Die menschliche Stimme – auf Reisen

Textdaten
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Autor: C. St.
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Titel: Die menschliche Stimme – auf Reisen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 97, S. 796–799
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1877
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Die menschliche Stimme – auf Reisen.


Der Sprache, Gesang und Musik in die Ferne sendende Telegraphen-Apparat von Professor Graham Bell aus Boston (Nordamerika), über welchen die „Gartenlaube“ schon früher einige kurze Mittheilungen brachte (Jahrgang 1877, Seite 220 und 466), bewährt sich in einer Weise und ist derartig vervollkommnet worden, daß die ganze Welt auf dem besten Wege ist, wie das Lied verlangt, ein großes Orchester, ja, was noch mehr sagen will, ein einziges großes Plauderstübchen zu werden. Ich male mir gern die Zeit aus, in welcher jedes wohlsituirte Haus sein mit der nächsten Station verbundenes Telephon haben wird, um mit den entfernten Verwandten und Freunden eine Viertelstunde, für welche man die Strecke miethen müßte, angenehm zu verplaudern. Der junge Kaufmann, den seine Geschäfte dreißig Meilen weit von seiner Familie in der Hauptstadt zurückhalten, tritt Abends zur bestimmten Stunde an den Zauberkasten des Hôtels, und im Geiste sich die um den flammenden Kamin versammelte Familie vorstellend, tritt er mit freundlichem Gruße mitten in ihren Kreis. Ein allgemeiner Jubelton antwortet aus der Ferne, und die sympathische Stimme seiner jungen Frau, die ihn seit je mit ihrem Zauberklange fesselte, begrüßt ihn auf’s Zärtlichste. Kaum macht sie eine Pause in ihrem Tagesbericht, so fleht er wie Manfred, fortzufahren:

Sprich, o sprich!
Ich lebe nur im Schall –
’s ist Deine Stimme.

Plötzlich mischt sich ein kindliches Weinen in das Zwiegespräch der Eltern, und: „Hänschen, wer hat Dir den Kopf abgerissen?“ fragt der Vater scherzend. Ein krystallhelles Lachen ist die Antwort. „Ich hab’ ihn vom Schallloch fortgedrängt, Papa, der dumme Junge will immerfort zuhören,“ meldet das altkluge, kaum ein Jahr ältere Töchterchen. Jetzt schallt ein schwaches Husten aus der Ferne von dreißig Meilen herüber und veranlaßt den theilnehmenden Sohn, zu fragen, was die liebe Mama mache? „Ein wenig erkältet und heiser, wie Du wohl hörst, mein Sohn; sonst ist Alles in Ordnung,“ erwiderte die gute Alte.

Sehr wider seinen Willen – denn er mag von dem „Teufelsspuk“ nichts wissen – wird nunmehr auch der fromme Großpapa in’s Gespräch gezogen. Er hatte nämlich kopfschüttelnd über die Künste der neuen Generation eine Prise genommen und so entsetzlich geniest, daß sein, wie gesagt, dreißig Meilen ferner Sohn erschreckt vom Schallloch zurückgeprallt war. Aber während er noch immer eine zweite sich ankündigende Explosion mit wunderlichem Mienenspiel erwartet, langt aus der Hauptstadt bereits ein fröhliches „Wohl bekomm’s, Väterchen!“ an, und Väterchen muß nach guter alter Sitte sich, wenn auch auf solchem verdächtigen Wege, bedanken. Noch ein paar zärtliche, sorgliche Worte von der geliebten Gattin, und die von dem Abwesenden im Stimmbereiche der Seinen froh verlebte Viertelstunde ist schnell verronnen.

