Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,2 (1905), Sp. 17381739
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Druseios, der siebente Monat eines aus augusteischer Zeit stammenden römisch orientalischen Sonnenjahrs, das uns aus zwei Quellen bekannt ist; 1. in einer chaldaeischen Dodekaëteris, die aus dem Cod. Parisinus 2420 in dem Catalogus cod. astrol. gr. II 139ff. herausgegeben ist, werden für jedes der 12 Jahre die Data der Jahrpunkte und anderer astronomisch oder meteorologisch wichtiger Tage parallel nach dem iulianischen Kalender und nach einem mit dem 2. October beginnenden Sonnenjahr angegeben, dessen Monatsnamen auf Augustus und seine nächsten Verwandten hinweisen und, wie Usener gesehen hat, auf Einführung dieser Jahresordnung im J. 18/7 v. Chr. schliessen lassen. Hier ist der Name des siebenten Monats, der 30tägig vom 2. April bis zum 1. Mai dauerte, zwar p. 144, 14 in der Handschrift ausgefallen, aber bei der völligen Übereinstimmung dieser Quelle mit der unter 2. zu besprechenden in Namen und Reihenfolge der Monate ist die Ergänzung der Herausgeber ἕως Ηλειάδος ἀνατολῆς τῇ πρὸ ε’ καλανδῶν Μαΐων, (Δρουσαίου) κε’ absolut sicher. 2. In dem Liber glossarum (Götz Corp. gloss. V 161 ff.) [1739] kehren alle Monate jenes Kalenders bis auf einen, jeder an seiner alphabetischen Stelle, wieder, darunter Druseos ellenorum lingua iulius mensis dicitur, aber sämtlich zeigen die Vergleichungen mit den iulianischen Monaten gegen die Quelle 1 eine Verschiebung um ein Vierteljahr. Dass jene Ordnung, wonach der Jahresanfang auf den 2. October fällt, die ursprüngliche ist, kann keinem Zweifel unterliegen, da sie offenbar an den Geburtstag des Augustus als Jahresanfang anknüpft und nur um der grössern Übereinstimmung mit dem römischen Kalender willen um einige Tage später einsetzt. Ob die Ansätze des Liber glossarum von einer späteren Änderung des Kalenders herrühren (Analogien für solche Verschiebungen fehlen nicht, s. Ideler Handb. der Chronologie I 434ff.), ist sehr zweifelhaft. Denn die Annahme, dass dem Verfasser nur ein Verzeichnis der Monatsnamen vorgelegen und er in Unkenntnis des wahren Jahresanfangs jeden Monat einfach dem der Ordnungsnummer nach entsprechenden iulianischen gleichgesetzt habe, liegt um so näher, als ihm derselbe Irrtum bei dem attischen Kalender zweifellos begegnet ist, wenn er den Hekatombaion dem Januar gleichsetzt (V 191, 38). Auch die anderen Angaben über die attischen Monate, Maimakterion = April p. 222, 8, Anthesterion = Juli p. 167, 10, Munichion = September p. 224, 20, die untereinander stimmen, von der Ansetzung des Hekatombaion aber um eine Stelle abweichen, sprechen nicht dagegen, wenn man nur annimmt, dass in dem zu Grunde liegenden Verzeichnis irgendwo zwischen Hekatombaion und Maimakterion ein Name ausgefallen war. Wenn die Monate des in Rede stehenden Kalenders in den Glossen den ,Hellenen‘ zugeschrieben werden, so versteht das Usener gewiss mit Recht von den Syromakedonern. Aber wie sich der Geltungsbereich dieser Jahrform zeitlich und örtlich zu dem des bekannten syromakedonischen Kalenders verhielt, der die makedonischen Monatsnamen hat, muss dahingestellt bleiben. Der Monat D. ist nach dem älteren Drusus benannt, dessen Mutter und Bruder (s. u. Libeios und Neroneios) ebenfalls in der Namenreihe vorkommen.