Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Verschiedene
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Gartenlaube
Untertitel: Illustrirtes Familienblatt
aus: Vorlage:none
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage: {{{AUFLAGE}}}
Entstehungsdatum: 1860
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: commons
Kurzbeschreibung: {{{KURZBESCHREIBUNG}}}
{{{SONSTIGES}}}
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Die Gartenlaube (1860) 321.jpg
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[321]

No. 21. 1860.
Die Gartenlaube.
Illustrirtes Familienblatt. – Verantwortl. Redacteure F. Stolle u. A. Diezmann.

Wöchentlich 11/2 bis 2 Bogen. Durch alle Buchhandlungen und Postämter vierteljährlich für 15 Ngr. zu beziehen.


In den Casematten Magdeburgs.

Von Levin Schücking.
(Fortsetzung.)
3.

Am folgenden Tage erwartete Frohn mit verdoppelter Ungeduld seine junge Freundin. Er hatte am Morgen frühzeitig dafür gesorgt, daß das aufgewühlte Loch in der Ecke der Casematte verdeckt wurde, wobei seine Matratze die wesentlichsten Dienste leistete. Dann hatte er, sobald die Leute, die sich heute wieder zur Arbeit führen ließen, entfernt waren, auf kleine Streifchen des zerrissenen Papiers, worauf Esther ihm den Plan der Festung zugeschmuggelt, mit einem Bleistift allerlei Hieroglyphen gekritzelt, kurze und unverständliche Sätze, als z. B.

C. 3. Object Elbthor. Besetzt.

oder

C. 5. Object Bastion Kurfürst. –> Marktplatz.

und dergleichen mehr.

Den Rest der Zeit hatte er zum Theil damit zugebracht, über die merkwürdige Bekanntschaft nachzudenken, welche er am Tage vorher gemacht hatte. Dieser energische, in seinem tiefen Elende so muthige und so viel frische Lebenskraft zeigende Mann hatte ihm imponirt, er mußte ihn bewundern – aber er fühlte auch, daß es eine wunderlich angelegte, complicirte Natur sei, die ihm ein gewisses Mißtrauen einflößte, oder etwas wie ein Unbehagen vielmehr, das Frohn hinderte, eine volle warme Theilnahme für ihn zu empfinden. Es war diesem wenigstens klar, daß in dem Freiherrn von der Trenck ein Ehrgeiz, ein Hochmuth und eine Ueberhebung liegen müsse, die ihn zu einem sehr gefährlichen Freunde mache, und zu einem gefährlichen Menschen überhaupt, wenn er frei und im Vollbesitze seiner Kräfte und seines anscheinend so großen Reichthums sei.

Endlich kam die Stunde, die Esther’s liebliche Erscheinung in die düstre Wohnung den Gefangenen brachte. Sie kam eilig mit ihrem Korbe herein. Frohn nahm ihn ihr ab und drückte sie an sein Herz, so daß ihre schwarzen Locken über seinen Oberarm flossen – höher reichte sie an der mächtigen Männergestalt nicht hinauf. „Du hast gute Nachrichten,“ sagte er – „ich seh’s Dir an.“

Sie nickte mit dem bei seiner Umarmung tief dunkelroth gewordenen Gesichte. „Ja,“ sagte sie, „es ist mir gelungen, die Frau des Ober-Feuerwerkers kennen zu lernen, der Nachts die Schlüssel zu dem Pulverthurm zu sich nimmt …“

„Zu dem Laboratorium neben dem Thor der Sternschanze?“

„Zu demselben, von dem Sie mir früher sprachen.“

„Und weiter?“

„Die Frau liebt den Branntwein; der Mann ist Abends im Bierhause in der Stadt. Ich werde sie heute Abend besuchen und wenn es mir gelingt, sie trunken zu machen, werde ich mir Wachsabdrücke von den Schlüsseln machen können, die über dem Bette der Leute an einen Nagel aufgehängt werden. Hätten wir nur Geld, dann würde es auch nicht schwer sein, einen Schlosser zu finden, der die Schlüssel nachmacht.“

„Geld, mein Herz? – daran fehlt es nicht! Sieh her!“ Frohn zog die Goldrolle Trenck’s hervor und gab Esther einen Theil der Summe. „Hier hast Du achtzehn Friedrichsd’or – hundert Thaler; reicht’s nicht, so kannst Du mehr bekommen, schönster Engel – obwohl ich meine, Du könntest Bestechungsversuche wohlfeiler haben – mit einem Kuß könntest Du alle Männer der Welt ihren Pflichten abtrünnig machen!“

Sie wand sich bei diesen Worten von ihm los. „Sie machen wieder Ihre abscheulichen Späße,“ sagte sie. „Wenn Sie mich nur ein klein wenig lieb hätten, würden Sie daran denken, wie weh Sie mir damit thun!“

„Was sich neckt, das liebt sich, weißt Du, Esther,“ antwortete Frohn.

„Ach, Sie wissen viel von Liebe!“ erwiderte Esther traurig lächelnd.

„Herzenskind, versündige Dich nicht an meinem treuen Herzen,“ fiel Frohn zärtlich ein. „Siehst Du, wenn wir Beiden, ich, der Commandant, und Du, mein getreuer Adjutant, meiner Kaiserin, der Gott ein langes Leben schenken soll, die Hauptfestung ihres bösen Feindes in die Hände geliefert haben, dann macht sie mich zum Wenigsten zum Grafen und Feldmarschall-Lieutenant – und dann wirst Du und Niemand anders meine Gräfin und Feldmarschall-Lieutenantin …“

„Danach steht mein Sinn nicht – dafür setze ich mein Leben nicht der Gefahr aus!“ erwiderte Esther. „Ich will für meinen Vater die Freiheit … .“

„Und für Dich selbst nichts, gar nichts?“ fragte Frohn, indem er die Hand unter Esther’n Kinn legte und ihr schönes Gesicht zu sich emporhob.

„Nichts – als etwas, was Sie gar nicht zu verschenken haben – als ein – ein treues Herz!“ sagte sie, indem sie das Auge zu dem Frohn’s aufschlug und nach einem sprechenden innigen Blick sofort wieder senkte.

„Und das sollst Du finden,“ entgegneie er mit lebhaftem und warmem Gefühl – „ein treues Herz – ich wäre der schlechteste Mensch auf Erden, wenn Du es nicht fändest! Aber,“ fuhr er

[322] nach einer stummen Pause fort – „die Zeit eilt – zu den Geschäften! Ich habe noch andere Aufträge für Dich. Sieh hier dieses Papierstückchen. Es ist nöthig, daß es sicher in die Hände des Rittmeisters Stülpnagel komme. Was darauf steht, bedeutet: „Casematte Nr. 3.“ – Das ist die erste unter dem Fürstenwalle, weißt Du; „Object Elbthor,“ das heißt: das, was die in dieser Casematte Einquartierten thun sollen, wenn das Signal von mir gegeben ist, besteht darin, das Brück- oder Elbthor zu nehmen. „Besetzt“ bedeutet: sie sollen dort bleiben, bis ich zu ihnen stoße. Wenn Stülpnagel das Papier nur zugesteckt erhält, er wird schon begreifen. Kannst Du ihn sprechen und es ihm erklären, desto besser. Und nun ist hier eine zweite Ordre, für die Casematte 5, d. h. für den Obristwachtmeister Ehrentraut – sie sollen die Bastion Kurfürst nehmen. Wenn es geschehen, ziehen sie sich nach dem Marktplatz hinab – das bedeutet der Pfeil! Das Signal kennen sie Alle?“

„Alle!“ antwortete Esther.

„Und was ich Dir gestern auftrug, ist ausgerichtet?“

„Ich habe gestern für den Rittmeister Stülpnagel ein Zettelchen mit Ihrer Weisung, an einen kleinen Stein gebunden, in die Casematte in dem Fürstenwalle geworfen.“

„Bist Du auch vorsichtig?“

„Sorgen Sie nicht,“ erwiderte Esther, indem sie eines der beiden kleinen Papiere nahm, zusammendrückte und sich in’s rechte Ohr steckte, wonach sie das andere auf der entgegengesetzten Seite eben so verbarg und dann ihre schwarzen Locken darüber niederfallen ließ. „So findet sie Niemand,“ sagte sie.

„Oder,“ erwiderte Frohn lachend, „man denkt höchstens, Du trügest Baumwolle gegen Zahnweh in den Ohren, was freilich, wenn man Deine Perlenzähne sieht, ein wenig verdächtig wäre! Also die Schlüssel zu dem Laboratorium …“

Frohn schwieg plötzlich und begann sehr eifrig sein Frühstück zu verzehren, denn eben trat der Corporal, der Esther begleitet hatte, von draußen herein und mahnte das junge Mädchen zum Gehen.

„Nur noch einige Minuten Geduld!“ sagte Frohn, „Er würde auch nicht gleich an’s Essen denken, Camerad, wenn Er gefangen säße und es träte ein so herziges Mädel bei Ihm ein. Aber sag’ Er mir, Corporal, wer sitzt denn da drüben in dem Cachot, um das die hohen Pallisaden eingerammt sind, daß die Schildwachen, die davor stehen, nicht einmal in das Fensterloch sehen können?“

„Das hat der König so befohlen,“ versetzte der Unterofficier, „damit der Gefangene nicht mit den Leuten auf den Posten reden und sie bestechen kann.“

„Wer ist es denn?“

Der Corporal zuckte die Achseln. „Es muß wohl ein schlimmer Gesell sein. Man weiß es nicht recht. Das Gefängniß ist auf Befehl des Königs für ihn vor Jahren extra gebaut, und er soll in Ketten stecken, daß es zum Erbarmen ist. Man sagt auch, der König würde dem Commandanten den Kopf vor die Füße legen lassen, wenn er fortkäme.“ Der Corporal wußte weiter nichts anzugeben, oder wollte es nicht – Esther packte ihr Eßgeräth zusammen, und Beide gingen.

Frohn hatte noch fast einen ganzen Tag vor sich, bevor er es wagen dürfte, seine unterirdische Reise anzutreten, um seinen Besuch von gestern zu wiederholen. Es wurde ihm schwer, diese langen müßigen Stunden hinzubringen; für einen Mann, dem die Thatkraft alle Sehnen anspannt, dem der Drang nach Leben und Bewegung in allen Adern klopft, ist es eine traurige Sache, in einer preußischen Casematte zu sitzen, ohne eine andere Beschäftigung als – zu denken: ein Zeitvertreib, der, auch wenn er in einer angenehmeren Umgebung vorgenommen werden kann, z. B. im weichen Fauteuil eines bequemen Boudoirs, von vielen Leuten gescheut und gemieden wird…

Das war nun freilich bei unserem Helden, obwohl er weit mehr ein Mann der That, als der Speculation war, nicht der Fall; er scheute das Sinnen und Ueberlegen nicht, aber er empfand an diesem Tage eine entsetzliche Langweile dabei, weil die doppelte Spannung, in welche ihn sein der Ausführung sich näherndes Complot und die bevorstehende Verhandlung mit dem Freiherrn von der Trenck versetzte, ihn quälte und unruhig in dem langen Casemattenraume auf und ab rennen ließ.

Endlich waren seine Leute zurückgekehrt, das Abfütterungsgeschäft war vollbracht, – er konnte sich zur unterirdischen Reise anschicken und zündete seine Laterne am Auerhuber war heute der Theilnahme an der Fahrt überhoben. Er hatte blos Wache zu halten, für den Fall, daß er berufen werde, was durch einen Pfiff geschehen sollte. Auch den Minengang hatte er zu bewachen, da sich, nachdem Frohn hindurchgekrochen, möglicher Weise Sandschichten lösen und ihn verschütten konnten.

Frohn fand bei Trenck Alles wie am vorigen Tage; der Freiherr lag auf seinem Bett und blätterte beim Schein einer Kerze, die zu seinen Häupten auf dem Mauertische stand, in einem ziemlich starken, mit Blut engbeschriebenen Hefte. „Guten Abend, Herr Camerad,“ sagte er, als er den Kopf Frohn’n in seiner Zelle auftauchen sah … „es ist brav, daß Sie kommen.“

„Sie haben sich entschlossen, mir beizustehen?“ flüsterte Frohn, indem er sich aufschwang und dann herantretend den Sand aus seinen Kleidern schlug.

„Reden wir davon später! Ich brenne vor Begierde, Ihnen ein großes moralisches Gedicht vorzulesen, das ich in meiner Einsamkeit verfertigt habe und das meinen Namen auf die spätesten Zeiten bringen wird, wenn auch das Andenken an meine beispiellosen Leiden und die Art, wie ich mich daraus gerettet habe, je vergessen werden könnte!“

„Um Gotteswillen,“ sagte Frohn – „werfen Sie Ihre Perlen nicht vor die Säue – ich verstehe nichts von dem Poetisiren und ich wäre zudem heute nicht im Stande, drei Zeilen mit Aufmerksamkeit anzuhören.“

„Sie verstehen nichts davon? – nun, desto besser – desto tieferen Eindruck wird es auf Sie machen; es ist so schwungvoll, daß es einen Wilden hinreißen muß –“

„Ich bitte Sie nichts desto weniger …“

„Nun, wie Sie wollen,“ viel Trenck mißvergnügt ein, indem er das Heft zur Seite warf. „Dann reden wir von etwas Anderem. Erzählen Sie mir von sich – woher stammen Sie eigentlich? Ich höre an Ihrem Dialekt, daß Sie kein Oesterreicher sind. Welche Carrière habe Sie gemacht? Plaudern Sie mir davon vor. Es wird mich unterhalten!“

„In diesem Loch, 68 Pfund Ketten neben sich und einen eisernen Ring um den Hals, spricht dieser Mensch wie ein König!“ dachte Frohn. „Ich rede nicht den österreichischen Dialekt, weil ich aus dem Reiche bin,“ antwortete er dann; „aus dem Mosellande, wo mein Vater fürstlich Löwensteinscher Amtskellerer war. Ich habe zu Würzburg studirt, lustig gelebt, Schulden gemacht, mich darüber mit dem würdigen Papa entzweit und bin zu den österreichischen Werbern in Frankfurt gegangen, wo man einen Burschen von meiner Länge mit rührender Zuvorkommenheit aufnahm…“

„Kann’s mir denken,“ sagte Trenck.

„Und als Studirter von gutem Herkommen,“ fuhr Frohn fort, „hab’ ich’s leicht gefunden, es in einem Warasdiner Regiment an der banatischen Grenze zum Regimentsschreiber und dann mit der Zeit zu den Officiersschnüren zu bringen. Gefangen wurde ich in der Schlacht von Liegnitz.“

„Mit vielen Anderen,“ fiel Trenck spöttisch ein.

