Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Band V,1 (1903), Sp. 831–832
Linkvorlage für WP   
* {{RE|V,1|831|832|Diomos 1|[[REAutor]]|RE:Diomos 1}}        

Diomos (Δίομος). 1) Sohn des Kollytos (Steph. Byz. s. Διόμεια. Hesych. s. Διομεῖς), ἐρώμενος des Herakles, Eponymos des attischen Demos Diomeia (Schol. Apoll. Rhod. I 1207. Schol. Aristoph. Ach. 603; Ran. 651 = Suid. s. Διόμεια. Steph. Byz. a. a. O.) und des gleichnamigen Heraklesfestes (Etym. M. 277, 24), ist der Held zweier aetiologischen Legenden: a) Für das Heraklesopfer im Kynosarges und den Namen dieser Örtlichkeit (Steph. Byz. Hesych. Phot. Suid. s. Κυνόσαργες). Danach opfert D. (τῇ Ἑστίᾳ Phot.), als ein weisser Hund das Opferfleisch wegreisst und damit fortläuft; die Verlegenheit wird durch ein Orakel gelöst, nach welchem dort, wo der Hund das Fleisch niedergelegt hat, dem Herakles ein Altar zu errichten ist, und die Örtlichkeit heisst nunmehr Κυνοσαργὲς ἢ ἀπὸ τῆς λευκότητος τοῦ κυνὸς ἢ τοῦ τάχους (Hesych.). b) Für den Buphonienbrauch (s. dazu die Art. Buphonia Bd. III S. 1055ff. und Dipolieia) steht die bei Porphyr. de abstin. II10 überlieferte D.-Legende neben der gleichfalls attischen Thaulonlegende (Androtion bei Schol. Aristoph. Nub. 985) und der Erzählung von Sopatros bei Porphyr, a. a. O. II 29 (nach Theophrast, s. J. Bernays Theophrasts Schrift [832] über die Frömmigk. 122ff.; die Erwähnung des D. beruht hier nur auf einer Contamination durch den Verfasser), deren attische Herkunft H. v. Proll (Rh. Mus. LII 192ff.) mit Recht bestritten hat. In der D.-Legende ist dieser Priester des Ζεὺς Πολιεύς und will eben an dessen Feste das unblutige Opfer darbringen, als ein Stier von dem heiligen Kuchen frisst; hierauf nimmt D. alle Anwesenden zu Helfern und tötet den Stier. Gegen den Versuch Toepffers (Att. Genealogie 154ff.), den Namen D. als secundär aus der Kynosargeslegende durch Verwechslung in die Thaulonerzählung eingedrungen aufzufassen, hat v. Prott a. a. O. (vgl. auch Maass Gött. gel. Anz. 1899, 828f.) berechtigten Einspruch erhoben. Vgl. über die Bedeutung der Erzählung und ihrer Parallelen Toepffer a a. O. 149ff. P. Stengel Herm. XXVIII 1893, 489ff. v. Prott Rh. Mus. LII 1897, 187ff. Stengel ebd. 399ff.