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Titel: Die Dattelpalme
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aus: Die Gartenlaube, Heft 40, S. 551-553
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1857
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Die Dattelpalme.

Ein Araber hatte mit der größten Aufmerksamkeit einem Engländer zugehört, wie er die Schönheiten Großbritanniens rühmte, die Dampfmaschinen, die Eisenbahnen, die Gaserleuchtung, die elektrischen Telegraphen u. s. w. und fragte dann sehr lebhaft: „Gibt es auch viele Dattelbäume in Ihrem Lande?“ Der Engländer antwortete ihm, daß man einige Exemplare auf nationale Kosten im Palmenhause zu Kew unter Glas und Rahmen pflege, sonst aber keine Dattelbäume zu finden wären. Mit dem lebhaftesten Mitleiden sah er den Engländer an und zeigte von da an nie wieder Lust, etwas von dem Abendlande zu hören. Was ist dem Araber ein Land ohne Dattelpalmen? Eisenbahnen, elektrische Telegraphen, dampfgetriebene Spindeln zu Millionen, Tausende, Hunderttauserde von Gaslichtern, der grüne, blumenbesternte Erdenhimmel von Wiesen, Eichenwälder – was sind sie ohne Palmen? „Womit erquickt Ihr Eure Augen in Sonnengluth, wenn keine hoch oben wiegenden Palmenzweige Kühlung herabfächeln? Womit vergleichen Eure Dichter die Taillen ihrer Schönen, wenn nicht mit Palmenwuchs? Nun versteh’ ich erst, warum sich jedes Jahr mehr Franken nach Egypten und den Nil herauf drängen.“

So schloß der Araber sein aufrichtiges Mitleiden mit Europa. Die Dattelpalme ist das Rennthier der brennenden Wüste, Feld, Garten, Speisekammer, Weinkeller und allgemeine Lebensbedingung Arabiens, Egyptens und der meisten asiatischen und afrikanischen Wüstenvölker. Die arabische Sage läßt den Dattelbaum von dem Thone entstehen, den Gott Allah übrig behielt, als er die ersten Menschen aus Thon modellirt und gemeißelt hatte. „Liebe den Dattelbaum wie Deine Eltern,“ sagt der Araber und ist stolz auf den fast wörtlich sich bestätigenden Glauben, daß er blos in Ländern der Gläubigen des Islam wachse. Der Araber stellt den Dattelbaum sich selbst, dem ganzen Menschengeschlechte gleich: „Wie der Mensch sich vor allen anderen Geschöpfen durch seinen aufrechten Gang auszeichnet, so erhebt die Palme schlank, stolz und gerade ihre Hauptkrone gen Himmel. Welches Geschöpf ist so schön wie der Mensch, und welcher Baum prächtiger im Walde, als die Palme? In ihrem Haupte quillt das schönste Gehirn, wie in dem Kopfe des Menschen. Schneide der Palme und dem Menschen diesen Kopf ab und es wächst kein anderer, wie anderen Bäumen. Schneide der Palme die Zweige ab und sie wachsen eben so wenig wieder, wie ein abgehauener Arm. Das Haupt der Palme hat einen haarigen Schmuck, wie der Kopf des Menschen. Die Geschlechter sind abgesondert, so daß der einzelne Dattelbaum oder Mensch zu ewiger Unfruchtbarkeit verdammt sind. Der männliche Palmbaum steht unter den weiblichen, wie der Sultan in seinem Harem. Die weiblichen haben aber mehr Freiheit mit ihrem Herzen. Manche solche Schönheit verschmäht es, sich von der nächsten männlichen Palme befruchten zu lassen und streckt ihre sehnsüchtigen, welken Zweige nach einer benachbarten Oase. wo der Geliebte ihres Herzens sich schlank in maijestätischer Schönheit erhebt. Ein solcher liebesiecher Baum kann nur geheilt werden, wenn man Blüthen von dem Geliebten in ihre Zweige bindet.“ – Letztere Sage ist beinahe eben so poetisch, wie die Heine’schen Königskinder und schöner als der im Norden einsam trauernde Tannenbaum, liebesüchtig träumend von einer südlichen Palme. –