„Wir wurden,“ erzählte Frohn weiter, „hierher nach Magdeburg gebracht, und da unser über tausend waren, wir auch wußten, daß wir sehr viel Cameraden finden würden, so kam uns sehr bald der Gedanke, daß es möglich sein müsse, auf irgend eine Weise fortzukommen. Die meisten von uns Officieren gaben deshalb ihr Ehrenwort nicht, keinen Fluchtversuch machen zu wollen, und wurden demzufolge mit den Gemeinen in Casematten eingesperrt. Die Anderen gehen frei, wie Sie wissen werden, in der Stadt umher – wegen des Ehrenwortes, das sie abgelegt haben, bieten sie uns jedoch keine Unterstützung, und ich habe sie bei meinem Plane ganz aus dem Spiele gelassen.“

„Daran haben Sie wohl gethan,“ entgegnete Trenck, „je weniger Mitwisser, desto bester. Ihr Plan scheint mir überhaupt das Mißliche zu haben, daß zu Viele darin eingeweiht sind!“

„Wir dürfen deshalb mit der Ausführung nicht zögern,“ bemerkte Frohn. „Ich hoffe mir heute von Ihnen den Schlüssel zu unserer Casematte zu holen und das Versprechen, daß Sie mit uns losbrechen wollen … .“

„Den Schlüssel?“ fragte Trenck sehr nachdenklich. „Ich meine, Sie brauchen ihn gar nicht. Lassen Sie ihn mir. Denn sehen Sie – entweder gelingt Ihr Plan – dann werden Sie als guter Camerad mich ohnehin befreien; oder er mißlingt – dann wird man mich, wenn ich daran Theil genommen, auf ewig unschädlich machen. Meine letzte Hoffnung ist dann für immer dahin. [323] Lassen Sie mich also aus der Sache. Reussiren Sie nicht, so bleibt mir noch immer die Flucht auf meinem eigenen Wege übrig.“

Frohn mußte einräumen, daß diese Bemerkung ihre Richtigkeit hatte. „Es ist wahr, was Sie da sagen,“ versetzte er; „es scheint mir jedoch, Sie thäten am besten, Ihr Heil ganz auf die Karte zu setzen, welche ich im Begriff bin auszuspielen. Ihr Plan ist zu gewagt; kommen Sie auch aus der Festung heraus, so wird man Sie in dem Costüme, worin Sie sich befinden, und das etwas auffällig ist, wie Sie einräumen werden, bald in den doppelten Cordons, die um die Festung gezogen werden, sobald der Deserteurschuß fällt, wieder einfangen.“

„Was das Costüm angeht,“ erwiderte Trenck, „so haben Sie darin allerdings Recht, es ist jedoch dafür gesorgt, daß ich bald ein anderes finde. Und wenn ich Ihnen erzähle, wie ich trotz der doppelten Cordons aus der Festung Glatz geflohen bin …“

„Sie sind schon einmal aus einer preußischen Festung geflohen?“

„Aus Glatz – wie ich Ihnen sage. Hören Sie zu – ich will Ihnen das erzählen.“

Trenck begann nun eine ausführliche Erzählung seiner bisherigen Schicksale. Er berichtete, wie er den Dienst in der Garde du Corps begonnen; wie er lange Friedrichs des Großen vertrautester Adjutant gewesen; wie er durch glänzende Waffenthaten im ersten schlesischen Kriege des Monarchen Gunst in immer höherem Maße gewonnen; wie er zugleich auch einer dem Könige sehr nahe stehenden Dame Gunst genossen; wie dem König dies nicht verborgen geblieben; wie seine Feinde und Neider dann ihn bei dem Monarchen verleumdet, daß er sich in Verbindungen mit seinem Vetter, dem österreichischen Pandurenführer von der Trenck, eingelassen; wie man ihn deshalb in die Festung Glatz eingesperrt habe; wie er zu stolz gewesen, des Königs Gnade anzurufen und vorgezogen habe, durch seine eigene Kraft die Freiheit wieder zu finden. Er erzählte dann die merkwürdigen und unglaublichen Abenteuer, die seine Flucht aus Glatz begleitet; wie er sich nun nach Rußland begeben und hier ein ganz fabelhaftes Glück gemacht habe; wie er endlich nach Oesterreich gegangen, um die unermeßlich reiche Erbschaft in Empfang zu nehmen, welche ihm sein Vetter, der Pandur, hinterlassen. Und dann endlich, wie er, um mit den Gliedern seiner Familie in Preußen eine Zusammenkunft zu haben, sich in die freie Reichsstadt Danzig begeben; wie hier jedoch der preußische Resident mit Einwilligung des pflichtvergessenen Magistrats sich wider alles Völkerrecht seiner Person bemächtigt und ihn in Ketten nach Magdeburg geliefert.

Es war eine lange, ausführliche Erzählung, deren lebhaft vorgetragene Details Frohn vollständig überschütteten, so eifrig trug Trenck sie vor; es wurde Nacht, bevor er damit zu Ende kam. Frohn lauschte zwar gespannt zu, allein er konnte sich nicht verhehlen, daß diese Schilderungen eines höchst abenteuerlichen Lebenslaufs von Eitelkeit und Ueberhebung und von einer starken Begierde zu imponiren gefärbt seien; und weiter sagte er sich, daß hier ein Mensch, dem das Schicksal wie in einer verschwenderischen Laune Alles, was nur in seiner Macht steht, einem Sterblichen zu verleihen, in reichstem Maße gegeben: Kraft und Energie, Geist, Selbstvertrauen, Schönheit, Geburt, Gunst der Mächtigen, Reichthümer, Erfolg in seinen Unternehmungen – daß hier ein zum höchsten irdischen Glück wie vorherbestimmter Mensch sich selbst in den tiefsten Jammer gestürzt, weil ihm nur Eines abging: die ganz gemeine Klugheit, sich zu beugen. Dieser Freiherr von der Trenck mit seiner nie zagenden, stolzen Stirn und seinem Pochen auf sein Recht, mit seiner tief innerlichen Ueberzeugung, daß alle die, welche sein Recht nicht unbedingt anerkannten, Teufel und Ausgeburten der Hölle seien – er hatte inmitten einer Zeit der Willkür und tyrannischer Vorurtheile, inmitten einer fossilen, vom Zopf beherrschten Gesellschaft etwas von einem Wahnwitzigen, aber auch etwas von einem Prometheus.

Endlich hatte Trenck einen Schluß gefunden.

Nach einer Pause sagte Frohn: „Welch ein merkwürdiges, bewegtes Leben! Und welch ein Gegensatz dazu ist die erzwungene Ruhe, zu der dies Leben hier verdammt ist!“

„Ruhe? Nun, wie viel Ruhe ich mir hier vergönnt habe, das haben der Herr Camerad selber gesehen!“

„Haben Sie niemals die Hoffnung gehegt, den König von seinem Unrecht gegen Sie überzeugen zu können?“ fuhr Frohn fort. „Sie brauchten ja nicht um Gnade zu flehen, was Sie verschmähten … aber Ihre Schuldlosigkeit hätten Sie doch bei ihm selber geltend machen – um Ihr Recht hätten Sie doch bitten können!“

Trenck zuckte die Achseln. „Nun ja,“ sagte er, „daß ich kein Verräther sei und mit meinem Vetter, dem Pandur, nicht intriguirt habe, das hätte ich ihm begreiflich machen können. Aber ich habe Ihnen schon angedeutet, daß noch andere Gründe da sind, weshalb ich hier in einer Oubliette schmachte. Und dann … der König glaubt … nun, weshalb soll ich Ihnen das nicht auch sagen? … er glaubt, ich habe eine Infamie begangen … ich habe ein neugeborenes Kind dadurch beseitigt, daß ich es in die Flammen eines Kaminfeuers geworfen … der Teufel möge die Schurken holen, die es ihm eingeredet haben … aber Sie begreifen, Camerad, daß es unter der Würde des Freiherrn von der Trenck ist, sich darüber zu vertheidigen.“[1]

Eine abermalige Pause entstand. Nachdem Frohn dann dem Gefangenen noch einmal ausgesprochen, wie gewaltig alles Gehörte ihn gespannt habe, suchte er das Gespräch auf das ihm zunächst am Herzen Liegende zurückzulenken. Aber Trenck ging nicht sehr bereitwillig darauf ein. Frohn fragte sich umsonst, was ihn so zurückhaltend machte, wo ein Anderer gewiß mit Freuden zugegriffen hätte. Trenck verlangte noch Bedenkzeit – er verweigerte auch den Schlüssel herauszugeben, der von innen das Thor der Casematte aufschloß.

„So lassen Sie uns folgenden Pact machen,“ sagte endlich Frohn. „Wenn ich Ihres Schlüssels bedarf, so komme ich hierher zu Ihnen, um mir ihn zu borgen. Ich sende Ihnen den Schlüssel sodann durch einen meiner Leute zurück und befehle diesem zugleich, das in der Casematte drüben aufgebrochene Loch zu füllen und zu bedecken, sodaß es nicht möglich ist, die Arbeit zu bemerken. Wenn wir in unsrer Unternehmung, wie Sie es beharrlich annehmen zu wollen scheinen, Schiffbruch leiden, so bleibt unser Verkehr mit einander unentdeckt, und Sie sind nicht compromittirt!“

„Wollen Sie mir Ihr Ehrenwort geben, daß Sie selbst darüber wachen wollen?“

„Worüber?“

„Daß an Ihrer Seite drüben das Loch sorgfältig genug zugeworfen und überdeckt werde, um keine Spur der stattgefundenen Arbeit zu verrathen?“

„Ich will’s!“ antwortete Frohn.

„Gut. So werde ich Ihnen meinen Schlüssel wahrscheinlich hergeben.“

„Wahrscheinlich?“

„Nun ja. Es ist ja nicht nöthig, daß es gleich geschehe.“

„Das nicht, aber nöthig, daß Sie gleich sich darüber erklären.“

„Nun, so holen Sie ihn!“

Bei dieser Verabredung blieb es. Frohn plauderte noch eine Weile mit dem Freiherrn von der Trenck, und dann begab er sich auf den Heimweg. Es war Mitternacht, als er in seine Casematte zurückkam.


4.

Am Tage darauf brachte Esther unserem Gefangenen wieder die besten Nachrichten. Es war ihr gelungen, ihre Depeschen an ihre Adressen zu befördern. Frohn gab ihr neue, die letzten, welche nöthig waren. Wenn sie bestellt waren, so brauchte er nur das schon früher bekannt gemachte Signal zu geben, und Jeder, der zum Handeln berufen, eilte an seinen Posten. Es fehlten nur noch die Schlüssel zu dem Laboratorium. Esther hatte, wie sie berichtete, die Wachsabdrücke. Aber es war ihr noch nicht gelungen, die Schlüssel selber machen lassen zu können; der Schlosser, der es übernommen, gegen Bezahlung von zwölf Friedrichsd’or sie anzufertigen, wollte erst am folgenden Tage gegen Mittag damit fertig werden können, da er nur daran arbeiten durfte, wenn er allein und sein Geselle nicht in der Werkstatt war. – –

[324] Gegen die Abendstunde schickte Frohn sich an, seinen Besuch bei Trenck zu machen. Er kroch in seinen Minengang und gelangte darin ungehindert bis an die Stelle, wo ihm seine Laterne die Fundamentmauer des Trenck’schen Kerkers zeigte. Hier aber hörte zu seiner großen Verwunderung heute sein Weg vollständig auf. Die brunnenartige Austiefung, durch welche er gestern noch in die Zelle Trenck’s gekommen, war mit einem Paar Sandsäcken zugeworfen und darüber lagen dicke Holzbohlen. Frohn schaffte sich zwar trotz der Säcke so viel Raum, daß er den Versuch machen konnte, die Bohlen zu heben. Aber sie schienen fest zugekeilt. Er klopfte. Nichts über ihm rührte sich. Er rief: „Trenck … Herr Camerad“ … erst leise, dann lauter. Keine Antwort!

Im höchsten Grade beunruhigt, mußte er sich zum Rückzug entschließen. Größere Anstrengungen, die Bohlen zu heben, durfte er nicht machen, ebenso wenig lauter rufen. Dies hätte die Schildwache, die zwischen seiner Casematte und den Pallisaden, welche Trenck’s Kerker umgaben, auf und ab schritt, aufmerksam machen können. Frohn mußte unverrichteter Dinge zurück. Aber die Rückreise war sehr unbequem. Der Raum war nicht weit genug, daß ein so starker breitschultriger Mann, wie Frohn, sich hätte wenden können. Er mußte wie ein Krebs rückwärts kriechen.

Als er wieder in seiner Casematte angekommen war, setzte er sich auf seine Matratze nieder und dachte eine Weile stumm über die Bedeutung dieses auffallenden Umstandes nach, daß Trenck ihm geflissentlich den Weg zu sich verschlossen. Oder hatte man Trenck’s Arbeiten entdeckt? Es war nicht wahrscheinlich; man würde dann gleich den ganzen Gang zugeworfen haben. Es war möglich, daß er krank war, daß er eine außergewöhnliche Inspection seines Kerkers zu fürchten Grund erhalten … es war aber auch möglich, daß Trenck Frohn verrathen, um durch die Mittheilung einer so wichtigen Thatsache an die Festungsbehörden seine eigene Begnadigung zu erkaufen. Frohn grübelte lange darüber nach, ob eine solche Handlung mit den Charaktereigenschaften verträglich, sei, welche ihm Trenck in seinen beiden Unterredungen mit ihm gezeigt hatte. Er wurde nicht ganz klar darüber. Der Charakter Trenck’s sprach dawider … und doch, ein großer Egoismus lag in diesem merkwürdigen Menschen, und was war ihm Frohn? ein völlig Fremder, eine Bekanntschaft von zwei Tagen. Der Letztere mußte jedenfalls auf seinen Hut sein!

Endlich sprang Frohn auf. Es war so dämmerig in der Casematte geworden, daß von draußen nicht bemerkt werden konnte, was darin vorging. Er rief die sämmtliche Mannschaft um sich her. „Es wird Zeit, Ihr Leute,“ sagte er, „daß wir uns zum Losschlagen bereit halten. Macht Euch darauf gefaßt. Vielleicht gebe ich schon morgen früh, wenn mir mein Frühstück gebracht und die Casematte dabei aufgeschlossen wird, das Signal – mit dem Rufe: „Es lebe die Kaiserin!“ Ihr wißt, was Ihr dann zu thun habt! Es stürzt sich Alles zum Thore hinaus. Die Schildwachen, die uns in den Weg kommen, werden niedergeschlagen, die Musketen und die Patrontaschen, die scharfe Patronen enthalten, ihnen genommen; die ganze Mannschaft eilt auf den Platz mitten in der Sternschanze. Hier aber folgen mir alle die, welche in der Artillerie gedient haben – wie viel sind Euer? die Artilleristen treten vor!“ –

Etwa vierzig Mann traten aus den übrigen heraus.

„Gut – Ihr alle kümmert Euch weiter nicht um die Andern, sondern Ihr bleibt auf meinen Fersen und folgt mir. Alle die Andern aber werfen sich auf die Wache vor der Caserne; Ihr schlagt die paar Leute zu Boden, reißt Ihnen die Gewehre fort und stürzt Euch dann in die Caserne, wo Ihr Gewehre findet. Ihr werdet mit dem kleinen Häuflein von Landmiliz, das darin liegt, bald fertig sein, könnt deshalb auch Pardon geben. Das Todtschlagen nimmt nur Zeit fort, die Hauptsache ist, daß Ihr Waffen bekommt! – Habt Ihr nun die Leute in der Caserne überwältigt und die Gewehre in der Hand, so besetzt Ihr das Thor der Sternschanze, bis ich komme und weitere Befehle gebe. Ihr habt nichts zu fürchten. Wenn unsere Unternehmung auch scheitert, so ist dafür gesorgt, daß wir freien Abzug haben; die Cameraden aus einer der Casematten am Fürstenwall besetzen das Brückthor, sodaß uns von drüben aus der Citadelle keine Gefahr droht, im Falle die Gefangenen in derselben sich ihrer nicht bemächtigen können. Der Weg in’s Freie bleibt uns immer offen, und nach einem Marsch von zwei Stunden sind wir an der sächsischen Grenze. Es sind auch keine Truppen in der Gegend, die eine Colonne wie die unsrige angreifen könnten …“

Die Leute waren in der muthigsten Zuversicht und erwarteten gespannt den kommenden Tag, der vielleicht die Entscheidung brachte.

Frohn befand sich bei dem Gedanken daran in einer leicht begreiflichen Aufregung. Er schloß erst sehr spät in der Nacht die Augen zu einem unruhigen Schlummer.

Der Morgen kam und die ersten Stunden desselben verliefen sehr ruhig. Der gefangenen Mannschaft wurde ihr Frühstück gebracht. Zur Arbeit wurden sie heute nicht geführt; die Leute hatten den Befehl von Frohn, wenn sie hinausgeführt werden sollten, sich der Arbeit zu weigern und zu bleiben.




Unterdeß hatte am frühen Morgen eine ganz eigenthümliche Scene in Trenck’s Kerker stattgefunden. Der gefangene Freiherr hatte nämlich einen höchst merkwürdigen Entschluß ausgeführt, einen Entschluß, der unbegreiflich sein würde, wenn wir ihn uns nicht aus einem Charakter erklärten, in welchem Eitelkeit und Ruhmsucht alle übrigen Eigenschaften beherrschten. Trenck glaubte seinen Fluchtplan so gut vorbereitet, daß er am Gelingen desselben keinen Zweifel hegte. Er hatte schon im Voraus den ganzen Triumph genossen, den es ihm gewähren würde, wenn er durch eigene Kraft und Klugheit sich aus einem Kerker, wie dem seinigen, befreit: er hatte bereits ganz Europa erfüllt von Bewunderung für eine so unglaubliche That gesehen.

