Beschreibung des Oberamts Backnang/Kapitel B 8

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Grab,

Gemeinde III. Kl. mit 658 Einw., a. Grab, Pfarrdorf, 201 Einw., b. Hohenbrach, Hof, 25 Einw., c. Mannenweiler, Weiler, 29 Einw., d. Morbach, Weiler, 93 Einw., e. Rösersmühle, Weiler, 27 Einw., f. Schönbronn, Weiler, 117 Einw., g. Schönthalerhöfle, Weiler, 18 Einw., h. Trauzenbach, Weiler, 146 Einw. – Ev. Pfarrei; 41/2 Stunden nordöstlich von der Oberamtsstadt gelegen.

Schon auf der Höhe des Mainhardter Waldes, ganz abgeschieden, von dem Murrthal aus nur auf weit umführender Fahrstraße zu erreichen, liegt in einer sanften Mulde auf flachwelliger Hochebene der gut aussehende von Obstbäumen umgebene Ort mit seinen zum Theil schönen Bauernhäusern, von denen viele des rauheren Klimas wegen mit Brettern auf den Wetterseiten verkleidet sind. Auf der nahen, nur 1/4 Stunde südwestlich vom Ort sich erhebenden Hohenbrach | genießt man eine sehr großartige Aussicht über den Mainhardter Wald und die Waldenburger Berge hinweg in die hohenlohische Ebene bis an die blauen Höhenzüge bei Rothenburg an der Tauber, bis an den Einkorn bei Hall und den Burgberg bei Crailsheim. Gegen Nordwesten schweift der Blick über die Löwensteiner Berge mit dem Stocksberg und Steinknickle an die fernen blauen Linien des Odenwaldes. Auf der entgegengesetzten Seite, gegen Süden und Südwesten, erblickt man über den Murrhardter Wald hinweg Ludwigsburg, den Asperg und sogar Stuttgart, das von keinem anderen Punkt des Landes in solcher Entfernung (11 Stunden) gesehen werden kann. Den großartigen Hintergrund bildet in dieser Richtung die vom Braunenberg bei Aalen bis an den Roßberg sichtbare Alb, an die sich gegen Westen der Schwarzwald anschließt. – Auch bei der Parzelle Mannenweiler hat man eine sehr ausgebreitete Fernsicht.

Die 1853 am Südende des Dorfes ganz aus Sandsteinen erbaute Kirche ist in schlichtem und ansprechendem Rundbogenstile gehalten mit zwei Reihen von Fenstern über einander und halbrunder, außen schön wirkender Abside, welche leider innen zur Sakristei und nicht zum Chöre verwandt ist. Der Thurm sitzt als steinerner, mit achteckigem Zeltdach bekrönter Dachreiter auf dem vorderen Giebel. Das Innere ist ein sehr freundlicher, weiter, rechteckiger Raum mit hübscher Holzbalkendecke. Die zwei neuen Glocken sind von Neubert in Ludwigsburg gegossen. Beim Bau der Kirche kam man auf die Grundmauern eines römischen Wachhauses; sie steht gerade auf dem römischen Grenzwall. Die Unterhaltung der Kirche liegt dem Staat und der Gemeinde ob. Der 1848 angelegte, 1858 vergrößerte Friedhof liegt südlich vom Ort.

Das hübsche 1862 ganz aus Stein erbaute und mit einem Schweizerdach bedeckte Pfarrhaus steht östlich von der Kirche in angenehmem Garten; seine Unterhaltung hat der Staat. Das 1799 erbaute, mit einem Thürmchen versehene Schulhaus ist baufällig und soll durch ein neues ersetzt werden, es enthält zwei Lehrzimmer und die Wohnungen des Schulmeisters und des Lehrgehilfen. Die Gelasse für den Gemeinderath sind in einem Privathause eingemiethet.

