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aus: Christliche Symbolik
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Weihnachten.

Die Symbolik der Weihnacht beruht wesentlich auf der Vergleichung Christi, des geistigen Lichts, mit der Sonne. Vgl. d. Artikel Sonne. Daraus allein erklärt sich das Herüberragen von noch vielen Gebräuchen und mancherlei Aberglauben aus der heidnischen Sonnenfeier in die christliche Weihnachtsfeier. Hier tritt zum Begriff des Lichts noch der des Werdens hinzu. Es ist der Anbruch des neuen Lichts in der finstersten Nacht des Heidenthums, der im Aufgang der neuen Jahressonne in der finstersten Wintermitte versinnbildlicht wird. Strauss, Kirchenjahr S. 100. sagt sehr wahr: „Sonnenwende! Es ist als bebe mit ihr etwas Unaussprechliches durch die ganze Natur, und Alles, was lebt, scheint von ihm ergriffen zu werden. Sonnenwende im Winter! Heimlich, verborgen, und doch mächtig! Darf man von einer Feier der Natur reden, so ist sie vor allen andern Naturgefühlen mit diesem Worte zu bezeichnen. Ist es nicht, als wenn Alt und Jung in jeder Ader und jedem Nerv sie empfände und als wenn sie durch jede Muskel zucke? Dabei liegt etwas Geheimnissvolles darin. Die Sonnenwende ist schon geschehen in der Stille der Nacht, und man sieht es noch nicht. Man merkt nur den Stillstand. Man weiss, dass mitten in der längsten Nacht das Licht zu einem neuen Lauf geboren ist; aber es kündigt sich nur dadurch an, dass die Nächte nicht länger und die Tage nicht kürzer werden. Jene nehmen noch nicht ab und diese nicht zu. Es ist Stillstand der Sonne, Solstitium. Im Sommer ereignet sich Aehnliches, aber der stillstehende Tag zerstreut die Sinne durch die Menge der erleuchteten Dinge. Indess im Winter ist dem innern [537] Sinne ein weiterer Raum vergönnt, und er ahnt und gewahrt, was im Verborgenen vorgeht. Man vernimmt gleichsam den gewaltigen Kampf der Kräfte der Natur. Die Erde befindet sich in der Sonnennähe, aber ihre Finsterniss ist noch so mächtig, dass das neue Licht der Sonne, das an sie heranzittert, noch nicht durchdringen kann. Es währt lange, bis man den Sieg zu gewahren vermag. Zwölf Tage wenigstens dauert der Kampf, die Nachwirkung der alten Nacht und die Ausführung des Sieges, den das neue Licht errungen, das beharrliche Sträuben der besiegten Dunkelheit, in dem sie Stich hält und den Stand behauptet, und der leise, stille, zuversichtliche Fortschritt des Lichts. Indess Sonne, Licht, Leben sind nichtsdestoweniger Sieger. Das macht uns schon der Stillstand gewiss. Eben das Stillstehen der bisher immer wachsenden Nacht und des immer mehr absterbenden Tages gibt uns die Bürgschaft, dass etwas Neues vorgegangen ist, dass eine andere Macht aufgetreten, dass ein Kampf begonnen, und eine Neugeburt im Werke ist. Das Licht ist wiederum geboren, ein neues Jahr beginnt durch den Zufluss frischer Kräfte aus der Sonnennähe, und die Sonne wird den Sieg davontragen. Kurz, was ist dieses Mittwintergefühl anderes als die Ahnung, keine Noth sey so gross, dass nicht von oben herab Hülfe werde, und kein Fluch so schwer, dass ihn nicht der Segen überwinde? Nunmehr erwacht man vollständig zu dem wahren Neuen; die Ahnungen der vier früheren Wochen sind erfüllt, und die Erinnerungen aus den vorigen Jahren haben uns nicht umsonst geleitet. Das ist die heimliche Freude und die feierliche Hoffnung in dem Stillstand der Nächte im Mittwinter.“

Schon den Heiden war die Wintersonnenwende ein allgemeines hohes Freudenfest. Man fasste es zugleich als eine Feier der Befreiung auf, der durch das neue Licht und Leben von den Fesseln des Winters befreiten Natur. Daher die berühmten Saturnalien der Römer, an denen, so lange das Fest dauerte, alle Sklaven frei waren. Auch noch heute und unter uns lebt diese Vorstellungsweise fort. In die [538] Weihnachtsperiode, die bis zum Dreikönigsfeste währt, fällt der Sylvestertag, an welchem die Weiber das Regiment haben sollen, und der Pfeffertag, an welchem die Kinder mit Wachholderruthen umhergehen und die Erlaubniss haben, damit Erwachsene zu schlagen. Als eigentliches Kinderfest wurde jedoch Weihnachten erst in der christlichen Zeit gefeiert, sofern das neugeborne Christkind die ganze Kinderwelt mit seinem Ruhm gleichsam sympathetisch überstrahlt.

