Beschreibung des Oberamts Backnang/Kapitel A 5

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V. Nahrungsstand.
1. Hauptnahrungsquellen.

Die Hauptnahrungsquellen bestehen in Ackerbau, Weinbau, Obstbau, Viehzucht und in den Waldgegenden in Waldbau und Holzhandel. Die Gewerbe sind nur in den Städten von Bedeutung und werden häufig neben der Landwirthschaft betrieben (s. hierüber den Abschnitt „Kunst und Gewerbefleiß“, sowie auch die Ortsbeschreibungen).


2. Vermögen.
A. Geldwerth des steuerbaren Grundeigenthums.

Derselbe berechnet sich nach den Ergebnissen der Landesvermessung und den bei der provisorischen Steuerkatasteraufnahme vom Jahre 1830 zu Grund gelegten Schätzungen des Reinertrags, wie folgt:

Stand vom 1. Juli 1870
Morgen     Viertel          Reinertrag
Kapitalwerth im 25-
fachen Betrag
fl.      kr. fl.      kr.
Zelglich geb. Äcker 24.452 21/2 92.579 25 2.314.485 25
nicht zgl. geb. Äcker
einmähdige Wiesen
3.073 20/0 6.105 17 152.632 5
zweimähd. Wiesen 11.903 30/0 86.024 8 2.150.603 20
Baumäcker
Küchengärten
Länder
428 21/2 2.602 22 65.059 10
Grasgärten
Baumgärten
Baumwiesen
1.672 20/0 15.181 13 379.530 25
Weinberge 717 21/2 3.668 34 91.714 10
Kapitalwerth im 40-
fachen Betrag
Waldungen 22.389 11/2 26.605 4 1.064.202 40
Weiden mit bestimmter Fläche 3.437 30/0 1.136 29 45.459 20
Schafweiden m. unbest. Fläche
bei 3.730 Stück
1.395 7 55.804 40
Steinbrüche
Lehmgruben
Fischwasser
13 30/0 43 38 1.745 20
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Summa 68.089 20/0 235.341 17 6.321.236 35.
| Unter dieser Summe ist jedoch der Grundbesitz des Staats und anderer steuerfreier Institute nicht begriffen. Ersterer beträgt nach einer vom K. Katasterbureau im Jahr 1844/45 gefertigten Übersicht in nachstehenden nutzbaren Flächen:
Morgen
Flürlich gebaute Äcker 817/8
Willkürlich gebaute Äcker 1596/8
Einmähdige Wiesen 467/8
Zweimähdige Wiesen: 2853/8
Küchengärten und Länder 270/0
Weinberge 1/8
Waldungen 9.8225/8
Weiden 3080/0
Öden 162/8
Steinbrüche, Lehmgruben 26/8
Seen, Flüsse und Bäche 3107/8
Straßen und Wege      2174/8
Zusammen 11,2790/0 .


B. Geldwerth des Viehstandes.

Nach der neuesten Aufnahme des Viehstandes vom 1. Januar 1868 und den früher dießfalls angenommenen Sätzen für den Werth der verschiedenen Thiergattungen (vgl. Memminger’s Beschreibung von Württemberg 1841, S. 506) beträgt der Werth der

Pferde über 3 Jahren
          759 St.
unt. 3 J. 93 St.
zusam. 852 St. à 50 fl.= 42.600 fl.
Maulesel, Maulthiere, Esel 1 St. à 10 fl. = 10 fl.
Rindvieh und zwar: |
Zuchtstiere
Ochsen u. Stiere
     über 2 Jahr
Kühe
Schmalvieh
Kälber
49 St.

3.337 St.
6.089 St.
2.160 St.
2.601 St.
zus. 14.236 St. à 25 fl. = 355.900 fl.
Schafe - spanische
     "     Bastardsch.
     "     Landschafe
1.197 St.
12.131 St.
425 St.
13.753 St. à   6 fl.= 82.518 fl.
Schweine 2.713 St. à   8 fl.= 21.704 fl.
Ziegen 394 St. à   5 fl.= 1.970 fl.
Bienenstöcke 1.533 St. à   5 fl.=      7.665 fl.
Zusammen 512.367 fl.
Es beträgt hienach der Gesamtwerth des unbeweglichen Vermögens nach dem Steueranschlag und des Viehstandes
9.466.234 fl.
und zwar der Werth:
A. des steuerbaren Grundbesitzes 6.321.236 fl.
B. der steuerbaren Gebäude nach dem Gebäudekataster vom 1. Juli 1870 2.632.631 fl.
C. des Viehstandes     512.367 fl.
9.466.234 fl.


3. Wirthschaft.
A. Urproduktion (Landbau).
a) Gewinnung von Mineralien.
Die Gewinnung von Mineralien beschränkt sich hauptsächlich auf den Abbau von Werk- und Bausteinen, Straßenmaterial, Gips, Lehm und Mergel; die Steinbrüche, Gipsgruben etc. nehmen nach den Ergebnissen der Landesvermessung 36 Morgen ein. Hauptmuschelkalk, welcher als Baustein und Pflasterstein, hauptsächlich aber als Straßenmaterial und zu Kalk verwendet wird, gewinnt man auf den Markungen: Backnang, Groß-Aspach, Maubach, Reichenberg, Steinbach, Sulzbach und Unter-Weissach. Lettenkohlensandsteinbrüche, die vortreffliche Werk- und Bausteine liefern, sind auf der Markung Backnang angelegt. Der als Bau- und Werkstein sehr gesuchte feinkörnige Keupersandstein wird auf folgenden Markungen abgebaut: Allmersbach, Fornsbach, Lippoldsweiler, Ober-Brüden, Ober-Weissach, Oppenweiler, Sulzbach, Unter-Brüden und Waldrems. Den weißen, grobkörnigen Keupersandstein (Stubensandstein), welcher gute Werk- und Bausteine und Stubensand liefert, und von dem eine harte Abänderung Straßenmaterial und Mühlsteine gibt, gewinnt man auf den Markungen: | Althütte, Ebersberg, Fornsbach, Grab, Groß-Aspach, Groß-Erlach, Heutensbach, Jux, Murrhardt, Ober-Brüden, Reichenberg, Rietenau, Sechselberg, Spiegelberg und Sulzbach. Aus dem Liassandstein werden Schleif- und Wetzsteine gewonnen auf den Markungen: Grab, Jux, Murrhardt und Spiegelberg. Kalktuff (jüngerer Süßwasserkalk) bricht man auf der Markung Grab. Gips wird auf den Markungen Fornsbach, Lippoldsweiler, Murrhardt, Unter-Brüden, und Gipsmergel bei Groß-Aspach abgebaut. Zur Besserung von geringen Bodenarten gewinnt man an vielen Orten Keupermergel und bringt ihn hauptsächlich auf leichte wenig gebundene Böden. Fegsand haben die Markungen, in denen der Stubensandstein abgebaut wird, und Bausand gewinnt man bei Backnang aus der Murr. Lehm wird allenthalben, und Töpferthon auf der Markung Groß-Erlach abgebaut (s. auch die Ortsbeschreibungen).

Früher wurde auf Steinkohlen erfolglos gesucht auf den Markungen: Heutensbach, Murrhardt und Spiegelberg; ebenso auf Salz bei Murrhardt und Sulzbach. Torf wollte man auf den Markungen Spiegelberg und Unter-Brüden gewinnen, fand ihn aber nicht bauwürdig (s. die Ortsbeschreibungen).

b) Pflanzenbau.
I. Verhältniß des Feldbaus im allgemeinen.

Nach den Ergebnissen der Landesvermessung beläuft sich die Grundfläche des Oberamtsbezirks auf 89.7244/8 Morgen. Betrachtet man Äcker, Gärten, Wiesen, Weinberge und Waldungen als gebautes, das Übrige aber als ungebautes Land, so sind nur 75046/8 Morgen der ganzen Fläche unkultivirt. Rechnet man dagegen die Waldungen zu der unkultivirten Fläche, so nimmt das nicht angebaute Land 42.8285/8 Morgen, oder 48% des Areals ein.