Es ist klar, daß die eine Art von Allgegenwart ermöglichende Erfindung des Telephons einer sehr vielseitigen Anwendung fähig ist. Weite Reisen können gespart, Geschäfte vereinbart, Zeugen vernommen werden; das mündliche Verfahren läßt sich ohne Zeitverlust über eine ganze Provinz ausdehnen. Besonders wichtig aber dürfte sie für Privatzwecke werden, zur Verbindung von Comptoiren und Bureaus mit Werkstätten, Magazinen und Arbeitsplätzen, denn das Telephon gleicht in der Bequemlichkeit des Gebrauchs wie in der Billigkeit der Herstellung einem auf Meilen verlängerbaren Sprachrohr. In New-York ist denn auch bereits ein Herr Cheever als Agent des Erfinders thätig, um Etablissements und Institute aller Art mit dem Telephon zu versehen. So wurde z. B. daselbst das Centralbureau der Clyde-Dampfschifffahrtsgesellschaft mit ihren Abfahrts- und Landungsplätzen durch den Sprechdraht verbunden, ebenso die Haigh’sche Fabrik, welche das Material zu der neuen Riesenbrücke zwischen New-York und Brooklyn lieferte, mit dem Bureau der Bauleitung und letzteres wiederum mit den beiden Bureaus der nahezu zweitausend Meter von einander entfernten Brückenthürme. Die beiderseitigen in Harmonie zu bringenden Operationen bei dem Bau dieser Hängebrücke wurden statt wie sonst mittelst Signalflaggen viel einfacher durch die Stimme des Ober-Ingenieurs geleitet.

In den letzten Wochen sind auch in Berlin amtliche Versuche mit dem Bell’schen Telephon angestellt worden, welche unerwartet günstige Ergebnisse geliefert haben. Da das zur Verfügung stehende Instrument nur als ein solches von geringerer Empfindlichkeit bezeichnet worden war, versuchte man es zunächst nur mit einem Zwiegespräch der in zwei entlegenen Bureaus des General-Telegraphenamtes befindlichen Sachverständigen, veranlaßte aber alsbald eine Wiederholung durch die zwei Kilometer lange unterirdische Leitung zwischen dem Directorialbureau dieses Gebäudes und dem Centralbureau des General-Postmeisters. Wiederum war der Erfolg ein vollkommener. Jedes Wort war verständlich; die Modulationen der Stimmen und die Eigenthümlichkeiten der Sprache jedes Einzelnen erkennbar. Selbst versuchsweise dem Drahte anvertraute Lieder kamen nach Melodie und Text verständlich an ihr Ziel, und noch das schwächste Piano eines Violinstückes klang deutlich aus dem Apparate. Seit dem 6. November dieses Jahres verkehrt der General-Postmeister des deutschen Reiches durch ein auf seinem Arbeitstische stehendes Telephon direct mit dem Director des General-Telegraphenamtes auf diesem Papier und Arbeit sparenden mündlichen Wege. Auch veranlaßten diese günstigen Erfolge zur weiteren Ausdehnung der Versuche auf immer größere Entfernungen. Nach einander wurde der mündliche Verkehr auf der unterirdischen Linie von Berlin nach Schöneberg, nach Potsdam und endlich nach Brandenburg (einundsechszig Kilometer) [798] ausgedehnt. Auch an dem letzteren Orte vernahm man die halblaut in Berlin gesprochenen Worte mit vollkommenster Deutlichkeit und konnte ebenso die Stimmen der einzelnen Persönlichkeiten mit Leichtigkeit unterscheiden. Es scheint sogar, als ob diese Versuche besser gelungen sind, als alle früher in Amerika und England angestellten Proben auf oberirdischen Leitungen, weil dort leicht Störungen eintreten, von denen wir weiterhin Näheres berichten werden. Vielleicht liegt hier der größte Vorzug der in anderer Richtung hinsichtlich ihrer Brauchbarkeit stark angezweifelten unterirdischen Leitungen, die jetzt über ganz Deutschland ausgedehnt werden.

Alle diese Umstände, so wie das Interesse des Gegenstandes an sich, rechtfertigen wohl ein näheres Eingehen auf diesen neuen Triumph der Wissenschaft auch an dieser Stelle, zumal das Verständniß der Einrichtungen keine besonderen Schwierigkeiten darbietet.

