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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 22262236
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9) M. Annaeus Lucanus, nach Vergil der namhafteste und einflussreichste Epiker Roms. Die wichtigste Quelle für sein Leben sind zwei in Lucan-Hss. überlieferte Vitae verschiedener Tendenz: die eine, lückenhaft und verstümmelt überliefert, stimmt mit den Excerpten in Hieronymus Chronik, geht auf Sueton de poetis zurück und ist dem Dichter feindlich gesinnt (Sueton. p. 50 R. Usener Comm. Bern. 3), die andere vollständig erhaltene Vita (Sueton. p. 76 R.), welche neben ausführlicheren Quellen den Sueton benützt und den Dichter gegen dessen Angriffe in Schutz nimmt, ist einem alten Commentar zu L. entnommen: wie C. F. Weber Vitae M. Annaei Lucani collectae Pars I, Marb. 1856, 15 und in seiner Ausgabe der Scholien p. IV wahrscheinlich macht, ging dieser Commentar unter dem Namen eines sonst unbekannten Grammatikers Vacca, der als expositor Lucani in den Weberschen Scholien zu II 322 und III 56 citiert wird (H. Genthe De M. Annaei Lucani vita et scriptis, Diss. Berl. 1856, 6) und etwa der Zeit des Priscian angehören mag. Die älteste Quelle für L.s Leben und Schriften ist das genethliacon Lucani in Stat. silv. II 7, der Witwe des L. etwa 25 Jahre nach des Dichters Tod gewidmet.

L. stammt aus einer wohlhabenden und angesehenen Familie aus Corduba in Spanien, wo schon um die Zeit von Ciceros Consulat von einheimischen Dichtern die lateinische Poesie gepflegt wurde. Pingue quiddam sonantes atque peregrinum nennt Cicero p. Arch. 26 die poetae Cordubenses, ein tadelndes Urteil, das in der Familie des L. bekannt war (Senec. suas. 6, 27) und der Dichter wohl versucht hat, für seinen Teil zu vermeiden. L.s Vater M. Annaeus Mela, des jüngeren Seneca jüngerer Bruder, eques R. dignitate senatoria, war ein Mann von grosser Begabung (Genthe 11) und grossem Reichtum, der eingedenk der Lehre seines Vaters durch Zurückgezogenheit vom öffentlichen Leben originell zu erscheinen wusste, indem er gerade hierdurch die Aufmerksamkeit auf sich zog und ausserdem in seiner Stellung als kaiserlicher Procurator es verstand, sein Vermögen zu vergrössern (Tac. ann. XVI 17. Vacca p. 76 = Senec. controv. II praef. 3. L.s Mutter Acilia, die Tochter eines Redners und Sachwalters Acilius Lucanus, stammte gleichfalls aus Corduba, ihre Ehe scheint keine glückliche gewesen zu sein (Sueton p. 50, 10). Geboren ist L. III Non. Novembris C. Caesare Germanico II L. Apronio Caesiano coss. = 3. November 39, Cognomen erhielt er von dem Grossvater mütterlicherseits, die übrigen Namen vom Vater. Die Inschriften Spaniens zeigen die weite Verbreitung der Geschlechter der Annaei und Acilii und die Beliebtheit der in der Familie des L. geläufigen Cognomina: ein Sex. Annius Lucanus CIL II 1761. [2227] Im Juli 40 zogen die Eltern mit dem acht Monate alten Knäblein nach Rom, wo der Oheim Seneca als Sachwalter und Senatsmitglied bereits eine einflussreiche Stellung einnahm. Dort wuchs der Knabe auf, zur Freude der Seinen, die sich in den Schriften des Seneca wiederspiegelt (PLM IV 77; consol. ad Helv. 18, 4): wahrscheinlich ist die Erzählung des Vacca p. 76, 16 von den Bienen, die sich auf den Lippen des Knäbleins einst niedergelassen hatten, auf eine alte Familientradition zurückzuführen. Unterrichtet wurde L. von praeceptores eminentissimi in Grammatik und Rhetorik (declamavit et Graece et Latine cum magna admiratione audientium Vacca p. 77, 6), in der Philosophie von dem Stoiker L. Annaeus Cornutus, der, wie man aus seinem Namen schliessen mochte, ein Freigelassener seines Oheims gewesen ist, dem Lehrer des mit L. befreundeten Persius (Vita Persii Sueton. p. 73, 11 R.). Um 55 legte L. die Toga praetexta ab und trug von da ab als Sohn einer Familie senatorischen Ranges den latus clavus (Vacca p. 77, 8). In dieselbe Zeit fallen seine ersten dichterischen Versuche: ein Epos Iliacon (Vacca p. 78, 15. Baehrens FPR 366), enthaltend die Geschichte von Hektors Tod und Lösung nach Ilias XXIV (Stat. a. O. 55), ein zweites Epos catachthonion betitelt (Vacca und Stat. a. O.), eine Beschreibung der Unterwelt: auch die von Vacca erwähnte imperfecta tragoedia Medea war wohl eine unvollendete Jugendarbeit jener Zeit. Angeregt durch die Processverhandlungen des J. 58 über Octavius Sagitta (Tac. ann. XIII 44) schrieb gewiss bald nach denselben der Dichter zur Übung eine Declamation in Octavium Sagittam et pro eo (Vacca). 