Der Hesselberg

Textdaten
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Autor: Anonym
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Titel: Der Hesselberg
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 3, S. 488-493
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1791
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
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VIII.
Der Hesselberg.

Unter den mancherley Denkwürdigkeiten, welche diesem Berge zu Ehren erzählt werden, hat, wie es scheinet, bisher noch niemand die Vermuthung gewagt, daß er ehemahls der Standplatz eines Römischen Lagers gewesen seyn möchte. Vermuthung nenne ich es bloß, welche aber, durch Zusammenkunft und Vergleichung verschiedener Umstände, einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit erhält.

Das östliche, unter dem Namen der Osterwiese bekannte, Ende des Berges bildet| eine ziemlich ebene Platform, wie sie, nach der nicht sehr breiten Basis und den stark abschüssigen Seiten des Berges zu urtheilen, nicht durch natürliche Veränderungen entstehen konnte. Den ganzen Umfang dieser Osterwiese, und genau nach dem Rande desselben, begränzen unverkennbare Spuren eines ehemahligen Erdwalles. Wind und Wetter haben ihn freylich erniedriget, aber noch immer die deutlichsten Merkmahle seines Umkreises übrig gelassen. Das westliche Ende der Osterwiese, da, wo es dem noch höhern und mittlern Theil des Berges entgegen stehet, und mit diesem durch einen etwas niederern und schmälern Rücken zusammenhängt, zeigt eine sehr prallichte Wand, die eben so wenig das Werk der Natur seyn kann. Der erhabnere Theil des Berges nimmt ungefähr die Mitte desselben ein. Ganz unläugbar ist hier die nach der Osterwiese zu gekehrte Fronte, ein durch Menschenhände aufgeworfener Wall, und zugleich der höchste Standpunct am Berge; die Fortsetzung dieses Walles läßt sich aber auch ungemein deutlich um diesen mittlern Theil des Bergrückens verfolgen, und scheint ein ablanges Viereck zu bilden, so wie der ähnliche erhabene Umriß der Osterwiese sich| mehr dem ovalen nähert, der sich auch von jenem erst erwähnten höhern, deutlichsten und queer über den Rücken laufenden Wall, ungemein bestimmt auszeichnet. Der dritte und westlichste Theil des Berges ist der niedrigste, und scheinet, nach seinem schmalern, beyderseits abhangenden Kamm, noch seinen natürlichen unbearbeiteten Rücken zu haben.

Bey der Voraussetzung, daß die erwähntermaßen beschaffene zwey Hauptabtheilungen des Hesselbergs ehemahls ein bevestigter Lagerplatz gewesen seyen, berufe ich mich demnach vorerst auf das überzeugende Gefühl des Augenscheins, nächstdem aber auf folgende Bemerkungen.

Die sogenannte Teufelsmauer, oder das römische Vallum, ziehet sich an der Nordseite des Hesselbergs, bey Ehingen vorbey, und läßt also diesen Berg, innerhalb des Landstriches, dem sie zur Schutzwehre dienen sollte.

Die ganze isolirte, erhabene Lage des Berges; die weitumfassende Aussicht, die der Rücken desselben, nicht nur nach den ausser jenem Vallo gelegenen Gegenden, sondern auch von beyden Seiten über einen grossen Theil des bekannten Laufes des Valli selbst, gewähret, lasset nicht den geringsten| Zweifel, daß nicht die Erbauer jenes Valli, die für die damahlige Kriegs- und Vertheidigungskunst, auffallenden und wichtigen Vortheile dieses Berges erkannt und benützt haben sollten.

Daß sie dieses wahrscheinlicher Weise auch nicht vernachläßiget haben, erhellet nun zum Theil schon, aus der noch bestehenden gekünstelten Beschaffenheit des Berges; und aus den, um und an dem Hesselberg häufig vorgefundenen Römischen Münzen. Noch größere Wahrscheinlichkeit aber gewinnt diese Vermuthung, aus der Gewohnheit, nach welcher Römische Heere ähnliche vortheilhafte Stellen in andern Gegenden benützt haben. Als vergleichender Augenzeuge, erwähne ich hier bloß die noch bestehenden, ungemein deutlichen und wohlerhaltenen Überbleibsel eines Römischen Lagers auf Ballbarrowhill, in Dorsetshire, in England, wo ein der Lage nach unserm Hesselberg ähnlicher Berg, zu gleicher Absicht benützt wurde. Der Umriß und die Abtheilungen des Lagerplatzes bestehen dort ebenfalls nur in Erdwällen, innerhalb welchen die Legionen vermuthlich nur ihren Sommer-Aufenthalt nahmen.

| Da meines Wissens, für jene deutlichen Spuren von Umwallung, keine andere bestimmte und sichere historische Erklärung bekannt ist, so überlasse ich diese Vermuthung, eines auf dem Hesselberg gewesenen Römischen Lagerplatzes, und der sich daher erklärenden Bildung seiner gegenwärtigen Form, Alterthums-Liebhabern zur näheren Prüfung – und erinnere nur, daß Anschein und Vergleichung mehr für einen Waffen- als für einen Opferplatz sprechen, für welchen letztern die Osterwiese von den Landleuten gehalten wird.
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In Bezug auf andere den Hesselberg betreffende und verbreitete Nachrichten erinnere ich zugleich, daß der Hoffnung, edle und unedle Metalle im Innern des Berges zu finden, durch den blossen Anblick desselben gänzlich widersprochen werde. Der ganze Berg bestehet aus bloß grauen, oder weislichten, weichen, horizontal geschichteten Kalchstein; in welchem sich mehrere Versteinerungen, aber sonst keine Anzeigen auf Metalle, vorfinden. Eben so wenig kann der Hesselberg Anspruch auf die Ehre machen, jemahls ein Vulcan gewesen zu seyn. Eine Vertiefung auf der Osterwiese, die man irgendwo, in einer gedruckten Nachricht, als| einen Crater angibt, ist ein Erdfall, oder ein alter Steinbruch. –

Als Berg zeichnet er sich nicht sowohl durch seine große Höhe, als durch seine freye, isolirte Lage aus, welche eine nach und von allen Seiten unbeschränkte Aussicht über die ihn umschließenden niederern Hügel und Berge gestattet.