Geschichte von Kloster Heilsbronn/Seligenstadt

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44. Seligenstadt,

Weiler bei Merkendorf. Die Verhältnisse und Vorgänge daselbst haben viel Ähnliches mit denen in Sauernheim. Nach und nach erwarb das Kloster 11 Anwesen daselbst, und somit wohl den ganzen Ort. Nach Auflösung des Klosters fiel Seligenstadt dem Markgrafen Georg Friedrich zu, dessen Leidenschaft für die Jagd großes Elend über den Ort brachte. 1582 waren die sämmtlichen heilsbronnischen Bauern und Köbler daselbst seit 2 Jahren mit ihren Gülten im Rückstand. Sie baten, den Rückstand nach einem leidlichen Anschlage fristenweise in Geld zahlen zu dürfen. In ihrem Gesuche hieß es: „Wir können unsere Gülten nicht schütten wegen des Wildschadens. Das Wild ist unzählig vorhanden. Mancher Köbler mit 5 bis 6 Morgen Feld und ohne Pferde muß seine Felder um Lohn bauen lassen, schneidet aber nicht so viel ein, als ihn der Baulohn gekostet hat. Manche von uns Bauern, die den Köblern ihre Felder um Lohn gebaut haben, haben die Frucht, die darauf gestanden, für den Baulohn nicht nehmen wollen. So jämmerlich ist es durch das Wild verwüstet gewesen. Zwei Drittel unserer Ernte i. J. 1581 waren nur Stumpfen, die Ähren aber vom Wild abgefressen. Wir bitten um Erbarmen, daß wir nicht den Bettelstab nehmen und mit Weib und Kindern ins Elend ziehen müssen.“ (Vgl. Beitr. [475] S. 186–190.) Die Fristenzahlung wurde gestattet. 36 Jahre nachher begann der 30jährige Krieg, welcher noch größere Trübsal brachte. Im amtlichen Bericht über die beiden verhängnißvollen Jahre 1632/34 hieß es: „Alle 11 heilsbronnischen Anwesen in Seligenstadt öde, obgleich nur 2 Häuser und Scheuern abgebrannt. Von den 11 Hofbesitzern sind in diesen 2 Jahren 8 gestorben, darunter Hans Wüllenberger, vom Kriegsvolk erschlagen.“ Jahrzehnte lang lag der ganze Ort verödet. 1665, sonach 17 Jahre nach dem Kriege, lautet der amtliche Bericht: „Liegt noch ganz öde, ist von der Feldung des Ortes ganz nichts angebaut.“ Im Jahr darauf lautet der Bericht: „Dieß Ortes gehört zwar dem Kloster der völlige Zehnt in der ganzen Dorfmarkung, es ist aber leider keine einzige Mannschaft bestellt, sondern liegt Alles im höchsten Ruin und Wildniß darnieder. Nur der alte Görg, Unterthan zu Mitteleschenbach, hat 3 Morgen angebaut. Ist ihm erlaubt worden, gegen 3 Metz vom Morgen sich weiter in dieser Wildniß anzubauen, wenn er Lust und Belieben hat.“ 1674, sonach 26 Jahre nach dem Kriege, heißt es: „Noch ist Alles vom Wild verderbt. Sind bei 4 Morgen angebaut, weil die beiden Inwohner ein Mehreres noch nicht in Bau bringen können.“