Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VI,1 (1907), Sp. 245–246
Pauly-Wissowa VI,1, 0245.jpg
Epopeus (König von Sikyon) in der Wikipedia
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1) Epopeus in Sikyon. E. ist mit mehreren der in Sikyon verehrten Gottheiten verbunden, so mit Athena, der er einen Tempel und Altar beim Heiligen Tore gründete, und auf gleiche Weise mit Apollon und Artemis. Beim Athenaaltar besich der Grabhügel des E., und nahe dabei ein Heiligtum der Apotropaioi theoi, Paus. II 11, 1 und Hitzig-Blümner z. d. St. Wenn ferner Hesych für die in Sikyon verehrte Demeter den Beinamen Epopis überliefert, so ist die Vermutung erlaubt, daß diese Göttin das weibliche Gegenstück zu E. war, und daß in dem Tempel (Paus. II 11, 2) ursprünglich ein Götterpaar E.-Epopis verehrt wurde. Es scheint, daß E. in früher Zeit der eigentliche Stadtgott von Sikyon war, worauf [246] vielleicht schon der Name weist, Odelberg Sacra Corinthia etc. 185f. Der Eponyme von Sikyon galt als Enkel des E., Paus. II 6, 5. Sein Sohn Titenios oder Titanios ist wohl der Eponyme des benachbarten Titane, Mayer Gig. u. Tit. 69. E. selbst wird zum Sohne des Aloeus und Enkel des Helios, sein Sohn ist Marathon, der die Ostküste Attikas besiedelt und später das väterliche Erbe unter seine Söhne teilt, Eumelos frg. 4 = Paus. II 1, 1. Oder er ist der Sohn des Poseidon, entweder von Kanake, Apollod. I 53 (und dann Bruder des Aloeus), oder von der Atlastochter Alkyone, Hyg. fab. 157, und seine Tochter ist Oinope (?, Oinoe nach Bursian zu Paus. I 39, 5). Als Grund für den Weggang des Marathon wird angegeben das gesetzlose, frevelhafte Treiben des Vaters. Er soll die Götter zum Kampfe herausgefordert und ihre Heiligtümer und Altäre geschändet haben, Eumelos a. O. Diod. VI 7, 2. Es hängt dies wohl mit der Rolle des E. in der Antiopesage zusammen, und andrerseits wird sich daraus die Vorstellung von dem Giganten E. (s. Nr. 2) entwickelt haben.

Die thebanische Antiopesage, in die E. verflochten ist, zeigt ihn als σύλλεκτρoς des Zeus. Antiope, von Zeus schwanger und von E. dem Hirten der Völker, gebiert den Amphion und Zethos, Asios frg. 1 = Pans. II 6, 4. Die weitere Ausführung hiezu gibt Apollod. III 42: Antiope, von Zeus schwanger, flieht vor den Drohungen ihres Vaters Nykteus nach Sikyon und wird die Gattin des E. Nykteus tötet sich salbst, nachdem er dem Lykos aufgetragen hat, sich von E. und Antiope Sühne zu verschaffen. Lykos erobert Sikyon, tötet den E., und führt die Antiope gefangen fort, die unterwegs die beiden Kinder zur Welt bringt. Ähnlich Schol. Apoll. Rhod. IV 1090 und Hyg. fab. 8 (= Arg. Eur. Ant.), nur daß hier die Vermählung der Autiope mit E. erst nach der Geburt der beiden Söhne erfolgt. Nach anderer Version (Hyg. fab. 7. Schol. Stat. Theb. IV 570. Schol. Pers. sat. I 77) wird Antiope, die Tochter des Nykteus und Gattin des Lykos, von E. geschändet und deshalb von ihrem Gatten verstoßen. Hierauf wohnt ihr Zeus bei und sie gebiert den Amphion und Zethos. Bei Pausanias (II 6, 1f.) endlich raubt E. die Antiope, Nyktens rückt mit Heeresmacht gegen ihn aus, wird aber besiegt, und trägt nun Lykos auf, nochmals zu Felde zu ziehen. E. aber in seiner Siegesfreude baut der Athena einen Tempel, und zum Zeichen ihrer Huld läßt die Göttin auf sein Gebet hin eine Quelle Öles vor ihrem Heiligtume emporsprudeln. Später stirbt auch E. an den im Kampfe mit Nykteus empfangenen Wunden, und sein Nachfolger Lamedon giebt die Antiope freiwillig heraus, die dann die beiden Söhne gebiert. E. gilt in dieser Sage als thessalischer Einwanderer. In Beziehung zur Antiopesage, aber ohne daß sich das nähere Verhältnis feststellen ließe, ist die Erzählung der Kyprien (p. 18 K.), wonach E. die Tochter des Lykurgos schändet und infolge dessen den Untergang findet, vgl. Usener a. O. Gruppe Griech. Myth. 130. 133. 436. 508. 516. 537.