59 gründete Nero, an Lebensalter nur zwei Jahre älter wie L., einen Verein von Dichtern zu gegenseitiger Anregung und Förderung in der Dichtkunst (Tac. ann. XIV 16): L., der damals gerade sich auf einer Studienreise in Athen befand, wurde nach Rom zurückberufen und in die cohors amicorum, in der auch Philosophen, wie Cornutus, damals gern gesehen waren (Tac. a. O. Dio LXII 29) aufgenommen (Suet. 51, 1). Sein erstes öffentliches Auftreten als Dichter fällt in das J. 60, als das Fest der Neronea mit allerlei poetischen und andern musischen Wettkämpfen gefeiert wurde; H. Schiller Gesch. d. röm. Kaiserreichs u. d. Regierung d. Nero, Berl. 1872, 137. L. trug im Theater des Pompeius ein Lobgedicht auf den Kaiser vor und erhielt den Siegeskranz (Suet. 50, 4. Vacca 77, 17. Stat. a. O. 58). In einem der nächstfolgenden Jahre (62?) bekleidete L., obwohl er das gesetzmässige Alter kaum nachweisen konnte, auf Empfehlung des Kaisers die Quaestur, während der der wohlhabende Jüngling sich durch Gladiatorenspiele dem Volke empfahl, bald darauf wurde er Augur (Vacca). Im Kreise der Freunde des Nero lernte L. wohl jenen Cotta kennen, dessen er in einem Epigramm Erwähnung thut (FPR 367. Tac. ann. XIII 34), den Fabius Romanus, der später den Annaeus Mela denuncierte (Tac. ann. XVI 17), und gewiss auch den Petronius Arbiter. Bald nach 60 fällt die Abfassung eines Orpheus betitelten Epos, das die Höllenfahrt des mythischen Sängers behandelte und noch im spätesten Altertum viel gelesen wurde (Stat. a. O. FPR 365. v. Wilamowitz [2228] Hom. Unters. 221); um dieselbe Zeit die Vermählung L.s mit Polla Argentaria, vielleicht einer Verwandten des Rhetors Argentarius, den Seneca contr. IX 3, 12 und sonst erwähnt, einer hochgebildeten und nach des Dichters Tod hochangesehenen Frau, Beschützerin der Dichter Statius und des Spaniers Martial, wie die ihr zum Geburtstag des Gatten gewidmeten Gedichte Stat. silv. II 7. Martial VII 21ff. und X 64 (aus dem J. 96) erweisen. Auch L. selbst hatte seiner Neuvermählten ein Buch gewidmet, in dem ihre Tugend und der Ruhm ihres Hauses verherrlicht war (Stat. a. O. 62. Genthe 59). In späterer Zeit wusste man viel von der Beihülfe der Polla bei der Abfassung der Dichtungen ihres Gemahls zu erzählen, so Apollinaris Sidonius epist. II 10, 6, der allein von einer zweiten Vermählung der Witwe mit einem Dichter berichtet (carm. XXIII 165), Nachrichten, die wohl erst in den Grammatikerschulen späterer Zeit entstanden sind. Ferner werden von den Dichtwerken, die Vacca aufzählt, in jene Zeit zu setzen sein die Saturnalia und Silvarum libri X, erstere an des Macrob gleichnamiges Werk, an Lukians Κρονιακά und Iulians Κρόνια (Caesares) erinnernd, letztere gewiss mit dem Werk des Statius dem Inhalt nach nahe verwandt, die Sammlung der epigrammata und die besonders bemerkenswerten salticae fabulae XIV, Textbücher zu Pantomimen, enthaltend die Lieder des zur Flöte singenden Chors und des zur fistula recitierenden histrio, welche mit dem Tanz der Pantomimen abwechselten (Apul. met. VI 24. Suet. p. 22 R.); da die im. J. 56 aus Italien ausgewiesenen Pantomimen seit 60 wieder zum Bühnenspiel zugelassen wurden (Tac. ann. XIII 25. XIV 21), und Nero selbst sich für die Kunst des Paris interessierte (Dio LXIII 18. Suet. Nero 54), so wird auch die Abfassung dieser Schriften in die letzten vier Lebensjahre des Dichters fallen. Nach Vacca 77, 23 war L. auch als Sachwalter damals in Rom thätig: zu seiner Erholung diente der Aufenthalt in Campanien, wo L. wie Seneca, Petron, Piso u. a. wahrscheinlich Landgüter besass und seine Musse durch einen litterarischen Briefwechsel mit seinen Freunden in der Hauptstadt ausfüllte, wovon der Titel epistolae ex Campania im Index seiner prosaischen Schriften bei Vacca Zeugnis ablegt. In die Zeit von 59–62 fallen die Satiren des Persius, voll glühender jugendlicher Begeisterung für die Lehre der Stoa: sie machten nach der Vita Persii Suet. p. 73, 15 R. tiefen Eindruck auf L., der nach einer Recitation derselben ausgerufen haben soll, dies sei erst die wahre Poesie, seine eigenen Gedichte nur eiteler Tand. Um jene Zeit, etwa 62–63, entschloss sich L. zu einem neuen Werk im Geiste der stoischen Lehre, zur Bearbeitung der bella civilia des Caesar und Pompeius in Form eines Epos, dessen Mittelpunkt die Schlacht bei Pharsalus bilden sollte. Zuerst veröffentlichte er Buch 1–3 nach Vacca 77, 20. Das Prooemium des Werks feiert den Nero mit überschwenglichen Worten als νέος Ἥλιος, wie auch die griechische Inschrift Berl. Phil. Wochenschr. 