Von der ganzen Bodenfläche kommen auf einen Einwohner 3 Morgen, auf ein Pferd 105 Morgen, auf ein Stück Rindvieh 6 Morgen.

Das Verhältniß sämtlicher Kulturarten unter sich, Gärten und Länder als Einheit genommen, ist folgendes:

Gärten und Länder 2.1056/8 Morg.   =   1,00.
Äcker 26.5485/8      "     = 12,61.
Wiesen 17.4415/8      "     =   8,28.
Weinberge 7997/8      "     =   0,38.
Waldungen 35.3237/8      "     = 16,77.
Von 100 Morgen der ganzen Grundfläche kommen also:
 auf Gärten und Länder 2,3 Morgen,
 "   Äcker 29,6      "
 "   Wiesen 19,4      "
 "   Weinberge 0,9      "
 "   Waldungen 39,4      "
91,6 Morgen.
|  Der Rest von 75046/8 Morgen ist eingenommen:
  durch das Areal der Ortschaften 4490/0 Morgen,
     "     Weiden 3.6730/0      "
     "     Öden 4147/8}}      "
     "     Steinbrüche, Thon- und andere Gruben 360/0      "
     "     Seen, Bäche und Gewässer 3754/8      "
     "     Straßen und Wege 2.5563/8     "     
7.5046/8 Morgen.

Vertheilung und Grundeigenthum. Das Grundeigenthum war zur Zeit der Landesvermessung in 73.143 Parzellen vertheilt, wonach durchschnittlich 1,2 Morgen auf eine Parzelle kommen.

Die größte Markung hat Murrhardt, die kleinste Ebersberg. Größere arrondirte Güter sind: die Staatsdomäne Schloß Ebersberg und Eschelhof (letzterer meist Wald), das dem Freiherrn v. Sturmfeder gehörige Rittergut Oppenweiler mit Zugehörungen, ein größeres Gut auf der Markung Schönbronn, welches das Eigenthum des Regierungsraths v. Abel ist, der Carlshof, das Stoll’sche und das früher Riecke’sche Gut auf der Markung Grab, Harnersberg, das Gut in Mannenweiler, welches Friedrich Schlipf und Ludwig Waller gehört, der Sauerhof im Gemeindebezirk Lippoldsweiler u. s. w. Auf den Markungen zerstreut liegende Güter von 50 – 100 Morgen gehören nicht zu den Seltenheiten.

Nach den württembergischen Jahrbüchern 1857, Heft I, S. 98, waren im Jahr 1857 in dem Bezirk Grundeigenthümer von über 200 Morgen 3, von 100 – 200 Morgen 23, von 50 – 100 Morgen 135, von 30 – 50 Morgen 279, von 10 – 30 Morgen 936, von 5 – 10 Morgen 1141, von weniger als 5 Morgen 5199; im Ganzen 7716.

Von den vorhandenen 89.7244/8 Morgen besitzen der Staat 11.2893/8 Mrg, oder 12,58%, die Grundherrschaften 1280 Mrg. oder 1,43%, die Gemeinden 95282/8 Morgen oder 10,62%, und die Stiftungen 686/8 Mrg. oder 0,08%; im Eigenthum der Privaten sind demnach 67.5581/8 Mrg. oder 75,29% der Gesamtfläche des Bezirks.

Anbau. Der landwirthschaftliche Betrieb steht hauptsächlich in dem südwestlichen Theil des Bezirks, auf dem Flachlande, auf einer blühenden Stufe, wozu neben dem Fleiß und der Umsicht der Bewohner die günstigen klimatischen und Bodenverhältnisse wesentlich beitragen. Anders verhält es sich in dem übrigen bergigen und waldreichen Theil des Bezirks, wo die Bodenverhältnisse, mit Ausnahme der ergiebigen Thalebenen, minder günstig sind und das Klima merklich rauher ist; aber auch hier suchen die Bewohner durch Fleiß und Ausdauer dem Boden das möglichste abzugewinnen und haben auf den Hochflächen des weit gedehnten Waldes, allenthalben, wo die | Terrainverhältnisse es gestatten, den Wald zurückgedrängt und den Feldbau eingebürgert, der sie jedoch nicht in dem Verhältniß belohnt, wie die Bewohner des Flachlandes. Nachdem der einzelne Güterbesitzer längst kein Stückchen kulturfähigen Bodens mehr unbenützt liegen läßt, wird auch von Seiten der Gemeinden durch Überlassung von Allmandstücken an Gemeindeangehörige, oder durch Anpflanzung der Allmanden mit Obstbäumen manches Stück Land nutzbringender gemacht und auf diese Weise der einer Bearbeitung fähige Boden beinahe vollständig benützt.

Einen sehr wohlthätigen Einfluß auf die Landwirthschaft übt der landwirthschaftliche Bezirksverein (s. unten) und das Beispiel der rationellen Bewirthschaftung der im Bezirke liegenden geschlossenen Güter.

Das für den Ackerbau benützte Land hat im allgemeinen eine flachwellige, ziemlich ebene Lage, theils auf dem Flachlande, theils auf den Hochebenen; eine Ausnahme machen die am Fuß der Steilgehänge und deren Ausläufer gelegenen Ackergelände, die meist weniger eben gelegen sind. Die Steilgehänge dienen vorzugsweise dem Waldbau und nur die südlich geneigten, sich zunächst über das Flachland erhebenden, theilweise dem Weinbau. Die Thalebenen werden für den Wiesenbau benützt.

Das Erzeugniß an Getreidefrüchten ist nur auf dem Flachlande von Bedeutung und gestattet dort in den meisten Orten über den eigenen Verbrauch einen zum Theil namhaften Verkauf nach außen; dagegen reicht dasselbe in der Oberamtsstadt und in den meisten Berg- und Waldorten nicht für die örtlichen Bedürfnisse, so daß noch ziemlich viel Brotfrüchte zugekauft werden müssen und zwar: in Backnang, Althütte, Ebersberg, Grab, Groß-Erlach, Lippoldsweiler, Murrhardt, Neufürstenhütte, Oppenweiler, Rietenau, Sechelberg, Spiegelberg und Sulzbach. Den bedeutendsten Verkauf nach außen haben die Orte: Groß-Aspach, Heiningen und Unter-Weissach. Die Brach- und Handelsgewächse werden meist in den Orten selbst verbraucht oder nur in mäßiger Ausdehnung nach außen abgesetzt; am namhaftesten ist in einzelnen Orten der Verkauf an Flachs und Hanf, oder auch der aus den Gespinstpflanzen gefertigten Leinwand (s. hier. die Ortsbeschreibungen).

Der Ertrag an Wiesenfutter wird in den meisten Orten selbst verbraucht; er reicht übrigens zur Erhaltung des nöthigen Viehstandes nicht hin, daher man auf den Anbau von Futterkräutern und Futtersurrogaten angewiesen ist. Nur die Orte Backnang, Bruch, Jux, Murrhardt und Oppenweiler können Wiesenfutter nach außen verkaufen. Sämtliche Orte des Bezirks haben mehr oder weniger Obstbau, der in den meisten Orten in günstigen Jahrgängen theils einen mäßigen, theils sehr beträchtlichen Verkauf nach außen zuläßt; den | bedeutendsten Obstverkauf haben die Orte: Althütte, Jux, Lippoldsweiler, Maubach, Ober-Brüden, Oppenweiler, Reichenberg, Rietenau und Waldrems.

Weinbau wird in vielen Orten, jedoch meist in mäßiger Ausdehnung getrieben und hat überdieß in neuerer Zeit allenthalben abgenommen; ganz abgegangen ist der Weinbau in den Orten Backnang, Oppenweiler und Sulzbach. Der Absatz der Weine findet hauptsächlich nur in die nächste Umgegend statt, theilweise wird der Wein auch in den Weinorten selbst verbraucht.