Im Jahre 1837 machte der Professor Page in Salem bei Boston eine Beobachtung, die so zu sagen als der Urahn unserer Erfindung zu betrachten ist. Er fand nämlich, daß ein musikalischer Ton entsteht, wenn man die Pole eines starken Magneten einer Drahtspirale, welche von einem elektrischen Strome durchflossen wird, nähert und in dieser den Strom abwechselnd unterbricht und wieder schließt. Professor de la Rive in Genf überzeugte sich 1843, daß diese Töne auch in einer gewöhnlichen Eisenstange auftreten, wenn ein sie in einer Drahtrolle umkreisender Strom abwechselnd unterbrochen wird, und der Deutsch-Oesterreicher Professor Wertheim in Paris zeigte 1848, daß diese Töne in Stäben von unmagnetischen Metallen nicht auftreten, daß sie mit dem Magnetischwerden des Eisens und damit verbundenen innern Umlagerungen der Theile zusammenhängen.

Diese Beobachtungen erweckten in dem deutschen Physiker Philipp Reis zu Friedrichshafen im Jahre 1861 die erste Idee eines Telephon oder Schall-Telegraphen. Er benützte nämlich den innerhalb der Drahtspirale tönenden dünnen Eisenstab, den er, zweckentsprechend unterstützt, auf einem Resonanzboden befestigte, als den Tonwiedergeber, indem er von der andern Station her so viel Einzelströme in die umgebende Drahtrolle sandte, wie der Schwingungshöhe des wiederzugebenden Tones entsprachen. Die Magnetisirungsgeräusche des Stabes summirten sich dann zu dem verlangten musikalischen Tone. Sein Absender bestand einfach aus einem mit einem Mundstück oder Schalltrichter versehenen Holzkasten, über dessen obere runde Oeffnung ein Trommelfell gespannt worden war. Diese durch Gesang oder Musik in regelmäßige Schwingungen versetzte Membran schloß durch ein auf ihrer Mitte angebrachtes Platinblech, welches mit dem Erdpol verbunden war, den Strom des Leitungsdrahtes bei jeder Schwingung, indem sie ebenso oft eine dicht darüber befindliche Platinspitze berührte, und sandte dadurch in der Secunde so viele Ströme durch den Draht, wie dem angegebenen Tone entsprachen, das heißt je nach der Höhe bis in die Hunderte. Sie erklangen mit völliger Genauigkeit vor dem Tonempfänger, und man konnte schon damals Lieder und Musik telegraphiren, also auch jene Schaustellungen veranstalten, die kürzlich in Amerika so viel Beifall gefunden haben.

Aber, wie wir schon früher erwähnt haben, das Reis’sche Telephon übermittelte nur musikalische Klänge; die Textworte der Lieder blieben im Kasten stecken, und gesprochene Worte tauchten nur als ein unverständliches Schilfsgeflüster wieder auf, wie die Worte jenes unglücklichen Barbiers des Königs Midas, der es nur einem Erdloche vertrauen durfte, daß Midas Eselsohren habe. Mit einem Worte, der Apparat war für die feinen Modulationen und Klangfarben der menschlichen Stimme nicht empfindlich genug und verschwand bald in dem Gedränge der physikalischen Cabinete. Indessen verloren die Physiker das Problem nicht aus den Augen, und nach manchen mißlungenen Versuchen gelang die Lösung in der Nachbarschaft der Geburtsstätte des leitenden Gedankens und in einer demselben ganz ähnlichen und doch wieder unendlich durchgeistigten Gestalt.