1889, 107 den besonders der Kunstübung des Wagenlenkens ergebenen Kaiser benennt und das Dio LXIII 6 erwähnte velum im Theater ihn inmitten goldner Sterne darstellte: in den folgenden 9 Büchern [2229] ist von Nero nicht mehr die Rede: IX 980ff. beziehen sich auf Iulius Caesar. Schon bald nach dem Erscheinen der drei ersten Bücher, die durch die Neuheit der Form des Epos und die Kühnheit des Inhalte grosses Aufsehen in Rom erregten, muss die Freundschaft mit Nero erkaltet sein. Nach den Überlieferungen des Altertums war Eifersucht des Kaisers auf die dichterischen Erfolge des ehrgeizigen Jünglings der Grund des Zerwürfnisses (Tac. ann. XV 49. Dio LXII 29. Vacca 77, 20): jedenfalls trug aber das meiste zu der immer mehr sich steigernden Entfremdung der Umstand bei, dass sich L. in der Zeit von 60–63 immer ausgesprochener zu dem Kreise und zur Lehre der stoischen Opposition, jener rigidi und tristes bekannte, die, wie Tacitus ann. XVI 22ff. sie schildert, durch strenge Zurückhaltung gegenüber allen Verhältnissen und Massregeln des Hofes ihre Missbilligung der gegenwärtigen Zustände zu erkennen gaben, von denen immer aufs neue Cato Uticensis, Brutus und Pompeius als sittliche Vorbilder und Heroen der verlorenen altrömischen Freiheit in Wort und Schrift verherrlicht wurden. Dem Geist und dem Einfluss dieses Kreises ist die Pharsalia, das Parteigedicht der Opposition, entsprungen, als dessen ausgesprochener Zweck es erscheint, den Caesar als Scheusal für alle Zeiten zu brandmarken (IX 980ff.), dem Pompeius, der in der Glorie des Märtyrers erscheint, die Liebe zeitgenössischer und kommender Geschlechter zu erwerben (VII 213). Nero war nach Sueton (Nero 39) gegen freie Worte über seine eigene Person in Versen und in ungebundener Rede auffallend nachsichtig: wir dürfen uns aber weder wundern, wenn der Kaiser zum grossen Verdruss und Ärger des eitlen Dichters bei Gelegenheit der Recitation der ersten Bücher der Pharsalia L. im Stiche liess (Suet. p. 51, 4), noch demselben Nero einen Vorwurf darüber machen, wenn er den öffentlichen Vortrag eines so unglaublich dreisten Gedichtes, dessen offenkundige Absicht es war, den Stifter der iulischen Dynastie und damit die Stiftung selbst schmählich zu verunglimpfen, überhaupt als staatsgefährlich verboten haben sollte: Tac. ann. XV 49. Dio LXII 29. Vacca 77. Im J. 64 ist L. bereits ein erbitterter Feind des Kaisers und Genosse der pisonianischen Verschwörung (Tac. a. O.), nach Sueton 51, 12 zuletzt geradezu der Bannerträger der Revolution, masslos in seinen Angriffen gegen Nero in Wort und Schrift. Die furchtbare Feuersbrunst des J. 64 hat L. in einer prosaischen Schrift, de incendio urbis betitelt (Stat. a. O. 60. Vacca 79), gewiss in feindseliger Gesinnung gegen den Kaiser behandelt, in dieselbe Zeit gehört auch das carmen famosum gegen Nero und seine Günstlinge, das Sueton 51, 11 erwähnt. Während der Dichter mit grossem Eifer an seinem Epos arbeitete und seinem Hass gegen Nero, der ihm jedes öffentliche Auftreten als Dichter wie als Sachwalter untersagt hatte (Vacca 77, 23), in leidenschaftlichen Schmähungen gegen den Begründer des Principats und in überschwänglicher Verherrlichung der Gegner des Caesar Luft machte, kam die Katastrophe: die Verschwörung wurde entdeckt und die Verschworenen in den Tod getrieben. L., der sich bei seiner Verhaftung nach Suet. 51. Tac. ann. XV 56 wenig [2230] würdevoll benahm und um sich zu retten oder zu entschuldigen selbst seine Mutter, die mit L.s Vater in keiner glücklichen Ehe lebte, sich nicht scheute zu denuncieren, liess sich pridie Kal. Mai. Attico Vestino Nerva Siliano coss. = 30. April 65 von seinem Arzt die Pulsadern öffnen, im 26. Lebensjahr, als er das zehnte Buch seines Epos noch nicht vollendet hatte. In seinem letzten Willen trug er dem Vater die Emendation einiger Stellen seines Gedichtes auf (Suet. a. O.) und sprach beim Verbluten einige Verse seiner Pharsalia, in denen er die Standhaftigkeit eines Soldaten, der an der tötlichen Wunde hinstirbt, gepriesen hat (III 638ff. Genthe 29. Nipperdey zu Tac. ann. XV 70): von dem Reichtum der Familie zeugte ein prächtiges Grabmal (Iuv. VII 79). Gleichzeitig mit L. endete Seneca, sein Vater Annaeus Mela, Petron und andere Teilnehmer der Verschwörung fielen im folgenden Jahr; L.s Gemahlin Polla lebte in treuer Witwenschaft noch lange Jahre dem Gedächtnis des Dichters (Stat. a. O. 126ff.). Über eine gefälschte Inschrift aus Rom M. Annaeo Lucano Cordubensi poetae beneficio Neronis fama conservata s. O. Jahn Proleg. in Pers. XXXIII. F. Leo Senecae trag. I p. 7. CIL VI pars V nr. 6*.