Im ganzen Bezirk ist die Stallfütterung eingeführt und sogar der Herbstaustrieb ist nur in einzelnen Orten noch üblich. Zweckmäßige landwirthschaftliche Neuerungen, wie vortheilhaft angelegte Düngerstätten, verbesserte Ackergeräthe etc. haben durchgängig mehr oder weniger Eingang gefunden und sind in mehreren Orten allgemein geworden; von verbesserten Pflügen findet man den Brabanter und den Suppinger Pflug am häufigsten, weniger den Hohenheimer und den Wendepflug. Überdieß ist die eiserne Egge und die Walze allgemein, und das einfache Joch häufig eingeführt. Repssämaschinen befinden sich in Backnang, Groß-Aspach, Heutensbach, Maubach, Oppenweiler, Rietenau, Strümpfelbach und Unter-Weissach. Dreschmaschinen sind in Backnang, Fornsbach, Groß-Aspach, Oppenweiler und Strümpfelbach aufgestellt.

Die Getreideernte geschieht mit der Sichel und die Bespannung des Pflugs vorzugsweise mit Stieren oder Kühen, seltener mit Pferden.

Zur Bodenverbesserung wird neben dem gewöhnlichen Stalldünger Gips, Dungsalz, Asche, Kompost, sehr viel Mergel, Knochenmehl, Abfälle aus den Gerbereien und besonders viel Jauche angewendet.

Werth und Ertrag. Der Werth des Bodens ist wie dessen Ertrag sehr verschieden; eine übersichtliche Zusammenstellung nach den Angaben der Ortsvorstände über die Aussaat, den Ertrag und die Preise der Güter liefert folgende Tabelle, in der auch die den Boden bedingenden Gebirgsarten angegeben sind.

|
Namen
der
Gemeinden
Aussaat auf den Morgen
Acker
Durchschnittlicher Ertrag eines
Morgens Acker.
Preise eines
Morgens Acker.
Durchschnittl.
Ertrag eines
Morg. Wiese
Preise eines
Morgens Wiese
Weinbau. Preise eines
Morgens
Weinberg.
Gebirgsarten.
Din-
kel
Ha-
ber
Ger-
ste
Wei-
zen
Rog-
gen
Ein-
korn
Din-
kel
Ha-
ber
Ger-
ste
Wei-
zen
Rog-
gen
Ein-
korn
Höch-
ster
Mitt-
lerer
Gering-
ster
Heu Öhmd Höch-
ster
Mitt-
lerer
Gering-
ster
Stöcke
kommen
auf den
Morgen
Höchster
Ertrag
eines Morg.
Höch-
ster
Mitt-
lerer
Gering-
ster
Sri. Sri. Sri. Sri. Sri. Sri. Sch. Sch. Sch. Sch. Sch. Sch. fl. fl. fl. Ctr. Ctr. fl. fl. fl. Eimer. fl. fl. fl.
Backnang 7–8 3-4 3-4 3-4 3-4 8-9 5-6 5-6 4 4 500 300 200 25 10 500 300 200 Muschelkalk, Lettenkohle u. Lehm
Allmersbach 7 5 21/2 3 6 6-7 5-6 3-4 21/2-3 5 500 250 100 20 10 400 200 100 2800 5-6 600 450 300 Unterer Keuper und Lehm
Althütte 8 8 4 4 4 8 3-4 31/2 31/2 21/2 21/2 3 300 200 60 10 5 400 200 60 2400 4 [1] Oberer Keuper
Bruch 7-8 41/2 31/2 3 31/2 6 6 5 4 3 3 6 300 225 175 20 10 400 300 200 2860 5 600 400 250 Unterer Keuper
Cottenweiler 7 5 4 31/2 31/2 5 7 6 5 3 3 7 500 400 200 20 10 600 400 300 Unterer Keuper und Lehm
Ebersberg 8 8 6 5 6 7 5-6 6 4 6 3 6 [2] 25 10 700 500 400 1600 10 1200 1000 600 Unterer Keuper
Fornsbach 7–8 6 3 3 6 5-6 5 3 2 4-5 300 150 50 5-15 3-10 400 200 100 Unterer und oberer Keuper
Grab 8-9 6 5 5 41/2-5 3 21/2 2 350 200 100 15 5 400 200 90 Oberer Keuper und unterer Lias
Groß-Aspach 8 4 4 3 3 4 7 6 5 21/2 3 4 600 400 200 25 15 700 500 250 1800 4-6 400 250 200 Muschelkalk, Lettenkohle und Lehm
Groß-Erlach 8 6 5 4 8 6 4 3 500 300 80 18 8 600 400 100 Oberer Keuper und unterer Lias
Heiningen 8 5 3 31/2 31/2 5 7 5 4 4 4 6 460 320 160 20 10 480 300 200 Unterer Keuper und Lehm
Heutensbach 7 4 4 3 3 5 5 5 4 2 2 3 400 250 120 12 6 400 250 120 1600 31/2 500 300 200 Unterer Keuper und Lehm
Jux 8 4 5 3 6 6 4 3 260 180 60 8-18 5-12 300 150 80 Oberer Keuper und unterer Lias
Lippoldsweiler 7 6 4 4 4 6 6 6 4 3 4 5 500 400 200 20-30 12-24 550 400 200 2800 8 1000 700 500 Unterer Keuper
Maubach 8 4 3 3 4 4 5–6 4 3 2-3 2 3 240 150 100 18 8 400 300 200 2400 2-3 300 200 100 Muschelkalk und Lehm
Murrhardt 8 7 5 5 5 7 5-6 3-4 4 3-4 21/2-3 3-4 400 250 150 12-20 6-14 600 400 200 Keuper
Neufürstenhütte 6 6 4 5 1 2–21/2 2-21/2 11/2 175 100 50 7 4 120 60 20 Oberer Keuper und unterer Lias
Ober-Brüden 7–8 5 3 3 3 4 8-9 6 5-6 3 3 6 600 400 200 25 12 600 400 200 2400 6 500 400 300 Keuper und Lehm
Ober-Weissach 7 5 4 4 4 5 8 6 4 3 4 6 440 320 280 25 12 400 280 200 3200 4 320 280 240 Unterer Keuper und Lehm
Oppenweiler 6 6 3 4 4 6 8 8 5 3 3 6 600 400 200 20 10 800 500 200 Unterer Keuper und Lehm.
Reichenberg 71/2 4 5 5 4 7 6-7 7 4 4 4 8 400 250 150 15-18 10-12 400 300 200 1400 5 300 275 200 Keuper
Rietenau 8 4 4 4 4 8 5-6 5 3-4 3 3 5 560 270 100 20 10 450 150 130 3200 6 400 280 200 Unterer Keuper und Lehm
Sechselberg 8 6 4 4 4 6 41/2 21/2 2 2 2 21/2 300 150 75 15 5 350 175 100 1500 4 400 250 150 Oberer Keuper
Spiegelberg 8 8 4 4 51/2 8 5 41/2 31/2 21/2 3 5 400 250 120 15-20 4-10 450 200 100 Keuper und Lias
Steinbach 8 4 4 3 31/2 4 8 6 3–4 3 3 6 600 300 80 20 10 500 250 80 2500 8-9 600 400 200 Muschelkalk, Lettenkohle, unterer Keuper und Lehm
Strümpfelbach 8 5 4 3 31/2 6 6 5 4 21/2 3 5 400 300 140 18 8 500 400 200 Unterer Keuper und Lehm.
Sulzbach 7 8 31/2 31/2 31/2 6 8 8 4 4 4 6 500 300 100 16 8 500 300 100 Keuper
Unter-Brüden 8 4 4 4 4 4 8 6 4 3 4 6 600 300 148 25 12 500 300 150 1900 7 800 500 300 Unterer Keuper und Lehm
Unter-Weissach 7-8 41/2-5 31/2 31/2 5 9 7 41/2 31/2 7 500 400 300 20 10 600 400 300 3400 7 400 300 200 Unterer Keuper, Lettenkohle und Lehm
Waldrems 8 4 4 4 6 6-7 4 4 5 500 300 100 20-25 10-15 500 300 100 2800 4 400 300 250 Unterer Keuper und Lehm.
| [integriert in Seite 72] | Außer den in der Tabelle angegebenen Getreidearten wird noch Hirse in geringer Ausdehnung gebaut, von der man auf den Morgen etwa 1/4 Simri aussät und 2-4 Scheffel erntet.