Das Anerbieten des österreichischen Lieutenants, welches ihm jetzt, wo er sechs Monate hindurch und noch länger seine Flucht vorbereitet hatte, die Freiheit ohne sein Zuthun als Geschenk geben wollte, war ihm deshalb keinesweges willkommen gewesen. Wie er schon in seiner Haft in Glatz vorgezogen hatte, die Freiheit, welche er durch ein Gnadengesuch bei seinem Könige hätte finden können, mit entsetzlichen Mühseligkeiten und von tödtlichen Gefahren umringt zu gewinnen, so hatte sein unbeugsamer Kopf auch jetzt sich dawider empört, von den Schultern eines Andern bequem aus seinem Kerker getragen zu werden.

Dies hatte ihm seinen Entschluß eingegeben. Schon gestern hatte er deshalb den Weg in seine Zelle für Frohn versperrt gelassen, und jetzt, am frühen Morgen, hatte er verlangt, den Officier du jour zu sprechen. Ein Stabsofficier, begleitet von einem Lieutenant, trat bald hernach in sein enges Gemach.

„Herr Obristwachtmeister,“ redete er diesen an – „ich habe mir Kunde darüber zu verschaffen gewußt, daß der Gouverneur der Festung, der Herzog von Braunschweig, gegenwärtig in den Mauern von Magdeburg ist. Ich ersuche Sie, sich zu Seiner Durchlaucht begeben zu wollen und ihm zu sagen, der Freiherr von der Trenck lasse ihn bitten, sich selbst zu überzeugen, welche Maßregeln ergriffen sind, um ihm jeden Gedanken an die Möglichkeit einer Flucht zu nehmen. Der Herzog möge selber sehen, wie jedes meiner Glieder mit schweren Eisen gefesselt ist; wie zwei dicke, mit Platten überzogene Bohlenthüren mein Gefängniß von dem Vorraum abtrennen; wie zwei andere Thüren den Vorraum schließen, und eine fünfte die Pallisadenwand rings um das Gebäude. Er möge sehen, wie Tag und Nacht die Schildwachen auf ihrer Hut sind. Wenn er sich davon überzeugt hat, mag er mein Gefängniß visitiren lassen, die Schildwachen verdoppeln und dann befehlen, zu welcher Stunde morgen am hellen Tage ich mich außerhalb der Werke der Sternschanze, auf dem Glacis bei Kloster Bergen, in vollkommener Freiheit soll sehen lassen!“

„Wir reden irre, Trenck!“ sagte der Major kopfschüttelnd und wie sich zum Gehen wendend.

„Ich weiß, was ich sage, mein Herr Obristwachtmeister,“ fuhr der Gefangene fort. „Wozu ich mich anheischig mache, das führe ich auch aus. Dagegen aber, sagen Sie der Durchlaucht das, dagegen verlange ich von dem Herzoge, daß er, was ich gethan, dem Könige meldet und mir seine Protection bei dem Monarchen gewährt; der König mag aus meiner Handlungsweise abnehmen, daß ich ein reines Gewissen habe und verschmähe zu fliehen, obwohl es nur ein Leichtes ist, trotz aller seiner Gewaltmaßregeln!“

Der Major glaubte in der That, Trenck’s Prahlereien seien aus Irrsinn hervorgegangen, und nur das energische Drängen des Gefesselten bewog ihn endlich zu dem Versprechen, sich zum Herzoge begeben zu wollen.


(Schluß folgt.)
[325]
Am Marmortischchen von Rübeland.
Von E. A. Roßmäsler.

Wenn kein anderer Unterhaltungsstoff mehr vorhalten will, die Natur bietet sich immer und überall als unversiechliche Quelle.

Im Café Parrot in Frankfurt a. M. haben die Tische marmorne Tischplatten. Darauf ist mir manche Tasse Kaffee kalt geworden, weil ich mich in der Entzifferung der zahllosen eingebackenen Versteinerungen vertieft hatte, während unten auf der Zeil die paulskirchlich und bundestäglich zwiegespaltene Stadt herumpromenirte. Doch waren auf jenen Marmorplatten die versteinerten Lebensformen eben so fragmentarisch und verworren untereinander gewürfelt, wie damals die politischen Zustände, oder noch besser: wie eben jetzt wieder. – Da lobe ich mir das Marmortischchen aus Rübeland, von dessen Platte[2] unser Holzschnitt eine Stelle mit vollkommener Treue wiedergibt. Dessen urweltliche Schriftzüge sind keine unleserlichen Hieroglyphen, sondern deutliche Illustrationen auf einem Blatte der Erdgeschichte.

Und doch mag vor manchem solchen Tische mancher Salon-Sterbliche sitzen und, indem er seinen Thee umrührt, nicht viel klüger auf die weißlichen Gestalten des Marmors schauen, als ein Kindlein auf die Sixtin’sche Madonna, und sich dabei vielleicht gründlich langweilen.

„Was sich der Wald erzählt,“ wissen wir; hören wir einmal, was uns ein Marmortischchen aus Rübeland zu erzählen weiß.

Die Gartenlaube (1860) b 325.jpg

Marmor-Tischplatte.

Vor langer, langer Zeit – Ihr höchstens seit 15,000 Jahren auf’s Tapet gekommenen Menschenkinder macht Euch gar keinen Begriff von der Zeitlänge – krochen wir sonderbaren Schalthiere, deren Ueberreste Ihr hier vor Euch seht, auf des Meeres tief unterstem Grunde. Die paar überlebenden Abkömmlinge unseres einst großen und mächtigen Geschlechtes werden von Euren Naturgelehrten Kopffüßler genannt. Wenn darin ein Spott liegen soll, so geben wir ihn Euch zurück; denn Ihr geht ja selbst auf dem Kopfe und seht oft das Niederste als das Höchste und überhaupt Vieles verkehrt an.

Wir vorweltlichen Kopffüßler gehörten größtentheils zu der von Euch beneideten Classe der Hausbesitzer, nur mit dem Vorzuge, daß sich ein Jeder von uns, Vater, Mutter und Kinder und Kindeskinder, sein Haus selbst baute und also sicher sein konnte, daß es ihm bequem war und nicht über Nacht wieder einfiel. Da jeder Einzelne von uns sein eigenes Haus hat, so brauchte es bei unserer Genügsamkeit eigentlich auch nur ein einziges Gemach, und in Wahrheit ist es auch so. Aber wir werden immer größer, und darum muß auch unser Zimmer immer größer und weiter sein. Da sich nun das jedesmal bewohnte nicht wie Gummi Elasticum ausdehnen kann, so bauen wir von Zeit zu Zeit vor das verlassene ein neues weiteres Gemach und mauern die Thür zu dem alten bis auf eine kleine Oeffnung zu. Daß Euch dies eine komische Baukunst dünkt, läßt sich denken; aber es ist nun einmal so unsere Art. Dabei legten die Einen von uns dieses ihr Haus so an, daß der Anbau der neuen Kammern in gerader Linie stattfand, bei den Andern in einer Spirallinie. Doch das Letztere wißt Ihr ja von dem Nautilus her, einem der wenigen Unsrigen, der es in Euren gegenwärtigen Erdzuständen lebend noch aushalten kann. Von beiderlei Häusern, von geradlinigen, wie von solchen, welche eine Spirallinie bilden, seht ihr in dem Marmor der Tischplatte Beispiele genug, und Ihr werdet dann auch die Scheidewände sehen, welche allemal vor dem verlassenen Gemach angelegt wurden.

Ihr fragt, wie wir armen Thiere hierher in diesen Marmor gekommen sind? Das wollen wir Euch erzählen.

Allerdings mag es Euch Wunder nehmen, wie wir ehemaligen Seebewohner hierher auf die Höhen des Harzes in festen Marmorstein gekommen sind, von wo doch Euer nächstes Meer, die Nordsee, wohl an die dreißig Meilen weit entfernt sein mag. Wir sagen Euer Meer, denn Eure jetzigen Meere waren nicht unsere Meere. Wo Ihr jetzt zu unserer Ruhestätte hoch hinaufsteigen müßt, da hättet Ihr zu unseren Lebzeiten tief in’s Meer hinabtauchen müssen. Ihr übermüthigen Menschen seid alle miteinander blos Emporkömmlinge. Eure Länder, in denen Ihr Euch so breit macht, als müsse das ewig so gewesen sein und müsse ewig so bleiben, haben einst tiefen schlamm- und moderbedeckten Meeresgrund gebildet, der langsam emporstieg und allmählich zum Wohnplatz für Euer Leben im Trocknen tauglich wurde.

Wie das möglich gewesen sei, fragt Ihr? Ja, da fragt Eure Erdgeschichtsforscher, die sich eben jetzt darüber in den Haaren liegen, wie Ihr denn überhaupt selten einmal einen wissenschaftlichen Kampf ausfechten könnt, ohne dabei heftig und persönlich zu [326] werden, als sei ein jeder der Kämpfer verantwortlich dafür, wie die Erde entstanden ist.

So weit wir lebendig dabei gewesen sind, wollen wir Euch Auskunft geben.

Daß wir auf dem Grunde vormaliger Meere gewohnt haben, das haben wir schon gesagt. Wie diese Meere jetzt nicht mehr da sind, wie Euch das der Augenschein lehrt, so sind auch die Festländer nicht mehr da, welche ohne Zweifel einst dagewesen sind und gegenwärtig den tiefen Grund Eurer heutigen Meere bilden mögen. Von jenen ehemaligen Festländern strömten, wie von Euren heutigen, Flüsse in die ehemaligen Meere. Daß diese ununterbrochen feinen Schlamm mit sich führen, der sich im Meere allmählich in immer dicker werdenden Schichten zu Boden setzt, das wird heute auch noch so sein, wie es zu unserer Zeit war. Lest nur darüber in Euren Erdgeschichtsbüchern nach. – (Die Rübelander Kopffüßler haben Recht, denn dort ist z. B. zu lesen, daß der Hoang-Ho in jeder Stunde zwei Millionen Cubikfuß Schlamm in das Meer führt, was in 70 Tagen eine Insel von einer geographischen Quadratmeile bilden würde und, wenn dieser Schlamm alle im gelben Meere bleibt, dieses in 24,000 Jahren ganz ausfüllen wird.) – Wir selbst haben, wie ein Blick auf das Marmortischchen zeigt, viel zur Bildung dieser Schichten beigetragen.

Sterbend versanken wir in den Schlamm des Meeres, in welchem unsere festen Häuser zurückblieben, während sich der kohlige Theil unseres weichen Leibes mit dem feinen Kalkschlamm mischte und diesen schwarz färbte. Unser waren viele, unzählbar viele, und der Marmor, welcher in der eben beschriebenen Weise entstand, muß an vielen Stellen ganz mit unseren unsterblichen Ueberresten erfüllt sein.

So weit die Rübelander Kopffüßler. Unterhalten wir uns nun auf eigene Faust weiter mit dem Tischchen.

Wie fest der Marmor ist! Und das soll einstmals weicher Schlamm gewesen sein? Wem das unglaublich scheint, der erinnere sich daran, daß die ungeheure Wasserlast eines vielleicht viele Tausend Fuß tiefen Meeres die weichen Schlammschichten fest zusammenpressen mußte: und wenn er dann die außerordentliche Zeitdauer in Anschlag bringt, während welcher diese Zusammenpressung stattfand, so wird er es wohl glaublich finden.

An der Bindung der Schlammtheilchen zu festem Marmorstein haben aber auch chemische Vorgänge mitgewirkt. Das ersehen wir aus den weißen Adern unseres Rübelander Marmors, welche ausgeschiedener reiner krystallinischer Kalk, d. i. Kalkspath sind. Diese reine Ausscheidung eines Theiles der Kalkerde und Gestaltung derselben zu glänzenden weißen Adern mitten in der schwarzen Grundmasse geschah während oder bald nach dem Niedersetzen des Kalkschlammes, und bekundet eine innerliche Regung in der trägen, scheinbar todten Masse. Ueberhaupt müssen wir nicht glauben, daß nur im lebendigen Thier- und Pflanzenleibe Stoffumsetzungen stattfinden; auch in dem von Feuchtigkeit durchdrungenen Steine finden sie statt, auch er ist sonach im gewissen Sinne belebt. Wie in der reifenden Erbse aus dem Zucker Stärkemehl wird, so sind nachweisbar aus ehemaligen Kalkschieferschichten durch Verdrängung des Kalkes durch Kieselerde Kieselschieferschichten geworden. In dem ewigen Kreislauf des Stoffes sind auch jene mächtigen Marmor-, also Kalksteinschichten von Rübeland nicht sicher, daß sie Kalkstein bleiben und nicht vielmehr nach Hunderttausenden von Jahren allmählich werden in Kieselgestein mit Verwischung der Lebensformen der Versteinerungen verwandelt werden.

Viele von den, in der im Ganzen formlosen schwarzen Grundmasse eingebetteten, Gehäusen zeigen in ihren Kammerabtheilungen an beiden Flächen der Scheidewände krystallinischen weißen Kalk, und wir erkennen auch hierin ein inneres Leben in der ein weicher Schlamm gewesenen Masse, denn der Krystall ist die Lebensform des Steinreichs, an eben so bestimmte Formgesetze gebunden, wie die hundertfältig gestalteten Blüthen und Blätter der Pflanzen.

Indem wir jetzt das Bild auf diesen Hinweis ansehen, bemerken wir außer den gewundenen Gehäusen auch einige gerade, ebenfalls durch Querscheidewände gegliederte oder gekammerte Gebilde (namentlich eins oben in der rechten Ecke und von da in verschiedener Lage drei andere nach der Mitte hin). Das sind Orthoceratiten, für welche gar keine bekannten Vertreter auf unsere Zeiten gekommen sind, während, wie schon erwähnt wurde, die Kopffüßler mit spiral gewundenem Gehäuse, die Familie der Ammoniten bildend, im Nautilus noch fortleben.

Liegt es nicht nahe genug, nun auch in Gedanken der Geburtsstätte unseres Marmortischchens im Harzgebirge einen Besuch zu machen? Wir müssen aber richtiger sagen Fundstätte, da wir ja bereits wissen, daß der Marmor auf dem tiefen Grunde eines längst nicht mehr vorhandenen Meeres geboren worden ist.

Die Erdgeschichtsforscher – die sich wissenschaftlich vornehm Geologen nennen – haben uns die Beschaffenheit dieser Fundstätte unseres Marmors längst aufgeklärt, so daß wir nicht nöthig haben, darüber nachzusinnen, wie dort die verschiedenartigsten Felsschichten bald oben bald unten, bald in ebener, bald in schräger Lage auf, an und über einander geordnet sind, was uns freilich sehr wenig wie Ordnung aussehen würde.

Wenn wir nach den zahllosen Seethierüberresten in unserem Marmor nicht zweifeln konnten, daß wir in ihm den Bodensatz eines ehemaligen Meeres vor uns haben, so müssen wir uns billig wundern, daß wir im Harz diesen Bodensatz-Marmor nicht in horizontalen Schichten, wie doch jeder Bodensatz sich bildet, finden, sondern daß dort diese Marmorschichten rings um einen im Mittelpunkt liegenden Felsenkern, den der Brocken bildet, schräg angelehnt stehen. Wenn wir durch lange und ausgedehnte Wanderungen durch die Thäler und Höhen des Harzes uns ein Verständniß dieses bunten Durcheinander von verschiedenen Felsarten verschafft haben würden, so würden wir das, was wir dann fänden, nicht besser vergleichen können, als wenn wir uns vorstellten, der Boden eines mit einer dicken Eisdecke bedeckten Teiches habe sich in seinem Mittelpunkte als ein Hügel erhoben, die Eisdecke zertrümmert und dann die Schollen aufgerichtet und an seinen Seiten schräg angelehnt. Im Harzgebirge, was einen Flächenraum von etwa 36 Quadratmeilen einnimmt, muß etwas Aehnliches stattgefunden haben. Entweder der granitne Kern hat langsam von unten emporsteigend jene ursprünglich eben gewesenen Schichten gehoben und zuletzt durchbrochen, oder – eine Ansicht, die jetzt von einer Seite eifrig verfochten wird – die Schichten sind, indem sie sanken, über der Kuppe des unter ihnen feststehenden Kernes geborsten, wie wir diese Erscheinung sehr oft an einer Eisdecke sehen, wenn unter ihr das Wasser fiel und ein großer Stein bis an die Unterseite der Eisdecke reichte. Ueber diesem muß alsdann die sinkende Eisdecke zerbrechen und die Schollen rings um ihn sich geneigt anlehnen.