Der gesamte Nachlass des L. erhielt sich bis lange nach dem Ende des Altertums: als Hauptwerk galt indessen schon den Zeitgenossen die Pharsalia, die allein auf uns gekommen ist. Überraschend wirkte das Epos auf die gebildeten Leser der neronischen Zeit nicht minder durch die gefährliche Kühnheit der Wahl des Stoffs wie durch die auffallende Neuerung in der epischen Technik: nach Inhalt und Form, in politischer wie in künstlerischer Hinsicht eine revolutionäre Erscheinung in der Litteratur der Kaiserzeit. L. hat, was die Form betrifft, mit einer seit Homer und Ennius in der epischen Poesie bestehenden Tradition kühn gebrochen, welche die Handlungen der Helden vom Eingreifen der Götter abhängig macht und parallel mit den Ereignissen auf Erden die Handlung im Himmel sich abspielen lässt. Die Religion der alten Götter, die von den Gebildeten seiner Zeit, seinen Standesgenossen und dem Kaiser selbst (Suet. Nero 56) verachtet wurde, wollte der jugendliche Dichter consequenterweise auch aus der Kunst entfernen, als Surrogat sollte wie im Leben so auch in der Poesie die stoische Philosophie eingesetzt werden. Dieselbe Inbrunst und derselbe Feuereifer, mit dem Musonius den Soldaten stoische Kapuzinerpredigten hielt (Tac. hist. III 81) und mit dem Persius die römische Satire durch Einführung der erhabenen Lehren der Stoa zu veredeln suchte, beseelte auch den L. bei dieser Neuerung. Sunt nobis nulla profecto numina: cum caeco rapiantur saecula commentimur regnare Iovem lehrt der Dichter VII 445, und der Satz mortalia nulli sunt curata deo VII 455 ist für ihn der führende Gedanke durch die ganze Dichtung hindurch. An die Stelle der olympischen Götter tritt der unbestimmtere Begriff der numina oder superi, des fatum oder der fata, der sors ultima rerum, der stoischen εἱμαρμένη oder der fortuna, wobei der Dichter entsprechend der römischen Volksanschauung eine fortuna locorum IV 661, fortuna viae IX 551, fortuna minor V 506 u. drgl. mehr unterscheidet. [2231] Ausserdem spielen Hexerei und Totenbeschwörungen eine grosse Rolle in L.s Dichtung, wie dementsprechend neben der stoischen Philosophie Zauberei und Magie dem gottlosen Zeitalter die verlorene Religion ersetzen musste; M. Souriau De deorum ministeriis in Pharsalia, Paris 1885. Was die Wahl des Stoffes betrifft, so steht L. ganz innerhalb der Traditionen seiner Familie und der Anschauungen der oben geschilderten stoischen Opposition. Die Abhängigkeit der Pharsalia von den Schriften des Oheims Seneca ist an vielen Stellen klar ersichtlich. L. hat oft wörtlich die 63 oder 64 herausgegebenen Naturales Quaestiones im 10. Buch der Pharsalia benützt (H. Diels Seneca und Lucan, Abh. Akad. Berl. 1885, 1ff.), ebenso finden sich viele Anklänge an die Tragoedien (F. Leo Senec. trag. I p. 56, 6. Troad. 397 = L. III 39) und besonders an die in der Anthologia latina erhaltenen Epigramme; Hosius Jahrb. f. Philol. 1892, 337. Auch den Helden der Pharsalia, Pompeius, fand L. sehr oft in den Schriften seines Oheims mit rühmender Auszeichnung erwähnt (O. Rossbach Disquis. de Sen. scriptis, Bresl. 1882, 21), mehr noch sicherlich in den seiner Zeit confiscierten Annalen des freimütigen, dem Hause des Seneca nahestehenden Cremutius Cordus und in den historiae ab initio bellorum civilium seines Grossvaters Seneca (H. Peter Hist. Rom. frgm. 292. O. Rossbach Bresl. Phil. Abh. II 170). Auch L.s Vaterstadt Corduba hatte in den Bürgerkriegen nicht auf der Seite des Caesar gestanden (E. Huebner CIL II p. 306): bemerkenswert ist, dass der älteste bekannte poeta Cordubensis Sextilius Ena nach Senec. suas. 6, 27 ein historisches Epos über die Bürgerkriege geschrieben hat, das auf Cornelius Severus, der als der zweite Epiker Roms gelten konnte (Quint. X 1, 89), anregend gewirkt hat. Nero selbst, dessen Dichtung Troicon an des L. Iliacon erinnert, beabsichtigte nach Dio LXII 29 τὰς τῶν Ῥωμαίων