Der nach den Schätzungen für das Steuerprovisorium angegebene Reinertrag und der hienach berechnete Kapitalwerth der Bodenfläche des Bezirks steht schon oben bei der Berechnung des Vermögens.


2. Einzelne Kulturen.

a. Ackerbau. Derselbe wird nach dem Ergebniß der Landesvermessung auf 26.5485/8 Morgen getrieben, von welchen dem Staat 2417/8 Mrg., den Gutsherrschaften 2566/8 Mrg., den Gemeinden 434 /8 Mrg. und den Stiftungen 38 Morgen gehören.

Die Dreifelderwirthschaft mit vollständig oder beinahe ganz angeblümter Brache ist das vorherrschende Wirthschaftssystem; nur Althütte treibt Feldgraswirthschaft und die Orte Ebersberg, Jux, Neufürstenhütte, Sechselberg und Roßsteig haben willkürliche Wirthschaft; in Strümpfelbach ist theilweise die Fruchtwechselwirthschaft eingeführt. Den geringsten Bracheinbau haben die Orte Fornsbach, Murrhardt, Reichenberg, Steinbach und Waldrems mit 3/4 der Brachfläche. Die übrigen Orte haben vollständigen oder beinahe ganzen Bracheinbau.

Von den Cerealien kommen hauptsächlich Dinkel, Haber, Gerste, Weizen, Einkorn, Roggen und wenig Hirse zum Anbau. Welschkorn bauen nebenbei die Orte Backnang, Groß-Aspach, Lippoldsweiler, Oppenweiler und Strümpfelbach.

Die Brache wird eingebaut mit Kartoffeln, Futterkräutern (dreiblättriger Klee, Luzerne und Esparsette), Ackerbohnen, Angersen, Kohlraben, Kraut, Erbsen, Linsen, Wicken und weißen Rüben, letztere besonders nach der Ernte auf den Stoppelfeldern.

Von Handelsgewächsen zieht man Flachs, Hanf, Reps, Mohn und Hopfen. Flachs und Hanf wird allenthalben theils für den eigenen Bedarf, theils zum Verkauf gebaut. Flachsbau von einigem Belang haben die Orte Allmersbach, Cottenweiler, Murrhardt, Steinbach, Unter-Brüden etc. Bedeutenderen Hanfbau treiben die Orte Allmersbach, Althütte, Cottenweiler, Murrhardt, Unter-Brüden, Unter-Weissach etc. Reps und Mohn wird wenig und meist nur für den eigenen Bedarf gebaut. In neuerer Zeit hat auch der Hopfenbau sich etwas eingebürgert; in mäßiger Ausdehnung wird er getrieben in den Orten Backnang, Bruch, Fornsbach, Groß-Aspach, Ober-Brüden, Ober-Weissach, Oppenweiler, Strümpfelbach, Sulzbach, Unter-Brüden und Unter-Weissach.

b. Der Gartenbau beschränkt sich mit ganz wenig Ausnahmen auf das eigene Bedürfniß. Von größeren Gartenanlagen sind zu nennen der zum Katharinenhof gehörige Park und der Schloßgarten in Oppenweiler; überdieß haben mehrere Privaten in Backnang und | Murrhardt kleinere, theilweise zum Vergnügen angelegte Gärten. Die Gemüse- und Blumengärten nehmen samt den Gartenanlagen und Ländern im ganzen Bezirk 4085/8 Morgen ein, wobei jedoch die Gras- und Baumgärten mit 16971/8 Morgen nicht gerechnet sind.

c. Wiesenbau. Nach den Ergebnissen der Landesvermessung besitzt der Bezirk 11.0641/8 Morgen zweimähdige und 6.3774/8 Morgen einmähdige, zusammen 17.4415/8 Morgen Wiesen; von denen dem Staat 3324/8 Morgen, den Grundherrschaften 1305/8 Morgen, den Gemeinden 1967/8 Morgen und den Stiftungen 19 Morgen gehören. Die Wiesen, von denen einzelne einen dritten Schnitt erlauben, liefern im allgemeinen ein gutes nahrhaftes Futter, mit Ausnahme der auf den Hochebenen gelegenen, die meist nur mittelgutes, zuweilen geringes Futter erzeugen, auch saures Futter kommt an mehrern, jedoch nicht ausgedehnten nassen Stellen vor. Die Wiesen können entweder gar nicht oder nur in geringer Ausdehnung bewässert werden; die bedeutendsten Wässerungseinrichtungen haben Murrhardt (etwa 80 Morgen auf der Gesamtgemeinde-Markung) und Reichenberg (50 Morgen).

d. Der Weinbau wird nach den Ergebnissen der Landesvermessung auf 7871/8 Morgen getrieben; hievon gehören dem Staat 1/8 den Grundherrschaften 4/8, den Gemeinden 31/8 Morgen. Den ausgedehntesten Weinbau hat Ebersberg, das nebenbei einen sehr guten Wein liefert, auch auf den Markungen Reichenberg, Rietenau und Unter-Brüden werden sehr angenehme gute Weine erzeugt. Die Bauart ist die im Unterland übliche; die Reben, von denen man 2000 bis 3000 Stöcke auf den Morgen pflanzt, werden den Winter über größtentheils bezogen. Von den Rebsorten kommen vorzugsweise zum Anbau Silvaner, Elblinge und Drollinger, weniger Gutedel, Rißlinge, Ungartrauben und Klevner. Die Preise der Weine sind sehr verschieden und haben sich in den letzten 12 Jahren von 10 – 90 fl. bewegt; die höchsten Preise erzielte Ebersberg mit 18-90 fl., die niedersten Waldrems mit 25 – 50 fl.

Nach amtlichen Akten betrug im Bezirk das Weinerzeugniß:

in den Jahren Eimer   Preis per Eimer
1856 812 32 – 57 fl.
1857 2.405 25 – 50 " 
1858 3.288 20 – 35 " 
1859 1.875 30 – 55 " 
1860 488 10 – 25 " 
1861 518 40 – 70 " 
1862 1.407 33 – 56 " 
1863 2.550 27 – 43 " 
1864 468 20 – 37 " 
1865 663 60 – 90 " 
1866 1.315 40 – 66 " 
1867 1.520 21 – 44 " 
1868 2.607 34 – 56 " 
1869 929 36 – 55 " 
1870 2.510 20 – 33 " 
| Als Nebenbenutzung werden in den Weinbergen zuweilen junge Obstbäume gezogen.

e. Die Obstzucht ist im allgemeinen im Zunehmen begriffen und wird allenthalben fleißig gepflegt; außer den um die Ortschaften gelegenen und auf den Markungen zerstreut liegenden Baumgütern sind auch die besseren Straßen mit Obstbäumen besetzt und überdieß haben in neuerer Zeit einzelne Gemeinden einen Theil ihrer Allmanden mit Obstbäumen auspflanzen lassen.

