BLKÖ:Ritter, Eduard

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Ritschl, Johann
Band: 26 (1874), ab Seite: 179. (Quelle)
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Ritter, Eduard (Genremaler, geb. zu Wien im Jahre 1808, gest. ebenda im Jahre 1853). Bei ausgesprochenem Talente für die Kunst besuchte er ziemlich jung die k. k. Akademie der bildenden Künste bei St. Anna in Wien und mit einem in Oel gemalten Selbstbildnisse, welches im Jahre 1830 bei St. Anna ausgestellt war, trat er zum ersten Male in die Oeffentlichkeit. Seit dieser Zeit beschickte er regelmäßig die in der k. k. Akademie der bildenden Künste abgehaltenen Jahres-Ausstellungen und seit 1853 auch die Monats-Ausstellungen des österreichischen Kunstvereins, auf welchem noch nach seinem bald darauf im Alter von erst 45 Jahren erfolgten Tode seine Arbeiten von Zeit zu Zeit zu sehen waren. Ritter arbeitete ungemein rasch und seine aus dem Leben genommenen, mit gesundem Humor und oft echter Naivetät ausgeführten Bildchen und Skizzen werden von Wiener Kunstfreunden und auch auswärts gesucht und gekauft, und in Gallerien sind die Werke dieses anmuthigen Künstlers nicht selten zu treffen. Die kaiserliche Gallerie im Belvedere besitzt in der Abtheilung der modernen Schule von ihm drei Bilder: „Der zurückgekehrte Wallfahrer kramt die mitgebrachten Andenken aus“ (bezeichnet: Eduard Ritter, 1838, auf Holz, 2 Schuh 1 Zoll hoch, 1 Schuh 8 Zoll breit); – „Der kranke Waldhornist“ (bezeichnet; E. Ritter, 1847, auf Holz, 1 Schuh 6 Zoll hoch, 1 Schuh 11 Zoll breit) – und „Landvolk, größtentheils um einen Brunnen versammelt, bereitet sich zum Heimwege vom Kirchtag“ (bezeichnet: E. Ritter, 1846, auf Holz, 3 Schuh 1 Zoll hoch und 4 Schuh breit). Auf den Jahres-Ausstellungen in der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien waren von seinen Werken außer verschiedenen Bildnissen zu sehen im Jahre 1832: „Zwei betende Schulkinder auf dem Wege“; – „Ansicht des kais. Schlosses in Gutenbrunn“; – „Ansicht der Glasfabrik und des Glasschleiferwerkes in Guttenbrunn“; – Porträt einer 86jährigen Frau“; – 1834: „Die kleine Strickerin und der muthwillige Knabe“; – „Die beiden Kugelspieler“; – Der Todtengräber“, nach Seidl’s Gedicht; – 1835: „Mädchen am Brunnen sitzend“, [180] Tuschzeichnung; – „Ein altes Mütterchen theilt ihre Nahrung mit einer Katze“; – 1837: „Der Wirrwarr beim Einziehen in die neue Wohnung“; – „Ein zärtlicher Großvater“; – „Die Restauration im Prater“; – „Der misstrauische Sandbauer“; – „Ein Weib, eine Mausefalle aufrichtend“; – 1838: „Gemüsehändlerin beim Mittagstisch“; – „Der trinkende Landmann“; – „Eine Bauernfamilie“; – 1839: „Die Kartenaufschlägerin“; – „Kinderliebe“; – „Der Belauschte“; – 1840: „Der andächtige Bauer“; – „Der Declamator“; – „Der Verschwender in der Klemme“; – „Die Weinprobe“; – „Der Kirschenverkauf in Steiermark“; – 1841: „Der Orgeldreher in einem Bauernhofe“; – „Betrachtungen am Grabe“; – „Die beendete Andacht“; – „Der träge Knecht“; – 1842; „Der Schmetterling“; – 1843: „Ueberfahrt bei Sturm“; – „Mutterlehren“; – 1844: „Vorbereitung zur Schule“; – „Die Sparbüchse“; – 1845: „Der zur Unzeit eingeschlafene Organist“; – „Die Dorfschule“; – 1846: „Die zerrissene Puppe“; – „Die Vorbereitung zum