Das sind nun so einige Gedanken, welche aus dem Marmortischchen von Rübeland heraussprechen. Wer sie nur einigermaßen versteht, kann sich daran nicht langweilen.




Eine Sclaven-Einfuhr auf Cuba.
Bericht von einem Seemanne des Sclavenschiffes.

Wenn man zu Hause in der lieben Heimath, wo man sich zur Noth doch immer noch ein paar Groschen oder die zum Leben nöthigsten Dinge borgen kann, kein Geld hat, ist man nach Goethe und unzähligen andern Autoritäten schon halb krank. „Gesunder Mensch ohne Geld ist halb krank.“ Wie aber erst in der Fremde? Geldlos in London oder New-York und fremd? Fremd und ohne Gelo in einer modernen großen Weltstadt ist der Mensch zu Allem fähig. Kreuzigt ihn, steinigt ihn, Ihr, die Ihr ruhig und mit polizeilich geschützter, regelmäßiger Einnahme zu Hause vegetirt und philistrirt, aber hört einen dieser Unglücklichen an, der blos aus Mangel an Geld Sclavenhändler in New-York ward. Wir erfahren doch auf diese Weise ganz haarklein, wie’s auf einem solchen Sclavenschiffe hergeht und „wie’s gemacht wird“.

Ich saß an einem trüben Aprilmorgen des vorigen Jahres voller Gedanken, wie ich’s künftig machen solle, um weiter zu leben, in einem Logirhause New-Yorks. Mein Geld vom letzten Schiffe – denn ich bin Seemann – war bis auf die letzte Neige zusammengeschmolzen. Da klopfte es an die Thür, und herein trat mein Wirth mit einem Fremden, der mich zu sprechen wünschte und mit welchem ich allein blieb. Ein Mann von mittlerer Größe [327] mit schwarzen, blitzenden Augen, kurzem schwarzen Haar und blassem, regelmäßigen Gesicht. Alles gar nicht seemännisch; aber er sagte, daß er Capitain eines Schiffes sei, das „Palmöl“ von der afrikanischen Westküste holen wolle. Er brauche Mannschaften, besonders einen Dolmetscher, der Spanisch und Portugiesisch verstehe. Er habe gehört, das könne ich, und deshalb biete er mir eine gute Stelle an.

Ich sah ihm scharf in’s Gesicht und fragte ihn, ob unter „Palmöl“ etwas Anderes verstanden werden müsse. Er war ehrlich genug, Ja zu sagen. Nach einigem Bedenken ging ich auf sein glänzendes Anerbieten ein, denn ich brauchte Geld und hoffte auf Abenteuer. Wir accordirten, und ich fand mich am folgenden Morgen auf seiner Barke, genannt Flora, ein. Ein langes, niedriges, schwarzes Schiff von 460 Tonnen, mit Bark-Takelage und scharfem Schnabel. Das Zwischendeck lag ganz unten wie Ballast in numerirten Stücken. Auch waren die Vorräthe von Lebensmitteln und die Ladung ganz merkwürdig arrangirt und verpackt.

Nach zwei Tagen segelten wir ab, um zunächst St. Paul de Loando, 8° 48’ südlicher Breite, 13° 8’ östlicher Länge, zu erreichen – den „Windwärts-Eingang“ zu dem großen Congo-Flusse, 5° 39’ s. Breite, 12° 9’ östliche Länge, der Hauptstraße für den Sclavenhandel. Auf der Reise von 71 Tagen fiel nichts Abenteuerliches vor. Durchsuchungen von Beamten eines amerikanischen Kriegsschiffs „Marion“ und des englischen „Triton“ machten uns vollkommen verdächtig, aber sie konnten uns nichts anhaben, sodaß wir ungestört etwa 40 englische Meilen stromaufwärts bis zu der Handelsstation O’Lonia fuhren, einigen Waarenlagern der Portugiesen, Spanier und Amerikaner.

Congo, das Land oder Unter-Guinea, besteht aus den Neger-Königreichen Loango, Congo, Angola, Matamba und Benguela, hat viele Wüsten, ist aber am Flusse und unzähligen Nebenflüssen und Einbuchten voller Wald und Wild: luxuriöse Fülle, natürliche Fruchtbarkeit und üppiger Baumwollenwuchs mit deliciösen Blumen und Früchten, Papageien, Affen und tausenderlei Arten von kriechendem, fliegendem und kletterndem, buntem Gethier. Die menschlichen Bewohner laufen nackt umher und beten Sonne, Mond und Sterne an. Portugiesische Missionaire haben Manchen derselben zu beweisen gesucht, daß dies eine Sünde sei und man dafür etwas Unsichtbares, Unbegreifliches anbeten und glauben müsse, aber die Meisten bleiben bei ihrer ihnen ganz aus dem Herzen und der unmittelbaren Begreiflichkeit wachsenden Naturreligion. Doch für Branntwein und sonstige Culturproducte thun sie Alles, auch in Sachen des Glaubens. –

Nachdem wir unsere Ladung gelöscht und der Capitain mit verschiedenen Agenten und schwarzen Königen unterhandelt, schlichen wir uns den Congo hinunter, weit hinaus auf den Ocean, wo wir sofort anfingen, das Schiff für „lebendige Fracht“ total umzuwandeln. Alle Legitimations und sonstige Papiere wurden verbrannt, Jeder von uns nahm einen andern Namen an, auch das Schiff, das deshalb mitten auf dem Meere ganz neu beölt und gestrichen ward, sodaß weder Flaggen noch Namen den amerikanischen Ursprung verrathen konnten. Die Lebensmittel wurden leicht zugänglich placirt. Hierauf construirten wir aus den numerirten Stücken unten das Zwischendeck, das vorher zu verdächtig ausgesehen haben würde. Zuletzt wurden vier Sechspfünder, zwei lange Achtzehnpfünder, vier Zwölfpfünder und ein guter Vorrath von Waffen, Pulver und Kugeln auf dem oberen Deck „fertig“ gemacht, sodaß uns kein Kriegsschiff so leicht durch Boote hätte bewältigen können. Freilich sie selbst fahren mit Dampf, der auf Sclavenschiffen noch keine Dienste thun kann, weil dies einfach zu kostspielig sein würde, da das Sclavenschiff nach glücklich vollbrachtem Geschäft in der Regel verbrannt werden muß, damit hinterher Neu- und Wißbegierige nichts finden.

Während dieser Vorbereitungen auf hoher See waren wir der Insel Ascension auf etwa 70 Meilen nahe gekommen. Von jetzt an kehrten wir wieder um, den „Bestimmungsort“, oberhalb des Congo, 50 Meilen von St. Paul de Loando, zu erreichen. Hier umher warten, lungern und verstecken sich Sclavenschiffe oft Vierteljahre lang, ehe genug „Ladung“ für sie im Innern gesammelt wird. Wir kamen glücklich mit einem Monate weg.

Der Grund, weshalb wir weit hinaus in’s offene Meer geflohen waren, war der „Triton“, der, wie wir von unsern Agenten erfahren hatten, auf uns wartete und uns an der buchtenreichen Küste, wo andere Sclavenschiffe sich oft verbergen oder einzelne Partien Sclaven einnehmen, auszuspüren suchte. Unser Capitain verstand’s besser. Er war eine „alte Hand“ in seinem Fache und wußte, daß der Triton durch unsere Flucht auf das offene Meer „unsern Geruch“ verloren hatte. Im Angesichte der Küste von St. Paul de Loando segelten wir mit dem Passatwinde südöstlich entlang, bis wir in der Nähe des Ortes Ambriz durch Privatsignale erfuhren, daß Alles bereit sei.

Wir ankerten. Unsere Agenten waren sofort mit ihren Leichterbooten, deren jedes etwa 200 Schwarze brachte, bei der Hand. Die „Waare“ wurde in „Bündeln“ geliefert, in Partien von etwa je 20, die mit Kuhhautriemen fest an einander geschnürt waren. In solchen Bündeln kletterten sie herauf und wurden, wie sie kamen, in’s Zwischendeck hinunter transportirt. Im Ganzen erhielten wir 811 Schwarze der verschiedensten Stämme, mit denen wir dann sofort vollsegelig das hohe Meer suchten. Wir Alle waren gut bewaffnet und bewachten und warteten unsere kostbaren Schätze in militairischer Ordnung und sorgfältig. Es war keine Kleinigkeit, sie in Ordnung zu halten. Bei der geringsten Veranlassung fielen die verschiedenen, feindlichen Stämme mit Zähnen und Nägeln über einander her, sodaß der Wachmann nicht selten unter sie springen und sie auseinander reißen und schlagen mußte.

Von Ascension steuerten wir über 2000 Meilen gerade westwärts, um ganz aus der „Schiffsstraße“ zu kommen, die nach Westindien führt. Hernach segelten wir südlich um Jamaica und die Fichteninsel.

Unsere fünfunddreißig Matrosen etc. hatten stets vollauf zu thun in streng zugemessenen Pflichten. Ich war im Departement der Pflege und hatte speciell die weiblichen Sclaven unter meiner Obhut. Eine gewissenhaftere Pflege und ängstlichere Reinlichkeit habe ich selten auf Schiffen gesehen. Freie, weiße Auswanderer sind schon zu Tausenden durch Schmutz und Pestluft, Mangel an Nahrung ober bestialische Kost auf „christlichen“ Schiffen umgebracht worden. Unsere Sclaven hatten großen „Werth“ und wurden danach behandelt. Jeden Morgen um fünf Uhr wurden sie alle auf’s Oberdeck getrieben und beinahe wie Schafe im Mai, ehe sie geschoren werden, gewaschen. Sie mußten sich in Partieen von 15–20 um große mit Seewasser gefüllte Fässer kauern, aus denen sie wiederholt tüchtig mit vollen Eimern übergossen wurden. Triefend machten sie Andern für dieselbe Behandlung Platz und wurden mit grobem Segeltuch abgerieben, gestriegelt und gescheuert. Dann kam das Zähneputzen mit Essig und Seewasser. Sie mußten die Zähne reiben und raspeln und sich wiederholt die weiten Rachen ausspülen. Darauf ward mit ganz besonderer Strenge gehalten, da Vernachlässigung des Mundes und der Zähne bei den Afrikanern tödtlicher ist, als irgend etwas. Es setzt sich dann eine gelbe Substanz an Gaumen und Zähne an, die bald zu vollständigem Gifte wird. Es bilden sich Geschwüre, die den so Heimgesuchten leicht tödten, und wenn er einen Andern beißt, was keineswegs selten ist, entzündet sich die Wunde und kann ebenfalls zum Tode führen. Ich schlug blos einmal einen Neger mit der Hand auf das Maul, wobei sie mit dessen Zähnen in Berührung kam. In Folge davon konnte ich sie vor Schmerz und Lähmung mehrere Tage gar nicht brauchen.

Diese Reinlichkeits-Operationen beschäftigten uns täglich von 5 bis 8 oder 9 Uhr. Hierauf bekamen sie Schiffs-Biscuits mit Rum und Wasser, um 11 Uhr ein warmes Frühstück, gemischt aus Biscuits, Bohnen, Reis, Graupen und gesalzenem Fleisch, verdickt mit Mehl und Fett. Es ward in Trögen auf dem Deck entlang, für jeden „Stamm“ besonders, aufgetragen. Dabei kamen sie doch nicht selten in Zank und Schlägerei, die nur durch tüchtigeres Dareinschlagen von unserer Seite zu schlichten war.

Bei aller Pflege verloren wir doch während der Reise vierundneunzig Sclaven – ein ungewöhnlicher Lohn unserer Sorgfalt. Andere Sclavenschiffe bringen oft kaum die Hälfte bis an Ort und Stelle. – Freilich unsere Medicamente beschränkten sich auf Essig (äußerlich) und innerlich Schießpulver.

Nach dem Frühstücke mußten sie ihre Lager und das Schiff reinigen. Die, welche etwas Portugiesisch und Spanisch verstanden, wurden zu Aufsehern gemacht und zu diesem Zweck mit einem Hemd und alten Hosen versehen, wodurch sie sofort ganz bureaukratisch stolz und von den nackten Unterthanen beneidet wurden. Ein Stückchen Tau in ihrer Hand bildete ihre Bewaffnung, mit der sie bald wie ein Berliner Constabler 1848 ganz virtuosisch umzugehen verstanden. [328] Somit hatten wir im Kleinen eine ganz hübsche, stricte Beamten-Hierarchie. Wir brauchten den Behos’ten blos zu sagen, was geschehen solle, und sie sorgten mit heißem Amtseifer dafür, daß es streng und pünktlich geschah. Abends ließen wir sie nach Trommeln und Cymbeln tanzen, was sie sich mit aller Negerlust und oft zum Kranklachen zu Nutze machten. Trauer und Sentimentalität schienen ihnen auch in dieser Lage fremd zu sein. Sie haben etwas Kindliches und Thierisches und genießen mit voller Kraft den Augenblick, ohne sich durch Erinnerungen oder Befürchtungen stören zu lassen.

Um 3 Uhr gab’s eine zweite warme Mahlzeit von denselben Substanzen, wie das Frühstück, und eine dritte Abends um 8 Uhr, worauf sie für die Nacht in ihr Zwischendeck zum Schlafen vertheilt und verpackt wurden. Licht war streng verboten, selbst wir gebrauchten nie solche Beleuchtung, die von außen hätte gesehen werden können.

Nach dreitägiger Fahrt bekamen wir Bocca Grande auf der Insel Cuba in Sicht. Um die Küsten dieser Perle der Antillen schwärmen viele Fischer- und Piloten-Boote, die fast alle im Solde der Sclavenhändler und Sclavenbesitzer stehen. Sie spioniren nach Kriegsschiffen und denunciren ihnen Sclavenschiffe, um erstere irre und letztere durch geheime Signale in Sicherheit zu führen. Diese Art von Küsten-Diplomatie ist ganz ordentlich und großartig organisirt: die Leute lösen sich alle zehn Tage ab und erstatten sich gegenseitig immer sorgfältig Bericht. Auch uns kamen solche Warnungs-Engel, die unsertwegen ausgesandt waren, entgegen und berichteten uns, daß das englische Kriegsschiff Basilisk „im Winde läge“, so daß wir wieder das Weite suchen müßten. Unsere Ordre vom Lande aus lautete: vier Tage lang grade küstenabwärts zu segeln und dann zurückzukehren. So thaten wir, um abermals seewärts dirigirt zu werden. Dies wiederholte sich mehrere Male, wobei wir einmal scharf Gefahr liefen, von einem andern englischen Kriegsschiffe auf’s Korn genommen zu werden. Diese Gefahren und die Langeweile zugleich brachten uns endlich auf den kühnen Plan, in einem der vielen versteckten Cay’s von Cuba zu ankern und im Falle der äußersten Gefahr die Sclaven zu landen, wodurch uns wenigstens Straflosigkeit gesichert worden wäre. Verurtheilung und selbst bloße Confiscation eines Sklavenschiffes ist gesetzlich nur dann möglich, wenn Sclaven auf oder in demselben gefunden werden.

Inzwischen hatte der Capitain unsers Wach-Bootes, das uns die verschiedenen Ordres vom Lande gebracht, dem „Basilisk“ als Pilot, uns zu fangen, gedient und er hatte das englische Kriegsschiff natürlich in entgegengesetzte Richtung gebracht. Nachdem wir zwei Tage vor dem Cay gewartet, erschienen plötzlich fünf Boote, die für solche Zwecke immer hinter Felsenklüften versteckt liegen, gaben verabredete Zeichen, brachten Kleider für die Sclaven und Geld für unsere Mannschaft, die glänzend ausbezahlt ward, ehe ein Sclave das Schiff verließ, wie das so Gesetz in diesem gesetzlosen Geschäft ist, und nahmen die Sclaven in Empfang. Jeder gemeine Matrose bekam 200 Pfund Sterling und ich meine Extra’s für Dolmetschung etc. Nach einer Reise von fünf Monaten und vierzehn Tagen landeten wir 717 Sclaven bis zum Abende, worauf wir unser Schiff an 17 Stellen zugleich in Brand steckten. Während wir vom Ufer zusahen, rief der Capitain mit seemännischer Sentimentalität: „Da brennt er denn, Jungens, der Brave, womit wir unser Geld gemacht, der schöne, prächtige, fliegende Rosario!“

Wir landeten in Bocca Grande, dem eigentlichen Hafen der Sclaveneinfuhr, und brauchten neun Tage, um Havannah zu erreichen, da wir uns unterwegs öfter verstecken und flüchten mußten, um dem Zorne der nicht sclaveninteressirten Bewohner und Auslieferungen zu entgehen. Leute, die ahnten, wo wir herkamen, gaben uns kein Glas Wasser, so daß ich ein Glas öfter mit einem halben Dollar erkaufen mußte.