Kein Mitglied der vegetabilischen Welt spielt eine so schöne und wichtige Rolle in Religion, Geschichte, Kunst und Poesie, als die Palme, nicht die indische oder egyptische Lotosblume, nicht der celtische Mistelzweig oder die französische Lilie oder der normännische Ginster. In der heiligen Schrift, besonders im neuen Testamente, schmücken Palmenzweige die schönsten und erhabensten Scenen, aus denen die „Palmen des Friedens“ bis in unsere Zeiten und in unsern Norden eingedrungen sind. In der östlichen und classischen Mythologie und Blumensprache ist die Palme Symbol alles Schönen und Siegenden. Sie umwehete den Tag des Triumphes, den Christus auf Erden feierte. In der christlichen Sprache bedeutet sie oft den Sieg über Hölle und Tod und die Auferstehung, wie im alten Griechenthume, das den „Phönix“ (zugleich griechischer Name der Palme) und sein aus eigener Asche hervorgehendes neues Leben zur Veranschaulichung des Auferstehungsglaubens erfand. Das segensreiche Leben der Palme ist in deren Krone, weshalb sie sinnreich zur Krone des Märtyrers, dessen Lohn ewiges Leben und ewige Dankbarkeit der Nachwelt ist, gewählt ward.

Die erhabene egyptische Baukunst verdankt ihre kolossalen Formen der Palme. Sie war das erste Muster für die alten egyptischen und griechischen Colonnaden. Der vollendetste Tempel Egyptens in Edfou verdankt seine Erhabenheit der treuesten Nachahmung schlanker Palmen mit luftiger Blätterkrone und schwer niederwiegenden Früchten. Selbst während der Zeit vollendetster Baukunst lernten die Egypter und Griechen noch von der Palme. Die hohen Säulen Egyptens und der Akropolis von Athen nehmen nach oben in dem Grade zu, als die zunehmende Entfernung, vom Auge deren Umfang scheinbar verkleinert, so daß sie nun von unten gleichmäßig groß erscheinen. Dieses optische Anwachsen ist zum Theil getreu dem nach oben anschwellenden schlanken Palmenstamme entnommen.

Der Einfluß, den die Palme von jeher auf die Er- und Empfindung der Menschen ausübte, ist leicht erklärlich. Sie ist der stolzeste, schönste, segensreichste, individuellste Baum. In letzterer Eigenschaft konnte sie Goethe zum Repräsentanten aller klimatischen Einflüsse auf den Menschen, d. h. des wesentlichen Theils ihrer Nationalität, Geschichte und Cultur machen. „Niemand wandelt ungestraft unter Palmen.“ Das heißt: von den Klimaten ist das Palmen-Klima das stärkste, mächtigste über den Menschen und am schärfsten begrenzt. Aber Niemand wandelt auch unbelohnt unter Palmen. Man mache sich ein Bild von der unerschöpflichen Fülle ihrer Schönheit und Lebensquellen im Palmenklima. Der Wüstenreisende – und die Palme ist wesentlich Krone und Bedingung aller Oasen – kennt nichts Schöneres und Erhabeneres als den Palmenhain. Er ist hart, unempfindlich, aber die aus der Ferne winkende Palme macht ihn weich und andächtig und beflügelt seine ausgebrannten Schritte, wie ein himmlischer Zauber. Seine Karavane hat sich Tage, Wochen, Monate lang durch die baumlose, weglose, spurlose, wasserlose Wüste, durch Wogen glühenden Sandes, durch Wogen glühender Luft unter dem glühenden Himmel hingewunden. Kein Grashälmchen, keine Spur eines fliegenden oder nur kriechenden Lebens, keine Abwechselung als dunkler, glasiger Fels mit gelbem, haltlosem, heißem Sande, Gluth und Licht strahlend und die Augen des Arabers zusammenziehend zu Knopflöchern mit einem kleinen, blitzenden Diamanten dazwischen und das Gesicht selbst der Jugend zu tausend Falten verschrumpfend, Sand am Tage den Fuß verbrennend und in der Nacht eisige Kälte ausstrahlend. Endlich entdeckt das schärfste Auge aus dieser ewigen Sandwüste hervorschimmernd eine dunkele, hervorragende Stelle, vom lebhaften schreitenden, hoch und weithinschauenden Kameele schon erspäht. Die ausgeglühtesten, hinwankenden Wanderer eilen mit neuer Kraft den schneller schreitenden Kameelen nach. Der vorher todesmüde, stumme Marsch wird mit jedem Schritte rascher, lebendiger und stürzt sich endlich mit jauchzendem Galopp unter das lustige, duftige Säulenwerk der Palmen-Oase. Kein dicker Urwald ist so erquickend, als der von oben mit graziösem Btätterrauschen gegen den Sonnenstrahl geschützte und von allen Seiten jedem Luftzuge offene Palmenhain der Wüste, dieses Leben mitten im weiten Tode. Der Wind säuselt seiden und schilfig durch die dichten Fächer der Palmenkronen, Vögel zwitschern und schillern lustig dazwischen und langgeschwänzte Jerboa’s reißen die lustigsten Possen und riskiren ohne Risiko die fabelhaftesten gymnastischen Kunststücke an deren schlanken Stämmen. Der Boden unten ist auf die kostbarste Weise persisch beteppicht mit der delicatesten Vegetation, zwischen welcher unzählige Arten von Koleopteren freudig umhersummen. Das aus der Wüste hier verdichtete, warme Naturleben genießt sich hier voller, freudiger und üppiger, als in den Paradiesen ununterbrochener Blüthe und Fruchtbarkeit.