Gutes Trinkwasser liefern ein laufender, 27 Pump-, 5 Schöpf- und ein Ziehbrunnen; der ziemlich weit in

hölzernen Deucheln hergeleitete laufende Brunnen bekommt bei anhaltendem Regenwetter einen erdigen Beigeschmack. In trockenen Jahrgängen haben die meisten Parzellen Wassermangel und holen dann ihren Bedarf aus den Bächen. Auf der Markung sind wenige, aber gute Quellen, dagegen viele sog. Naßgallen; eine bedeutende nie versiegende Quelle ist der Schönthalbrunnen im Wald Sommerhalde. Sodann fließen über die Markung des Mutterortes die Roth (diese an der Grenze), | der Schönthalbach, der Ochsenbach, Wehrbach und Buchbach; über die von Morbach der Morbach, der Aschenbach, Götzenbrunnenbach und Bayerbach; über die von Schönbronn der Katzenbach und Schweintannenbach, über die von Trauzenbach der Trauzenbach, Steinbergerbach und Hördtbach. Von diesen Bächen versiegen in heißen Sommern der Wehrbach, Buchbach, Katzenbach und Steinbergerbach. Einige kleine Weiher und der 1/2 Morgen große Schönthalsee liegen auf der Markung, ein zweiter See, in den Seewiesen bei Grab gelegen, ward ausgetrocknet und in Wiesengrund verwandelt. In Schönbronn ist eine Wette.

Eine Vicinalstraße ist vom Ort über die Erlacher Glashütte bis auf die Sulzbach-Mainhardter Landstraße angelegt und eine weitere führt nach Marhördt. Eine steinerne Brücke geht über den Schönthalbach, eine hölzerne und ein Steg über die Roth, ferner ein Steg über den Götzenbrunnenbach; sie sind je von den betreffenden Parzellen zu unterhalten.

Die Einwohner sind im allgemeinen ein kräftiges wohlgestaltetes Bergvolk, das im Charakter einen Übergang von den Schwaben zu den Franken bildet, jedoch sich den letzteren mehr nähert, indem es die Lebhaftigkeit und Gewandtheit mit diesen gemein hat; ihre Haupterwerbsquellen sind Feldbau, Viehzucht, Viehhandel und Holzhandel; Linnenweberei wird von Einzelnen als Nebengewerbe betrieben, dann werden Besen und Schindeln verfertigt und Sommers findet bedeutender Handel mit Erntewieden statt; Holz wird in allen Gattungen, als Bauholz, Bretter, Latten, Weinbergpfähle, auf die Märkte des Unterlandes geführt. – Ein Frachtfuhrmann ist im Ort. Unter den Handwerkern sind am meisten vertreten die Schuster, welche ihre Fabrikate auch auf Märkten absetzen. Vier Sägmühlen, drei Schild- und zwei Schenkwirthschaften, ein Kaufladen und zwei Kramläden bestehen.

Die Vermögensverhältnisse sind ungenügend; sobald der Holzhandel stockt, ist fast gar kein Verdienst mehr. Der größte Grundbesitzer, Herr von Abel in Schönbronn, hat 1337/8 Morgen Feld, 179 M. Wald; in Grab besitzt der begütertste etwa 40 M. Feld, 30 M. Wald, der Mittelmann 13 M. Feld, 3 M. Wald, die ärmere Klasse 2–3 M. Feld. Gemeindeunterstützung erhalten 10 bis 12 Personen.

Die ziemlich große, am nordöstlichen Ende des Oberamtsbezirks gelegene Gemeindemarkung hat eine wenig ebene, meist hügelige, von vielen Thälchen und Schluchten durchzogene hohe Lage und einen mittelfruchtbaren, leichten, hitzigen Boden, der größtentheils aus den Zersetzungen des Stubensandsteins, an einzelnen Stellen aus denen des untern Liassandsteins und des oberen Keupermergels besteht.

Wegen der hohen Lage ist das Klima ziemlich rauh und Frühlingsfröste, | wie auch kalte Nebel schaden nicht selten, auch ist die Gegend heftigen Winden sehr ausgesetzt, dagegen kommt Hagelschlag nicht häufig vor, weil der Berg Hohenbrache eine günstige Wetterscheide bildet.

Im Stubensandstein sind einige Steinbrüche angelegt, auch der untere Liassandstein wird zu Straßenmaterial abgebaut; Tuffsteine finden sich beim Schweintannenbach. Bei Morbach kommt Torf, jedoch nicht bauwürdig, vor.

Die Landwirthschaft wird so gut betrieben als es die natürlichen Verhältnisse erlauben und einzelne Güterbesitzer gehen mit gutem Beispiel voran. Von verbesserten Ackergeräthen haben die Suppinger und Brabanter Pflüge wie auch die eiserne Eggen allgemein, – die Häufelpflüge, Untergrundspflüge und Reiheneggen theilweise Eingang gefunden. Die Einrichtung der Düngerstätten dagegen läßt noch manches zu wünschen übrig.