So weit der Bericht des Sclavenschiff-Seemannns aus England. Wir fügen nur noch die Moral hinzu, daß er hernach auf dem „Basilisk“ aus praktischer Erfahrung Sclavenschiffe fangen half, die ohne die hier mitgetheilte Fahrt und Erfahrung wahrscheinlich so glücklich gewesen wären wie der „fliegende Rosario“.




Blätter aus einem diätetischen Recept-Taschenbuche.
III. Diätetisches Recept für Unterleibskranke.

Unter „unterleibskrank“ wollen wir hier den Leidenden verstanden wissen, der, ohne ein langwieriges, unheilbares (chronisches, organisches) Uebel irgend eines der Organe des Unterleibes zu haben, von Beschwerden heimgesucht wird, die ihr Entstehen einer Störung des Blutlaufs innerhalb des Verdauungsapparates, also in den Blutgefäßen des Magens und Darmcanales, sowie in der Milz und Leber, verdanken. Diese Störung beruht vorzugsweise in erschwertem Hinströmen des Blutes vom Magen, Darmcanale und von der Milz nach der Leber, sowie in verlangsamtem Durchflusse des Blutes durch die Leber. Die hierbei vorzugsweise betheiligte Blutröhre heißt die „Pfortader“; diese sammelt nämlich das schlechte Blut der Milz, des Magens und Darmcanales (auch des Mastdarmes), führt es in die Leber und vertheilt es hier so, daß die schlechten Bestandtheile dieses Blutes (als Gallenmaterial) ausgeworfen werden können und nach dieser Entfernung ein gereinigtes Blut aus der Leber (durch die Leberblutadern) zum Herzen strömt.

Der Krankheitszustand, der hier gemeint ist, wird auch als „Pfortaderstockungen, Unterleibsanschoppung, Hämorrhoidal-Leiden, Abdominalplethora“ bezeichnet, und ist derjenige, bei welchem die Mehrzahl der Arztheit Schwefel und Karlsbad verordnet (s. Gartenlaube 1854. Nr. 18). Er findet sich hauptsächlich bei Solchen, die eine sitzende Lebensweise (zumal mit Krummsitzen) bei mangelhafter Bewegung im Freien und reichlicher nahrhafter Kost führen; vorzugsweise tritt er aber dann auf, wenn sich zur sitzenden Lebensweise mit allzureichlicher Kost anstrengende geistige Arbeit, häufiger Genuß spirituöser Getränke, niederdrückende Gemüthseinflusse, geschlechtliche Ausschweifungen und Mißbrauch von Abführmitteln (besonders der starkwirkenden in Pillenform) gesellen. Bei Frauen tragen auch die zu straff gebundenen Unterrocksbänder und das Schnürleibchen durch Druck auf die Leber viel zur Störung des Pfortaderblutlaufes bei (s. Gartenlaube 1855. Nr. 16 und 1853. Nr. 26).

Die Beschwerden, welche der gestörte Unterleibs-Blutlauf veranlaßt, treten am ausgeprägtesten beim Staatshämorrhoidarius und Hypochonder hervor. Sie sind anfangs nur gering und mehr örtlicher Art, wie unangenehme Empfindung von Druck und Völle in der Oberbauchgegend (besonders nach dem Essen) mit Gefühl von Beklommenheit auf der Brust, nicht selten auch mit heftigeren Kolikschmerzen; Appetitsstörungen und unregelmäßiger Stuhlgang (bald Verstopfung, bald Durchfall); Blähungsbeschwerden und Hämorrhoidalleiden (am Ausgange des Mastdarms). – Nach und nach findet sich unter Steigerung der genannten örtlichen Beschwerden und bei immer mehr zunehmender Verdauungsstörung, auch eine Trübung des Allgemeinbefindens ein, die sich durch Unlust zum Arbeiten, Mißmuth, Aergerlichkeit, Traurigkeit (Hypochondrie), Willensschwäche und Kraftlosigkeit zu erkennen gibt. Sie hat ihren Grund ohne Zweifel in einer Verschlechterung der ganzen Blutmasse in Folge der Beimischung des schlechten in der Leber nicht gereinigten Pfortaderblutes. Diese Beimischung kommt aber unten am Mastdarme durch die Hämorrhoidal-Blutadern zu Stande, indem hier mittels der Gefäßverbindungen Pfortaderblut in die Beckenblutader übertritt und so, ohne oben die Leber zu passiren, zum Herzen strömt.

Es ist sonach bei unserm Unterleibsleiden die Aufgabe: den Pfortaderblutlauf nach der Leber hin und durch diese hindurch zu befördern, nicht aber das Pfortaderblut, wie dies viele Heilkünstler durch Blutegel an den After zu erreichen suchen, nach dem Mastdarme hinzuziehen. – Der träge Pfortaderblutlauf läßt sich nun aber recht leicht dadurch flott machen, daß man die Kräfte, von denen dieser Blutlauf abhängig ist, gehörig unterstützt und bethätigt; es sind: die Herzthätigkeit, die Athmungs-, Bauchwand- und Magen-Darm-Bewegungen, der passende Flüssigkeitsgrad des Pfortaderblutes und die unbehinderte Ausdehnung [329] des Bauches. Und sonach würde gegen Unterleibsbeschwerden folgendes diätetische Recept zu verschreiben sein:

Rec. Zweckmäßige Bewegung 1), zumal des Bauches und im Freien. –
Kräftiges Athmen 2), besonders tiefes Einathmen. –
Ordentliche Leibesöffnung 3), aber ohne Beihülfe von Abführmitteln. –
Mäßigkeit und Einfachheit im Essen und Trinken 4), besonders reizlose Kost. –
Reichliches Wassertrinken 5), doch lieber von warmem als kaltem. –
Gehöriger Raum 6) für die Ausdehnung und Bewegung des Magens und Darmcanales. –
S. Zu befolgen wo möglich in einer hübschen, zusagenden und unterhaltenden Gegend und Gesellschaft, bei behaglicher und heiterer Gemüthsstimmung, entfernt von den Berufsgeschäften.

Ad 1) Zweckmäßig wird nun aber die Bewegung für einen Unterleibs-Angeschoppten dann sein, wenn sie eine ebenso allgemeine, alle Theile des Körpers (und dadurch auch das Herz in Thätigkeit versetzende, wie eine örtliche (active und passive), vorzugsweise die Bauchwand und so mittelbar die Verdauungsorgane mit ihren Gefäßen betreffende, natürlich aber keine unmäßig anstrengende ist. Deshalb kann angerathen werden: Turnen, Kegeln, Holzsägen, Gartenarbeiten, Fußtouren, Bergsteigen, zeitweiliges Kneten, Drücken und Pochen des Bauches, Rumpfbewegen (Vor- und Seitwärtsbeugen, Strecken und Drehen, aus dem Liegen zum Sitzen Aufrichten) u. s. w.

Ad 2) Tiefes Einathmen (Ausdehnen des Brustkastens) übt insofern einen großen Einfluß auf den Unterleibsblutlauf aus, als dadurch das Blut (wie durch das Aufziehen einer Spritze) aus der Leber heraus und in die Brust gesogen wird, deshalb aber das ganze Pfortaderblut flotter vorwärts und in die Leber einströmen kann. Man athme deshalb des Tages öfters, und natürlich in guter Luft, langsam und tief ein. Es muß dieses Einathmen aber stets erst durch Uebung gelernt werden.

Ad 3) Eine ordentliche Leibesöffnung darf ja nicht durch Arzneimittel erzwungen werden; nur wenn die Verstopfung hartnäckig ist, sind Klystiere (von warmem Wasser mit etwas Oel) in Gebrauch zu ziehen. Gegen Früchte und Fruchtsäfte, welche den Stuhl erleichtern, wie Pflaumen, Weinbeeren (aber ohne Schale und Kerne), Aepfelwein u. dgl., ist nichts zu sagen. Uebrigens wird beim richtigen Beobachten der hier angegebenen Regeln der Stuhl nach und nach auch ohne andere Hülfsmittel schon regulirt werden.

Ad 4) Die Kost sei nicht zu reichlich und fettreich, nicht zu stark nährend und schwerverdaulich, nicht blähend, erhitzend und erregend, sondern einfach, leicht verdaulich und reizlos, kurz eine gut zubereitete Hausmannskost. Von Getränken sind die spiritusreichen zu meiden; ein leichtes Bier schadet nicht. Mäßigkeit, Einfachheit und Regelmäßigkeit im Essen und Trinken ist die halbe Cur.

Ad 5) Reichliches Wassertrinken unterstützt durch Verdünnen und Flüssigermachen des dicklichen Pfortaderblutes das Strömen desselben durch die Leber nicht unbedeutend. Hierbei heißt’s wirklich: „Viel hilft viel“. Um aber dem Magen durch die Kälte des kalten Wassers nicht zu schaden (einen Katarrh zuzuziehen), ist es rathsam, das Wasser als warmes wie in Karlsbad zu trinken (so warm etwa, wie man den Kaffee und Thee genießt).

Ad 6) Die unbehinderte Ausdehnung des Bauches ist dem Unterleibsblutlaufe sehr förderlich. Deshalb ist jede den Bauch beengende Kleidung (besonders beim weiblichen Geschlechte), sowie anhaltenden Gebückt- und Krummsitzen (zumal bald nach dem Essen) von Nachtheil. Also sorge man für gehörig lockere Bekleidung und für möglichst aufrechtes Sitzen.

Unsere spaßige Feindin, die Homöopathie, die doch sogar gegen unglückliche Liebe mit Weinerlichkeit und Selbstentleibungssucht im Aurum (Gold! vielleicht gemünztes?) ein vorzüglichen Heilmittel besitzt, hat zur Zeit leider kein Hauptmittel, das dem trägen Pfortaderblutlauf auf die Beine helfen könnte, und man ist deshalb gezwungen, gegen die einzelnen beschwerlichen Folgen dieser Trägheit mit verschiedenen Mitteln anzukämpfen. Nux vomica und Sulphur leisten gegen die meisten dieser Beschwerden gute Dienste, doch sollte sich die Hypochondrie bis zum wahren Lebensüberdruß und zu wirklicher Schwermuth steigern, dann geht’s nach Herrn Dr. Clotar Müller ohne Arsen und Aurum nicht, während bei geruchlosen Blähungen BelladonnaAd und Lycopodium, bei lästigem Jucken am Mastdarme außer Schwefel und Nux noch Aconit und Sepia, und bei mehr brennendem oder schründendem Schmerze am After Arsen und Capsicum von ausgezeichnetem Erfolge sind.

Bei Melancholie mit Weinerlichkeit und der Sucht zu beten empfiehlt Herr Dr. Hirschel die Pulsatilla; den Schwefel dagegen bei Melancholie mit großer Gleichgültigkeit, religiöser Stimmung und Verzweiflung; Kupfer bei Mangel an moralischer Kraft und Murrsinn. Und das wäre nicht spaßig?
Bock.


Die deutsch-englische Mendelssohnfeier im Krystall-Palaste.

Es war schon öfter Grund vorhanden, darauf hinzuweisen, daß die Deutschen das eroberndste Volk der Erde sind. Ihre Waffen sind Wissenschaft, Kunst, Industrie und persönliches Schaffen und Wirken in aller Herren Ländern. Sie erobern mit ihren Puppenköpfen und Spielsachen gründlicher und mehr, als Engländer, Russen und Amerikaner. Die Griechen eroberten Troja durch die List des großen hölzernen Pferdes, in welchem Krieger verborgen waren. Die Deutschen schicken ähnliche Eroberungs-Truppen in Holzkisten verpackt in fast alle Städte und Gegenden der Erde: Schachteln voll Bleisoldaten und Nußknacker, Wiegenpferde und Holzsäbel. Die deutschen Spielwaaren – einer der wichtigsten Welthandelsartikel – sind zugleich die universalste Weltzeichensprache. Im Bereich der Künste ist es die deutsche Musik, vor der sich alle gebildeten Völker und Menschen der Erde freudig und andachtsvoll beugen.

Wir beschränken uns hier auf England, wo der deutsche Musik-Cultus durch die Compositionen unserer größten Tondichter, durch deutsche Musiker, Virtuosen, Musiklehrer, durch musikalische Feste und Feierlichkeiten vielleicht am weitesten und großartigsten ausgebildet ist. Das größte Musikfest der Welt galt dem Deutschen Händel im Krystall-Palaste. Am 4. Mai d. J. huldigten sie durch eine ähnliche Feierlichkeit dem jüngeren, in ewiger Jugend früh verstorbenen Mendelssohn-Bartholdy, einst dem Genius der Leipziger Gewandhaus-Concerte, dem Dichter des „Sommernachtstraums“, des „Paulus“, der „Antigone“, der „Walpurgisnacht“, des „Elias“, der ewig Schönes schuf und mit Immermann noch Höheres erstrebte, die Erhebung deutscher Theater zu wahren Kunsttempeln.

Seine Popularität und Berühmtheit in England verdankte er zunächst seiner Wirksamkeit daselbst während einer mehrjährigen Kunstreise, die er hauptsächlich in England zubrachte, dann aber besonders seinem Oratorium „Elias“, das er für das große Musikfest in Birmingham (1846) componirt hatte. Er verbesserte und vervollkommnete es für eine Aufführung in London (April 1847), die so mächtig wirkte, daß ihn Kritik und Publicum zum alleinigen, würdigen Nachfolger Mozart’s und Beethoven’s erhob. Mendelssohn war sofort der gefeiertste Tondichter Englands. Die Nachricht von seinem plötzlichen Tode wirkte wie eine nationale Trauerkunde. Man beschloß, ihn durch ein großartiges Denkmal, eine große Bronze-Statue zu verherrlichen, eine Ehre. die außer Händel noch keinem Componisten zuerkannt worden war. Das Geld dazu war bald von Kennern und Verehrern, mit der Königin und Prinz Albert an der Spitze, gezeichnet. Nur bei der Ausführung stieß man auf Schwierigkeiten, die erst durch die Feier vom 4. Mai schließlich erledigt wurden. Man konnte sich erst nicht über den Ort der Statue, hernach nicht über die Portrait-Aehnlichkeit des zu Verherrlichenden einigen, da viele ganz verschiedene Portraits vorlagen, über welche sich persönliche Freunde und Freundinnen desselben oft im entgegengesetzten Sinne aussprachen. Endlich gelang es dem Bildhauer Charles Bacon, mit dem Rathe Jenny Lind’s, Benedict’s etc. zu einem Abschlusse zu kommen. Für die von Robinson und Cottam gegossene Statue Bacon’s fand sich [330] kein besserer Platz, als die beste Mitte auf der Hauptterrasse des sonnigen, heiteren, nobeln Krystall-Palast-Parkes.

Hier stand sie am 4. Mai Morgens dunkel verhüllt zwischen dem großen Heere riesiger weißer und bronzener Statuen und kolossaler Blumenvasen, umgeben von brillanten Farbenlichtern, stolzen Tulpen, Blumen und Blüthen des Frühlings im ersten, warmen, hellen Sonnenschein dieses wetterlich boshaften Jahres. Aber man beachtete sie noch nicht. Die Tausende und Abertausende, welche aus den stets von zwei entgegengesetzten Richtungen Londons heranbrausenden Eisenbahnzügen und Hunderten der brillantesten Equipagen herausströmten, schaarten sich in dem großen Haupttransept des Krystall-Palastes zusammen. Fünf Schillinge Entree, fünf Schillinge und zehn Schillinge extra für die reservirten Plätze, welche die ganze ungeheuere Fläche des Haupttranseptes einnahmen, außerdem die Haupt-Gallerien oben, und die meisten Plätze füllten sich. Man hatte etwa 20,000 Thaler ausgegeben, um das Fest zu formuliren, und strich an dem einen Tage seine 20,000 Thaler Netto-Gewinn ein.

