den Bäyerischen erobert. Anno 1640. ward diese Stadt im Hornung / von denen Käiserlichen belägert; da dann erstlich die Vorstädte S. Annä / S. Peters und S. Anthonii / und folgends auch / durch Ubergab / die Stadt selbsten / erobert worden; und seyn von denen Schwedischen / die diesen Ort das Jahr zuvor eingenommen hatten / 500. zu Fuß / 200. Dragoner / 8. Rittmeister / 4. Hauptleute / viel Cornet und Leutenant / neben dem Commendanten / oder Gebietiger außgezogen. An. 1645. beschosse diese Stadt der Schwedische Feld-Marschall Torstensohn / zündete auch / durch Feuer-einwerffen / etliche Häuser an; richtete aber sonsten nichts auß / und nahm ferner seinen Weg nach Gitschin.

Das andere Grätz ligt in der Gegend umb Budweiß / so gemeinlich Grätzen genant wird. Es ist dieses Städtlein / so ein Schloß hat / vorhin Rosenbergisch / hernach Schwanbergisch gewesen. Anno 1619. in dem Böhmischen Krieg / hat Graf von Bucquoy das Schloß allhie im Brachmonat belägert / und mit Beding erobert. Graf Tampier hat vorhero / umb den Anfang deß Mertzens / das Städtlein auch eingenommen / geplündert und angezündet; aber dem Schloß konte er nichts anhaben. Der Zeit soll dieser Ort deß besagten Graf Bucquoy Erben gehören.