Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Roth-Schönberg

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Roth-Schönberg
Untertitel:
aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 169–170
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen II 253.jpg
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Roth-Schönberg,


zum Unterschiede von dem im Jahre 1584 im Frauensteiner Amte angelegten Vorwerke Grün-Schönberg sogenannt, wogegen es sonst blos schlechthin „Schönberg“ hiess.

Dieser herrliche Ort eines berühmten Geschlechts trägt die Stammburg der Herren von Schönberg, welche unter Kaiser Heinrich I. mit anderen Colonisten vom Schlosse Schönburg bei Elbingerode in die mittlern Gegenden des östlichen Deutschlands zogen und ihre frühere Burg eingehen liessen. Das Geschlecht der von Schönberg stammt aber eigentlich aus Italien, führte den Namen „von Bellmont“ und existirte schon unter Karl dem Grossen, wie wir dies bereits ein Mal in diesem Album näher erwähnt haben.

Die Ritter Heinrich und Jacob von Schönberg, welche dem Markgrafen Friedrich und Diezmann gegen ihren Vater treu beistanden, erhielten ums Jahr 1290 einen Strich Landes zwischen Nossen und Wilsdruf zur Belohnung und hier in einer von der Natur befestigten herrlichen Gegend erbauten diese Herren das Schloss „Schönberg“, später Rothschönberg genannt, welches heute noch, wenn auch einige Neubauten hinzugekommen sind, recht an die früheren Zeiten und an die Tugenden erinnert, die auf diesen Schlössern von den edlen Geschlechtern des Landes gepflegt wurden.

Das auf der Süd- und Westseite durch einen Graben, wie von tiefen Berghängen umgebene Schloss hat allen Stürmen der einzelnen Jahrhunderte getrotzt und heute noch sieht es stolz herab auf kleinliche Menschen, auf unedle Herzen, auf gemeine Seelen; denn hier in diesen Räumen thronte von jeher nur Edelmuth und Tugend und Alles, was von hier aus unternommen wurde, war ein Ausfluss hochherziger Gesinnungen für Menschen und die Welt.

So weit wir bei den Ahnen dieses Hauses hinaufgehen, überall finden wir berühmte Namen, deren Andenken bis auf die spätesten Zeiten in Ehren bleiben wird.

Im Jahre 1369 war Caspar I., Herr von Rothschönberg und Sachsenburg. Sein Sohn Hans I. schrieb sich auch Herr von Reinsberg. Ihm folgte sein Sohn Caspar II., welcher 1426 in der Schlacht von Aussig blieb. Letzterer hinterliess 4 Söhne: Dietrich, Caspar, Nicol und Heinrich. Diese Brüder theilten sich so, dass nun eine Schönberger und Sachsenburger Linie sich bildete; obschon eigentlich 4 Linien entstehen mussten. Allein die beiden ältesten Brüder waren Geistliche und starben als Bischöffe zu Meissen.

Von jener, welche Niclas III. stiftete, stammt zunächst die Reinsberger Nebenlinie, von beiden aber eine Menge Nebenäste ab.

Die Purschensteiner, Wingendorfer, Pfaffenroder und Gelenauer Zweige gehören zu dem Sachsenburger Hauptstamm.

Niclas III. hinterliess seinem 2ten Sohne, Ritter Hans Reinsberg, Limbach und Wilsdruf, wogegen Dietrich Rothschönberg übernahm.

Niclas III. ist somit der Grossvater des berühmten 1472 zu Rothschönberg gebornen Cardinals Niclas von Schönberg, Bischofs zu Capua, welcher zweimal zur päbstlichen Krone Hoffnung hatte und 1537 als ein, in der Reformationsgeschichte sehr bekannter Mann starb. Er gehörte zu den elegantesten Lateinern seiner Zeit und wurde oft vom päbstlichen Hofe als Gesandter gebraucht.

Eine eben so berühmte Grösse war Antonius von Schönberg auf Rothschönberg und Reinsberg, ein Rath Herzogs Georg des Bärtigen. Derselbe war im Herzogthume Sachsen unter dem Adel einer der ersten, welche der Augsburgischen Confession sich zuneigten, weshalb er nach [170] Freiberg flüchten musste, wo ihn Herzog Heinrich zu seinem Rathe erhob. Nach Heinrichs Todte liess Georg ihn 15 M. in Verhaft nehmen, setzte ihn jedoch nach einigen Monaten wieder in Freiheit und gab ihm seine Güter Rothschönberg nebst Reinsberg, ja auch seine Würde wieder.

