RE:Drusianus pes

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,2 (1905), Sp. 1740
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Drusianus pes, , ein Fussmass im Betrage von 11/8 römischen Fuss, d. i. nahezu 333 mm., das ) in Germanien bei den Tungrern üblich (Hyg. de condic. agr., Gromat. 123, 9 Lachm. Metrol. Script. II 61, 5) und wahrscheinlich unter Augustus von dessen Stiefsohn Claudius Drusus in ein festes Verhältnis zum römischen Fusse gesetzt worden war. Zwölf solche Fuss bildeten eine provinciale, in den Schriften der römischen Feldmesser (Metrol. script. II 125, 6. 129, 27, vgl. ebd. 34) erwähnte Messrute, pertica, im Betrage von 131/2 römischen Fuss = 3,99 m., ein Mass, aus welchem später die altfranzösische toise = 1,95 m., d. i. nahezu 1/2 drusianische Rute, entstanden ist. Weiter hat zu dem drusianischen Fusse eine Elle von 499 mm. gehört, deren 9000faches das germanische Wegmass, die rasta = 4,49 km. war, ein Betrag, den die Römer auf 3 milia passuum = 4,44 km. abgerundet haben. Die Hälfte der germanischen rasta war die gallische leuga = 11/2 römische Meile = 2,22 km.; später aber ist im fränkischen Reiche an Stelle der leuga die germanische rasta getreten, die als lieue de France bis zur Einführung des Metermasses sich erhalten hat. Hultsch Metrologie² 693f. vgl. mit 23. 691, 3. Hieraus geht hervor, dass der drusianische Fuss nicht auf das Gebiet der Tungrer beschränkt, sondern auch anderwärts in Germanien und Gallien verbreitet war. Nissen Iw. Müllers Handb. der class. Altertums wiss. I² 863 vermutet, dass er aus Massalia und damit mittelbar aus Phokaia stamme. Demnach scheint der Fuss von nahezu 333 mm. verwandt zu sein mit einem altbabylonischen Fusse im Betrage zwischen 328 und 334 mm., der durch einen 15 babylonische Fingerbreiten = 3/4 Fuss darstellenden Massstab des Priesterfürsten Gudea (vor der Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr., vgl. Bezold o. Bd. II S. 1757. Baumstark ebd. S. 2707) und durch die Dimensionen von Backsteinen bezeugt ist. C F. Lehmann Verhandl. der Berliner anthropol. Gesellsch. 1889. 308f. vgl. mit 288ff. 314ff.; ebd. 1896, 453ff. Unter verschiedenen griechischen Fussmassen, welche ebenfalls mit dem babylonischen Fusse verwandt waren, kommt diesem am nächsten der aus der altägyptischen Artabe abzuleitende Fuss. Denn da die Artabe im Betrage von 36,45 l. ein Volumen Wassers im Gewichte von 400 ägyptischen Pfunden (Ten, Uten) = 4000 ägyptische Kite fasste und das pheidonisch-aeginaeische Talent diesem Gewichte, sowie der pheidonische Metretes der Artabe gleich zu setzen sind (Hultsch Metrologie 366f.; Litter. Centralbl. 1895, 263. vgl. o. Χοῦς), so kommen auf die Kante des Würfels, der einen pheidonischen Metretes fasst, nahezu 332 mm., d. i. 1 Fuss des von König Pheidon nach der ägyptischen Gewichtsnorm geregelten Systems der Längen- und Hohlmasse.