πράξεις ἁπάσας ἐν ἔπεσιν darzustellen, gewiss angeregt durch L.s historisches Epos und das rerum Romanarum betitelte Dichtwerk des Cornelius Severus. Die erhaltene Pharsalia behandelt den Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius von der Überschreitung des Rubico Anfang 49 bis zu den Kämpfen in Alexandria Ende 48. Gefolgt ist der Dichter der Darstellung des Livius, dessen freimütige Parteinahme für Pompeius bekannt war (Tac. ann. IV 34): die erhaltenen Scholiasten machen schon auf die Entlehnungen aus des Livius civilis belli libri aufmerksam, die dem Dichter in einer gesonderten Ausgabe von acht Büchern vorlagen (G. Baier De Livio Lucani in carmine de bello civili auctore, Schweidnitz 1876. W. Judeich Caesar im Orient, Leipz. 1885, 11). Durch L. ist uns der Inhalt der vier ersten Bücher des Livius = a. u. c. 109–112 erhalten, und seine Darstellung kann, abgesehen von den vielfachen philosophischen u. a. Einlagen, poetischen Ausschmückungen und der oft ländlich albernen Missdarstellung von Caesars Charakter als treue Wiedergabe der Geschichtschreibung seines Gewährsmanns gelten (J. Ziehen Ber. d. freien deutschen Hochstifts 1890, 50ff.). Besonders wichtig sind die sehr langen geographischen und ethnographischen Beschreibungen von Gallien, Italien, [2232] Asien, Africa, Thessalien u. a. für unsere Kenntnis der geographischen Studien und des geographischen Interesses der neronischen Zeit (Schiller Nero 632), ebenso die philosophischen, physikalischen, meteorologischen und theologischen Einlagen, bei deren Besprechung schon der Berner Scholiast zu IX 578 an Posidonius erinnerte: charakteristisch die wohl aus Macer entnommenen theriaca IX 700ff. R. Fritzsche Quaestiones Lucaneae, Gotha 1892.

Nach all dem ist L. für uns eine interessante, aber keineswegs erfreuliche Lectüre. Die Rhetorik, deren Studium in seiner Familie Generationen hindurch in hohem Ansehen stand, die der von dem Oheim Seneca wie dem Neffen L. hochbewunderte Ovid in die Poesie eingeführt hatte, sollte dazu dienen, den nüchternen Stoff und die nüchterne Behandlung dem Leser angenehmer zu machen, bewirkt aber für unsern Geschmack das Gegenteil. L.s Sprache wirkt ermüdend durch Wiederholungen, pointierte Antithesen und zierlich gedrechselte sententiae, die allerdings nach dem Geschmack der Zeit waren (Fronto 157 N. PLM V 386); er ist oft dunkel infolge zu kühner Ellipsen und Verschränkungen in der Wortstellung, geschraubt und gesucht durch Katachresen, herausfordernde Metonymien und sonstige Umänderungen im Gebrauch der Wörter. Erfreulich wirken die vielen Gleichnisse (G. Hundt De Lucani comparationibus, Halle 1886), mit denen öfters, wie bei Vergil, die Darstellung geschmückt ist, erfreulich die ideal strebende jugendliche Begeisterung und Wärme, mit der er seine Helden und Vorbilder verherrlicht. Dazu kommt eine hohe Vollendung in der Form, welche die metrischen Licenzen seiner Vorgänger bedeutend einschränkt, und bei der nur die übergrosse, den Ovid noch übertreffende Sorgfalt und einförmige Genauigkeit den jugendlichen Dichter verrät: E. Trampe De Lucani arte metrica, Diss. Berl. 1884. W. Meyer S.-Ber. Akad. Münch. 1884, 1077. Eskuche Rh. Mus. XLV 253. Im sprachlichen Ausdruck ist L. originell, oft ein glücklicher Neuerer. Er wendet zur Erleichterung des Versbaus dann und wann griechische Wortform und Declination an, wie Aegypton, noton, Macedon u. a. m. Wörter wie arenivagus, irredux, confragus, impetere in der Bedeutung von aggredi u. a. hat L., wie es scheint, in die epische Sprache eingeführt, und seine Nachfolger, die etwa gleichzeitigen Valerius Flaccus, Silius und Statius, haben vielfach des L. Redeweise sich angeeignet: auch der Verfasser der epistula Sapphus, einer jener von Persius I 34 gekennzeichneten Bewunderer und Nachahmer der ovidischen Heroiden, hat die furialis Erichtho 139 aus L. VI 508ff. entlehnt.

