RE:Χαμαιδικαστής

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Unter-, Hilfsrichter
Band III,2 (1899) Sp. 2102
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Χαμαιδικαστής (bei Lyd. de mag. III 49 χαμαίζηλος δικαστής) ist in byzantinischen Quellen zur Bezeichnung des Unter- oder Hilfsrichters gebraucht, der in Iustinians Pandekten iudex oder arbiter datus, bei Ulpian, Paulus (sent. V 28 = Dig. XLVIII 19, 38, 10) und in Constitutionen auch iudex pedaneus, im Cod. Theod. und Iust. meist arbiter, in griechischen Kaisererlassen zuweilen διαιτητής (Cod. Iust. II 12, 27 [Krüger], restituiert; vgl. Bas. VIII 2, 100. Nov. Iust. LXXXII 1–4. 6. 9) heisst. Χ. findet sich bei Zeno Cod. Iust. VII 51, 5, 4 (Krüger, restituiert; vgl. Bas. IX 3, 69). Iust. Nov. LX 2 pr. Theoph. paraphr. inst. IV 15 pr. Lyd. de mag. III 8 (ἐπὶ τοὺς πεδανέους, ἀντὶ τοῦ χαμαιδικαστάς), im Text und in den Scholien der Basiliken. Wie die Provincialstatthalter und die höheren Beamten, so bestellt auch der Kaiser Unterrichter; doch hat man für die kaiserlichen Commissarien wohl niemals (Schol. zu Bas. VIII 1, 1 Heimb. I 327 steht nicht entgegen) den die untergeordnete Stellung betonenden Namen iudex pedaneus oder χ. verwendet (Bethmann-Hollweg Civilprocess d. gem. Rechts III 181f. 118, 18). Die griechische Bezeichnung dürfte zutreffend daraus erklärt werden, dass dem Unterrichter das Tribunal fehlt (anders Rudorff Röm. Rechtsgeschichte II 46). Diese Deutung bleibt annehmbar, auch wenn sie mit Mommsen (St.-R. III 963, 1 gegen Willems Le sénat de la rép. Rom. I² 143) für den lateinischen (mit Unrecht bestritten von Zachariae v. Lingenthal Ztschr. f. Rechtsgesch. Rom. Abt. XXI 222) Namen iudex pedaneus abgelehnt wird. Näheres über den Unterrichter und Litteratur im Art. Iudex (pedaneus) und o. Arbiter Nr. 3 (Bd. II S. 410f.).

Nachträge und Berichtigungen

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Band S IV (1924) Sp. 214215
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Χαμαιδικαστής (iudex pedaneus), Hilfsrichter seit dem 3. Jhdt. n. Chr. (Mommsen Strafrecht 249. Mitteis Grundzüge 29, 10). Für Ägypten nur zweimal bezeugt. In Pap. Lips. 64, 30. 38 = Wilcken Chrestom. 281 (368/9 n. Chr.) erscheint der χ. Ὀάσεως (die titulare Verbindung mit Ὀάσεως deutet auf Ständigkeit des Amtes, vgl. Wilcken Arch. f. Pap. IV 421, 3), welcher hier vom Praeses Thebaidis Anweisungen zur Verhinderung von Steuerübergriffen der Erheber empfängt, wobei also von richterlicher Tätigkeit [215] kaum die Rede ist, eher könnte polizeiliche Tätigkeit in Frage kommen. Pap. Lond. III 980 (382 n. Chr.), arg zerstörtes Bruchstück eines Schreibens an den σχολαστικὸς χ. Ἑρμοῦ πόλεως, dessen Inhalt in der Ausgabe nicht mitgeteilt wird; vermutlich aber ist auch dieser iudex pedaneus civitatis ein ständiger Beamter, und seine Verbindung mit σχολαστικός deutet auf richterliche Tätigkeit. Der χ. hatte als Hilfsrichter nicht das Recht, auf dem Richterstuhle, also erhöht, zu sitzen, daher das χαμαί (Mommsen a. a. O.). Vgl. die Art. Iudex pedaneus (S. 2470) und Σχολαστικός.