Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Sohn des Andromachos, zog 222 v. Chr. gegen Attalos I. von Pergamon
Band I,1 (1893) S. 206 (IA)–207 (IA)
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4) Sohn des Andromachos (Pol. IV 51, 1. 4), Enkel des A. No. 3. Durch die Vermählung der Laodike, der Schwester seines Vaters, mit Seleukos Kallinikos (vgl. A. No. 3) war er der leibliche Vetter des Seleukos III. Keraunos und Antiochos des Grossen (anders Droysen Hell. III 2, 121 und sonst). Nachdem er am Anfang des J. 222 v. Chr. den Seleukos Keraunos auf seinem gegen Attalos von Pergamon gerichteten Zuge über den Tauros begleitet hatte (Pol. IV 48, 6), übte er, als Seleukos durch Mörderhand gefallen war, als nächster Verwandter Rache an den Frevlern und übernahm den Oberbefehl über das Heer. Als dieses ihm das Diadem anbot, lehnte er es ab (Pol. IV 48, 10), wurde aber bald darauf von Antiochos der inzwischen den Thron bestiegen, mit der δυναστεία von Asia diesseits des Tauros betraut (Pol. V 40, 7). In kühnen Kämpfen gewann er auch die thatsächliche Herrschaft über dies Gebiet: Attalos wurde auf sein angestammtes Land beschränkt und in Pergamon eingeschlossen (Pol. IV 48, 11); auch die Griechenstädte fielen ihm zum grössten Teil zu (Pol. V 77), nur in Ephesos und Samos hielt sich noch die ägyptische Herrschaft. So in königlicher Macht dastehend (Pol. IV 2, 6) hatte er den Mut, auch die letzte Consequenz zu ziehen, nachdem durch die Intriguen des am Hofe allmächtigen Hermeias Zerwürfnisse zwischen ihm und seinem königlichen Vetter ausgebrochen waren (Pol. V 42). Während Antiochos gegen Artabazanes kämpfte, rückte A. mit gesamter Streitmacht gegen Syrien vor, setzte sich in Laodikeia in Phrygien das Diadem auf und nannte sich König. Als er darauf an der Grenze Lykaoniens von den königstreuen Truppen am Weitermarsch verhindert wurde, wusste er sich ihre Gunst durch Preisgebung Pisidiens schnell wiederzugewinnen (Pol. V 57). Als sein Königreich betrachtete er Asien diesseits des Tauros, wenn auch die einst ausgeschlagene Seleukidenkrone sein letztes Ziel war (Pol. V 57, 3–4). In seiner Hauptstadt Sardeis prägte er Münzen mit der Umschrift ΒΑΣΙΛΕΩΣ ΑΧΑΙΟΥ. Vgl. Streber Denkschr. Münch. Ak. 1816/17 1. Babelon Rois de Syrie 1890 LXXXVII 60. Durch die Heirat mit Laodike, einer Tochter Mithridates II. von Pontos [207] (Pol. VIII 22, 11), knüpfte er wertvolle Beziehungen an; Byzanz, Rhodos und Ägypten wetteiferten um seine Freundschaft (Pol. IV 48. 51). Sein Gebiet beständig, namentlich gegen Attalos schützend und mehrend (Eroberung von Milyas und Pamphylien im J. 218, Pol. V 72–77) wurde er der gefürchtetste Herrscher in Vorderasien (Pol. IV 48, 12. V 77, 1). Da er von Antiochos nur als Rebell behandelt werden konnte, wurde er nach und nach immer mehr den seleukidischen Reichsfeinden, namentlich den Ägyptern in die Arme getrieben. Vergeblich hatte sich Ptolemaios IV. Philopator bei den diplomatischen Verhandlungen des Jahres 219 bemüht, ihn in die Verträge mit Antiochos einzuschliessen, da letzterer sich jegliche Einmischung in diese innere Angelegenheit verbat (Pol. V 67, 12ff.). So zog denn Antiochos, nachdem er nach der Schlacht bei Raphia 217 Waffenstillstand von Philopator erlangt hatte, im folgenden Jahre über den Tauros, um den Rebellen zu bestrafen, fand in Attalos einen bereiten Verbündeten (Pol. V 107, 4), verdrängte den A. aus allen Positionen und schloss ihn endlich in Sardeis ein. Nach zweijähriger Belagerung wurde A. 214 inmitten hochfliegender Pläne (Pol. VIII 19, 10–11) durch die List eines Kreters ergriffen und auf Befehl des Antiochos hingerichtet (Pol. VIII 17–23).