L. wurde in seiner Arbeit durch den Tod jählings unterbrochen. Während das umfangreichste 9. Buch, dem Lieblingshelden der Stoa, Cato von Utica, gewidmet, über 1100 Verse zählt, enthält das letzte kleinste von allen nur etwa 550 und bricht mitten in der Darstellung ohne Epilog ab. Der Schluss von Buch VIII und alles Folgende werden schon in das Todesjahr des Dichters fallen, da die Erwähnung der cumulato ture sepulcra VIII 729 und der Vers IX 10 non illuc (zu den Seligen) auro positi nec ture [2233] sepulti perveniunt eine Anspielung, wie es scheint, enthalten auf das überprächtige funus der vergötterten Poppaea (Schiller Nero 198), deren Leib regum externorum consuetudine differtum odoribus (Tac. ann. XVI 6) beigesetzt wurde und bei deren Bestattung (Anfang 65) nach Plin. n. h. XII 83 unermessliche Mengen Weihrauchs verbraucht worden sind. Die Verbesserungen, welche L. in seinem letzten Willen angeordnet hatte, sind gewiss ausgeführt worden: inwieweit die mannigfachen, in doppelter Fassung, aber nicht in allen Hss. gleichmässig, überlieferten Verse auf die Thatsache der Unvollendung des Werkes oder auf die Interpolation späterer Abschreiber zurückzuführen sind, wird erst, wenn eine kritische Ausgabe des Dichters vorliegt, zu beurteilen möglich sein (eine solche liegt jetzt vor, siehe unten). Wieweit L. sein Werk noch fortzufahren gedachte, lässt sich mit Sicherheit nicht ermitteln. X 525 scheint er anzudeuten, dass dasselbe entsprechend dem Werk des Livius erst mit Caesars Ermordung, die der Dichter als Sühne für die Ermordung des Pompeius betrachtet, abgeschlossen werden könne, und soweit führte Thomas Maius sein in Oudendorps Ausgabe 814ff. abgedrucktes Supplementum Lucani: andere, so schon der von Weber edierte Scholiast zu I 1, vermuten, dass L. auch noch die Kriege von Octavian mit Brutus, Cassius und Antonius habe behandeln wollen. Dass jedenfalls der Mittelpunkt und Angelpunkt des Ganzen die Schlacht bei Pharsalus sein sollte, beweist der Umstand, dass L. selbst IX 985 sein Werk Pharsalia nennt, während der wirkliche Titel seines Epos nach der besten Überlieferung und nach Petron 118 entsprechend dem Werk des Livius lautete belli civilis libri X. Dass den Prolog I 1–7 Seneca zugesetzt habe, wie u. a. der Berner Scholiast p. 8 Usen. berichtet, ist eine thörichte Fabel combinierender Grammatiker, die sich mit Vorliebe mit Erörterungen über Schluss und Anfang der Dichtwerke beschäftigten, wie die Interpolationen am Anfang der Aeneis und der Satire des Horaz I 10, der sog. Prolog des Persius und die Nachricht in der Vita Persii Sueton. p. 74 R. über die Kürzung der letzten Satire des Persius durch einen Herausgeber erweisen: die Nachricht ist wahrscheinlich nach Fronto und durch ein Missverständnis von Fronto 157 N. entstanden (Genthe 77).