Die verhältnißmäßig besseren Obstorte sind: Backnang, Bruch, Ebersberg, Jux, Lippoldsweiler, Maubach, Ober-Brüden, Oppenweiler, Reichenberg, Rietenau, Waldrems etc. Man pflanzt vorherrschend spätblühende Mostsorten und zwar von Äpfeln sehr viel Luiken, Fleiner, Weinsäuerlinge etc., von Birnen Knaus-, Palmisch-, Brat-, Grun-, Wolffs-, Most-, Träublesbirnen etc., überdieß wird auch in den besseren Obstorten ziemlich viel Tafelobst gepflanzt, wie Goldparmäne, Reinetten, Rosenäpfel, Bietigheimer Äpfel, Pomeranzenbirnen, Eierbinen etc. Von Steinobst pflanzt man sehr viel Zwetschgen, etwas Pflaumen und nur wenig Kirschen, zuweilen auch Aprikosen und Pfirsiche. Das Obst wird großentheils für den eigenen Bedarf gemostet oder gedörrt, doch auch nach außen verkauft; letzteres geschieht von einzelnen Orten in beträchtlicher Ausdehnung (s. auch die Ortsbeschreibungen). Die Jungstämme werden theils in den vorhandenen Baumschulen und Weinbergen selbst nachgezogen, theils aus der Umgegend oder von Hohenheim, Eßlingen etc. bezogen. Baumschulen, welche entweder Eigenthum der Gemeinden oder von Privaten sind, haben die Orte Backnang, Fornsbach, Jux, Murrhardt, Neufürstenhütte, Oppenweiler, Sulzbach, Unter-Brüden, Unter-Weissach und Waldrems. Zur Überwachung und Fürsorge der Obstbaumzucht haben folgende Gemeinden besondere, theilweise in Hohenheim gebildete Baumwarte aufgestellt: Backnang, Groß-Aspach, Groß-Erlach, Jux, Ober-Brüden, Spiegelberg, Steinbach, Strümpfelbach und Unter-Weissach.

f. Waldbau[3]. Nach den Ergebnissen der Landesvermessung

beträgt die Waldfläche des Oberamtsbezirks 35.3237/8 Morgen, wovon 12.8344/8 Morgen mit Nadelholz, 14.6292/8 Morgen mit Laubholz und 78601/8 Morgen mit Laub- und Nadelholz gemischt bestockt | sind. Im Eigenthum des Staats standen 98226/8 Morgen, der Grundherrschaften 842 /8 Morgen, der Gemeinden 60307/8 Morgen, so daß auf den Waldbesitz der Privaten noch 18.6274/8 Morgen = 52,7% kommen. Auf einen Einwohner kommen 1,27 Morgen. Der Bezirk nimmt hinsichtlich des Verhältnisses seines Waldareals zur Bevölkerung die 27. Stelle, hinsichtlich der Waldfläche zur Bodenfläche aber mit 39,37% die 9. Stelle in der Reihe der Oberamtsbezirke des Landes ein (s. württ. Jahrb. 1852. II. S. 38 und 42).

Sämtliche Waldungen des Oberamtsbezirks sind dem Forstamt Reichenberg und zwar den Revieren Murrhardt, Weissach, Reichenberg, Lichtenstern und ein ganz geringer Theil dem Revier Klein-Aspach zugetheilt.

Mit Ausnahme des südwestlichen, beinahe ganz dem Feldbau dienenden, Theils des Oberamtsbezirks sind die ausgedehnten Waldungen in dem übrigen Theil ziemlich gleich vertheilt und nehmen die vielfältigen Abhänge und häufig auch die Höhen des Murrhardter Waldes, die Ausläufer der Löwensteiner Berge, des Mainhardter und Welzheimer Waldes ein. Die Waldungen auf den Ausläufern der Löwensteiner Berge gehören zu dem Laubholzgebiet des Unterlandes und die übrigen in das Nadelholzgebiet des angrenzenden Jagstkreises.

Der für den Waldbau benützte Boden besteht meist aus den Zersetzungen der verschiedenen Keuperschichten, an welche sich in der Niederung in unbedeutender Ausdehnung die Zersetzungsprodukte der Muschelkalkformation einschließt. Auch auf den im Norden des Bezirks vereinzelt vorkommenden Liaskuppen, die jedoch meist dem Feldbau dienen, hat der Wald einige Stellen gefunden. Im allgemeinen ist der Boden, obgleich in seiner Güte sehr wechselnd, der Holzproduktion günstig (s. auch den allgemeinen Theil, Abschnitt „Boden“).

In den Nadelwaldungen, welche, wie oben angedeutet, überwiegen, sind die Weißtannen und Fichten vorherrschend; sie bilden theils reine, theils unter sich gemischte Bestände. Die Forche wird mehr vorübergehend kultivirt, um später der Weißtanne oder Fichte zu weichen; Lärchen finden sich nur vereinzelt unter Forchen eingesprengt. Unter den Laubhölzern herrscht die Buche vor; sie bildet meist mit der Eiche, Birke, Aspe, Linde, Esche und dem Ahorn gemischte Bestände, in welchen aber auch sämtliche übrige zu den forstlichen Kulturpflanzen gehörigen Laubhölzer theils natürlich vorkommen, theils namentlich die „edleren“ künstlich angebaut ihre Vertreter haben (s. auch den allgemeinen Theil, Abschnitt „Pflanzenreich“).

Wind und Schnee haben, bis auf die letzten Jahre, wo sie allerdings rasch auf einander namentlich die Nadelwaldungen schwer heimsuchten, sonst nicht in besorgnißerregender Weise auf den Wald eingewirkt, auch wurde nirgends etwas von belangreichem Insektenschaden verspürt, dagegen war in früheren Jahren an einzelnen Orten | eine zu übersetzte Wildbahn den jungen Beständen verderblich geworden.

Die Waldungen des Staats befinden sich im allgemeinen in gutem Zustand, was im Ganzen auch von den Waldungen der Gemeinden und Privaten gesagt werden kann; doch haben die Laubwaldungen fast allenthalben durch die seit Jahren andauernden übermäßigen Laubstreuentziehungen so sehr gelitten, daß in vielen Fällen zum Anbau von Nadelholz übergegangen und dabei manchfach sogar zu der genügsamen Forche gegriffen werden mußte. Zum Zwecke der Erziehung eines für die Bedürfnisse hinreichenden Materials von Pflanzen sind von Staat und Gemeinden zahlreiche Saat- und Pflanzschulen angelegt.

Für die Staatswaldungen ist der Hochwaldbetrieb mit 100 bis 120jährigem Umtrieb für Fichten und Weißtannen, mit 60jährigem für Forchen, und 80 – 100jährigem für Laubholz eingeführt, während die Gemeinden vielfach ihre Laubwaldungen als Mittelwald mit 30 – 40jährigem Unterholzumtrieb bewirthschaften. Der Niederwald ist beim Staat nur im Eichenschälwald, mit 20jährigem Umtrieb, vertreten, welcher bis jetzt von geringer Ausdehnung betrieben wurde; neuerdings aber wieder mit Rücksicht auf den äußerst schwunghaften Gerbereibetrieb der Stadt Backnang – nunmehr wohl dem bedeutendsten des Landes – nach Thunlichkeit erweitert worden.

Der Private wirthschaftet meist ohne bestimmte Regel nach individuellem Bedürfniß. Für Staats- und Gemeindewaldungen liegen, soweit letztere nur einigermaßen von Belang sind, regelmäßige, von Technikern gefertigte Betriebsplane der Wirthschaft zu Grund, auch hat die Stadt Murrhardt für ihren mehr als 2400 Morgen betragenden Waldbesitz einen eigenen Forstbeamten aufgestellt, während bei den andern Gemeinden Waldmeister, fast überall unter spezieller Aufsicht der K. Revierförster, die Wirthschaft führen.

Das Nutzholzerzeugniß im ganzen Bezirk mag etwa beim Nadelholz durchschnittlich 60, beim Laubholz 20% betragen und der durchschnittliche jährliche Zuwachs wird beim Nadelholz zwischen 0,5 – 1, beim Laubholz zwischen 0,4 – 0,6 Klaftern schwanken. Auf Gewinnung von Eichen- und Fichtenrinde für die zahlreichen Gerbereien wird die möglichste Rücksicht genommen.