Aber das sind blos die geringsten, nur ästhetischen Genüsse, die der Wüstensohn seinen Palmen verdankt. Sie sind die Bedingung seines physischen Lebens und fast die einzige Quelle desselben. Alles, was er ißt und trinkt und als Erquickung oder Luxus genießt, liefert ihm die Dattel-Palme. Deren Frucht ist frisch und getrocknet, roh oder gekocht die angenehmste, nahrhafteste Speise des Pflanzenreichs. Die fleischige Wurzel der jungen Blätter in der Krone des Stammes liefert Gemüse zu dem Dattelfleische

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Die Gartenlaube (1857) b 552.jpg

Die Dattelpalme.

und ist zugleich das kräftigste Mittel gegen Scorbut und andere Krankheiten. Das weiße Mark oder Gehirn der Krone liefert ein Mahl für sechs bis acht Menschen. Alle Hausthiere, Pferde, Schafe, Hunde, Kameele, Ziegen u. s. w. lieben jeden Theil der Dattelpalme und gedeihen davon. Die langen Dattelsteine liefern gestoßen und gemehlt das nahrhafteste Brod für Kameele und Kühe. Die „Haare“ der Dattelpalmenkrone geben Flechtwerk für Matten, Körbe, Tücher u. s. w. Von den Blattrippen macht man große Packkörbe, Bogen, Meubles, Stöcke, von den ganzen Blättern schattige, kühle Dächer und Ueberhänge zu Verandas in Wüstendörfern, von den dünnen Enden derselben vortreffliche Besen. Die fibröse Masse, welche zwischen dem Stamme [553] und den Blätterzweigen wachst (lif), wird zu Badeschwämmen verfilzt oder zu Bindfaden, Stricken und Tüchern versponnen und verwoben. Der Stamm selbst gibt vortreffliches Bauwerk für den luftigen Styl der Araber und Beduinen, ein Bauholz, das sich, wie der starke, freie, von außen und oben belästigte Mann, nicht niederdrücken läßt unter Druck, sondern aufwärts beugt, wie schon Plutarch erzählt. So wird der ganze Baum von der Wurzel bis zum Gipfel der Bevölkerung ein immerwährender Segen und von der Krone aus just zur Wasser- und Erquickungsquelle, die unten fehlt. Die aufgeschnittene Krone der Dattelpalme liefert je drei bis vier Monate lang täglich etwa eine Gallone süßen milchigen Saftes, das Lieblingsgetränk der Araber. Am ersten Tage süß wird er von Allen getrunken, am zweiten Tage säuerlich und moussirend dient er den lockeren Gesellen zur Berauschung, zumal da er am dritten Tage zu Essig wird und deshalb kein Grund zum Schonen eintritt. Dieser „lagby“ ist Nahrungs- und Erquickungs-, respective Berauschungsquelle. Auch macht man von den Datteln selbst Most und Wein und später Spiritus, den der Koran nicht verbietet, wie den Traubensaft.

