Historischer Erweis, daß das Predigen allein die Jugend nicht bessert, so lange die übrigen Hindernisse der Sittlichkeit nicht hinweggeräumet werden. Aus den Veränderungen des Studenten-Gottesdienstes in Wirzburg

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Autor: Anonym
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Titel: Historischer Erweis, daß das Predigen allein die Jugend nicht bessert, so lange die übrigen Hindernisse der Sittlichkeit nicht hinweggeräumet werden. Aus den Veränderungen des Studenten-Gottesdienstes in Wirzburg
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aus: Journal von und für Franken, Band 1, S. 191–193
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1790
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Quelle: UB Bielefeld, Faksimile auf den Commons
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V.
Historischer Erweis, daß das Predigen allein die Jugend nicht bessert, so lange die übrigen Hindernisse der Sittlichkeit nicht hinweggeräumet werden. Aus den Veränderungen des Studenten-Gottesdienstes in Wirzburg.

Bey Aufhebung der Jesuiten 1773 wurden auch die Privat-Schulpredigten einzelner Lehrer eingestellt. Die Lehrer waren Jesuiten, man sollte damahls alles, was Jesuit war und von Jesuiten kam, nicht mehr wollen: man wollte also auch ihre besondern Vorträge für die Schulen nicht mehr. Statt dieser Vorträge wurden, weil die Schule ein unschicklicher Ort für dergleichen Belehrungen sey, öffentliche Vorträge über die wesentlichen Pflichten der studirenden Jugend an jedem Sonn- und Feyertage in der Universitätskirche gehalten. Die jungen Geistlichen im Seminarium, die selbst noch nicht lange aus der Schule ausgegangen waren, hielten sie, und man versprach sich ungemein viel Gutes davon.

Der Erfolg war der nicht, den man hoffte. Man fand daher für gut, die neue| Einrichtung wieder gänzlich eingehen zu lassen und verordnete, daß, wie zuvor, wieder jeder Classe von ihrem vorgesetzten Lehrer geprediget würde; denn, sagte man, dieser muß die ihm anvertraute Jugend am genauesten kennen und am schicklichsten nach den Bedürfnissen der Zeit und der Umstände mit ihnen zu reden wissen. Das geschah 1777.

Diese Einrichtung dauerte von 1777–80. Damals fand man schon wieder Veränderungen nothwendig. Zu dem Ende wurden feyerliche Exercitien gehalten, die unter der Jugend viel Sensation erregten; und um des Fortgangs der wieder zu erzielenden Sittlichkeit unter der Jugend desto gewisser zu seyn, wurde nebst vielen andern Vorschlägen auch dieser gethan und ins Werk gesetzet: daß in der Person des Hrn. Prof. Bönnecke eigentl. ein neuer Prediger angestellt und Teutsche Gesänge eingeführt wurden. Da es diesem endlich zu lästig wurde, bey seinen übrigen vielen Amtsverrichtungen und wichtigen Professur der Geschichte alle Sonntage einmahl zu predigen; so mußten es aus Abgang eines andern Subjects die Lehrer am Gymnasium wieder übernehmen, abwechselnd an Herrn Bönneckens Stelle zu predigen.

| 1787 wurde wieder eine neue Einrichtung beliebt. Es wurde nämlich den Professoren, damit sie sich die Woche über auf ihre Schularbeiten gehörig vorbereiten könnten, das beschwerliche Predigen abgenommen und wieder ein eigener Prediger mit einem Gehalt von funfzig Thaler angestellt. Wenn mir Recht ist, hieß er Heeger.

1789 wurde dieser Prediger wieder abgeschafft, weil die Sittlichkeit der Zeit merklich abgenommen haben soll, und die Professores wieder angewiesen, in ihren eigenen Schulen, wie zu den Zeiten der Jesuiten, zu predigen. Seit der Zeit – ich schreibe im Hornung 1790, – ist noch keine weitere Veränderung vorgefallen.