Unter den Nebennutzungen spielt die Streunutzung (Laub, Heide, Moos, dürres Gras) die erste Rolle. Sie wird vielfach in Bauernwaldungen als hauptsächlichster Zweck des Waldbesitzes betrachtet und auch in den meisten Gemeindewaldungen auf Kosten der Holzproduktion betrieben. Eben wegen dieser maßlosen Ausübung muß diese Nutzung immer mehr beschränkt werden, wofür Seitens der Staatsforstverwaltung durch ausgedehntes Anbot von Nadelreisstreu eine Deckung des Streubedürfnisses nach Möglichkeit versucht wird. Dieß | hatte bis jetzt jedoch vielfach nicht den gewünschten Erfolg, da die bäuerliche Bevölkerung an den althergebrachten Gebrauch von Wald- namentlich Laubstreu gewöhnt ist und auch ihren meist unentgeltlichen Bezug dem Ankauf von Nadelreis vorzieht. Die Gräserei wird, soweit sie mit der Forstkultnr vereinbar ist, gestattet und ausgeübt. Wildobst und Eckerich ist nicht von Belang und von wildwachsenden Beeren werden nur die Heidelbeeren in größerer Masse gesammelt und zur Branntweinbrennerei benützt. Harznutzung findet nicht statt.

Der Holztransport geschieht je nach der Jahreszeit entweder auf der Achse oder mittelst Schlitten. Der früher schwunghaft betriebene Murrscheiterfloß, welcher alljährlich Tausende von Klaftern aus dem Bezirk selbst und den angrenzenden verbrachte, liegt seit neuerer Zeit, nachdem der Bau von Eisenbahnen dem holzreichen Schwarzwald die Konkurrenz ermöglichte, sehr darnieder und wird wohl mit Vollendung der Bahn Calw–Nagold sein Ende erreicht haben.

Die Flößerei auf der Murr und ihren Zuflüssen veranlaßte zu den verschiedensten Zeiten Streitigkeiten und weitläufige Verhandlungen. Schon den 5. April 1469 wurde zwischen Württemberg und der Pfalz unter Zuziehung der Stadt Heilbronn deßhalb ein Vergleich abgeschlossen (abgedruckt in Zeitschr. für Gesch. d. Oberrheins 11, 263). In der Folge erwarb sich besondere Verdienste um die Floßbarmachung der Murr, der Lauter und ihrer anderen Zuflüsse der Vogt zu Bottwar, Trautwein Vaihinger von Schönthal, der auch den 6. April 1517 für sein Floßwesen einen Freiheitsbrief von Herzog Ulrich erhielt. Allein es reihten sich hieran mancherlei Streitigkeiten, welche die Vergleiche mit der Stadt Backnang vom 4. Mai 1517, mit Burkard von Sturmfeder vom 11. August und 10. Dec. 1517, mit den Grafen von Löwenstein vom 26. September 1517 und 12. September 1532, zur Folge hatten. Vaihingers Rechtsnachfolger, Hans Heinrich Schärtlin, verkaufte diese Floßgerechtigkeit in den Jahren 1555 und 1562 an die Stadt Marbach, welche deßhalb mit der Stadt Backnang wiederholt in Proceß kam und sich zuletzt den 22. Juli 1629 verglich. Aus der Geschichte der späteren Verwicklungen in diesem Flößereiwesen sind zu nennen die Recesse wegen des Brennholzhandels und -flößens vom 8. April 1684 und 11. Jan. 1688, sowie der Vergleich zwischen Marsilius Franz von Sturmfeder und der Stadt Marbach vom 10. Mai 1729 (vergl. Pfaff, Wirt. Gesch. 2. Aufl. 2, 413).

Das Holzerzeugniß des Bezirks übersteigt das Bedürfniß der Bewohner um ein Namhaftes, und es findet eine ziemlich bedeutende Ausfuhr von Brenn- und Nutzholz, letzteres theils roh, theils zu Pfählen, Brettern, Besen etc. verarbeitet, nach Ludwigsburg, Heilbronn und auf die Holzmärkte in Winnenden, Ilsfeld, Marbach, Oberstenfeld, Steinheim etc. statt. Nur das Erzeugniß an Gerberrinde | vermag das Bedürfniß nicht mehr zu decken, seit sich Backnang zum ersten Platz der Lederfabrikation in Württemberg emporgeschwungen hat.

In den Staatswaldungen wird alles Holz, mit Ausnahme des im Revierpreis abgegebenen Besoldungsholzes, im Aufstreich verkauft. In den Gemeindewaldungen findet theilweise noch eine Zuweisung des Brennholzes an die Bürger in Form von Bürgergaben statt, doch wird auch hier in manchen Gemeinden begonnen, alles Holz im Aufstreich zu verkaufen und aus dem Erlös den Ortsbürgern eine der Holzgabe entsprechende Summe zu reichen.

Als holzverzehrende Gewerbe sind zu nennen: einige Fabriken im Lauter- und Murrthal, dann Ziegeleien, Brauereien, Branntweinbrennereien, und bezüglich des Verbrauchs an Gerberrinde die Gerbereien in Backnang, sodann die Gerbereien in Murrhardt, Groß-Aspach, Sulzbach und Weissach. In einigen Gemeinden bestehen zur Holzersparniß Gemeinde-Backhäuser, Waschhäuser und Obstdörren.

Die Holzpreise betragen für den Bezirk Reichenberg:

Nutzholz per Kubikfuß in den Jahren:
1820. 1840. 1860.
Eichenholz 10-14 kr. 9 kr. 20 kr.
Buchenholz 9 – 10 " 10 " 11 "
Nadelholz 4 – 6 " 6 – 8 " 10 "
Brennholz (Scheiter) per Klafter:
Nutzholz per Kubikfuß in den Jahren:
1820.
fl. kr.      fl. kr.
1840.
fl. kr.     fl. kr.
1860.
fl. kr.   fl.
Eichenholz   3. –. –   7. 30.   8. 33. – 15. 44. 11. –. 14.
Buchenholz   5. –. – 11. 30. 11. 44. – 17. 54. 13. –. 15
Nadelholz   3. –. –   5. –.   6. 33. –   7. 41.   8. –.   5.

Nach dem Ergebniß des Aufstreichsverkaufs belaufen sich solche pro 1870:

Nutzholz per Kubikfuß
Eichenholz   7 – 30 kr.
Buchenholz 10 – 24 "
Nadelholz   8 – 14 "
Brennholz (Scheiter) per Klafter.
Eichenholz        15 fl.
Buchenholz 18 – 20 "
Nadelholz   8 – 10 "

Die Stockholznutzung wird namentlich in dem mehr bevölkerten Theile des Bezirks in ziemlicher Ausdehnung betrieben und das Leseholz von dem ärmeren Theil der Bevölkerung fleißig gewonnen. Die Holzgewinnung außerhalb der Waldungen beschränkt sich auf die theilweise nicht unbeträchtlichen Ertrag liefernden Uferholzpflanzungen, Straßenbäume und das Abholz der Obstbäume und Weinreben.

| Von Waldservituten kommen nur die theils auf Privatrechtstitel, meist aber auf Observanz beruhenden Waldstreurechte in Betracht, da die einzigen sonst noch bestehenden Servituten, einzelne Weidrechte, längst nicht mehr ausgeübt werden.

Die Waldfrevel haben mit der Verbesserung der ökonomischen Lage der Bezirksinsassen in erfreulicher Weise abgenommen und sind im Revier Murrhardt fast ganz verschwunden. Im Jahr 1870 kamen vom Revier Weissach 202 Fälle, vom Revier Reichenberg 332 zur Anzeige, mit unbedeutender Ausnahme, durchweg Verfehlungen der leichtesten Art.

Der Schutz in Gemeindewaldungen wird theilweise in Folge von Übereinkunft gegen Entgelt von der Forstwache besorgt.


c. Viehzucht.

Nach der Aufnahme vom 2 Januar 1868 beträgt die Zahl der Pferde 852, worunter 93 Fohlen unter 3 Jahren; es kommen auf 100 ortsanwesende Einwohner 3,1 und auf 100 Morgen landwirthschaftlich benützte Fläche 1,8 Pferde. Der Bezirk nimmt daher in dieser Beziehung in der Reihe der Oberämter die 51. Stelle ein. Die Pferdezucht ist ganz unbedeutend und die wenigen im Bezirk vorhandenen Stuten kommen auf die Beschälplatte nach Winnenden zur Bedeckung; auch die Pferdehaltung ist nur in den beiden Städten und in Groß-Aspach und Fornsbach von einigem Belang.