Schon die drei ersten Bücher des Werkes erregten das grösste Aufsehen in Rom: man stritt sich, ob diese neue Art des Epos wirklich als Poesie zu betrachten, ob der Verfasser unter die Dichter oder unter die Historiker zu rechnen sei, eine Art von Problem, das, wie das Bruchstück des Florus Vergilius orator an poeta = Macrob V 1 (vgl. die Bemerkung im Gran. Licin. p. 43 Bonn. Sallustium non ut historicum sed ut oratorem legendum) beweist, dem Altertum geläufiger war als der Neuzeit; Pierre de Nolhac Pétrarque 161ff. Als Aufgabe des Dichters bezeichnet nach alten guten Quellen Isidor orig. VIII 7, 10 eine anziehende, gleichsam verklärte Darstellung wirklicher Begebenheiten ohne Rücksichtnahme auf deren tatsächlichen Verlauf, und die kanonische Definition des Epos, die Theophrast (Suet. p. 17 R.) gegeben hatte, verlangte eine περιοχὴ θείων τε καὶ ἡρωικῶν καὶ ἀνθρωπίνων πραγμάτων: darnach [2234] konnte das Urteil über L.s Werk nur so lauten, dass dasselbe weder als Epos noch als Poesie, sondern als Prosa und Geschichtschreibung zu bezeichnen sei, und so urteilen L.s Zeitgenossen nach Martial. XIV 194, so Sueton, auf den die Urteile bei Isidor a. O. Serv. Aen. I 382. Schol. Bern. ad L. Phars. I 1 u. a. zurückzuführen sind, und ähnlich Quintil. X 1, 90. Die Anschauungen der zeitgenössischen römischen Dichterzunft sind uns erhalten in Petrons Roman 118, wo der Satiriker noch zu Lebzeiten L.s um 64 den Poeten Eumolpus zuerst in abfälliger Kritik gegen die Profanierung der althergebrachten epischen Form Einspruch erheben, dann eine Antipharsalia voll deutlicher Anspielungen auf die drei ersten Bücher des L. recitieren lässt (E. Westerburg Rh. Mus. XXXVIII 92): durchaus unrichtig wäre es jedoch, den Petron selbst für das von einer durchaus lächerlichen Figur seines Epos vorgetragene Kunsturteil verantwortlich erscheinen zu lassen. Auch Silius Italicus, dem Cornutus wie L. nahe befreundet, der gleichfalls ein historisches Epos im Anschluss an Livius Annalen verfasst hat, folgte in der Technik des Epos dem von ihm hochbewunderten Vergil und dem Ennius, nicht dem L., dessen Schlachtenscenen er oft bis in geringfügige Einzelheiten nachbildet. Aber wie mit des Persius Satiren, so machte bis in die Zeit Domitians mit L.s Werk der Buchhändler gute Geschäfte (Martial a. O. Sueton p. 52 R. Vita Persii p. 75 R.), trotz der Kritik. Das Publicum der neronischen Zeit war begierig auf Sensationslitteratur und das Verbot des Kaisers damals wie heutzutage die beste Unterstützung des buchhändlerischen Vertriebs (Tac. ann. XIV 50). Gewiss lasen die Zeitgenossen begierig L.s kühne Apostrophen an die libertas VII 433, gefährliche Verse wie VII 642 quid meruere nepotes in regnum nasci?, mit demselben Behagen die Klagen über die immer noch unbesiegten Parther X 47. VII 431, wie die bei Suet. Nero 39 erwähnten Pasquille, deuteten die Beschreibungen des Incestes bei den Parthern VIII 404 auf ähnliche Vorkommnisse im kaiserlichen Hause u. drgl. m., sowie nach Tac. dial. 2ff. die Leser im Cato des Curiatius Maternus allerlei hochverräterische Angriffe auf den Kaiser hineininterpretierten. In der Zeit Hadrians hatte L.s Werk nur noch dichterisches Interesse: während der Provinciale Florus die Pharsalia noch eifrig gelesen hat (Florus ed. O. Jahn p. XLVII. E. Westerburg Rh. Mus. XXXVII 35), missachtet der Römer Sueton das einst so vielgelesene Werk, und vollends in der die älteste Litteratur bewundernden Zeit der Antonine ist für L. kein Raum mehr vorhanden (Fronto 157 N.). Die Grammatiker bis ins 4. Jhdt. citieren L. selten oder gar nicht: nirgends erscheint sein Name bei Gellius und Nonius, nirgends in des Festus und Charisius erhaltenen Schriften, den Veroneser Scholien und dem Commentar des Probus zu Vergil, einmal bei Macrob und in Donats Schriften und zweimal bei Porphyrio. Erst als die Residenz des Reichs nach Byzanz verlegt war und dort die lateinischen Studien inmitten des Griechentums emsig gepflegt wurden, fing man an, den L. unter die klassischen Autoren zu rechnen und gegen die Angriffe des in byzantinischer Zeit vielgelesenen [2235] Sueton, wie die Vita des Vacca zeigt, zu verteidigen: besonders den Christen musste der Dichter, der die römischen Götter verleugnete, eine willkommene Lectüre sein; über Prudentius Lucanstudien Sixt Philol. LI 1892, 505. Manitius ebd. 704. Hieronymus adv. Ruf. I 16 erwähnt um 400 einen Commentar zu L. und citiert die Pharsalia einigemal: sehr oft belegt hundert Jahre später Priscian seine Regeln mit Beispielen