So etwas ist nur in London möglich, nur in einem Krystall-Palaste, nur unter den hier zusammenwirkenden, ganz einzigen Bedingungen in der Welt. Finanzielle Anstrengungen und Ergebnisse waren nicht so großartig, wie beim Händelfeste, wo 120,000 Thaler Auslage einen Netto-Gewinn von 120,000 Thaler ergaben. Aber dies war Frucht jahrelanger Vorbereitungen und dreitägiger Riesenfeste. Die Mendelssohnfeier ging aus einigen Berathungen der Krystall-Palast-Directoren und drei Proben hervor.

Es ist kaum möglich, die Eindrücke einer solchen Scenerie und musikalischen Riesenhaftigkeit zu schildern. Von oben und von allen Seiten die neun Millionen Cubikfuß einschließende krystallene, bläuliche, ätherische Sonnigkeit mit dem architektonischen, farbigen Gewebe von Säulen, Pfeilern, Quer- und Längen-Balken – dieser riesige, verwirklichte Traum der kühnsten Feenmärchen-Poesie mit seinen unabsehbaren Reihen von Statuen, architektonischen Wundern aller Zeiten, botanischen, ethnologischen, zoologischen Gruppen und Scenen aller Zonen vereinigt hier in seinem bloßen Mittelgewölbe eine Blumenlese von 15,000 Menschen der englischen Hauptstadt, wobei unter diesem Hauptbogen selbst noch überall hinlänglicher Raum bleibt, so daß nirgends Enge und Gedränge bemerklich wird. Hatten doch hier an einem Händelfesttage 40,000 Menschen Raum gefunden. Die beiden Flügel des Hauptschiffes sind und bleiben ganz leer. Das ungeheuere Parterre unten füllt sich mit ätherischen Damenhüten aller Farben mit nur wenigen Filzen und Kahlköpfen dazwischen: ein Blumenbeet von Menschenköpfen. Es wird vor dem Orchester von einer Terrasse dichter, blühender Blumen und Sträuche begrenzt. Das Orchester selbst, allein größer, als irgend ein ganzer Concertsaal in der Welt, wölbt und krümmt sich hinauf in Form der innern Seite eines Kugel-Ausschnitts mit der Riesen-Orgel in der Mitte. Die mehr als 3000 Sänger, Sängerinnen und Instrumentalisten reihen sich in großen Kreislinien weit hinauf und in hohe, verschwindende Hintergründe bis 25 Fuß höher als die unterste Reihe. Die Sopran- und Alt-Abtheilungen treten weiß, heiter und blumig hervor gegen die schwarzen Tenor- und Baßregionen mit weißen Fleckchen (Handschuhen und Halstüchern).

Es ist drei Uhr. Die Sonne hat nie so heiter und warm geschienen. Alles strahlt, glänzt, flimmert und rauscht in murmelnder, lauschiger Erwartung. Die Solo-Helden und Heldinnen erscheinen unter vieltausendhändigem Handschuh-Geklappe, endlich Costa mit dem Zauberstabe, der diese ungeheueren Massen und die vielen Hunderte von Instrumenten entfesseln, regieren und die gedichteten Tonwogen des Meisters über diese glänzende Flora des Londoner Season-Publicums in kunstgerechten Strömen und Messungen ergießen soll. Ein Beifallssturm empfängt ihn und macht sofort einer feierlichen Stille Platz. Zwei scharfe Schläge mit dem Zauberstabe, der nun beinahe drei Stunden lang das Tongewoge der massenhaftesten Chöre, Soli, Duetts, Terzetts etc., das tönende, alttestamentliche Religions- und Geschichtsbild von Baal und den Israeliten und ihrem Propheten in unerhörter Majestät und Massenhaftigkeit aus der ihm bis auf die Viertel-Secunde gehorchenden Schaar hervorlockt und einem Publicum zum Genusse bietet, das zu würdigen und durch seine andächtige, feierliche, enthusiastische Theilnahme dem Feste die wahre Weihe und Wirksamkeit zu sichern weiß.

In unserer „Preß-Gallerie“ oben, dem Orchester grade gegenüber – einer ganzen, breiten, langen Gallerie und einem der besten Plätze, blos für die Presse – hatten wir für Augen und Ohren vor Tausenden den Vorzug, Einzelnheiten und Gesammteindrücke auf das Vortheilhafteste zu empfangen. Aber nur ein Kenner würde in einem musikalischen Blatte gebührend darüber berichten. Wir halten uns an das Ereigniß als solches und seine ehrenvolle Bedeutung für Deutschlands Kunst und Poesie, der hiermit – nach Händel und Schiller – zum dritten Male die großartigste Huldigung in der englischen Hauptstadt dargebracht ward. Die jammervollen „Größen“ in Politik und Staatlichkeit, denen sonst Völker in Festlichkeiten und Denkmälern huldigten, sind kaum noch im Stande, dann und wann bezahlte, commandirte, uniformirte Söldlinge für polizeilich arrangirte Festlichkeiten auf die Beine und zusammenzubringen. Den Genien des ewig Schönen, die Menschen ohne Ansehen des Standes und der Nationalität Erhebenden und Veredelnden werden aus freien, schönen Mitteln der Volksmassen Feste von beispiellosem Glanze und Umfange gefeiert. Dies ist von erfreulicher Bedeutung in unserer vielfach trostlosen Gegenwart und noch mehr für die Zukunft, deren große, Völker vereinigende Culturfeste hiermit vorbereitet werden mögen. Wie schön sind sie schon jetzt! Nicht mit dem warmen Blute eines Jünglings, sondern mit der beginnenden „Weißheit“ des Alters auf dem Kopfe, die einst die Senatoren-Greise Troja’s nicht abhielt, der Schönheit Helena’s, die ihnen so viel Blut und Thränen und endlich ihre ganze politische Existenz kostete, zu huldigen, bewunderte ich die classische, edle, oft beinahe ideale Schönheit der höheren Töchter Englands, die unter den Tausenden des Publicums gleichsam einen förmlichen Aether sonniger, blühender Anmuth und Würde verbreiteten und jede Möglichkeit des Rohen oder nur Unanständigen fern hielten. Ja sie sind schön, veredelnd schön diese Töchter der höheren und wirklich gebildeten Stände Englands – höhere Schichten über einer millionenfach wimmelnden Masse ekelhaftester, schmutzigster, verwahrloster, bestialischer Häßlichkeit. Wenn einst Cultur, Bildung und Wohlstand, der jetzt aus den Steuern der untern Massen für Wenige erpreßt und für die faulsten, barbarischsten Liebhabereien der Zehr- und Wehrclassen vergeudet wird, frei und gerecht unter allen Ständen und Völkern schaffen und wirken kann, werden alle Mädchen, alle Menschen, alle Völker schön werden und Anmuth, Würde, schöne Menschlichkeit um sich her ausstrahlen.

Der zweite Theil des Festes war deutsch. Die Statue draußen wurde in der Mitte deutscher Gesangvereine und Lieder enthüllt, wovon ich freilich in großer Entfernung, hinter dichtgedrängten Massen, wenig zu sehen und zu hören im Stande war. Das englische Publicum sprach aber hernach auf der „illuminirten Promenade“ im großen Schiffe mit viel Begeisterung von den deutschen Liedern. Die „illuminirte Promenade“ zog sich unter Hunderten von Sternen und Figuren, Tausenden von Gasflammen durch die ganze Länge des Krystall-Palastes zwischen Blumen, Bäumen, Vegetations- und Landschaftsgruppen, Statuen, Fontainen und der ganzen Zauberei der inneren Ausstattung hindurch. Die blassen Mondlichter spielten geisterhaft herein durch den krystallenen Aether der Wölbungen oben. Das war ein herrliches Wandern und Rauschen und Säuseln freudiger Familiengruppen, der Jugend, Liebe und Schönheit.

Draußen wurden inzwischen die Schlußscenen des Festtages vorbereitet, auf welche die Tausende auf den Außen-Gallerien und auf den Terrassen in Mondlicht und Abendroth freudig warteten: der deutsche Fackelzug, den die Engländer bei unserm Schillerfeste zuerst mit Staunen und Entzücken kennen gelernt hatten. Es war kein Zug durch enger Straßen Gedränge, sondern weit und breit hinauf aus den untern, versteckten Gründen des ungeheuern Parkhügels, aus welchem die Fackeln rothglühend wie aus der Erde in das bläuliche Mondlicht hervorwuchsen, sich in achthundertfachen Lichtern und Flammen ansammelnd, ausbreitend, reihenweise heranmarschirend, um sich endlich mitten im plätschernden Zauber der himmelhoch spritzenden, in unzähligen Lichter- und Farbentinten spielenden Fontainen um die Mendelssohnstatue zu gruppiren, wo sie unter Gesang und Posaunengeschmetter in einem ungeheuern Haufen zur dunkelglühenden Flammensäule aufloderten und in ihren Licht- und Farbenspielen mit dem ruhigen Monde um die Wette an den Millionen Krystall-Scheiben der großen Front des Krystall-Palastes freudig und Freude zurücklassend allmählich erstarben.



[331]

Wilhelmshöhe.
(Mit Abbildung.)

Wir hatten unsern Lesern für die Festtage einen Besuch in Wilhelmshöhe vorbereitet und freuen uns, ihnen in dem Holzschnitte, welchen wir heute geben, ein getreues Bild des Lustschlosses vorlegen zu können. Leider ist uns aber nicht gestattet, die Schilderung zu geben, welche das Bild begleiten sollte, da der mit der Abfassung betraute Autor das Manuscript nicht rechtzeitig geliefert hat. Indem wir daher den Abdruck des eigentlichen Textes unsern Lesern in einer der nächsten Nummern versprechen, beschränken wir uns heute darauf, die nothwendigsten Andeutungen zu geben, um der Veranschaulichung die Worte nicht ganz fehlen zu lassen. Viel über das Aeußere von Wilhelmshöhe zu sagen, hieße, bei seiner Berühmtheit, ohnehin Wasser in den Rhein tragen.

Das kurfürstlich hessische Lustschloß Wilhelmshöhe bei Kassel, der Sommeraufenthalt der regierenden Fürsten, ist durch seine Parkanlagen mit Wasserkünsten, in denen sich Natur und Kunst in reizender Harmonie verbinden, schon längst berühmt und deshalb das Reiseziel vieler, namentlich aber solcher Reisenden geworden, denen nur wenige Tage der Erholung gegönnt sind. Am Fuße des Hügels beginnen die Anlagcn und erheben sich bis zum Gipfel des Habichtwaldes, von wo sie eine entzückende Aussicht in das Fulda-Thal bieten. Unter dem südwestlichen Flügel des Schlosses öffnet sich ein tiefes Thal, durch welches über Felsen schäumend ein Bach stürzt, der sich in einen romantisch gelegenen See ergießt. Ueber dem See liegt das chinesische Dorf Mulang, weiter westlich am Berge die Löwenburg. Auf der Höhe erblicken wir das Riesenschlcß, unter welchem sich die Wasserbehälter für die Cascaden befinden, die sich in einer Länge von 600 und in einer Breite von 40 Fuß den Berg hinabziehen. Auf der Plateforme ragt die beinahe 100 Fuß hohe Pyramide hervor, worauf eine 31 Fuß hohe, aus Kupfer getriebene Nachbildung des Farnese’schen Herkules (in Hessen der große Christoph genannt) steht, in dessen Keule acht bis zehn Personen Platz finden und durch eine Fensteröffnung die köstlichste Aussicht genießen. Die übrigen romantischen Wasserwerke: der Steinhöfer’sche Wasserfall, der Wasserfall an der Teufelsbrücke, der Aquäduct, von welchem die 190 Fuß hoch steigende Fontaine gespeist wird, und der neue Wasserfall verleihen dem schönen Bilde jenen Naturreiz, mit dem sich sonst die Mutter Erde nur selbst ausstattet.

Die Geschichte des Schlosses und Näheres über den Park und die Anlagen gedenken wir in dem Hauptartikel zu bringen.




Garnison- und Parade-Bilder.
Nr. 4. Die Militairprüfung.

An einem köstlichen Septembermorgen zogen zwanzig junge Leute, die sämmtlichen Avantageure der zweiten Abtheilung siebenter Artillerie-Brigade, von Düsseldorf aus der fernen Hauptstadt Westphalens, dem frommen Münster zu, wo wir eines Mittwochs in soldatischer Haltung einrückten. Der älteste Camerad meldete unser Eintreffen dem Präses der Examinations-Commission, Hauptmann Mühler, und brachte uns mit den Quartierbillets den Befehl, um 4 Uhr des Nachmittags auf dem Schloßplatze zum Appell zu erscheinen. Die Anwesenheit des „Alten“, wie der Oberst v. Tuchsen [3] in cameradschaftlichen Kreisen allgemein genannt wurde, war in bestimmte Aussicht gestellt, und darum wurde uns Pünktlichkeit und Propreté dringend zur Pflicht gemacht.

Mit dem vierten Glockenschlage dieses Nachmittages traten wir, wie befohlen, auf dem geräumigen Schloßplatze zusammen. Der Feldwebel der Compagnie, welcher wir für die Dauer des Tentamens attachirt waren, stellte uns auf. Mit den Aspiranten der ersten Abtheilung standen zweiundvierzig junge Männer in der Front, von denen ein Jeder den Marschallsstab in der Tasche zu tragen meinte.

Der schon genannte Hauptmann Mühler, dem der Ruf ungemeiner Gutmüthigkeit voranging, erschien gleich darauf vor unseren Reihen. Die äußere Erscheinung des Capitains imponirte sehr wenig. Es fehlte dem schon bejahrten Officier jenes soldatische Exterieur, welches ganz von selbst Respect und unbedingten Gehorsam fordert. Es ist dies rein persönlich, hat mit der Officier-Uniform nichts zu thun, und muß noch zu erkennen sein, wenn der Mann im Schlafrocke steckt. Der Hauptmann Mühler trug eine auffallend unsichere, sorgsam um sich spürende Persönlichkeit zur Schau. Er war ein kleiner, gebeugter Mann mit dünnem Haar und schwachen, vertrockneten Beinen, die unmittelbar bis zu dem schmalen Brustkasten hinaufzureichen schienen. Sein Gesicht trug das Gepräge großer Gutmüthigkeit und war schön und geistreich, so lange es unbeweglich blieb. Setzte aber irgend eine Gemüthsbewegung die Linien desselben in Bewegung, so spiegelte sich die Unselbständigkeit und Furchtsamkeit seines Charakters darauf mit großer Treue ab. Man sagte von ihm, daß er sich lieber mit dem Tacitus, Plutarch oder irgend einem mathematischen Problem, als mit dem Dienst-Reglement beschäftige. Die Künste und Wissenschaften sollte er mäcenatisch beschützen. Der kleine Mann machte unwillkürlich den Eindruck eines hinter seinen Folianten verkümmerten Gelehrten, den man gegen seinen Willen in die Uniform gesteckt hatte. Der Oberst nannte ihn den „beepauletteten Professor“, sollte aber mit seiner dienstwidrigen Nonchalance ungewöhnliche Nachsicht haben, wofür der Hauptmann dem Alten die dankbarste Unterwürfigkeit entgegentrug.

Nach der freundlichsten Begrüßung machte uns der Capitain die Mittheilung, daß der Herr Oberst verhindert sei, uns heute zu besichtigen, daß derselbe aber während der ganzen Dauer des Tentamens in dem Locale, wo die Prüfung stattfinden sollte, anwesend sein werde, weshalb er uns bitten müsse, die größte Sorglichkeit auf unsern Anzug und unser dienstliches Benehmen zu verwenden. Er gab zu verstehen, daß wir an seinem guten Willen, uns leicht über die schweren Stunden der nächsten Tage zu helfen, nicht zweifeln möchten, und sprach uns mit herzgewinnender Güte Muth und Vertrauen ein. Hierauf theilte er die festgestellten Prüfungs-Specialitäten mit und empfahl sich.

Wir sollten soeben entlassen werden, als ein Officier vor unserer Front erschien, den die Cameraden der ersten Abtheilung als den Examinator in der Mathematik, Lieutenant v. Radel, bezeichneten. Es war eine leichte anmuthige Gestalt, die durch die ungemein saubere Uniform noch besonders gehoben wurde. Die Formen des Gesichts waren classisch schön, edel und geistreich. Der Teint, zart bis zur Durchsichtigkeit, war schattirt durch die scharfen Linien, mit welchen die Göttin mit magischem Gürtel das Antlitz der eifrigsten und liebenswürdigsten ihrer Priester zu kennzeichnen pflegt. Der Ruf bezeichnete ihn als einen geweihten Diener der Venus Amathusia.

