Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Die Venusgrotte am Schinberg
Untertitel:
aus: Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau S. 59-60
Herausgeber: Heinrich Schreiber
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1867
Verlag: Franz Xaver Wrangler
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Erscheinungsort: Freiburg
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Freiburg und Commons
Kurzbeschreibung:
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[59]
35. Die Venusgrotte am Schinberg.

(Das historische über die „Schneeburgen“ ist von dem Herausgeber dieser Sagen in „den Burgen u. s. w. Badens und der Pfalz“ Thl. II. S. 390. ff. behandelt.)


Die alte Schneeburg graut
Dem Schinberg gegenüber,
Einst hoch am Bühl gebaut,
Jetzt wachsen Bäume drüber.

[60]
5
Und Eulen nisten drin,

Wo einst ein Ritter haus’te;
Zum Forste zog’s ihn hin,
Wie auch der Sturmwind braus’te.

Kaum tauchte er den Speer

10
In Blut des Schwertes Spitze;

So naht die Wolke schwer
Durchzuckt vom Strahl der Blitze.

Der Regen schwillt den Bach,
Die Jagdgenossen weichen;

15
Er aber sucht das Dach

Von dichtbelaubten Eichen.

Doch schlägt der Hagel bald
Herab auf Roß und Ritter,
Denn furchtbar überm Wald

20
Entleert sich das Gewitter.


Da zeigt in dunkelm Moos
Sich eine Felsenspalte,
Kaum sprengt er darauf los,
Als sie sich röthlich malte;

25
Und tief in Berg hinein

Erweitert sich zum Gange
Der Fels im Dämmerschein,
Erfüllt mit süßem Klange.

Und sieh! am Eingang winkt

30
Die Königin der Feen,

Des Busens Schleier sinkt,
Er kann nicht widerstehen,

[61]

Und folgt! – O welches Zauberlicht
Durchströmt der Göttin Halle;

35
Der Strahl voll Purpur bricht

An blitzendem Kristalle.

Wo blau- und grüner Schein
Durchdringt die Wasserfälle,
Ach! dort entspringt im Hain

40
Des Ritters Leidenquelle.


Sein Weib, so lieb und treu
Muß seinen Kuß vermissen;
Wie frevelhaft dies sei,
Ermahnt ihn das Gewissen.

45
Er flieht der Göttin Huld,

Bei Priestern Trost zu finden;
Nicht darf von seiner Schuld
Die Kirche ihn entbinden.

Vielleicht im Vatikan

50
Ist Losspruch zu erreichen;

Er tritt die Reise an
Und wählt des Pilgers Zeichen.

Bald zeigt die ew’ge Stadt
Ihm Petrus Säulenpforte;

55
Der Papst hört seine That

Und spricht die düstern Worte:

„Eh wird aus diesem Stab
Die Rose sprossend blühen,
Als dir die heil’ge Gab’,

60
Die sühnende, verliehen.“
[62]

Bestürzt kehrt er zurück.
Am Schinberg in dem Walde,.
Dort sucht sein starrer Blick
Im Moos die Felsenspalte,

65
Er sieht sie, – stürzt hinein,

Den Drang zum Tod im Herzen;
Drauf schließt sich das Gestein
Und endet seine Schmerzen.

Die Wittwe harrt so bang

70
In Schneeburgs öden Hallen,

Es schweigt der Waldgesang,
Und dürre Blätter fallen.

Als nun zum zweitenmal
Im Schnee die Berge leuchten,

75
Der Hoffnung letzten Strahl

Schon schwarze Sorgen bleichten;

Da kommt ein Bote spät
Den Einlaß zu begehren;
Die Burgfrau, im Gebet,

80
Erscheint ihn anzuhören.


„Zu Rom im Vatikan
Geschehen Wunderzeichen:
Schon fing die Rose an,
Dem Stabe zu entsteigen.“

85
„Der Himmel hat die Schuld

Vergeben, schwere Sünden;
Dies läßt des Papstes Huld
Auf Schneeburg mich verkünden.“

[63]

Sie sendet Boten ab,

90
Doch, wo den Gatten finden?

Ein Wunder läßt zum Grab
Das rothe Flämmlein zünden.

Der Ritter sitzt zu Roß,
Die Hände noch gefaltet;

95
Die Thräne, die ihm floß,

Noch ist sie nicht erkaltet.

Dort, wo die Schneeburg graut,
Dem Schinberg gegenüber,
Ward seine Gruft gebaut,

100
Längst wachsen Bäume drüber.
(l-)