Die Rindviehzucht. Nach der gedachten Aufnahme zählt der Oberamtsbezirk 49 Zuchtstiere, 3337 Ochsen und Stiere über 2 Jahren, 6089 Kühe und Kalbeln, 2160 St. Schmalvieh und 2601 Kälber, sonach kommen auf 100 Einwohner 51,3 und auf 100 Morgen landwirthschaftlich benützte Fläche 30,4 Stücke Rindvieh. Der Bezirk nimmt in dieser Beziehung die 29. Stelle in der Reihe der Oberämter ein.

Was den Rindviehschlag und Zuchtbetrieb betrifft, so werden in dem Bezirk verschiedene Racen gehalten, die vorherrschende ist eine Kreuzung von schwerem Landschlag (Neckarschlag) mit Simmenthaler; in einzelnen Orten trifft man auch reine Simmenthaler Race, nebenbei wird Limpurger-, Allgäuer- und Leinthaler-Schlag nicht selten gezüchtet. Zur Nachzucht und Veredlung des Rindviehstandes halten die meisten Orte tüchtige Farren theils von reiner Simmenthaler Race oder einer Kreuzung von Simmenthaler und Neckarschlag, theils von Limpurger- und Leinthalerrace, zuweilen auch von reinem Neckarschlag. Die Haltung und Anschaffung der Zuchtstiere geschieht größtentheils von Ortsbürgern gegen Entschädigung von Seiten der Gemeinden; nur einzelne Gemeinden schaffen die Zuchtstiere selbst an und geben sie zur Haltung an Ortsbürger gegen Entschädigung. In | Backnang aber kauft die Gemeinde die Farren auf und unterhält sie auch.

Der Handel mit Vieh, namentlich mit gemästetem, ist sehr beträchtlich und wird theils auf benachbarten Märkten, vielfältig auch nach Baden und Frankreich betrieben. Namhaften Handel, besonders mit Mastvieh, treiben die Orte Backnang, Allmersbach, Althütte, Fornsbach, Grab, Groß-Aspach, Groß-Erlach, Lippoldsweiler, Murrhardt, Ober-Weissach, Oppenweiler, Steinbach, Unterbrüden, Unter-Weissach etc.

Der Milchertrag, soweit er nicht für die Haushaltung nöthig ist, wird meist verbuttert, theilweise auch verkauft. Käsereien bestehen keine.

Die Schafzucht wird auf sämtlichen Markungen theils von Ortsbürgern und Ortsschäfern, theils von fremden Schäfern, welche die Schafweiden der Gemeinden in Pacht nehmen, meist in mäßiger Ausdehnung betrieben; man hält beinahe allgemein Bastarde, wenig deutsche Schafe und in Reichenberg mittelfeine Merinoschafe. Die bedeutendste Schafzucht hat Murrhardt. Der Schafweidepacht und die Pferchnutzung sichert mancher Gemeinde eine erhebliche jährliche Rente. Die Wolle wird auf inländischen Wollmärkten, zum Theil auch in der nächsten Umgegend abgesetzt; der Abstoß der Schafe geschieht meist nach Baden und Frankreich. Nach der Zählung vom 2. Januar 1868 besaß der Bezirk 1197 spanische, 12131 Bastarde und 425 Landschafe, zusammen 13753 Stücke. In Vergleichung mit den übrigen Oberämtern nimmt der Bezirk nach der Zählung vom 2. Januar 1865 hinsichtlich der spanischen Schafe die 6., der Bastarde die 13. und der Landschafe die 20. Stelle, hinsichtlich der Schafe überhaupt die 14. Stelle ein.

Die Zucht der Schweine ist im allgemeinen nicht bedeutend, indem die meisten Orte die Mehrzahl der Ferkel und Läufer (meist halbenglische und hallische, weniger bayerische) mehrere sogar alle von außen beziehen und sie theils für den eigenen Bedarf theils zum Verkauf aufmästen. Die Orte, welche erhebliche Schweinezucht treiben und theilweise die gezogenen Ferkel oder Mastschweine in größerer Ausdehnung verkaufen, sind: Groß-Aspach, Maubach, Murrhardt, Reichenberg, Unterbrüden und Waldrems. Die Zahl der am 2. Januar 1868 vorhandenen Schweine betrug 2713, unter denen sich 10 Eber und 251 Mutterschweine befanden.

Die Ziegenzucht ist ganz unbedeutend und wird meist nur von Unbemittelten der Milch wegen betrieben; am 2. Januar 1868 waren 394 Stücke im Bezirk.

Die Bienenzucht ist gering und beinahe in allen Orten im Abnehmen; nur die Orte Oberbrüden, Reichenberg und Spiegelberg | betreiben die Zucht etwas ausgedehnter und in letzterem Ort ist sie sogar im Zunehmen begriffen.

Die Geflügelzucht (Hühner, Enten, Gänse) ist ziemlich namhaft und wird nicht allein für den eigenen Bedarf, sondern auch zum Verkauf getrieben; die Orte, welche über den eigenen Verbrauch noch Geflügel, namentlich Gänse, nach außen verkaufen, sind: Backnang, Althütte, Cottenweiler, Grab, Groß-Aspach, Heiningen, Heutensbach, Lippoldsweiler, Maubach, Ober-Weissach, Oberbrüden, Rietenau, Sechselberg, Sulzbach, Unterbrüden und Waldrems.


d. Jagd und Fischerei.

Die Jagd im Oberamtsbezirk ist unbedeutend; das Schwarzwild ist wie in den übrigen Theilen des Landes längst verschwunden und von dem Edelwild sind nur einige lange schon gehegte Stücke noch übrig; auch das Reh ist seltener geworden und die Zahl der Hasen nimmt immer mehr ab. Die Feldjagd auf Feldhühner und Wachteln ist ebenfalls sehr mäßig. Schnepfen erscheinen auf ihren Wanderungen im Früh- und Spätjahr, auch brüten sie bisweilen im Bezirk. Von Raubthieren kommen vor: der Fuchs, der Edel- und Steinmarder, der Iltis, das große und kleine Wiesel, der Dachs und der Fischotter. Jagdfrohnen und Hundeaufstockungen sind sämtlich abgelöst.

Als Seltenheit verdient angeführt zu werden: im Jahr 1563 schickt Abt Otto Leonhard von Murrhardt dem Herzog Christoph auf dessen Befehl den Kopf eines durch 14 Rüden gefangenen außerordentlich großen Schweins, welches 5771/2 Pfund gewogen, er legte auch zwei Schnüre bei, durch welche die Länge und die Dicke desselben bezeichnet wurde. Der Herzog schickte ihm den Kopf zurück, um ihn zu einem Gedächtniß aufzubewahren, hätte übrigens gewünscht, daß auch die Höhe des Schweins wäre bemerkt worden.

Die Fischerei ist von wenig Belang und beschränkt sich in der Murr, Lauter und Weissach auf Weißfische, Schuppfische, Barben und Aale, in den Bächen auf Forellen und Krebse. Künstliche Fischzucht wird in Teichen getrieben von den Orten Althütte, Fornsbach, Grab, Murrhardt, Oberbrüden und Sechselberg; man züchtet Karpfen, Hechte und Schleien, in Oberbrüden Forellen. Das Fischrecht hat großentheils der Staat, ferner die Gemeinden und Privaten; in Oppenweiler hat der Freiherr v. Sturmfeder theilweise das Fischrecht, in Spiegelberg (Lauter) der Fürst von Löwenstein, der dasselbe auch in Sulzbach beansprucht. Künstliche Fischzucht betreiben Privaten und in Murrhardt die Gemeinde (s. hier. auch die Ortsbeschreibungen).

|
B. Kunst, Gewerbefleiß und Handel.
1) Fabrikations-Anstalten.

Anstalten, welche die Groß-Industrie repräsentiren, sind:

1) Die Wollspinnerei von Eugen Adolff in Backnang.