Professor Bell, der sich seit dem Jahre 1872 mit diesen Versuchen beschäftigte, ging gewissermaßen auf einem dem Reis’schen Verfahren entgegengesetzten Wege vor. Wie der Strom einer Drahtspirale einen darin steckenden Eisenstab magnetisch macht, so erregt umgekehrt ein in die Spirale hinein oder herausbewegter Magnet elektrische Ströme in der Spirale. Bell’s erster Gedanke scheint nun gewesen zu sein, einen Magnetstab mit einer schwingenden Platte zu verbinden und die durch dessen Hin- und Herbewegung in einer Spirale erzeugten Ströme direkt zum Telegraphiren des Tones zu verwenden. Er endigte damit, durch eine von der menschlichen Stimme in Schwingungen versetzte dünne Eisenplatte magnetische Schwingungen in einem Eisenstabe zu erzeugen, die sich in elektrische Ströme der Spirale und Drahtleitung umsetzen. Senkrecht gegen das hinter dem Schalltrichter angebrachte dünne eiserne Schallblech befindet sich ein kurzer Stab aus sogenanntem weichem (das heißt ungehärtetem), unmagnetischem Eisen, der aber dadurch, daß er den Pol eines in seiner Verlängerung liegenden kräftigen Stabmagneten berührt, durch Vertheilung selbst magnetisch wird. Dieser durch Vertheilung in ihm hervorgerufene Magnetismus wird aber in seiner Stärke durch die Nähe des eisernen Schallblechs beeinflußt, und wenn nun dieses Blech bei seinen Schwingungen sich dem weichen Eisen bald nähert, bald von ihm entfernt, so entstehen in demselben sich unendlich schnell folgende Stärkeschwankungen von der äußersten Zartheit, die aber nach Rhythmus und Stärke genau den Tönen entsprechen, durch welche das Schallblech in Bewegung gesetzt wurde. Die magnetischen Schwankungen in dem weichen Eisen erregen ebenso viele elektrische Ströme in einer letzteres umschließenden Drahtspirale, welche in die Leitung eingeschlossen ist, Ströme, die ihrerseits nach Stärke und Rhythmus den magnetischen Schwankungen, also auch den Tonschwingungen, entsprechen.

Der Empfangsapparat ist dem Absendeapparat vollkommen gleich, so daß auf jeder Seite die Schallöffnung derselben abwechselnd als Mundstück und als Lauschöffnung dient, was offenbar eine große Vereinfachung des Apparats mit sich bringt. Jeder Strom, der von drüben ankommt, verändert den magnetischen Zustand des von ihm umkreisten Eisenkernes. Derselbe zieht die Schallplatte in demselben Rhythmus und mit denselben Stärkemodificationen an, wie sich die absendende Platte bewegte, und die drüben in den Schalltrichter gesprochenen Worte ertönen mit demselben Accent, mit denselben Hebungen und Senkungen, in der ursprünglichen Tonhöhe, aus dem eisernen Kehlkopf hervor. Die Schwingungen der aus unserem Munde kommenden Luftsäule versetzen nämlich das Schallblech in gleiche Schwingungen. Letztere werden getreu in magnetische Schwankungen übersetzt; die magnetischen Schwankungen übersetzen sich in blitzschnell forteilende elektrische Ströme, die nun auf demselben Wege durch magnetische und mechanische Wirkungen in die Ursprache zurückübersetzt werden, und merkwürdiger Weise bei dieser sechsfachen Uebersetzung nichts von ihrer Originalität einbüßen.

Damit ist das Problem im Wesentlichen gelöst. Der Apparat arbeitet schon jetzt so ausgezeichnet, daß man hoffen darf, die wenigen noch vorhandenen Mängel bald zu überwinden. Diese Mängel bestanden eher in einer zu großen als in zu geringer Empfindlichkeit. Sobald man nämlich versuchte, mit demselben auf viel benützten Telegraphenstrecken zu arbeiten, so hörte man aus dem Apparate beständig ein Gepolter, als ob starker Regen oder Hagel gegen die Fensterläden schlägt; man hörte nämlich die ganze Unterhaltung, welche auf derselben Linie in den verschiedensten Richtungen stattfand, mit, und konnte in dem allgemeinen Verkehrslärm sein eigenes Wort nicht verstehen. Alle Ströme der daneben laufenden Leitungen wirken im Vorbeigehen auf das Telephon, indem sie nämlich in ähnlicher Weise, wie der bewegte Magnet, schwache Ströme in der Nachbarleitung hervorrufen, welche die gewöhnlichen Telegraphen-Apparate nicht in ihrer Arbeit stören, in dem empfindlichen Telephon aber einen Heidenspectakel erzeugen. Daher der äußerst günstige Effect auf der ungestörten unterirdischen Strecke, auf welcher man im Allgemeinen mit schwächeren Strömen arbeiten muß.