Der Officier ließ zum Kreise schwenken, und nachdem er einige Augenblicke die ihn Umgebenden mit sichtbarem Wohlgefallen gemustert hatte, sagte er: „Meine Herren, ich werde das Vergnügen haben, Sie in der Mathematik zu prüfen. Ich bin im Voraus überzeugt, daß Sie in dieser von unserer Waffe so hochverehrten Wissenschaft gute Kenntnisse gesammelt haben, ich weiß aber auch, daß Aengstlichkeit und furchtsame Unterschätzung des eigenen Talents gar oft die Ursache sind, daß bei öffentlichen Prüfungen gerade die Begabtesten am wenigsten leisten. In Ihrem eigenen Interesse bitte ich Sie deshalb, sich jeder Furcht zu entäußern und meine Fragen bei der mündlichen Prüfung sicher und rasch zu beantworten. Seien Sie versichert, daß es mir gelingen wird, aus jeder Antwort etwas herauszuhören, wodurch sich die Prüfungs-Commission für befriedigt halten soll. Wenn der Herr Oberst, in seiner bekannten Weise, an Ihre Antworten seine freilich etwas derb-humoristischen Bemerkungen knüpfen sollte, so lassen Sie sich

[332]
Die Gartenlaube (1860) b 332.jpg

      Der Asch,   Löwenburg.   Steinhöfer’scher Wasserfall.  Wilhelmshöhe. Herkules mit Cascaden.   Gasthaus. Neuer Wasserfall.  
Reservoir für den Steinhöfer’schen Wasserfall.   Schloß.       Teufelsbrücke.  

[333] WS: Das Bild wurde auf der vorherigen Seite zusammengesetzt. [334] dadurch nicht decontenanciren. Setzen Sie seinen satirischen Ausfällen kalte Zuversicht entgegen und lassen Sie es meine Sorge sein, Ihre Antworten dem Herrn Brigadier mundgerecht zu machen. In Betreff des schriftlichen Examens darf ich wohl annehmen, daß sich der cameradschaftliche Sinn, den ich bei Ihnen voraussetzen darf, der schwächeren Commilitonen annehmen wird. Adieu, meine Herren; ich wünsche Ihnen einen vergnügten Abend.“

Der Lieutenant verließ freundlich grüßend unseren Kreis. Wir befanden uns noch unter dem wohlthuenden Eindruck, den die Ansprache dieses Officiers auf uns gemacht hatte, als sich einer der Cameraden, der Unterofficier v. Sorgen, für eine kurze Anführung das Wort erbat. Der Camerad v. Sorgen stand bei der ersten Compagnie, die in Münster garnisonirte, und war darum mit den Persönlichkeiten, die zu dem Tentamen in Beziehung standen, genau bekannt. Es war eine kleine untersetzte Gestalt, dessen volles Gesicht von Selbstbewußtsein, Sorglosigkeit und Gesundheit strotzte. Seine ganze Erscheinung trug ein wunderlichen Gemisch von Derbheit und Schalkhaftigkeit, naiver Einfalt und berechneter Schlauheit zur Schau.

Mit schalkhafter Wichtigkeit hob er an: „Erlauben Sie mir, meine Herren Cameraden, die etwas periphrasirte Auslassung des Herrn Lieutenant v. Radel aus der Enveloppe zu schälen, in welche sie so künstlich eingehüllt ist, und Ihnen dieselbe in ein allgemein verständliches Deutsch zu übersetzen. Der Herr Lieutenant wollte sagen: „Jungens! eigentlich wißt Ihr Alle nichts, aber durchfallen werde ich Euch deshalb doch nicht lassen. Beantwortet meine Fragen nur rasch und fest, mit der Unverschämtheit, die Euch ja sonst nicht fremd ist, und ich werde aus dem ungeheueren Unsinn Eurer Entgegnungen schon ein Körnchen herausfinden, welches ich dem Alten, der auch gerade kein mathematisches Genie ist, als pures Gold, gewonnen aus dem Schachte Eueres Wissens, vorlegen kann. Damit wird der Alte zufriedengestellt, und hierauf kommt es lediglich und allein an.“ Dies ist der langen Rede kurzer Sinn, und ich habe nur noch hinzuzusetzen, daß ich denjenigen für einen leibhaften Einfaltspinsel, für ein furchtsames altes Weib halten müßte, der nach einer solchen Andeutung noch an ein Nichtbestehen in dieser Wissenschaft denken wollte. Für mich, obgleich ich wahrlich kein besonderer Freund mathematischer Probleme und Calculationen bin, soll die Stunde des Tentamens zugleich eine Stunde des Triumphes sein. Ich werde die an mich gestellten Fragen mit göttlicher Unverschämtheit beantworten, und dadurch in der Meinung des Alten zu einem Vega oder Tempelhof emporsteigen. Nehmen Sie sich an meinem Selbstvertrauen ein Beispiel und reißen Sie die Furcht und den Kleinmuth aus Ihren Herzen.“

Der dicke Camerad machte hier eine kurze Pause, zog eine Tabaksdose hervor, nahm bedachtsam eine Prise und fuhr dann fort: „Die größte Sorge sind wir somit los. Lassen Sie uns dafür dankbar sein. Ein dreimaliges volltöniges Hurrah für den Lieutenant v. Radel, wäre wohl ganz an seiner Stelle, verschieben wir dasselbe aber lieber bis auf heute Abend. Ich erlaube mir nämlich, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß es bei „Fust“ ein herrliches Glas „Münstersches Alt“ gibt, was selbst Gambrinus, der gerstenkundige König, nicht verachten würde, und lade Sie ein, dort zu erscheinen, um bei vollen Humpen des „edlen Stoffes“ unserer Verpflichtung gegen den Lieutenant v. Radel dankbarlichst nachzukommen. Auch wird uns eine kleine Stärkung nicht schaden, denn die „Millionenhunde“ und andere dergleichen zarten Benennungen, die der Alte morgen auf unsere erleuchteten Köpfe regnen lassen wird, werden Legion sein. Der edle Stoff macht aber den Geist elastischer und gegen die Zungenblitze des Herrn Brigadiers unempfindlicher. Ich weiß das aus tausendfältiger Erfahrung und bitte Sie deshalb, meinen Vorschlag in Erwägung zu ziehen.“

„Wir kommen,“ erschallte es mit Einstimmigkeit aus unserm Kreise.

„So darf ich mich also wohl für beauftragt halten, die nöthigen Arrangements zu unserer Aufnahme in dem bezeichneten Locale zu treffen?“ fragte v. Sorgen.

„Gewiß, wir bitten darum,“ lautete die einstimmige Entgegnung.

„Also auf Wiedersehen!“ rief der dicke Camerad, indem er, sich vergnügt die Hände rieb und die Freuden des bevorstehenden Bacchanals bereits zu empfinden schien.

Der Appell war beendigt; der Kreis löste sich auf, und wir gruppirten uns je nach den verschiedenen Vorschlägen, die für das Amüsement des Nachmittags gemacht wurden. Einige benutzten die noch übrige Tageszeit, um die Merkwürdigkeiten der alten Stadt in Augenschein zu nehmen, während die Meisten sich nach bekannten Kaffee- und Weinhäusern begaben, um, wie sie sich ausdrückten, eine solide Grundlage für den Abend zu legen.

Es war 7 Uhr Abends. Die Bierstube bei Fust füllte sich nach und nach bis auf den letzten Platz. Der Camerad v. Sorgen hatte es von dem Wirthe zu erlangen gewußt, daß für diesen Abend ein Zimmer ausschließlich für uns reservirt blieb. Die lange Tafel, welche sich durch dasselbe zog, war zu beiden Seiten mit schweren Sesseln aus Eichenholz umstellt, deren Construction und gebräuntes Ansehen auf ein ehrwürdiges Alter schließen ließ. Dieselben waren bereits sämmtlich von Cameraden besetzt, die es sich beim vollen Glase wohl sein ließen. Gleich nach 7 Uhr ordnete sich das Ganze zu einem „Commers“, bei welchem v. Sorgen auf allgemeines Begehr den Vorsitz übernehmen mußte. Unter dem studentischen Formwesen floß der edle Stoff in Strömen, und die zahlreiche Bedienung hatte alle Hände voll zu thun, um die durstigen Kehlen zu befriedigen. Zu den drei Hurrahs auf den Lieutenant v. Radel mußten drei „Ganze“ getrunken werden, womit der Abend gleichsam eingeweiht wurde. Lauter Jubel brauste bald durch das geräumige Zimmer. Der übliche Rundgesang umkreiste in der bekannten Weise die Tafel, in das lustige:
„Sa, sa, geschmaußet“
fiel der Chor mit begeisterter Lustigkeit ein, und als das herrliche „gaudeamus igitur“ intonirt wurde, stimmten Alle mit brausender Begeisterung ein. Ab und zu ergriff auch wohl Einer das Wort und sprach in humoristischer Weise von der zukunftschweren Bedeutung der nächsten Tage; satirische Charakterschilderungen bekannter Officiere knüpften sich daran, und so manche bezeichnende Anekdote aus des Alten ereignißreichem Leben, die sich nicht wiedergeben lassen, weil die Pointen doch etwas schwer verdaulich sind, wurde zum allgemeinen Ergötzen der Anwesenden erzählt und mit Hochs und dröhnenden Hurrahs, die weit über die Wände des Zimmers hinausschallten, aufgenommen.

So rauschte und brauste der Jubel durch viele Stunden ununterbrochen fort, bis endlich manche Zunge unbeweglich und mancher Kopf schwer wurde. Nach Mitternacht lichtete sich der Kreis immer mehr, aber es mochte wohl nicht lange vor Tagesanbruch sein, als die Letzten das Local verließen.

Auf solche Weise vorbereitet, gingen wir der Prüfung entgegen. Es hatte sich Niemand von dem Gelage ausgeschlossen, obwohl wir Alle wußten, daß ein benommener Kopf und ein deprimirender Katzenjammer die natürlichen Folgen des Abends sein mußten.


Der erste Tag der Prüfung brach trübe und düster an. Die bisher freundliche Sonne war in dicke Nebel eingehüllt, die sich später in einen feinen, dichten Sprühregen auflösten, der die ganze Atmosphäre verfinsterte. Noch finsterer sah es in unseren Köpfen aus, die unter den üblen Nachwirkungen der letzten Nacht bis zum Zerplatzen schmerzten. Der Unterofficier v. Sorgen, der allein nicht angegriffen zu sein schien, empfahl uns, „Hundehaare“ aufzulegen, womit er sagen wollte, daß wir einige Seidel des gestrigen Stoffs, welcher unser Unwohlsein veranlaßt hatte, auch gegen den Appetit hinunterstürzen sollten. Er hielt dies Mittel für unfehlbar, uns dagegen erschien es in Berücksichtigung der schweren Stunden, denen wir entgegen gingen, doch etwas gefährlich.

Des Morgens um 8 Uhr versammelten wir uns in dem Locale der Brigade-Schule, wo ein Zimmer zu unserer Prüfung besonders hergerichtet war. Wir wurden angewiesen, nach den Nummern der Compagnien Platz zu nehmen, durch welche Anordnung v. Sorgen, der, wie schon angeführt, bei der ersten Compagnie stand, die Stelle zunächst dem Katheder erhielt, auf welchem der Alte Posto fassen sollte.

Das Personal der Prüfungs-Commission war bereits anwesend. Außer dem Hauptmann Mühler und Lieutenant v. Radel zählten noch zwei Officiere dazu, von denen der Lieutenant Hohnemann unsere Wissenschaftlichkeit im Französischen und in der Geographie und der Feuerwerks-Lieutenant Pohlens unsere Kenntnisse in der Geschichte und in den militärischen Wissenschaften erforschen sollte. Der Ruf bezeichnete den Lieutenant Hohnemann als einen gegen sich und seine Untergebenen gleich strengen Officier, dessen Dienstkenntnisse weit über sein Alter hinausgingen. Er war gerade [335] bis zur Grobheit, aber geistig nicht besondern befähigt und ohne tiefe wissenschaftliche Bildung. Der Lieutenant Pohlens war in allen Beziehungen das Widerspiel seines Cameraden. Man nannte ihn einen hochgelehrten Mann, sein Kopf war aber so überfüllt von Wissensschätzen aller Art, daß darin kein Raum mehr vorbanden war, um auch noch die Vorschriften des Dienst-Reglements aufzunehmen. Er war nicht im Stande, seinen Zug richtig zu führen, und beim Exerceiren fiel er regelmäßig vom Pferde. Seine bekannte Gutmüthigkeit ließ uns hoffen, daß er unser Wissen mit Nachsicht beurtheilen werde. Es war eine satirische Natur, die den Kampf mit einem ebenbürtigen Gegner, wenn auch nicht suchte, doch gern aufnahm. Man sagte, daß selbst der Alte seinen ätzenden Humor fürchtete.

Die Stunde, mit welcher das Tentamen beginnen sollte, war bereits lange verstrichen, und der Alte, der sein Erscheinen angemeldet hatte, wollte noch immer nicht eintreffen. Die Herren Examinatoren wurden ungeduldig. Der Hauptmann horchte aufmerksam nach jedem Geräusch und hatte schon zum zehnten Mal die große Tabacksdose, aus welcher er in jeder Minute seiner Nase das gewohnte Futter zuführte, weggesteckt und sich in Positur gesetzt, um den gestrengen Herrn Oberst in militairischer Haltung zu empfangen. Da wurde es endlich laut auf der Treppe. Es stampfte herauf mit Säbelgeklapper und Sporengeklirr, und pustete und stöhnte wie eine überfüllte Dampfmaschine. Die Thür wurde weit aufgerissen, und der Alte erschien im Zimmer mit dem Federhute auf dem Kopfe. Von der Ehrerbietung, mit welcher wir uns bei seinem Eintritte von den Sitzen erhoben, nahm er keine Notiz und auch die Herren Officiere begrüßte er nur mit einem leichten „Guten Morgen“.

Der Herr Oberst schien nicht in der besten Laune zu sein. In seinem Gesichte zuckte es unheimlich durcheinander, seine Augen brannten, der Athem keuchte und durch die Pulse schien es wie Feuer zu ziehen. Brannte die Gluth zu häufiger Libationen, die er beim Frühstück dem Bacchus dargebracht hatte, auf seinen Zügen? Unmöglich! Der Wein hatte keine Macht über ihn; seine starke Natur ließ die Aeußerungen einer auch nur momentanen Weinseligkeit niemals bis an die Oberfläche kommen. Sollte er bereits Kenntniß von dem Gelage der letzten Nacht erhalten haben? Dies war leicht möglich. Es lief uns eiskalt bei dieser Besorgniß, die wir uns leise zuflüsterten, den Rücken herunter. Zu unserer Beruhigung kamen wir darüber bald in’s Klare.

Der Alte riß den Federhut vom Kopfe, warf ihn mit Heftigkeit zur Erde, was stets ein Zeichen der stärksten Erregung war, trat bis auf einen Schritt an den Hauptmann Mühler heran, und mit einer Stimme, welche die Fenster erbeben machte, fuhr er heraus:

„Herr Hauptmann, die Sauereien in Ihrer Compagnie nehmen überhand. Das muß ein Ende haben auf eine oder die andere Weise. Eine längere Nachsicht von meiner Seite wäre ein Verbrechen gegen den Staat. In den Salons unserer Kunstausstellungen sind Sie bestens orientirt, da spüren Sie an den dummen Bildern jeden Fehler, jeden falschen Pinselstrich auf, aber in der Caserne, dem Stall und der Küche Ihrer Compagnie, wo Sie nach Pflicht und Gewissen hingehören, sind Sie eine seltene Erscheinung. Und wenn Sie sich dort wirklich einmal blicken lassen, so sehen Sie auch noch nichts, sonst könnten solche Nichtswürdigkeiten, wie ich heute entdeckt habe, nicht Jahre lang unter Ihren Augen fortbestehen.“

Diese schweren Vorwürfe des erzürnten Brigadiers schienen den armen Hauptmann tief niederzubeugen. Seine kleine Gestalt zog sich noch mehr in sich selbst zusammen, die Stirn triefte von Schweiß, aber über die bebenden Lippen kam kein Wort der Entgegnung. Der Mann schien, wie ein Schneeball an der Sonne, vor den Zornesblicken seines strengen Vorgesetzten hinwegzuschmelzen.