Von Getreidefrüchten werden gebaut vorherrschend Winterroggen, Dinkel, Sommergerste und Haber, weniger Sommerroggen, Weizen selten; Roggen und Haber gerathen am liebsten. Unter den Brach- und Handelsgewächsen gedeihen besonders Kartoffeln; Flachs und Hanf wird nur für den eigenen Bedarf gezogen. Der Futterkräuterbau ist ausgedehnt, namentlich der Kleebau, dann werden noch Futterwicken gepflanzt. Getreidefrüchte kommen nach auswärts zum Verkauf, und auf der andern Seite wird Mehl und Brot dem Ort wieder zugeführt.

Der sehr beträchtliche Wiesenbau liefert meist mittelgutes, theilweise auch saures Futter; die Wiesen sind zumeist zweimähdig und 20 Morgen, die bewässert werden können, sind dreimähdig. Futter wird noch zugekauft. Die Obstzucht ist ziemlich bedeutend und im Zunehmen begriffen; man pflanzt von Äpfeln Breitlinge, Bietigheimer, Luiken, Reinetten, Gänsäpfel, von Birnen Dornbirnen, Langbirnen, Frankfurter, Mostbirnen, Knausbirnen, Bratbirnen; von Steinobst nur Zwetschgen. Das Obst wird gemostet und gedörrt, nach außen nur wenig verkauft.

Die Stoppel- und Winterweide wird von einheimischen und von fremden Schafen befahren; das Weidrecht besitzen die Gemeinden. Ein kleines Wiesenstück wird jährlich um 6 fl. verpachtet.

Pferdezucht besteht keine, die Viehzucht (Limburger Schlag) ist nicht unbedeutend und man sucht sie immer mehr zu heben, die geringe Nahrhaftigkeit des Futters und der mittelmäßige Ertrag stehen jedoch im Wege. Ein Farre (Simmenthaler Race) ist von einem Privatmann und zwei (Limburger Race) sind von der Gemeinde aufgestellt. Es besteht Stallfütterung mit Herbstweide; der Handel mit Ochsen und Stieren ist bedeutend, weniger mit Kühen. Die Nachzucht von Jungvieh bildet einen besondern Erwerbszweig.

Die Schafzucht wird in geringem Umfang von Privaten getrieben, | die Schafe (Bastarde), deren 200 Stücke auf der Markung laufen, werden von den Besitzern überwintert.

Die unbedeutende Fischerei steht den Privaten zu; in den fließenden Gewässern kommen Forellen, Schleien, Stichlinge, auch Krebse, – in den Seen Karpfen vor.

Von Stiftungen bestehen die von Kaufmann Schuler in Heilbronn mit 400 fl., dann der Antheil an der Murrhardter Armenstiftung durch Lostrennung von derselben mit 200 fl., ferner von einzelnen Privaten 75 fl. Die Zinsen dieser Stiftungen werden zur Armenunterstützung, wozu sie von jeher bestimmt sind, verwendet.

Wie schon oben angedeutet wurde, führte der römische Grenzwall unter der Benennung Schweingraben durch den östlichsten Theil des Orts, der seinen Namen diesem großartigen Römerwerk verdankt. In Grab selbst wurden schon römische Gebäudereste und ein rund ausgemauerter römischer Brunnen aufgedeckt, auch westlich vom Ort fand man Spuren von Grundmauern und überdieß wurden schon Bruchstücke römischer Gefässe von Siegelerde, römische Ziegel, Schwertgriffe, eine schön erhaltene Lampe von Bronce etc. aufgefunden; wir dürfen daher mit aller Gewißheit annehmen, daß bei Grab ein römischer Wohnplatz gestanden hat. Etwa 1/8 Stunde südöstlich von Grab befindet sich der sog. Götzenbrunnen. Eine alte, ohne Zweifel römische Straße führt von Murrhardt her über Murrhärle, Trauzenbach nach Grab und verband die bei Murrhardt gestandene römische Niederlassung mit der bei Grab; von da lief sie südlich an Schönbronn vorüber und hatte die Richtung gegen Hall.

In der Eichelesklinge und beim Götzenbrunnen soll es geisten.