Dieses im Jahre 1832 gegründete Geschäft wird mit den neuesten Maschinen betrieben und hat gegenwärtig 25 Arbeiter und 1400 Spindeln. Zur Unterstützung der Wasserkraft der Weissach ist seit mehreren Jahren eine 12pferdige Dampfmaschine aufgestellt.

2) Die derzeit ruhende Baumwollgarnspinnerei des Kaufmanns F. Wüst in Spiegelberg, an dieselbe ist eine Kunstmühle angebaut, die gleichfalls von der Lauter getrieben wird.

Die Spinnerei beschäftigt, wenn sie im Gange ist, 70 Arbeiter und hat 2276 Spindeln.

Noch zu erwähnen ist die Schuhfabrikation von D. Stelzer in Backnang, der die bedeutendsten Messen Deutschlands besucht, ferner die Fabrikation von Fr. Sorg in Backnang für Kochherde, Mostpressen und landwirthschaftliche Maschinen, sodann die im erfreulichen Aufschwung begriffenen Stockfabriken von Schöllhammer in Backnang und Hassert daselbst, und die Strumpfstrickerei von A. Isenflamm, jun. in Backnang.

Die Leinwandweberei wird im ganzen Oberamtsbezirk mit 146 Webstühlen und 171 Arbeitern betrieben.

Als Nebenbeschäftigung wird dieselbe betrieben in 29 Ortschaften mit 597 Webstühlen und 581 Personen: am schwunghaftesten in den Gemeinden Groß-Aspach, Oberbrüden, Reichenberg und Murrhardt.

Die Baumwollweberei beschäftigt im Ganzen 250 Stühle und 300 Arbeiter, vorzugsweise in Spiegelberg und Jux. In diesen beiden Gemeinden und in Groß-Aspach sind noch Corsettwebereien im Gang mit zusammen 76 Stühlen und 74 Arbeitern.

Von der Eisen-Industrie ist nur das Hammerwerk von D. W. Wörner in Klingen anzuführen, das 6 bis 8 Arbeiter dauernd beschäftigt.

Die Hauptindustrie des Bezirks ist die Rothgerberei, welche in Backnang durch 102 Meister, 456 Gehilfen und 97 Lehrlinge vertreten ist. Außerdem sind in Sulzbach, Murrhardt und Unter-Weissach noch 12 Gerbereien im Betrieb.

Die Rothgerberei beschäftigt in Backnang 4 Lohmühlen mit 5 Gängen und 7 Hautwalken; in Sulzbach und Murrhardt je 1 Lohmühle. Der jährliche Umsatz der Gerberei in Backnang ist zu ca. 24.000 Ctr. Leder, gleich einem Geldwerth von 2.400.000 fl., berechnet.

Die Weißgerberei zählt nur noch 6 Meister und 1 Gehilfen und beschäftigt 1 Walke.

| Die ehemals blühende Tuchmacherei zählt im Ganzen noch 39 Webstühle mit 54 Arbeitern, vorzugsweise in Backnang, mit 2 Tuchscheerereien, 2 Walken und 3 Schönfärbereien.

Außerdem sind noch in Backnang 5, in Murrhardt und Sulzbach je 1 Baumwollfärberei: die bedeutendste von A. Dorn in Backnang, welche mit Dampf betrieben wird.

Getreidemühlen sind vorhanden 36 mit 108 Mahl-, Schrot- und Gerbgängen und zusammen mit 90 Arbeitern. Die bedeutendsten sind die Kunstmühlen von Knapp in Neuschönthal, Speidel in Backnang und Wüst in Spiegelberg.

Ölmühlen 7 mit 12 Arbeitern.

33 Sägmühlen mit 62 Arbeitern.

2 Gipsmühlen mit 3 Arbeitern.

6 Hanfreiben.

12 Ziegeleien und Kalkbrennereien mit 25 Arbeitern, die bedeutendste ist die von D. Wieland in Backnang.

An Getränkefabriken sind vorhanden:

18 Bierbrauereien mit 29 Arbeitern. Unter diesen sind von größerem Belang 2 in Backnang, 1 in Murrhardt und 1 in Sulzbach.

202 Branntweinbrennereien mit 210 Arbeitern.

Die früher in Erlach bestandene Glashütte von Rominger und Günther, welche etwa 100 Personen beschäftigte, ist im Jahr 1865 nach Zuffenhausen, O.-A. Ludwigsburg übergesiedelt.

Besondere Erwähnung verdient auch noch die Möbelschreinerei, welche vorzugsweise in Backnang, Murrhardt, Sulzbach und Rietenau betrieben wird.

Die Anfertigung von Farben und Äschern für die Rothgerber in Backnang beschäftigt einen größern Theil der daselbst ansäßigen Küfer und Kübler.


2) Mechanische Künstler und Handwerker.


Meist. Geh. Meist. Geh.
Bäcker 110 57 Mühlebauer 3 1
Barbiere 9 3 Nadler 3 2
Bildhauer 1 0 Nätherinnen 30 0
Brunnenmacher 4 0 Pflästerer 2 1
Buchbinder 6 2 Posamentiere 1 0
Bürstenbinder 6 2 Putzmacherinnen 3 0
Conditoren 6 6 Rothgerber 114 553
Drechsler 21 13 Sattler u.Tapeziere 15 10
Färber 9 11 Seifensieder 12 4
Flaschner 5 2 Seiler 14 7
Gärtner 5 1 Schirmmacher 1 0
Glaser 29 13 Schlosser 50 28
Goldarbeiter 1 0 Schmiede und
Gürtler 1 0      Nagelschmiede 65 48
Gipser 5 9 Schneider 95 44
Hafner 20 18 Schreiner 80 69
Hutmacher 3 1 Schuhmacher 238 128
Kaminfeger 2 2 Stricker 6 1
Kammmacher 5 2 Tuchmacher 39 18
Kleemeister 2 0 Tuchscheerer 2 2
Korbmacher 18 3 Uhrmacher 4 3
Kürschner u. Kappenmach. 3 2 Wagner 39 20
Küfer und Kübler 54 17 Wattmacher 2 0
Kupferschmiede 4 3 Weißgerber 6 1
Leistmacher und sonstige Zimmerleute 56 37
     Holzwarenverfertiger 26 2 Zimmermaler 3 1
Maurer u. Steinhauer 82 111 Zinngießer 1 0
Metzger 69 19
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3) Handelsgewerbe.
Kaufleute mit offenen Verkaufsstellen 51 mit 23 Gehilfen.
Seßhafte Krämer und Kleinhändler 59.
Hausirer 377.
Frachtfahrer und Lohnkutscher 19 mit 11 Knechten und 47 Pferden.

Mit dem Holzhandel befaßt sich eine namhafte Zahl von Personen, hauptsächlich aus den Gemeinden Murrhardt, Sulzbach, Groß-Aspach, Fornsbach, Reichenberg, Oppenweiler und Sechselberg. Die Absatzorte sind vorzugsweise Ludwigsburg, Winnenden; wie auch die Holzmärkte in Steinheim, Oberstenfeld, Ilsfeld und das Weinsberger Thal bis Heilbronn stark befahren werden. Insbesondere werden Weinbergpfähle in diese Gegenden verbracht, welcher Handelsartikel fortwährend steigenden Absatzes sich erfreut.

Die Anfertigung und der Vertrieb von Holzwaren findet in ausgedehntem Maße von Angehörigen der Gemeinden Althütte (Rechen, Leitern, Wannen etc.) und Neufürstenhütte und Liemersbach (Besen, Schindeln, Schachteln etc.) statt.

Der Bezirk zählt ferner:
Apotheken 4.
Badanstalten 2.
Schildwirthschaften 72.
Speisewirthschaften 29.
Schenk- und Gassenwirthschaften 15.
Buchdruckereien 2.
Photographische Anstalten 1.



  1. seit 10 Jahren wurde kein Weinberg verkauft.
  2. Pachtäcker, daher keine Preise.
  3. Von Forstmeister Bechtner in Reichenberg.


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