Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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kananitische Stadt
Band IX,1 (1914) S. 959960
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Jesrael oder Jisrael (יִזְרְעֶאל‎ LXX Ἰσραήλ, Lucian Ιεζραηλ) war ursprünglich eine kananitische, mit eisernen Kriegswagen bewehrte Stadt, Jos. 17, 16, die nachher vom Stamm Issachar eingenommen wurde, Jos. 19, 18. Sie bildete neben Samaria die Residenz Ahabs und seiner Nachfolger, 1. Kön. 18, 45. Außer einem Palast, in dessen Nähe der Weinberg Nabots lag, 1. Kön 21, 1, wird noch ein Wächterturm erwähnt, 2. Kön. 9, 17. 30ff. Hier spielt sich ein Teil der von Jehu eingeleiteten blutigen Tragödie des Hauses Ahab ab, 2. Kön. 9, 30ff. Nach 1. Sam. 28, 4 lag J. am Fuße des Gilboaberges, oberhalb Beth-Sean (Skythopolis), 1. Kön. 4, 12, unweit vom Karmel, 1. Kön. 18, 45. Judit 3, 9 u. ö. ist die Stadt Εσδραηλών, Εσδρηλων genannt. Nach Onom. 267, 133 liegt Εσδραηλα zwischen Skythopolis und Legio, es ist identisch mit Stradela des Pilgers von Bordeaux (333 n. Chr.). Da Εσδραηλα 15 km von Maximianopolis (= Legeon, Legio, d. i. das heutige el-Ledschschûn am Südrande der J.-Ebene) und 17 km von Skythopolis liegt, kann J. nur das heutige ärmliche Dorf Zerʾîn sein (Bädeker Palästina und Syrien⁷ 226f.). Zum Wechsel von l und n vergleiche heutiges Betin aus Beth-el. Im Osten des Dorfes liegen alte Weinkeltern. Wahrscheinlich ist die Stadt benannt nach der gleichnamigen, von Südosten nach Nordwesten sich erstreckenden, 22 km langen und bis zu 14 km breiten Ebene Jesrael, Jos. 17, 16. Richt. 6, 33. Hos. 1, 5. Ein anderer Name dafür war Ebene von Megiddo, 2. Chron. 35, 12. Da keine Ebene von Palästina so groß ist wie die von J., heißt sie auch ‚die Ebene‘, Richt. 5, 15. 1. Sam. 31, 7 oder τὸ πεδίον μέγα schlechthin, 1. Makk. 12, 49. Joseph. ant. XII 8, 5 u. ö. Der heutige Name ist Merdsch ibn ʿAmîr ‚Wiese des Ibn Amîr‘. Die Ebene hat die Gestalt eines rechtwinkligen Dreiecks, dessen Hypotenuse Dschenin und der Karmel bilden. Durchflossen ist sie von dem bei Haifa im Mittelmeer mündenden Kison, jetzt nahr el-muqaṭṭaʿ. Die Ebene ist noch jetzt wie einst sehr fruchtbar und deshalb von jeher den Razzias der Beduinen ausgesetzt, Richt 6, 33. Vielleicht deutet auf die Fruchtbarkeit der Name יזרעאל‎ ‚Es sät Gott‘ hin. Bei der Stadt J. kreuzen sich die von Südosten nach Nordwesten im Tal des Dschalud von Beth-Sean an aufsteigende syrisch-ägyptische Karawanenstraße mit einer von Norden nach Süden laufenden Straße. Die Ebene J. war daher das gegebene Schlachtfeld Palästinas und hat ‚das Blut der Jahrtausende‘ getrunken. Hier kämpfte seit 1480 v. Chr. wiederholt der Pharao [960] Tutmosis III. gegen die Palästinenser (Kittel Gesch. des Volkes Israel I² 90ff.). Hier fanden statt die Entscheidungsschlachten zwischen den Israeliten unter Barak und Debora und den Kananitern unter Sissera, Richt. 4f.; dann zwischen Gideon und Midianitern, Richt. 6f.; Saul und den Philistern, 1. Sam. 29ff.; Ahab und den Syrern unter Benhadad, 1. Kön. 20, 26ff. im J. 860; Josia und dem Pharao Necho, 2. Kön. 23, 29 im J. 609: Tryphon und Jonathans Truppen, 1. Makk. 12, 49. Auch in der Römerzeit unter Gabinius und Vespasian fanden in der Ebene J. Kämpfe statt; desgleichen in der Zeit der Kreuzzüge. 1799 kämpfte hier Napoleon gegen die Türken. Die Wichtigkeit der Ebene J. haben auch die neuen Ausgrabungen von Taʿanach und Megiddo ergeben (Sellin Tell Taʿanek 1904/5. Schumacher-Steuernagel Tell el-Mutesellim 1908). Über weitere Orte in der Ebene J. vgl. Guthe Jesreel in Realenc. f. protest. Theol. und Kirche VIII³ 731ff.

[Beer. ]

Anmerkungen (Wikisource)

Vgl. auch den Artikel Esdraelon 1 zur gleichen Stadt.