Der Aberglaube, nach welchem in der heiligen Weihnacht die Bäume blühen und Früchte tragen und die unvernünftigen Thiere menschlich reden sollen, enthält eine Mahnung an das durch die Geburt Christi wiedergefundene Paradies, dürfte jedoch auch noch auf heidnische Vorstellungsweisen zurückgeführt werden können. Den letzteren gehören jedenfalls die Vorbedeutungen und Wahrsagungen der heiligen Christ- und Neujahrsnacht, überhaupt der zwölf Nächte nach Weihnachten an, die mannigfachen Erforschungen der Träume in dieser Zeit, die magische Bräutigamsschau. Auch die an der Decke aufgehangene (immergrüne) Mistel in England, die Tanne oder Fichte mit Lichtern besteckt als Weihnachtsbäume in Deutschland, entstammen wohl älterem heidnischen Cultus. Die reichen Presepien (Krippel) in Italien, die auch in Deutschland eingedrungen sind, führte zuerst der heilige Franciscus von Assisi zum Andenken an die Krippe des Heilandes ein, sie erinnern aber doch auch an ähnliche schon ältere Gebräuche, z. B. an die Adonisgärtchen der Griechen und an die Frucht- und Thierkörbe der indischen Priwithi, Vorbilder des neuen Jahressegens. Ueber diese Krippel vgl. Rippel, Alterthumb der Cäremonieen S. 39. Fr. Brun, Landschaftsstudien S. 234. v. Martens, Italien II. 569.

Die specifisch christliche Symbolik unterscheidet zuerst die nur einmal erfolgte Geburt des Gottmenschen von der jährlich sich wiederholenden scheinbaren Wiedergeburt der Sonne, und bezeichnet diese Einzigkeit in der Zeit durch den [539] Stern der Weisen. Vgl. d. Artikel Stern. Er wird damit der Mittel- und Wendepunkt der ganzen Weltgeschichte angedeutet. Vorher war Alles Nacht, nachher wird Alles Tag. Der Stern der Weisen geht als Morgenstern der neugebornen Sonne, Christus, vorher; aber wie dieser Stern nur einmal existirte und einzig in seiner Art war, so ist es auch die Geistessonne Christus. Damit wird aller ältere Sonnencultus der Heiden bei Seite geschoben und in ein nur untergeordnetes Verhältniss zur christlichen Weihnachtsfeier gesetzt. – Legende und Sage haben die Bedeutung jenes Zeitpunktes, von welchem an wir jetzt 1854 Jahre zählen, noch ausgeschmückt. Wie beim Tode, so soll auch bei der Geburt Christi die Natur in ungewöhnlicher Bewegung gewesen seyn. Obgleich es Winter war, sollen alle Weinberge von Engaddi geblüht haben. Nieremberg, hist. nat. 473. Eine Menge Schlangen sollen durch die Luft geflogen seyn (die aufgeregte Hölle). Prätorius, Weihnachtsfrazzen 335. Das Orakel zu Delphi soll verstummt, die Säule des Romulus (Roms Gründer) durch einen Blitz zerschmettert, die römischen Gesetztafeln erloschen seyn etc. Vgl. auch den Artikel Pan. – Tiefer begründet indess ist die gerade entgegengesetzte Symbolik, nach welcher zur Zeit vor Christi Geburt unter Kaiser Augustus auf der ganzen Erde der vollkommenste Frieden herrschte. Vgl. Sepp, Leben Jesu I. 6.

