BLKÖ:Szanisló, Franz

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 41 (1880), ab Seite: 158. (Quelle)
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Szanisló, Franz (Bischof von Großwardein, geb. zu Steinamanger im Eisenburger Comitate Ungarns am 2. August 1792, gest. in Wien im Capucinerkloster 13. December 1869). Der Sproß einer ungarischen Adelsfamilie, welche vormals den Namen Gombos führte. Nachdem er das Gymnasium sowie die philosophischen Studien in seiner Vaterstadt beendet hatte, kam er im Jahre 1809 als Zögling in das Pesther Central-Seminar, in welchem er den theologischen Studien mit Auszeichnung oblag. Darauf wurde er von seinem Bischof Leopold Somogyi [Bd. XXXV, S. 296, Nr. 4] nach Wien geschickt, damit er an dem Augustineum daselbst die höhere theologische Ausbildung erlange, den strengen Prüfungen sich unterziehe und das Doctorat erwerbe. Mit demselben ausgestattet, kehrte er zwei Jahre später nach Steinamanger zurück, wo er, im December 1815 zum Priester geweiht, bis 1816 als Studien-Director im Seminar wirkte. Im letzteren Jahre wurde er mit königlichem Decret in das damals in Wien errichtete geistliche Institut Presbyterianum (Pazmaneum?) [159] aufgenommen, indem er gleichzeitig die von Seiner Majestät dem Kaiser erbetene Erlaubniß erhielt, in der ungarischen Hofkanzlei zum Dienste zugelassen zu werden, um sich mit dem Geschäftsgange in derselben vertraut zu machen. Da er überdies eine nicht gewöhnliche Rednergabe besaß, ward er im Jahre 1818 dazu ausersehen, die Festpredigt am Geburtstage des Kaisers Franz I. zu halten. Das Gleiche geschah am St. Stephanstag, und seine Rede zur Feier desselben erschien unter dem Titel: „Egyházi beszéd a keresztény hazafiságról“ auch im Drucke. Im Jahre 1819 ging er auf den Ruf seines Bischofs nach Steinamanger zurück, wo er zunächst an der Seite seines Oberen in der Seelsorge wirkte, dann aber das Lehramt der Kirchengeschichte und des Kirchenrechtes im Seminar versah, bis er 1830, ohne einen Concurs gemacht zu haben, zum Professor der Theologie und Kanzelredner an der Pesther Hochschule ernannt wurde. In dieser Stellung schrieb er das Werk, das seinen Namen in theologischen Kreisen in ehrenvoller Weise bekannt machte: „Doctrina Religionis romano-catholicae in usum Academicae juventutis“, Partes IV (Pesth 1822). Sein Rednertalent war so anerkannt, daß er 1833 eigens nach Wien berufen ward, um daselbst, wie vor fünfzehn Jahren, am St. Stephanstage die Festpredigt zu halten. Das nächste Jahr sah ihn als Ehrendomherrn in Steinamanger. 1835 hielt er anläßlich der zu Ehren des Kaisers Franz in Pesth gefeierten Exequien in der Universitätskirche die Gedächtnißrede. Noch im December desselben Jahres wurde er Domherr in Großwardein, 1839 Abt zum h. Petrus in Cholt und 1844 serbischer Bischof. Bald darauf erfolgte seine Ernennung zum Rath in der ungarischen Statthalterei, deren Auflösung im Jahre 1848 ihn seines Amtes verlustig machte. Als die Revolution ausbrach, zog er sich in das Franciscanerkloster zum h. Capistran in Pesth, nach einiger Zeit aber in jenes zu Maria-Enzersdorf nächst Wien zurück. Aus der Stille des Klosterlebens trat er wieder hervor, als er 1850 vom Kaiser auf den bischöflichen Stuhl von Großwardein berufen wurde. 