Kirchtage“ (1000 fl.); – „Das Ende des Kirchtages“ (1000 fl.); – 1847: „Der Gang aus der Apotheke“; – „Die Nachricht“; – „Die verwundete Schnitterin“ (100 fl.); – „Die Verlassenschaft der Grosseltern“ (450 fl.); – „Der kranke Musicus“ (300 fl.); – „Der Leiermann“; – „Familienscene in den Fehrleiten“ (Pinzgau); – „Der Toast eines Invaliden“; – 1848: „Der Bänkelsänger, eine mährische Volksscene“ (400 fl.); – „Die Weinprobe. Scene in einem Weinkeller“ (250 fl.); – „Die Verhandlungen der Fehrleiter Pinzgauer“ (230 fl.); – 1850: „Abschied der Braut aus dem elterlichen Hause“ (400 fl.); – „Die ländliche Mahlzeit“; – „Die Gesangprobe“ (350 fl.); – 1852: „Trinkgelage in der Herbergsschänke“ (400 fl. B. V.); – „Der genäschige Knabe“ (260 fl.); – „Das Ende eines Dorfkirchtags am Morgen“ (600 fl. B. V.); – in den Monats-Ausstellungen des österreichischen Kunstvereins, im Jahre 1850: „Die Spieler“ (150 fl.); – 1851: „Die bedrohte Katze“; – „Vorbereitung zum Haustheater“ (680 fl.); – 1852: „Die bewundernde Grossmutter“ (80 fl.); – 1853: „Eine Privatstunde“; – nach seinem Tode aus seinem Nachlasse im Jahre 1854: „Die Rückkehr der Wallfahrerin“ (200 fl.); – 1856: „Aufnahme eines Schulknaben“; – „Der Fliegenjäger“; – „Weinkost“; – „Der Marktschreier“; – 1858: „Die Kartenschlägerin“ (350 fl.); –- 1868: „Atelier des Künstlers“; – „Segen während, der Fahrt“. Viele der bisher angeführten Gemälde sind aus der Ausstellung durch Kauf unmittelbar in Privatbesitz übergegangen. In den namentlich in den letzten Jahren häufig vorgekommenen Kunstauctionen begegnete man öfter Ritter’s Bildern, so in der Auction von Alex. Posonyi in den letzten Apriltagen, 1869: „Production einer Bänkelsängertruppe vor einer Bauerngesellschaft“, eines der schönsten Bilder R.’s (bezeichnet: E. Ritter, 1848, Leinwand, 251/2 Zoll breit, 201/2 Zoll hoch); – „Messerverkäufer aus Hanna“, Aquarell, und „Reisewagen im Hofe“, Aquarell (bez.); – in der Auction der Sammlung des Dr. M. J. Schüler, 1870: „Ein köstlicher Schluck“ (Leinwand, 9 Zoll hoch, 7 Zoll breit); – in jener des Dr. Karl Esterle, 1870: „Familienglück“ (Leinwand, 10 Zoll hoch, 9 Zoll breit). Von anderen, im Privatbesitze befindlichen Bildern des Meisters sind dem Herausgeber dieses Lexikons noch bekannt: „Die Knopfannäherin“; – „Das erste Frühstück“; – „Die unvermuthete Bescheerung“, alle drei aus dem Jahre 1843. Ritter’s Gemälde: „Das durchlöcherte Bild“, hat Zastiera in Stahl gestochen. Eduard Ritter erscheint öfter als J. Ritter und auch als Joseph Ritter [181] angeführt, aber Eduard Ritter ist sein richtiger Name. Namentlich sind es, wie dieß von der obigen Uebersicht seiner Arbeiten auch bestätigt wird, Scenen aus dem häuslichen Leben, aus dem täglichen Verkehre, welche R. darstellt und denen er, so gewöhnlich sie an sich sind, immer eine ganz eigenthümliche, man möchte fast sagen naive Seite abzugewinnen versteht. Die Behandlung ist nicht immer gleich, doch im Ganzen immer sehr sorgfältig und sauber. Die Farbe ist frisch und leicht aufgetragen. Unter seinen Arbeiten befinden sich manche, die man als echte „Cabinetsstücke“ bezeichnen kann.

Frankl (Ludw. Aug. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) II. Jahrg. (1843), S. 92, 215, 308, 475; III. Jhrg. (1844), S. 70; IV. