Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Praefectus Italiae 409 n. Chr.
Band IX,2 (1916) S. 20152016
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3) Praefectus praetorio, durch Stilicho 405 für Illyricum ernannt, als dieser es dem oströmischen Reichsteil entreißen wollte. I. wurde dorthin geschickt, wird aber seine Macht kaum weiter als im Lager des Alarich ausgeübt haben, der durch Stilicho angereizt, in Epirus eingerückt war (Sozom. VIII 25, 3. IX 4, 3). Dort wurde er Gastfreund des Gotenfürsten (Zosim. V 48, 2). Nachdem dieser zum erstenmal Rom belagert hatte, wurde I. zum Praefecten von Italien ernannt, ein Amt, in dem er am 1. April und 26. Juni 409 nachweisbar ist (Cod. Theod. II 8, 25. XVI 8, 19. II 4, 7. XVI 5, 47). Gleichzeitig zum Patricius erhoben (Zosim. V 47, 1. Olymp. frg. 13 = FHG IV 59), stiftete er in Ravenna gemeinsam mit Allobich (s. Bd. I S. 1587) einen Soldatenaufstand an, durch den der Kaiser Honorius gezwungen wurde, seine einflußreichsten Berater zu entfernen (Zosim. V 47). Er führte bei Ariminum [2016] die Friedensverhandlungen mit Alarich, vereitelte sie aber durch eine grobe Unvorsichtigkeit und trat später jedem Übereinkommen mit den Goten entgegen (Zosim. V 48. 49. 51. Sozom. IX 7, 2–4). Nachdem sie Ende 409 den Attalus zum Gegenkaiser erhoben hatten (s. Bd. II S. 2177), wurde I. von Honorius wiederholt als Unterhändler zu ihm geschickt, ging aber zu ihm über und wurde auch von ihm zum Patricius ernannt (Olymp. frg. 13. Zosim. VI 8, 1. Sozom. IX 8, 5). Als aber die Aussichten des Attalus sich 410 verschlechterten, suchte I. seinen ersten Verrat durch einen zweiten gutzumachen. Er weigerte sich, als Gesandter des römischen Senats zugunsten des Usurpators mit Honorius zu verhandeln (Zosim. VI 9, 1), und beredete Alarich zur Absetzung des Attalus (Olymp. frg. 13. Zosim. VI 9, 3. 12, 2). Sein Sohn hieß Iason (Zosim. V 36, 1). An ihn gerichtet Symmach. epist. VIII 30. 50. IX 59. Da der erste dieser Briefe, der ihm zur Erhöhung seiner amtlichen Stellung gratuliert, um 399 geschrieben zu sein scheint und aus demselben Jahre August. de civ. dei XVIII 54 von der Zerstörung der karthagischen Tempel durch einen Comes I. berichtet, glaubte ich ihn früher (Symm. p. CXCVII) mit diesem identifizieren zu müssen. Doch bietet hier eine nicht minder gute Überlieferung die Namensform Iovianus (Mommsen Chron. min. I 246), und da dieser Mann in engster Verbindung mit Gaudentius auftritt, scheint er, gleich diesem (s. Bd. VII S. 859), Comes rei militaris gewesen zu sein, nicht, wie unser I., Zivilbeamter.

[Seeck. ]