„Ich bin so glücklich, Ihnen die Beweise für meine letzte Behauptung sogleich vor die Augen stellen zu könen,“ fuhr der Oberst fort, wobei er sich nach der Thür wandte und dieselbe weit öffnete. Auf seinen Wink trat ein spindeldürrer Unterofficier, mit Czacko und Säbel bewehrt, in das Zimmer; demselben folgten zwei fettwanstige Kolosse, deren glänzende Feistigkeit mit der verhungerten Gestalt des hageren Corporals einen merkwürdigen Contrast bildete. Die beiden Schmeerbäuche waren in lange Kittel von grauem Zwillich gehüllt, wie sie die Soldaten tragen, die in den Casernen die edle Kochkunst zu üben haben. Die Grundfarbe dieser Bekleidung war nicht mehr zu erkennen. Die Kittel waren mit einer dichten und dicken Fettlage überzogen, an welcher vertrocknete und auch noch blutige Fleischfasern in unappetitlicher Vermischung klebten. Das fetttriefende Haar hing den beiden Gestalten in langen Strähnen um den wulstigen Hals; in den beschmierten fettigen Vollmonds-Visagen waren die Augen aus den Fetlwulsten, die sie einrahmten, kaum zu erkennen. In den dicken Fäusten trug eine jede dieser monströsen Figuren eine der Schüsseln, in welchen den casernirten Soldaten das Essen dargereicht wird.

„Sind das nicht prächtige Modelle für den Pinsel eines Meisters der niederländischen Schule?“ fragte der Oberst höhnend den gebeugten Capitain und lud ihn durch eine Handbewegung ein, näher heranzutreten und sich die Leute genau anzusehen. Der Hauptmann hatte in den widrigen Erscheinungen längst die beiden Küchenmeister seiner Compagnie erkannt, und war dadurch so alterirt, daß er kein Wort der Entschuldigung hervorzubringen vermochte.

„Ich muß den Herren nun doch auch erzählen,“ hob der Oberst nach einigen Minuten, in welchen er sich an der Verlegenheit des Capitains geweidet hatte, wieder an, „auf welche Art ich zu diesen beiden Prachtexemplaren militairisch-kulinarischer Erziehung gekommen bin. Der Weg hierher führte mich an der Caserne der zweiten Compagnie vorüber. Ich gehe da nie vorüber, ohne wenigstens für einige Augenblicke hineinzublicken, weil ich schon weiß, daß es dort immer etwas zu rügen und abzustellen gibt. So auch heute. Als ich in den Casernenhof trete, um mich nach dem Stalle zu begeben, duftet mir aus der Küche ein Arom entgegen, was sich unmöglich aus dem Dampfkessel der Menage entwickeln konnte. Ich merkte Unrath und schlich mich deshalb geräuschlos nach der Küche. Mit einer harmlosen Sicherheit, die jede Ueberraschung für unmöglich hielt, saßen diese beiden Stinkthiere am Heerde und löffelten aus jener Schüssel, welche dort das eine in den schmutzigen Pfoten trägt. Auf dem sorglich gedämpften Kohlenfeuer stand eine mächtige Pfanne, in welcher es lustig siedete und brodelte und aus der jene aromatischen Dünste emporstiegen, die mich zum Besuch der Küche veranlaßt hatten. Bei meinem unerwarteten Eintritt flogen die löffelnden Unthiere von ihren Sitzen empor, und der eine Kerl hatte so viel Geistesgegenwart, den Inhalt der Schüssel auf die Erde schütten zu wollen; doch ich war wie ein Blitz bei der Hand, und bevor der Vielfraß sein schlaues Manöver ausführen konnte, streckte ihn ein Schlag meiner Faust zu Boden. Der Andere stand wie ein ertappter Verbrecher mit klappernden Zähnen vor mir. Ich untersuchte den Inhalt der Schüssel und fand zu meinem nicht geringen Aerger in derselben eine Bouillon, nach welcher sich ein Lucullus die Finger lecken würde. Diese kostbare Brühe war sorgfältig bis auf das letzte Fettauge aus dem großen Kessel abgeschöpft, nur die beiden unfläthigen Faulthiere fraßen somit in aller Gemüthsruhe das Fett auf, welches für 150 Kanoniere berechnet war.“

Der Oberst winkte den Einen heran, nahm ihm die Schüssel aus der Hand und stieß ihn darauf, um sich vor jeder Berührung zu sichern, mit der Säbelscheide so heftig von sich, daß er bis an die Thür zurücktaumelte.

„Hier haben Sie die Bescheerung,“ rief er ingrimmig, indem er die Schüssel dem Capitain unter die Nase hielt. „Es ist dies eine Brühe so fett und konsistent, daß sie ein Ei tragen würde. In der Pfanne aber schmorten vier Pfund des schönsten Rindfleisches, was die Hunde nach der Suppe zu verschlingen gedachten, und dem alle diejenigen Ingredienzen zugesetzt waren, welche die Bereitung eines guten Beefsteaks bedingen. Nur bemerkte ich, daß es nicht genug geklopft war, und darum erlaubte ich mir, es aus der Pfanne zu nehmen, und den beiden gierigen Wölfen so lange um die Ohren zu schlagen, bis es so windelweich war, daß ein Kinder-Magen es verdauen kann.“

Auf seinen Befehl hob der dürre Corporal aus der zweiten Schüssel einen halbgebratenen mächtigen Fleischfetzen hervor, der, nur noch mit einzelnen Fasern aneinanderhing.

Der Oberst wandte sich hierauf wieder an den Capitain, indem er sagte: „Ich habe die Leute Ihrer Compagnie bisher in dem schlimmsten Verdacht gehabt. Die Kerle sehen so entkräftet und hohläugig aus, als hätten sie in Sodom und Gomorra in Garnison gelegen und dort die wilden Orgien durchgekostet, von denen die Bibel erzählt. Jetzt freilich bin ich anders belehrt. Die [336] Leute sind schlecht genährt, darin allein liegt die Ursache ihres üblen Aussehens. Diese beiden fettduftenden Eskimos tragen die Kraft der ganzen Compagnie in ihren stinkenden Kaldaunen. Während dieselben sich täglich mit dem Extract der für 150 Mann berechneten Rationen mästeten, mußte die betrogene Mannschaft warmes Spülwasser, kraftloses Gemüse und die bestohlenen Fleisch-Portionen aus Wasser und Salz essen.“

Die Stimme des erzürnten Brigadiers wurde noch drohender, als er fortfuhr: „Es wäre nun freilich Ihre Pflicht gewesen, Herr Hauptmann, durch eine stete Controle einen solchen groben Betrug unmöglich zu machen, Und es liegt nicht in meiner Absicht, Ihnen die Verantwortlichkeit dafür zu erlassen. Von dem Officier du jour, der, wie bereits festgestellt ist, während der ganzen Woche mit keinem Fuß in der Küche gewesen ist, habe ich mir bereits den Degen auf acht Tage ausbitten lassen; gegen Sie, Herr Hauptmann, behalte ich mir ein besonderes Verfahren vor.“

Der arme Capitain erlag beinahe unter dem Gewichte dieses öffentlichen Verweises; er drehte und wandte sich hin und her und konnte doch nicht soviel Haltung gewinnen, um wenigstens äußerlich ruhig zu erscheinen und seine Würde zu bewahren.

„Was gedenken Sie denn nun mit diesen Groß-Mandarinen der Freßkunst zu thun?“ fragte ihn der Oberst nach einigen Augenblicken eines beängstigenden Schweigens.

Der Capitain richtete sich aus seiner gebeugten Stellung empor und schaffte sich die Beängstigung, unter der er litt, in folgenden Worten von der Brust: „Ich werde die beiden Kerle sofort in die Compagnie zurücknehmen und sie wegen Betrug und Unterschlagung zum standrechtlichen Verfahren bringen.“

„Nichts davon!“ rief der Oberst mit Heftigkeit. „Das ist eine ganz verkehrte Maßregel. Wenn Sie diese Wölfe in die Compagnie zurücknehmen, so müssen Sie zwei andere Leute an deren Stelle in die Küche commandiren, die es wenigstens anfänglich noch toller treiben werden, während sich jene schon durchgefressen haben und darum nicht mehr so viel verschlingen können. Und mit Ihrem standrechtlichen Verfahren bleiben Sie mir ganz und gar aus dem Tornister. Erst werden die Leute durch die pflichtwidrigste Aufsichtslosigkeit zur Saumseligkeit und Lodderei förmlich hingeführt, und wenn dann irgend einmal eine Teufelei entdeckt wird, dann soll es sich gleich um Galgen und Rad, um Ehre und Zukunft handeln. Nein, mein Herr Hauptmann, daraus wird diesmal noch nichts! Ich weiß überhaupt nicht, wie sich ein solches Verfahren mit den humanistischen Grundsätzen verträgt, welche die Herren so gern zur Schau tragen. Bloße Schönrederei, weiter nichts, geschöpft aus dem großen Hexenkessel, der an der andern Seite des Rheines, in dem freien Frankreich, gerade jetzt so lustig überkocht und mit seinen mephitischen Dünsten auch schon manchen ehrlichen deutschen Kopf vergiftet hat. Die Farce da drüben mit ihrem Bürger-König, der mit der Nationalgarde – „Gevatter Schneider und Handschuhmacher!“ – Cigarren raucht und Champagner trinkt, wird nicht lange dauern. Ein zweiter Napoleon, der die langathmige Revolution auf den Schlachtfeldern Europa’s zu Tode zu hetzen versteht, wird das Ende der alten Posse sein, die man dort so eben mit so großem Eclat neu in Scene setzt. Ich hoffe, daß die ultima ratio unser liebes Deutschland vor einer ähnlichen Entwürdigung bewahren wird.“

Der Alte hatte sich in einen bedeutenden Zorn hineingeredet und brauchte einige Augenblicke, um sich etwas abzukühlen. Endlich hob er wieder an: „Das Verfahren gegen diese beiden Canaillen muß ich schon selbst anordnen,“ und sich an den hageren Corporal wendend, setzte er hinzu: „Sie bringen die beiden Schmierlappen in die Caserne zurück, lassen sich dort von dem Feldwebel vier Mann geben und begeben sich mit denselben nach dem Stall. Die Schmutzfinken werden dort ausgezogen, auf die Pritsche gelegt, und nachdem sie von oben bis unten eingeseift sind, mit Strohwischen und Wasser tüchtig abgerieben. Es schadet nichts, wenn dabei auch einige Hautfetzen an den Strohwischen hängen bleiben; das befördert die Transspiration und vermehrt die Verdauung. Nach dieser Wäsche lassen Sie den Kerls das Haar bis auf die Wurzel abschneiden, demnächst reine Bekleidung anlegen und hierauf dieselben zu ihrer Verrichtung nach der Küche zurückführen. Sobald die Compagnie abgegessen hat und die Küche aufgeräumt ist, bringen Sie dieselben in strengen Arrest, aus welchem sie des Morgens um acht Uhr wieder abzuholen und zu ihren Geschäften nach der Menage zurückzubringen sind. Diesem zeitweisen Arrest und der täglichen Wäsche bleiben die beiden Misthaufen durch acht Tage hindurch unterworfen, nach welcher Zeit, wie ich hoffen darf, dieselben wieder ein menschliches Ansehen erlangt haben werden. Es ist dies ein kosmetisches Mittel meiner eigenen Erfindung. Probatum est! Und nun hinaus mit den ekelhaften Speckmaden!“

Und eh’ er noch die Rede schloß,
Ging schon die Retirade los.

Um den Rückzug zu beeilen, ergriff der Alte einen Stuhl und warf ihn nach den Flüchtigen, wo er an dem breiten Rücken des Letzten zerbrach.

Ein abermaliges „Heraus – Herrr – raus!“ und ein zweiter Stuhl, der drohend in der Luft schwebte, brachte die Gruppe schnell in raschere Bewegung. Die Bedrohten stürzten in eiliger Flucht aus der Thür und kopfüber die Treppe hinunter, gefolgt von unserem schallenden Gelächter, welches sich nicht länger unterdrücken ließ. Der Oberst stimmte zuletzt in die allgemeine Heiterkeit mit ein, und dadurch kühlte sich die Heftigkeit seines Zornes vollständig ab, so daß sich dies Vorspiel zu unserer Prüfung auf die würdigste Weise schloß.

(Schluß folgt.)

Ein Buch für Arm und Reich.

In unterzeichneter Verlagshandlung erschien und ist durch alle Buchhandlungen zu haben:

Das Buch vom gesunden und kranken Menschen.
Von Dr. Carl Ernst Bock, Professor der pathologischen Anatomie in Leipzig.
Mit 25 feinen Abbildungen.
Dritte vermehrte Auflage in Heften.

Zur Empfehlung dieses Werkes bedarf es keiner buchhändlerischen Anpreisungen. Es hat in zwei Auflagen für sich selbst gesprochen und wird das in der dritten um so mehr können, als sein Werth durch die umfänglichen, dem Standpunkte der heutigen Wissenschaft entsprechenden Verbesserungen und Vermehrungen noch erhöht wird.

Die dritte Auflage des „Buches von gesunden und kranken Menschen“ ist in einer neuen übersichtlicheren Form bearbeitet, nach welcher das Werk in drei Abtheilungen:

1) vom Baue und den Thätigkeiten des menschlichen Körpers und seiner Organe;
2) Pflege des gesunden Körpers, Schutz gegen Krankheiten;
3) Pflege des kranken Körpers, Behandlung der Krankheiten;

zerfällt. Complet in 7 Lieferungen. Preis für jede Lieferung 71/2 Ngr. Für das vollständige Werk brosch.: 1 Thlr. 221/2 Ngr., gebunden 2 Thlr.

Leipzig.
Die Verlagshandlung Ernst Keil.

Für „Vater Arndt“
gingen in letzter Woche weiter ein: 3 Thlr. 5 Ngr. Ac. K. in Wien – 2 Thlr. 271/2 Ngr. (5 fl. 9 kr.) Sammlung durch Embacher in Kessen (Tirol) und zwar: 24 kr. J. Schweinster – 24 kr. M. Auer – 48 kr. M. Schweinster – 24 kr. J. Mitterer – 1 fl. M. Aulenthaler – 24 kr. Eine deutsche Jungfrau – 1 fl. 45 kr. J. Emberger - 20 Thlr. Sammlung der Fürstenschüler in Grimma, übersandt durch R. Kuhn – 2 fl. H[??]ch Freimann in Prag – 3 fl. Joh. Fuchs Söhne in Graslitz – 15 fl. Einige Ingenieure der Theiß-Eisenbahn in Ungarn – 10 Ngr. C. Schmidt in Döbeln – 10 Ngr. Actuar Lesky im Döbeln – 14 fl. Sechs Schüler des Gymnasiums in Eger – 14 Thlr. 5 Ngr. Zweite Sammlung durch Herrn C. F. Schmidt in Frankenberg – 17 Ngr. E. E. in Pösneck – 1 Thlr. Dr. W. B. in Pösneck – 17 Ngr. Ass. S. in Pösneck – 6 Ngr. Ein Ungenannter in Pösneck.
Ernst Keil.

Verlag von Ernst Keil in Leipzig. – Druck von Alexander Wiede in Leipzig.

  1. Die Anschuldigung eines solchen Verbrechen wurde in der That gegen Trenck erhoben – man kennt noch heute in Magdeburg eine dahin lautende Aeußerung des Feldmarschalls von Kalkstein, Gouverneurs von Magdeburg, gegen den vor etwa zwanzig Jahren verstorbenen Propst des Klosters U. L. Frau und Ständemitglied Röttger. Uns scheint sie jedenfalls aus der Luft gegriffen, wie auch die Anchuldigung des Hochverraths gegen Trenck. Die ganze spätere Haltung des Mannes spricht dawider, daß er sich mit einem solchen Verbrechen belastet wußte, und am meisten die außerordentlich gnädige Aufnahme, die er später am Hofe Friedrich Wilhelms II. und bei diesem Monarchen selber fand, der ihn mit Huld überhäufte.
  2. Das Original befindet sich in dem Besitz des Verlegers der Gartenlaube.
  3. Wie wir unsern Lesern bereits in Nr. 45 des letzten Jahrgangs mittheilten, derselbe Oberst v. Tuchsen, welchen Hackländer in seinen Soldatenbildern so anziehend schildert.  D. Red.