Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Löbnitz

Textdaten
<<< >>>
Autor: M. G.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Löbnitz
Untertitel:
aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 155–156
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
{{{SONSTIGES}}}
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
LöbnitzB-HH.JPG
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[Ξ]
Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I 239.jpg
[155]
Löbnitz


auch Alt-Löbnitz, eine Stunde südlich von Pegau an der Schwennigke gelegen.

Das hiesige Rittergut mit prächtigem Schlosse und schönem Garten liegt dicht an der Schwennigke.

Das Schloss, in edlem grossen Styl erbaut, war ehedem ein Jagdschloss, welches die Herzöge von Sachsen Zeitz besassen und zu diesem Schlosse gehörten blos Holz und Wiesen. Um’s Jahr 1696 kaufte es der churfürstliche geheime Rath und Ober-Consistorial Präsident Adam Ernst Senft von Pilsach dem Herzoge Moritz ab und von dieser Zeit wurden nach und nach mehre Bauernfelder dazu gebracht und das Vorwerk Nöthnitz angelegt, so dass es im Jahre 1797, wo es dem Kreishauptmann Blümner in Leipzig gehörte, 29 Hufen Feld besass, von denen später wieder nach und nach 9 Hufen verkauft worden sind.

Zu dem Rittergute gehört eine beträchtliche Ziegelscheune, so wie bedeutende Bier- und Brandtweinbrennerei. Die Dörfer Alten-Groitzsch, Gatzen, Methewitz, Michelwitz, Pautzsch, Bennewitz, Saasdorf, Gross-Priesligk und das Vorwerk Nöthnitz bilden die sogenannte Pflege Löbnitz. Die Gerichtsstube für diese ganze Pflege war vor der neuen Gerichtsorganisation zu Löbnitz, seine eigne Gerichtsstube hatte blos noch das Dorf Gross-Priesligk.

Nach der Familie von Pilsach besass die Pflege der Domherr von Levezow, von welcher es an den Freiherrn von Brösigke kam. Von diesem acquirirte es die Hohenthalsche Familie.

Der jetzige Besitzer ist der Königl. Sächs. Kammerherr Alfred von Hohenthal, der Sohn des frühern Königl. Sächs. Kreishauptmann Peter Carl von Hohenthal, dessen Vater der Königl. Sächs. Conferenzminister Johann Wilhelm Graf von Hohenthal war. Ein Name, der durch die sächs. Gauen golden klingt und fort in seinem Ruhme strahlen wird, so lange noch Menschen für grosse schöne Tugenden, für Hochherzigkeit und Edelmuth empfänglich sind.

Es gehört also auch dieses Gut der I. Linie der Graf Hohenthalschen Familie.

Dieselbe ist Collatrizin über die Kirche zu Gatzen, wohin Löbnitz gepfarrt ist, und über die Kirche zu Michelwitz, wohin Nöthnitz gepfarrt ist.

In Michelwitz ist eine schöne Stiftung von dem im Jahre 1760 zu Frankfurt a. M. verstorbenen Kaufmann Christian Friedel. Friedel, der Sohn des Michelwitzer Pfarrers Christoph Friedel, wurde zu Michelwitz am 9. Septbr. 1693 geboren und aus Anhänglichkeit zu seinem Geburtsorte vermachte er der Kirche ein Capital von 4000 Gulden rheinisch mit der Bestimmung, dass von den Zinsen jährlich der derzeitige Stifts-Superintendent 48 fl., der jederzeitige Schösser zu Löbnitz 40 fl., der jedesmalige Pfarrer in Michelwitz 10 fl., der Schulmeister 6 und die Kirchenväter 4 fl. erhalten und aus dem Ueberschuss der Interessen zur Hälfte Bibeln, Gesangbücher und Katechismen für die Bedürftigsten der Gemeinde gekauft werden sollten, während er die andere Hälfte zum Austheilen an Michelwitzer Arme bestimmte. Vor der Vertheilung sollte der Ortspfarrer allemal eine Predigt über den Todten halten und Sterbelieder singen lassen.

[156] Nach Michelwitz sind 7 andere Dörfer eingepfarrt, die nahe herum liegen und mit diesen zusammen die Haidedörfer genannt werden; wahrscheinlich deswegen, weil sie weder Holz noch Wiesen haben. Der Boden, auf dem sie liegen, ist hinsichtlich der Fruchtbarkeit ungewiss; denn in meisten Jahren fallen die Ernten sehr gering aus. Statt der Wiesen giebt es hier blos Kleefelder.