Von der Dattel macht die arabische Hausfrau ihrem Herrn und Gebieter je einen ganzen Monat lang täglich ein ganz neues, anderes Gericht, was bei uns mit der armseligen, in allen möglichen Maskirungen verwendeten Kartoffel kaum möglich ist. Und dabei bleibt die Kartoffel immer Kartoffel; die Dattel aber ist schon von Geburt eine der edelsten und hochgeborensten schönen, braunen Töchter des tropischen Pflanzenreichs.

In unsern kartoffelunseligen Regionen kennt man die Dattel nur aus Kisten in zerquetschter, schrumpflicher Backbirnform und nur als Luxusartikel, obwohl wir sie, wenn’s überall mit rechten Dingen zuginge, so wohlfeil wie Kartoffeln essen könnten. Wenn man auf Kartoffelfeldern mit besseren Producten Geld machte, würden wir unsere Kartoffelvermäckerung los und äßen und tränken dafür süße, nahrhafte Palmenbrode. In England kann man zuweilen schon ein Pfund Datteln für den Preis eines Pfundes Brod kaufen, in der Regel freilich durch zweite und dritte Hand nur für sieben bis zehn Silbergroschen. Aber die Palmengegenden sind so groß und culturfähig, daß alle Menschheit Datteln für Kartoffeln oder gar Brod essen könnte. Datteln sind verdaulicher und nahrhafter, als das dreifache Gewicht von Brod, sehr zuckerhaltig und angenehm belebend. Das ganze ungeheuere Nilthal und ein großes Oaseninselmeer durch die Wüste von Egypten bis Fezzan ist dattelpalmengünstig und könnte, wenn ordentlich bepflanzt, ganz Europa mit so viel Datteln versehen, daß es sich damit auf die nobelste Weise von dem Uebel der Kartoffelnahrung zu erlösen im Stande sein würde.

Ein angesehener Egypter, früher Director der Agriculturschule Mehemet Ali’s und Eigenthümer eines großen Grundstücks bei Cairo, widmet sich besonders der Ausbreitung der Dattelpalmen-Cultur aus Saamenkernen und hat schon jetzt die Erfahrung gemacht, daß in dortigen Gegenden nichts lohnender ist, als dieser Feldgartenbau. Die luftige Palme beeinträchtigt mit ihrem Schatten keinerlei Saat darunter. Auch die fast senkrecht tief in den Boden treibenden Wurzeln nehmen oben keine Nahrung weg, so daß die Araber mit Vortheil unter Palmenreihen säen. Im fünften Jahre fangen die Früchte an, vom funfzehnten an bis zum zweihundertsten liefert jeder gesunde Baum jährlich für fünf bis sechs Thaler Früchte (abgesehen von aller übrigen Verwerthbarkeit). Dabei thut der Baum der Getreide-, Baumwollen- und Zuckerernte nicht den geringsten Schaden. Bei Anlegung und Zucht von Palmenhainen kämpft man bis jetzt nur noch mit der Schwierigkeit, die rechte Zahl und Mischung von männlichen und weiblichen Bäumen, ohne welche keine Fruchtbarkeit möglich ist, zu erzielen. Man ist jetzt in Egypten eifrig damit beschäftigt, in den Saamenkernen den künftigen männlichen oder weiblichen Baum zu erkennen. Die Behauptung, daß die Art der Zahnung an dem Kernschlitze das Geschlecht des Baumes verrathe, bedarf noch der Bestätigung. Wissenschaftliche Botaniker Europa’s würden jedenfalls bald im Stande sein, genaue Symbole des männlichen und weiblichen Kerns zu entdecken und sich so um die Palmencultur, also mittelbar auch um unsere Nahrungsveredelung, verdient zu machen. Der Vorschlag eines Engländers, das Geschlecht der Palmenbäume durch wundärztliche Operationen zu forciren, wurde von dem Egypter verlacht und wie jeder andere Vorschlag verworfen, da er blos auf eigenem experimentalen Wege zu einem erwünschten Ziele zu kommen hofft. Es wäre aber gut, wenn das Mikroskop wissenschaftlicher Botaniker dieser egyptischen Cultur, also auch unsern Tischen und Nahrungsmitteln, zu Hülfe käme.