aus der Pharsalia. Ins 6. Jhdt. setzt man den Commentar des Vacca, gehört wohl auch die in den Weberschen Scholien zu I 570 citierte glossa und der Commentar eines Polemon, aus dem Joh. Lydus de mag. III 46 ein Scholion zu Buch II und zu V 9 anführt. L. war mittlerweile der gelesenste und beliebteste Epiker neben Vergil geworden. Ein formgewandter Grammatiker hatte ihm eine Grabschrift nach dem Muster der vergilschen gedichtet (PLM V 386), und wie oft die Verse Vergils, so erscheint jetzt der Anfang wohl des berühmtesten 7. Buchs der Pharsalia auf einer Inschrift in Trier. F. Buecheler Rh. Jahrb. LVIII 1876, 175. Hosius Rh. Mus. XLVII 462. Nach Constantinopel gehört auch die eine Recension unserer Hss., welche die Subscription aufweisen Paulus Constantinopolitanus emendavi manu mea solus (H. Usener Rh. Mus. XXIII 497). L. zählte durch das ganze Mittelalter zu den klassischen Autoren (Th. Creizenach Die Aeneis, die 4. Ecloge und die Pharsalia im Mittelalter, Frankf. 1864): im 12. Jhdt. schmückt Thiofried von Epternach seine Lebensbeschreibung des heil. Willibrord mit Lesefrüchten aus L. (K. Rossberg Rh. Mus. XXXVIII 152) und bewundert Joannes Saresberiensis, der gleichfalls Bedenken trägt, ob man L. nicht richtiger zu den Historikern zählen soll (de nug. cur. II 19), das divinum ingenium des Vergilius und L. (ebd. II 2). Bei Dante finden wir L.s Frauengestalten Iulia, Marcia, Cornelia wieder (inf. IV 127; purg. I 78), den pauper Amyclas (parad. XI 67), Curio (inf. XXVIII 100), selbst den Nasidius und Sabellus (inf. XXV 94) u. a.: besonders hat die Heldengestalt des Cato Uticensis, den er zum Hüter des Fegfeuers macht, und die Beschreibung seines Marsches durch die Wüste tiefen Eindruck auf den Dichter gemacht (inf. XIV 13). Auch Goethe hat den L. gelesen: die Hexe Erichtho der klassischen Walpurgisnacht ist wie in der epistula Sapphus aus L. entnommen. In neuester Zeit wird L. nicht mehr gelesen und wenige wissen, dass das Wort vom furor Teutonicus in einer berühmten Rede des grössten lebenden Staatsmannes aus L. (I 255) entnommen ist. Die vier wichtigsten Hss. des L. stammen aus dem 9. oder 10. Jhdt., C. M. Francken Berl. Phil. Wochenschr. 1890, 331; dazu kommen sehr alte Palimpsestblätter aus Bobbio in Wien (D. Detlefsen Phil. XIII 313) und Neapel (ders. a. O. XV 526) und andere in Rom (ders. a. O. XXVI 173). Die Recension des Paulus giebt am treusten wieder der M(ontepessulanus) H 113 (G. Steinhart Symb. phil. Bonn. 289), zu derselben Klasse gehört ein A(shburnhamensis) in Paris (C. M. Francken Mnem. 1891, 19) und ein Vossianus f. 63= Voss. secundus in Leiden, mit U (oder B) bezeichnet (G. Steinhart De emendatione Lucani, Bonn 1854, 4), welche alle mehr oder weniger aus der andern [2236] vollständigeren Recension, die am besten durch den Vossianus q. 51 = Voss. primus, mit (A oder) V bezeichnet interpoliert sind. C. Hosius Jahrb. f. Philol. 1893, 337. Über die in der letzteren Recension allein enthaltenen Verse Steinhart De emend. 5. 7ff. A. Kindler De Lucani versibus qui in codd. M et Voss. II desunt, Münster 1882. Francken Mnem. 1890, 5. Hierzu kommen zwei Bernenses 45 und 370, welche das u. a. durch viele Bruchstücke aus Livius wichtige ‚Commentum‘ enthalten (M. Annaei Lucani Commenta Bernenaia ed. H. Usener Lips. 1869. H. Genthe Herm. VI 214): die übrige Masse der Scholien (Usener a. O. p. VIII) ist zum Teil enthalten in Oudendorps Ausgabe und in Webers Ausgabe vol. III, wo p. VIIIff. über die Hss. gehandelt ist. Scholia vetera e codice Montepessulano ed. H. Genthe. Berl. 1868. Auch in den Weberschen Scholien finden sich da und dort wertvollere Notizen, Bruchstücke aus Livius verlorenen Büchern: die grosse Masse derselben ist jedoch jung – Dante wird bereits in denselben citiert – und unnützer Wust. Eine kritische Ausgabe des L. erschien während der Drucklegung dieses Artikels: M. Annaei Lucani de bello civili libri decem G. Steinharti aliorum copiis usus edidit C. Hosius, Lipsiae 1892. Proben gab H. Usener Lucani pugnae Pharsalicae narratio, Gryph. 1863. H. Diels a. O. 34ff. Ausgaben: ex emend. H. Grotii, Antwerp. 1614. Lugd. 1626. curante F. Oudendorp, Leid. 1728, mit Index verborum, wichtig durch die Benützung der Vossiani. C. F. Weber Lips. 1821–1831, 3 voll., deren letztes Scholien enthält, und 1828. 1829 in 2 voll. Über Bentleys Bemerkungen zu Buch I–III Steinhart De emend. 2. Ausgabe von C. E. Haskins, with an introduction by W. E. Heitland, Cambridge 1887. O. Ribbeck Gesch. d. r. Dichtung III 91ff.