Die Mutterkirche von Michelwitz mit den eingepfarrten Dörfern: Zschagast, Maltiz, Langenhain, Käferhain, Pautzsch, Medewitz und Nöthenitz waren sonst stiftisch, ist aber durch Sachsens Theilung vom Stifte Zeitz abgekommen und zur Inspection Pegau geschlagen worden.

Das Patronatrecht übte vor der Reformation das Kloster Bosau aus, nach derselben aber kam es an das Stifts-Consistorium und blieb bei demselben bis zum Jahre 1748, wo es an die Besitzer des Ritterguts Löbnitz verliehen wurde. Schon bei der ersten sächs. Visitation im Jahre 1555 wurde Michelwitz zur Inspection Pegau gezogen, daher auch immer von Seiten dieser Inspection von Zeit zu Zeit darauf Ansprüche gemacht worden sind. Seit dem Jahre 1564 aber, wo auch in Zeitz eine Superintendentur errichtet wurde, ist es auch bei dieser bis zum Jahre 1815 verblieben.

In Michelwitz war vor den Zeiten der Reformation ein Pegauer Klostergut.

Das Kirchspiel Gatzen besteht aus 5 Dörfern, die sämmtlich zur Pflege Löbnitz gehören.

Das Elsterthal ist bei Gatzen eine halbe Stunde breit und prangt auf beiden Seiten der Elster mit den vortrefflichsten Wiesen und Weideplätzen, auch findet sich in demselben einiges Holz.

Die Bewohner dieser 5 Dörfer haben schöne Rindviehzucht und bauen viel Korn, Gerste und Hafer, wenn das Jahr nicht zu nass ist. Die Gatzner Kirche ist ein schönes geräumiges Gebäude, im Jahre 1575 erbaut und durch den verstorbenen geheimen Rath Adam Ernst Senft von Pilsach im Jahre 1705 erweitert und verschönert; sie hat eine gute Orgel, eine geräumige Herrschaftscapelle, eine von dem Verbesserer des Kirchengebäudes angelegte Bibliothek, ein Erb-Begräbniss.

Genannter Gutsherr stiftete auch ein Legat zum Besten der Armen in der Kirchfahrt und des Predigers und Schullehrers, sowie des Gerichtshalters. Er ist Verfasser des im Zeitzer Gesangbuche befindlichen Liedes: Herr Gott, du kennst meine Lage.

Kirche und Schule standen unter der Inspection Naumburg, während jetzt Pegau die Aufsicht führt.

Die Einwohner von Gross-Priessligk, an der Schnauder gelegen, wo eine bedeutende Torfgräberei seit Jahren betrieben wird, sind nach Groitzsch eingepfarrt, wogegen vor Einführung der neuern Gerichtsorganisation ein Theil des Städtchens Groitzsch unter die Gerichte zu Gross-Priessligk gehörte.

Durch Groitzsch wird man unwillkührlich an Graf Wieprecht von Groitzsch erinnert, welcher die Pflege Groitzsch im 11. Jahrhundert von dem Stadtgrafen Udo von Stade gegen andere Güter in der Mark eintauschte. Ihn muss man als den wahren Vater der Kultur hiesiger Gegend und eines grossen Theils des Leipziger Kreises ansehen, wozu er nicht blos durch Stiftung der Klöster zu Pegau und zu Groitzsch, sondern auch durch das Herbeiziehen fränkischer Kolonisten unendlich viel beitrug. Diese war damals überhaupt eine der mächtigsten Dynastien; denn ihm gehörte ausser Groitzsch noch ein grosser Theil der Oberlausitz, die Grafschaft Leisnig, ein beträchtlicher Distrikt des Pleissner Landes z. B. Zwickau, Colditz u. s. w.

Dieser Held und Fürst der Sorben liegt in Pegau begraben.

Dieser Graf Wieprecht von Groitzsch bekam auch im Jahre 1090 vom Bischof Wolrabo von Naumburg den Gau Buthin geschenkt, welcher 700 Hufen enthalten haben soll und wovon das zur Pflege Löbnitz gehörige Dorf Pautzsch oder Beutsch ein Ueberbleibsel ist.

Die ganze Pflege Löbniz gehört jetzt zum Gerichtsamt Pegau, zum Bezirksgericht Borna, zur Amtshauptmannschaft Borna, zum Regierungsbezirk Leipzig mit 210 bewohnten Gebäuden, wovon auf den Ort Löbnitz 36 kommen.

(M. G.)