Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Bürger von Sikyon, Anhänger der Spartaner, Tyrann um 367 v. Chr.
Band VI,1 (1907) S. 12171218
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Euphron. 1) Bürger von Sikyon. Er war zuerst Anhänger der Spartaner – und Führer der ihnen freundlichen Partei –, mit welchen Sikyon bis zum Sommer 369 verbündet war; als während des zweiten Zugs des Epameinondas die Stadt sich Theben durch freiwillige Abstimmung anschloß, gab er seine Stimme dagegen ab (Xen. hell. VII 1, 44. 3, 2). Von da ab tritt E. für einige Zeit zurück. Um wieder obenauf zu kommen, wechselte er die Partei; er benützte den Eindruck, welchen der Sieg der Oligarchen in Achaia und der Abfall dieser Landschaft von Theben machte, um den Arkadern und Argivern nahe zu legen, der bis dahin in Sikyon herrschenden Oligarchie ein Ende zu bereiten, da sonst ebenfalls ein Übertritt dieser Stadt zu Sparta zu befürchten sei. Mit Hülfe von Truppen der beiden Mächte wurde die Demokratie in Sikyon hergestellt; an die Spitze des Staates traten fünf Strategen, deren bedeutendster E. selbst war. Dieser Umsturz muß in das J. 367 fallen (in dieses sind mit Sievers 397 Epameinondas Zug nach Achaia und die bald darauf folgenden Ereignisse zu setzen); de Sanctis Ansatz (bei Beloch Gesch. II 273, 1) auf 368 hat Xenophons Wortlaut (hell. VII 1, 44 ἐν δὲ τῷ Σικυῶνι τὸ μὲν μέχρι τούτου κατὰ τοὺς ἀρχαίους νόμους ἡ πολιτεία ἧν · ἐκ δὲ τούτου βουλόμενος ὁ Εὔφρων κτλ.) gegen sich; Diodors Ansatz auf 369 (XV 70, 3) ist unzuverläßig. E. wußte die Macht dadurch in die Hand zu bekommen, daß er an die Spitze der schon bestehenden Soldtruppen seinen Sohn Adeas stellte und dieselbe auf 2000 Mann brachte. Er beseitigte bald seine Amtsgenossen und schaltete von da ab als unumschränkter Tyrann. Die öffentlichen Gelder und die Tempelschätze wurden zum Unterhalt der Söldner verwandt, die meisten Gegner des E. (nach Diodor 40) unter dem Vorwand des Lakonismus ohne Urteilsspruch getötet oder verbannt und ihr Vermögen eingezogen, die Sklaven befreit und mit dem Bürgerrecht beschenkt (Xen. hell. VII 1, 44ff. 2, 11. 3, 1. 8; kurz Diod. XV 70, 3). Es scheint, daß Bronzemünzen mit E.s Namen geschlagen wurden (R. Weil 375ff. Gardner Catalogue of the Greek coins in the British Museum, Peloponnesus 48). Den Rücken deckte sich E. durch ein Bündnis mit Theben (Xen. hell. VII 3, 8) und durch Bestechung der Arkader und Argiver (ebd. 1, 46); an der Spitze seiner Söldner machte er die Züge der Verbündeten mit, besonders den Zug gegen Phlius (Xen. hell. VII 2, 11ff.). Auf die Dauer konnten die Verbündeten E.s Treiben trotz der wertvollen militärischen Macht, welche er repräsentierte, nicht zusehen; der arkadische Strateg Aineias von Stymphalos schritt mit Waffen gegen ihn ein (ungefähr 366) und rief seine politischen Gegner zurück. E. flüchtete in den Hafen und lieferte ihn den Spartanern aus (Xen. hell. VII 3, 1ff.); doch wurde derselbe bald von den Arkadern und Sikyoniern zurückgewonnen (ebd. VII 4, 1). In Sikyon brachen wieder Parteikämpfe zwischen den Oligarchen und der Volkspartei aus; mit Hülfe von Söldnern, welche ihm Athen [1218] zur Verfügung stellte, gelang es E. nochmals, sich der Herrschaft zu bemächtigen. Die Burg war die ganze Zeit über von einer thebanischen Garnison besetzt; da E.s Versuch, sie gewaltsam zu vertreiben, scheiterte und er erkannte, daß er sich nicht behaupten könne, falls Theben ihm feindlich bliebe, so reiste er dorthin, um die leitenden Kreise durch Bestechung für sich zu gewinnen. Seine Feinde hatten davon Kunde erhalten und begaben sich ebenfalls nach Theben; während einer Unterredung, die E. mit den Behörden auf der Kadmeia hatte, wurde er von ihnen erstochen. Die Mörder wurden von dem thebanischen Rat freigesprochen; der Leichnam des E. ward nach Sikyon geschafft und dort auf dem Markte beigesetzt, ihm selbst heroische Ehren gewidmet (Xen. hell. VII 3, 4ff.). Sikyon trat aufs neue in ein Bündnis mit Theben (Diod. XV 85, 2). E.s Rückkehr mit Hülfe Athens wird, wie Beloch im Gegensatz zur gewöhnlichen Annahme (Grote X2 36) richtig sah (a. O. II 273, 1; übrigens schon Lachmann Gesch. Griechenlands von dem Ende des pelop. Krieges II 410) in den Winter 366/5, sein Ausgang etwas später, nach dem Frieden zwischen Theben und Korinth, gehören (Beloch II 278, 2).

Literatur: Sievers Gesch. Griechenlands vom Ende des peloponnesischen Krieges bis zur Schlacht bei Mantinea 289ff. Curtius Gr. Gesch. III2 357ff. Grote Hist. of Gr. X2 16. 26, 1. 28ff. R. Weil Ztschr. f. Numism. VII 371ff. E. v. Stern Gesch. der spartanischen und thebanischen Hegemonie 207ff. Beloch Griech. Gesch. II 272ff. Ed. Meyer Gesch. d. Altert. V 446ff. 463ff.