Unter den noch folgenden Besitzern ist vorzüglich noch Hans Dietrich hervorzuheben, welcher zugleich Willsdruf und Limbach besass und 1726 als Münzdirector, Oberrechnungspräs., Obersteiereinnehmer und geh. Rath starb.

Sein gleichnamiger Sohn, der Kammerjunker hatte Rothschönberg bis 1783.

Ein merkwürdiger und von vielen harten Schicksalsschlägen heimgesuchter, grossartiger Charakter, der Französische Oberistlieutnant Xaverius Maria Cäsar von Schönberg, welcher seinen König Ludwig XVI. bis zu seinem grausenvollen Tode treu und ergeben blieb, überkam nach dem Obenerwähnten Rothschönberg, von welchem es nun auf dessen würdigen Successor Herrn Arthur von Schönberg übergegangen ist.

Rothschönberg, der Ort, liegt 2¾ Stunden südwestlich von Meissen, 5 Stunden westlich von Dresden und 2 Stunden von Willsdruf, 1¼ Stunde östlich von Nossen, 1½ Stunde nordöstlich von Siebenlehn, kurz vor dem Einfluss des Neukirchner Wassers in die Trübische, in einer sehr anmuthigen und an der Trübische wirklich romantisch-schönen Gegend.

Der am nördlichen Fusse des Schlossberges sich nach dem Trübischthale ziehende Wiesengrund von einem „das Neukirnher Wasser“ genannten Bache durchschnitten und auf beiden Seiten von felsigen und waldigen Bergwänden eingeschlossen, ist ein Anblick, der immer und immer wieder das Auge ergötzt. Der auf der sogenannten Perne stehende Theil des Dorfes, aus 8 Feuerstätten bestehend, wird die Pernehäuser genannt.

Die sämmtlichen Rothschönberger Besitzungen der übrigen Einwohner bestehen in Häusler- und Gärtnerwohnungen, mit Einschluss zweier kleiner Mühlen. Eine dritte Mühle gehört zum Rittergut. Das Rittergut hatte vor der neuen Gerichtsorganisation die Gerichtsbarkeit über die Dörfer Plankenstein, Elgersdorf und Schmiedewalde, sowie zum Theil über Burkhardtswalde, Groitzsch, Helbigsdorf und Seeligstädt, auch über ein Gut in Präbschütz und Neukirchen.

Die Rittergutsflur ist reich an fruchtbaren Feldern, üppigen Wiesen und grossen Laubholzparzellen und überhaupt von bedeutendem Umfange. Die dabei befindliche Schäferei ist stark und sehr veredelt.

Der Besitzer von Rothschönberg ist auch zugleicht Collator über die dasige Kirche und über die Kirche in Burkhardtswalde.

Die erste Kirche in Rothschönberg bestand anfangs nur in der Schlosscapelle, welche im Rittergute vorhanden war, deren Raum aber in neuerer Zeit zu andern Zwecken verwendet worden ist. Daher war früher auch nur eine Schlosskapelle vorhanden.

Erst Antonius von Schönberg fundirte zu Rothschönberg die Pfarre. Später wurde die Rothschönberger Kirche wegen Mangel an Einkünften eine Tochterkirche von Burkhardswalde.

Doch 1561 erhob sich die Kirche in Rothschönberg wieder zu ihrer Selbstständigkeit.

Der jedesmalige hier angestellte Pfarrer war laut Fundation zugleich Schlossprediger und musste auf Verlangen in der Schlosscapelle predigen. Seit dem Jahre 1829 ist die hiesige Kirche ganz restaurirt, bei welcher Gelegenheit der Herr Oberistlieutnant Xaverius Maria Cäsar von Schönberg die grössten Opfer nicht scheute und überdies noch im Jahre 1831 die Kirche mit einer neuen Orgel beschenkte.

Auch die Schule ist in neuerer Zeit besonders berücksichtigt und in guten Zustand gebracht worden. In derselben werden an 70 Kinder unterrichtet.

Ausserdem besitzt das Rittergut auch die Collatur einer der 6 von Schönbergischen Freistellen auf der Landesschule Meissen.

Rothschönberg mit seinen Bewohnern gehört jetzt zum Gerichtsamte Wilsdruf und zum Bezirksgericht Dresden.

M. G.