Das Wunder, wonach es in der Geburtsstunde des Heilandes mitten im Schnee des Winters Frühling wird und alle Bäume blühen, steht in einem gewissen symbolischen Zusammenhange mit dem Wunder der Maria „zum Schnee“. Vgl. d. Art. Schnee. In seinen Studien über Russland theilt Herr v. Haxthausen II. 258 eine schöne bucharische Legende mit: „Als Mirjam vierzehn Jahre alt war, ging sie in einen Wald, um an einer Quelle zu baden. Da erschien ihr der Engel Gabriel und verkündigte ihr, sie würde den Propheten Isai gebären, den alle heiligen Männer der Vorwelt angekündigt hätten. Da antwortete sie: „Wie soll ich ein Kind gebären, da ich nie einen Mann erkannt habe?“ Aber der Engel [540] Gabriel legte ihr das Geheimniss der Menschwerdung aus, und hauchte sie dreimal an. Und das Wort wurde wahr! Als nun die Stunde der Niederkunft nahte, da ging Mirjam hinaus in den Wald, wo ihr der Engel erschienen war, und setzte sich unter den Baum, wo er gestanden hatte. Da kam ihre Zeit, und sie gebar einen Sohn. Es war aber tiefer Winter, und Schnee bedeckte die Erde und alle Bäume. Kaum aber schlug das Kind die Augen auf, so schlug der ganze Wald in Blättern aus, die Rosen blühten, und alle Vögel erwachten aus dem Winterschlafe und zwitscherten zum Himmel ein Loblied hinauf, nahebei entsprang plötzlich eine Quelle etc.“

Auf Kirchenbildern sind die gewöhnlichen Attribute der Geburt Christi folgende: 1) Der Stall mit Ochs und Esel an der Krippe wird auf den Bildern der griechischen Kirche stets als Höhle in einem Berge, auf den abendländischen aber als ein Haus oder als eine Hütte aufgefasst, weil im Orient häufig die Stallungen für Karavanen in Felsen gehauen sind, im Abendland aber die Ställe gezimmert werden. Didron, man. p. 158. 2) Der Stern über dem Stalle. 3) Maria, sitzend mit dem Kinde, oft sogar thronend und mit der Krone, weil sie gerade durch ihre Erniedrigung bis in den Stall zur Königin des Himmels erhoben wird. Eine andere Bilderreihe fasst die heilige Jungfrau mehr nur als menschliche Mutter auf; man sieht sie hier als Wöchnerin im Bett liegen, das Kind wird von dienenden Frauen gewaschen etc. Diese menschliche Auffassung hatte ihren Grund wohl in der Opposition gegen die unbefleckte Empfängniss. Sie schickt sich für den heiligen Gegenstand nicht. Das Hebammen- und Waschgefolge gehört nicht hieher. 4) Der fromme Joseph, der gleichsam als Priester administrirt und anbetet. Auch ihn hat die spätere Malerei so natürlich und kleinbürgerlich als möglich aufzufassen gesucht, aber unmerklich in den ehrlichen Zimmermann etwas wie Ironie gelegt. Er kann nicht streng priesterlich genug gedacht werden, wenn es nicht um seine Würde gethan seyn soll.

[541] Dies sind die nothwendigen Staffagen und Attribute. Zu ihnen gesellen sich aber noch 5) die das Gloria singenden Engel und 6) die anbetenden Hirten. Ein schöner Contrast zwischen den lichten Kindern des Himmels, die aus der Nacht von oben herabkommen, und den rauhen, aber naturwüchsigen und unverdorbenen Kindern der Berge.

Die Lieder dieser Engel und Hirten liegen allen Weihnachtsliedern (französisch noêls) zu Grunde. Dieselben sind rein lyrisch, kirchliche Hymnen und Volkslieder, oder dramatisirte Singspiele, wobei die Engel und Hirten im Gesang abwechseln. Man hat ganze ländliche Idyllen und allegorische Schauspiele damit verbunden. Ihre Tendenz ist aber immer das Gloria in excelsis Deo! und das fromme Erstaunen über das grösste aller Wunder, dass der Heiland der Welt, Gott selber, der Herr aller Himmel, sich erbarmend in einen menschlichen Mutterleib und in einen Stall herablässt: Quem terra, pontus, sidera etc. in dem herrlichen Hymnus des Fortunatus. Das Grösste und das Kleinste, Höchste und Niedrigste, das Universum und die Krippe berühren sich hier im heiligsten Mysterium, in dessen Preisung insonderheit die Marienliederdichter deutscher Nation im Mittelalter unerschöpflich waren.

Bilder von Christi Geburt haben öfter kleinere Bilder zur Seite, auf denen die alttestamentalischen Weissagungen dieser jungfräulichen Geburt und die bekannten Sinnbilder der unbefleckten Empfängniss dargestellt sind. Vgl. d. Artikel Maria. Desgleichen die sibyllinischen Weissagungen und vor allen die Vision der tiburtinischen Sibylle. Vgl. den Artikel Sibyllen. Hieher gehören auch die berühmten Verse Virgils in den Eklogen IV. 4:

„Die Jungfrau kommt, es kommt die Wiederkehr der goldnen Zeit,

Ein neues Geschlecht entsteigt dem hohen Himmel.

Heil dem Knaben, der das eiserne Zeitalter beendet und das goldne wieder beginnt!“