Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I A,2 (1920), Sp. 1872–1873
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4) Der zu Metz mündende rechte Nebenfluß der Mosel, die Seille, im Mittelalter lateinisch Salia (Sallia) und französisch Saille benannt, wird in den uns erhaltenen Quellen zuerst von Venantius in einem an den Metzer Bischof Vilicus (548—568 n. Chr.) gerichteten Gedicht erwähnt, III 13, 5: hinc dextra de parte fluit qui Sālia fertur, flumine sed fluctus pauperiore trahit; hic ubi perspicuis Mosellam cursibus intrat, alterius vires implet et ipse perit. Denselben Fluß meint aber auch Venantius carm. VII 4, 16, wo es nach Nennung einer Reihe von Flüssen im austrasischen Merowingerreich (Rhein, Mosel, Maas, Aisne, Saar, Schelde, Somme, Sauer u. a.) heißt: seu qui Mettis adit de sǎle nomen habens (fluvius). Die Seille hat nämlich ihren Namen vom Salz, weil sie in ihrem Oberlauf ein reiches Salzbecken durchfließt, welchem auch dortige Siedelungen ihren Namen verdanken, wie Marsal (Marosallum), Salonnes (J. 775 n. Chr.: Salona), Salées-Eaux in der Gemeinde Ley (12. und 13. Jhdt.: Salsa Aqua), [1873] Salival (Salina vallis), Château-Salins. Die Salzgewinnung ist hier uralt, und wahrscheinlich hatten auch die im sog. ,Briquetage‘ vorliegenden mächtigen Reste von aus Ziegelstangen und anderen Bestandteilen zusammengefügten Gerüsten nebst zahllosen Scherben von Töpfen in dem Zeitraum von etwa 800 bis rund 400 v. Chr. dieser Industrie der Herstellung des Salzes durch Abdampfen der Sole gedient; vgl. Keune Lothr. Jahrb. 1901, XIII 366ff., bes. 382ff., und in ,Lothringen und seine Hauptstadt‘ (1913) 46ff. Von dem Flußnamen ist die Gaubezeichnung pagus Salinensis (Salininsis), franz. le Saulnois, Pays Saulnois, hergeleitet; Belege bei Holder Altcelt. Sprachschatz II 1306, vgl. ,Das Reichsland Elsaß-Lothringen‘ III 1024 Art. ,Seillegau‘.