Die Influenza (Louis Kühnhold)

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Autor: Louis Kühnhold
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Titel: Die Influenza
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aus: Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart. Heft 2.
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[49]
Die Influenza.


     „Influenza, Influenza!“ ängstlich gings von Mund zu Mund,
Influenza neie Kranket[1], Aener thats d’n Annern kund.
Farn in grußen rußschen Land
War die Kranket zu arscht bekannt,

5
Gleich drauf huß es nu in Pool’n,

Oesterreich, Schpanien und Mongool’n,
Frankreich, Bayern, Luxemborg,
Wu die Kranket zug wull dorch, —

[50]

In jeden Land farn un nah:

10
„Influenza, Influenza!“


     Fortwährend nahm die Kranket zu,
Ja sugar nach Kammeru,
Nach Asien un Amerika
Kam die Influenza.

15
Un pletzlich war die ganse Walt

Ae änzig grußes Krankenzalt.

     In unnern liem deutschen Reich
War die Kranket nu wull gleich;
Vieltausendfach huß jetzt die Klaa[2]:

20
„Influenza, Influenza!“

Haupsachlich bei unnern Militär
Do sul dar Name manning schwär;
Anfänglich wur gemald mit fröhling Gesicht:
Su un su viel Mann haan die Faulenzia gekricht;

25
Alles wur zu lächt genumme,

Dänn su wos war noch nett viergekumme.
Mir machten uns im dar Kranket wenig Sorring[3],
Und fühlten uns su richtig geborring[4],
Denn daß die Influenza nach Annerschbarrig kähm,

30
Dos wollte von All’n Käner glähm[5].

Un trotzdann kam se mit vuller Wucht, —
Fast jede Familie wur aufgesucht;
Su brooch denn in jeden Haus
Die schreckliche Influenza aus.

35
     Tiefe Schtille in all’n Stroßen,

Es Wartschaftgiehn wur nu gelosen,
Vergange war Lust, vergange war Fräd,
Schtets huur m’r seifzen frih und schpät.

[51]

Jeder klaate[6] iwer Schmarzen,

40
Hie un do — sugar an Harzen;

Schauerig erklang’s von Farn un Nah:
„Influenza, Influenza!“

     Hauptsachlich of un’rer Gruub un un’rer Hitt,
Do schpielte die Kranket manning schlacht mit;

45
Immer winger wur’n die Arbterschaa’rn,

Die nein in Schacht kunnten fah’rn.
Un fast wär’n die Buhrmaschiene —
Wu de Leit, wenn a sauer, schien Gald verdiene —,
Ja beinah wärn se schtiehn gebliem,

50
Dänn die Arbt’r warn balle aufgeriem.

Kän’ fröhling Laut huur m’r in Schacht,
Schteets wur an dar tückischen Kranket gedacht.
Un huur m’r jetzt dann Gruß: „Glick auf!“
Su war es zwäte Wort: „Influenza!“ drauf.

55
     Off d’r Hitt sogs nach schlachter aus,

Die Vorgesetzten wußten fast nett ein noch aus;
Denn jeder Tog, wecher war erschaffen,
Do song se schtets me Arbter erschlaffen.
Zuarscht kam schtets frieh dar Bericht:

60
Die un die haan[7] die Kranket gekricht.


     Guter Roth[8] wur nu theier,
Bis daß ausging arscht ä Feier;
Dänn Jeder war krank beinah,
Un hatte Influenza.

65
Drim huß es a in dan Zeiten:

„De Hittenleit missen doch schteets leiden;
Do gläbt Manniger, ihr Luus[9] is schien,
Un haan su Vieles auszuschtiehn!“

[52]

     Beinah hette noch die Krankhätsgeschicht

70
Zwieschpalt gaar aangericht;

’s kam nämlich in dan Zeiten
Aener krank häm von unnern Leiten
Un saate zu seiner Fraa mit arnsten Gesicht:
„Du, ich hab de Franssiska!“ — Haar wollte nu saan gekricht. —

75
Sie ließ ne ower nett kumme zu Wort:

„Verfihrer"“ schrier se, „Du machst Dich nu fort!
Mit uns Bäden isses verbei, —
Diß is wull Deine ewige Trei!“

     Pletzlich wursch’n nu arscht klaar,

80
Daß Franssiska dar Name gar nett wahr;

Drim schluchtz’r nur aus vuller Brust:
„’s is ju Influenza, — ich hob dan Name nett gewußt!“
Gans annerscht sog seine Fraa nu drein —
Sie brauchte nett eifersichtig mee zu sein.

85
     Die Kranket nahm schteets iwerhand,

Ae Mittel war och nett bekannt, —
Bis pletzlich trof die Nochricht ein
Von kräfting Influenzawein.
Ae Jeder trank nu mit Begier,

90
Bis dasses huß: „Influenzabier!“

Un fortwahr’nd kame Mittel genaht,
Sugar Schnaps oder Torncaat.
Angepriesen wuur von nah un farn
Wein, Bier, Schnapps und Cicharrn,

95
Fast an jeder Sach, die Waarth[10] sollte haan,

Hung m’r dos Wort: „Influenza“ aan.

[53]

     Doch Manning hott’s a Nutzen gebracht, —
’s wuurn de besten Täns d’rauf gemacht;
Dänn schpäterhin wuur geschpielt von uhm rob,

100
Influenza-Walzer, -Rheinländer bis -Galopp,

Un uhmdrein schtellte sich noch ein
Schließlich ä Influenza-Verein.

     Obgleich Alles war gut obgegange,
Su hot Käner gewiß Verlange,

105
Daß zurickkimmt wieder die Zeit

Wur Alles war krank brät un weit.
Dänn dis war wull a Jeder saan:
„Waarth is an käner Kranket draan!“


  1. Kranket = Krankheit.
  2. Klaa = Klage.
  3. Sorring = Sorgen.
  4. geborring = geborgen.
  5. glähm = glauben.
  6. klaate = klagte.
  7. haan = haben.
  8. Roth = Rath.
  9. Luus = Loos.
  10. Waarth = Werth.

Anmerkungen (Wikisource)