Es gibt wenigstens 150 verschiedene Arten der Dattelpalme, jede klimatisch beschränkt und eigen. Früchte tragen sie blos zwischen dem achtzehnten und dreißigsten Grade nördlicher Breite, am liebsten in offenen, warmen und heißen Ebenen mit einer Thonschicht unterhalb des Sandes, ungern in der Nähe des Meeres und unter den heftigen tropischen Regengüssen. Das eigentliche Palmenklima erstreckt sich von den südlichen Theilen Persiens und Indiens über Nordafrika hin bis zu den kanarischen Inseln, wo zum Theil kein menschliches Leben ohne Palmen möglich wäre. Die Süßigkeit, Größe und Schönheit der Dattel hängt vielfach von menschlicher Kunst und Arbeit ab. Die künstlichen Datteln von Beled-el-dscherid (Biledulgerid), Siva, Medina und Yemen sind süße Früchte sauern Schweißes und sorgfältiger Schulung. Die Bäume werden dort künstlich bewässert, gedüngt und gezogen. Dort liefert eine vollständig ausgebildete Palme jährlich zwischen drei- und sechshundert Pfund Früchte, die der Eigenthümer für fünfzehn bis dreißig Thaler verkauft und der Europäer im Detail mit fünfzig bis hundert Thalern bezahlt – also zugleich ein mächtiger, profitabler Handelsartikel. Die größesten und berühmtesten aller Datteln sind die von Ibrim am Nil oben in Nubien, wo einige Bäume je funfzehn kolossale Trauben, jede bis sechzig Pfund schwer, mit drei Zoll langen Früchten trägt. Süß sind diese Lasten und ein wahrhaft erhebender Anblick, wenn sie aus den schlanken, säuselnden, graziösen Bäumen herausquellen und sich allmählich mit heiterm Gelb am blauen Himmel und zuletzt mit der schönsten, strahlenden Goldbronze überhauchen und den magern, sehnigen Schnitter einladen, die federleicht in der Luft hängende Last zu ernten und als schweren Schatz des Himmels und der Erde hinabzusenken.

Das ist die Dattelpalme, „ein Baum, gepflanzt an den Ufern der Wasser, zeitig seine Früchte bietend mit Blättern, die nicht vergilben und verwittern und mit Allem, was der Baum thut, erfolgreich und voll Segen.“

Der Pulsschlag und die Nerventelegraphie aller Cultur besteht wesentlich in der sich ausgleichenden Spannung zwischen den verschiedenen Gütern dieser Erde. Je mehr wir z. B. Datteln lieben und vor Liebe aufessen, desto kartoffelfreier und cultivirter werden wir zugleich durch Beförderung der Cultur unter den größtentheils räuberischen oder diebischen Palmenvölkern. Warum sind diese Räuber? Weil wir nicht genug Datteln essen und ihnen für unsern Ueberfluß abkaufen. Die Politik hält lieber Kriegsschiffe gegen sie und sucht sie zu erobern, statt sie durch ehrliches Handeln zu Menschen zu machen und statt ihren Culturtrieb, d. h. den Trieb, auch etwas Anderes neben den Datteln zu genießen, durch Angebot unseres Ueberflusses gegen Dattelaustausch zu befriedigen. Mit einigen afrikanischen Stämmen haben’s die Engländer versucht. Sie kaufen ihnen Palmenöl ab und machen die Neger zu braven Menschen und sich Lichter davon; in allen übrigen Beziehungen halten sie immer noch Raub, Plünderung, Mord und Todtschlag für die einzig ehrenvolle, auswärtige Politik und lassen deshalb In- und Ausland verwildern.