1853 erhielt er den Titel eines wirklichen geheimen Rathes. Am 1. November 1868 resignirte er auf seine bischöfliche Stelle, nach einer Mittheilung des „Neuen Wiener Tagblattes“: „freiwillig, wie es im officiellen Style hieß, moralisch gezwungen, wie Andere wissen wollen“. Als Kirchenfürst hinterließ er das Andenken an eine allseitig segensvolle Thätigkeit. Er kannte wie Wenige die Bedürfnisse der ungarischen Kirche, denen er mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln Rechnung zu tragen bemüht war. Als Domherr von Großwardein gründete er das ungarische Kirchenblatt „Religio“ und redigirte es selbst in musterhafter Weise. Da er aber wußte, daß es mit der Kenntniß der ungarischen Sprache bei der Geistlichkeit im Lande nicht eben zum Besten bestellt und doch eine theologische Fortbildung in Wort und Schrift nothwendig war, begann er die Herausgabe der lateinischen Zeitschrift „Fasciculi ecclesiastico-literarii“, für welche er auch mehrere Professoren der Theologie in Wien zu Mitarbeitern gewann. Außer den bereits erwähnten Kirchenreden hielt er im Laufe der Jahre bei zahlreichen festlichen Anlässen noch manche Predigten, welche als wahre Musterstücke geistlicher Beredtsamkeit einzeln veröffentlicht und später unter dem Titel „Egyházi beszédek“, d. i. Kirchliche Reden, gesammelt herausgegeben [160] wurden. Während seiner klösterlichen Zurückgezogenheit zu Maria-Enzersdorf schrieb er sein berühmtes Werk „Forma externa Spirit. Exercitiorum pr. V. Clerum ecclesiae hungaricae asservandorum, quam privatae opinionis instar exhibet Fr. Szaniszló electus episcopus Serbiensis“ (Vindobonae 1850). Großartig aber sind die Acte seiner Wohlthätigkeit, in welchen sich auch seine Toleranz gegen die Protestanten in wirklich echt christlicher Weise kundgibt. Nahezu fabelhaft hoch klingen die Summen, welche er während seiner bischöflichen Regierung nach öffentlichen Mittheilungen zu frommen, gottesdienstlichen und pädagogischen Zwecken verwendet hat, so für Cultus und kirchliche Bauten an 600.000 fl., für fromme Stiftungen 152.090 fl., zur Erziehung der Jugend 142.000 fl., für vaterländische Institutionen 97.000 fl., für Arme 425.900 fl., also im Ganzen 1,416.000 fl. In den Quellen fügen wir aus seinem Testamente die genaueren Angaben bei, welche die „Großwardeiner Zeitung“ (Nagyvárady lapok) nach Eröffnung desselben bekannt gegeben hat. Für seine Toleranz aber sprechen auch nachstehende Schenkungen, welche er noch bei seinen Lebzeiten als Grundherr von Udvari den Protestanten daselbst gemacht: für die Kirche, den Geistlichen und die Schule je fünfundzwanzig Joch Land, dem Cantor zehn Joch, zu einem Friedhofe und zu einer Baumschule je fünf Joch. Wahrhaftig, wie ganz anders wäre es mit den kirchlichen Verhältnissen der Gegenwart bestellt, wie wäre aller die gläubigen Gemüther aufregender und nur die Feinde der Kirche fördernder Glaubenskampf beseitigt, wenn alle Kirchenfürsten, an Bischof Szanisló ein Beispiel nehmend, demselben bedingungslos nacheifern möchten.

Aus dem Testamente des Großwardeiner Bischofs Franz Szaniszló. Nachdem er darin seine Bestattung an dem Orte, an welchem er sterbe, angeordnet, bestimmte er, daß die ihm dienenden Priester alle Bezüge und jener Theil der bediensteten Laien, welche wenigstens ein Triennium bei ihm zugebracht, das ganze Gehalt des Jahres, in welchem er sterbe, und für das folgende ausgezahlt zu erhalten haben. Dann legirte er den Großwardeiner Hausarmen 1000 fl., wofür dieselben für die Seelenruhe des verstorbenen Bischofs beten sollen. Nun folgen nachstehende Stiftungen: 1. Dem hochw. Capitel, damit es für den Stifter jährlich heilige Lieder singe, 1.000 fl. – 2. Demselben, damit es für ihn jährlich zwei heilige Meßopfer verrichte, 1.000 fl. – 3. Zur Aufbesserung des Gehaltes der theologischen Professoren am Priesterseminar 6.000 fl. – 4. Zur Besoldung dreier Professoren der Philosophie an demselben Priesterseminar 10.000 fl. – 5. Zur Gehaltsaufbesserung des Seelsorgers der Comitatsgefangenen 