Zu der Gemeinde gehören:

b. Hohenbrach, 1/2 Stunde südwestlich vom Mutterort auf dem Berg gleichen Namens sehr hoch mit ausgedehnter Fernsicht (s. oben) gelegen.

c. Mannenweiler, hat 3/4 Stunden südöstlich von Grab eine hohe Lage auf einer ziemlich großen, flachen, mit Liassandstein bedeckten Kuppe, von der man eine ausgedehnte, sehr schöne Fernsicht genießt. Auf der Markung liegt ein 230 Morgen großes Gut, worunter 100 Morgen Wald, das Friedrich Schlipf und Ludwig Weller gehört.

d. Morbach, liegt 3/8 Stunden südöstlich von Grab auf einem Flachrücken zwischen dem Morbach- und dem Götzenbrunnenbach-Thälchen.

e. Rösersmühle, liegt an der Roth 1/2 Stunde nordwestlich von dem Mutterort.

f. Schönbronn, nur 1/4 Stunde nordöstlich von Grab, auf der gleichen Hochfläche mit diesem gelegen.

| g. Schönthalerhöfle, hat 1/4 Stunde nordwestlich vom Mutterort eine abgeschiedene Lage über dem sog. Schönthal.

h. Trauzenbach, 1/2, Stunde südwestlich vom Mutterort am südöstlichen Fuß des Bergs Hohenbrach über dem Trauzenbach-Thälchen gelegen. Etwa 1/4 Stunde nördlich vom Ort kommt die Benennung „Schanz“ vor.

Die politische Gemeinde Grab wurde erst den 13. Mai 1848 aus früheren Parzellen von Murrhardt und Sulzbach gebildet. In alten Zeiten waren die Bestandtheile derselben beinahe sämtlich weinsbergisch, kamen auch erst durch die verschiedenen Organisationen im Beginn dieses Jahrhunderts vom Oberamt Weinsberg zum Oberamt Backnang (s. oben VII, 1); nur Trauzenbach war löwensteinisch und wurde den 2. Jan. 1441 mit der Grafschaft Löwenstein von deren Besitzern an Kurpfalz verkauft (Act. Theod. palat. 1, 366), jedoch gehörte die dortige Bauerschaft, als des Klosters Murrhardt Lehensleute, von Alters her in das Ruggericht und den Gerichtsstab gen Murrhardt (Lagerb. v. 1698/1701). Zehenten zu Mannenweiler bekam das Kloster Adelberg schon den 22. Jan. 1284 durch Albrecht von Ebersberg geschenkt. Hohenbrach, Rösersmühle und Schönthalerhöfle sind wohl neueren Ursprungs.

Das Kloster Murrhardt war überhaupt in dem Bezirk der Gemeinde stark begütert. Wenn auch die von dem Chronicon Murrhardtense aufgeführte Schenkung von Zehenten zu Graben an dieses Kloster durch eine nicht näher bezeichnete Adelheid sich auf keine Urkunde zurückführen läßt, so besaß dasselbe doch in späterer Zeit zu Grab und Schönbrunn den großen und kleinen Fruchtzehenten (den Novalzehenten hatte die Kellerei Weinsberg), zu Morbach, Mannenweiler und Trauzenbach den großen Zehenten und an den drei erstgenannten Orten auch erbliche Lehenhöfe, Hellerzinsen und Gülten.

Seit 1844 fand in Grab durch den jeweiligen Stadtvikar von Murrhardt monatlich eine Predigt statt, mit der sich nach und nach die Feier der Sakramente verband; durch königliche Entschließung wurde den 6. April 1851 hier eine vorerst durch einen ständigen Pfarrverweser zu besorgende Pfarrei gegründet und den 28. Nov. 1862 diese Pfarrei erstmals definitiv besetzt. Sie wird gebildet theilweise aus früheren Filialien von Murrhardt: Grab, Schönbronn, Mannenweiler, Morbach, Trauzenbach, Hohenbrach, Schönthalerhöfle und Frankenweiler (dieses noch zur politischen Gemeinde Murrhardt gehörig), theilweise von Mainhardt: Rösersmühle, theilweise von Oberroth: Marhördt mit Mühle, Marbächle und Ofenberg (polit. Gemeinde Oberroth, O.-A. Gaildorf).


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