Die Möglichkeit, auf solchen für sich bestehenden Strecken mit den schwächsten Strömen arbeiten zu können, wird aber wahrscheinlich erlauben, die Empfindlichkeit des Apparates noch höher zu treiben, sodaß man einander auf weiten Strecken die wichtigsten Geheimnisse, ohne Gefahr, von dem daneben stehenden Beamten verstanden zu werden, „in’s Ohr flüstern“ könnte, viel leiser, als in den bekannten Flüstergalerien der Paulskirche oder an der Flüstermauer zu Charlottenhof bei Potsdam. Eine solche noch höher getriebene Empfindlichkeit besitzt das Telephon des [799] amerikanischen Physikers Edison. Derselbe hat ein Mittel gefunden, auch die zartesten Modulationen der Stimme getreu in elektrische Ströme zu übersetzen, indem er nämlich an Stelle der Platinspitze des Reis’schen Telephons eine Spitze aus Graphit, dem Material unserer Bleistifte, einsetzt; denn an dem Graphit hat er die höchst merkwürdige Eigenschaft entdeckt, dem elektrischen Strome nun so weniger Widerstand entgegen zu setzen, je stärker der mechanische Druck ist, welcher auf denselben ausgeübt wird. Wenn nun durch eine Hebung der Stimme die Membran in stärkere Schwingungen versetzt wird, so schlägt das Platinplättchen kräftiger gegen die Graphitspitze; der Strom findet in der momentan gepreßten Spitze weniger Widerstand und kommt auf den andern Station verstärkt an: so spiegelt sich jede Biegung und jeder Schmelz der Stimme getreu in den Strömen; das todte Graphiteinschiebsel giebt der Stimme des eisernen Kehlkopfes die Weichheit und den seelenvollen Klang.

Auch der Tonempfänger des Edison’schen Telephons ist eigenthümlicher und sinnreicher Art. In demselben dient nämlich das Geräusch, welches ein Metallstift aus einem chemisch präparirten und über eine Rolle bewegten Papier erzeugt, wenn die Schallströme hindurch geleitet werden, zur Wiedergabe der in der Ferne dem Drahte anvertrauten Laute. Um den Ton zu verstärken, ist der Stift mit einem hölzernen Schallkasten in Verbindung gesetzt worden.

Aber auch wenn das Telephon gar nicht weiter zu vervollkommnen wäre, sind seine bisherigen Leistungen bereits geeignet, eine große Umwälzung im Telegraphenwesen hervorzurufen. Es ist nämlich sehr wahrscheinlich, daß man alle die kleinen Seitenstrecken nach Orten, die nicht an den Hauptlinien liegen, zum Telephonbetriebe herrichten wird. Nicht nur weil dieser einfache Apparat äußerst billig (für zehn bis zwanzig Mark das Stück) herzustellen ist, sondern namentlich, weil sein Gebrauch nicht weiter erlernt zu werden braucht, vielmehr von dem ersten Besten geschehen kann. Es bedarf einzig nebenher einer in dieselbe Leitung eingeschlossenen Klingel, um die Beamten darauf aufmerksam machen zu können, daß ihnen mündlich etwas zur Weiterbeförderung aufgetragen werden soll.

Wir sehen, wie in diesen Apparaten die menschliche Stimme mit allen ihren Eigenthümlichkeiten von einfachen, schwingenden Stäben und Platten wiederholt wird, nachdem sie, in eine ganz andere Sprache übersetzt, lautlos ungeheure Wege zurückgelegt hat. Kaum kann es ein besseres Instrument zur Veranschaulichung der Sinnesempfindungen in unserem eigenen Körper geben. Auch unser Ohr ist nur ein Telephon, in welchem die übermittelten Töne mechanisch wiederklingen, dann in andere Schwingungen übersetzt – und durch einen Draht – den Gehörsnerven – zu dem freilich sehr nahen Centralbureau des Menschen geführt werden.

Eine Tonfolge, die als solche unterwegs verschwindet und drüben wieder auflebt, als sei sie nie verschwunden, Nüancen, welche die ganze Gluth der Empfindung einschließen, neu hervorgebracht durch einen seelenlosen mechanischen Apparat! Was will dagegen Münchenhausen’s Posthorn bedeuten, dessen unterwegs eingefrorene Töne am warmen Ofen des Wirthshauses aufthaueten und losschmetterten? So überflügeln die Leistungen der Wissenschaft die Phantasie des ärgsten Aufschneiders.

C. St.