4.000 fl. – 6. Zur Gehaltsaufbesserung des Religionslehrers an der Präparandie 2.000 fl. – 7. Zur Gehaltsaufbesserung des Präfecten im Knabenseminar 2000 fl. – 8. Zur Gehaltsaufbesserung des Seelsorgers im Krankenhause 2.000 fl. – 9. Zur Gehaltsaufbesserung der Chormusikanten 4.000 fl. – 10. Für arme Schulen des bischöflichen Patronates 1.000 fl. – 11. Zur Erhaltung einer vom Bischof errichteten Mariensäule 500 fl. – 12. Dem Varadolaszer Waisenhause 500 fl. – 13. Zur Gehaltsaufbesserung der Lehrer in der Varadolaszer Kinderbewahranstalt 2.000 fl. – 14. Dem Armeninstitute zu Großwardein 1.000 fl. – 15. Dem Waisenhause zu Steinamanger, dem Geburtsorte des Bischofs, 500 fl. – 16. Dem Franciscanerkloster zu Steinamanger auf jährlich sechs Messen für seine Eltern und Brüder 500 fl. – 17. Dem Dominicanerkloster auf jährlich zwei Messen für seine Blutsverwandten 500 fl. – 18. Zur Ausbreitung des St. Stephansvereines außer dem schon Gegebenen 500 fl. – 19. Zur Ausbreitung des St Ladislausvereins außer dem schon Gegebenen 500 fl. – 20. Dem ungarischen Nationalmuseum außer dem schon Gegebenen 500 fl. – 21. Dem Waitzener Taubstummeninstitut außer dem [161] schon Gegebenen 500 fl. – 22. Dem Pesther Blindeninstitut 500 fl. – 23. Dem Pensionsfonde der bischöflichen Beamten außer dem schon Gegebenen 2.500 fl. – 24. Den Caplänen der Großwardeiner Diöcese 5.000 fl. – 25. Dem Priesterseminar 5.000 fl. – 26. Der Stiftung für Krüppel und Bresthafte 3.000 fl. – 27. Zum Kirchenbau der barmherzigen Schwestern 25.000 fl. – 28. Zum Ausbau der Mezökereszteser Kirche 15.000 fl. – 29. Zum Kirchenbau in Fuggi 10.000 fl. – 30. Zur besseren Dotirung der Ursuliner-Nonnen 3.000 fl. – 31. Den im Testamente genannten Verwandten des Bischofs zusammen 54.000 fl. – 32. Den Großwardeiner Capucinern auf jährlich vier Messen 2.000 fl. – 33. Zum Kirchenbau der Barmherzigen in Varad-Olaszi 2.000 fl.
Quellen zur Biographie. Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjték Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik (Pesth 1856, Gustav Emich, 8°.) I. Theil, S. 528. – Sarkady (István), Haynal. Arczképekkel és életrajzokkal diszitett Album, d. i. Die Heimat. Bildniß- und Biographien-Album. Herausgegeben von Stephan Sarkady (Wien 1867, Sommer, 4°.) Blatt 44. – Kleines biographisches Lexikon, enthaltend die Lebensskizzen hervorragender, um die Kirche verdienter Männer (Znaim 1862, M. F. Lenck, 8°.) S. 134. – Scriptores facultatis theologicae, qui ad c. r. scientiarum Universitatem Pestinensem ab ejus origine a. 1635 ad annum 1858um operabantur (Pestini 1859, Jos. Gyurian, 8°.) p. 27. – Wiener Kirchen-Zeitung, 1855, Nr. 88, S. 707. – Didaskalia (Frankfurter Unterhaltungsblatt, 4°.) 1859, Nr. 106. – Gratzer Volksblatt, 1869, Nr. 288, Beilage, Rubrik: „Kirchliches“. – Neues Wiener Tagblatt, 1870, Nr. 345. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1869, Nr. 344, in den „Tages-Neuigkeiten“. – Kärnthner Blatt (Klagenfurt) 1870, Nr. 8: „Die todte Hand“.
Porträte. 1) Unterschrift: „Excellentissimo ac Reverendissimo Domino | Francisco Szaniszló | Episcopo Magno-Varadinensi L. R. S. C. et R. A. Majestatis Actualis Intimo Status Consi- | liario S. S. Theologiae Doctori Praesidi ac Patri Optimo, Gratiosissimo | devotus, gratus, Clerus Dioeces.“ Prinzhofer (lith.) 1854. Gedruckt bei J. Höfelich’s Witwe Wien, Fol.). – 2) Unterschrift: „Szaniszló Ferencz | Nagyváradi megyés püspök“. [BLKÖ:Marastoni, Jacob und Joseph#Marastoni, Joseph|Marastoni Joseph]] (lith.) 1864 (Pesth, 4°., Pollak). – 3) Auf einem lithographirten Gruppenbilde in Groß-Folio: „Magyar irók arczképcsarnoka“, 1857, II. Blatt.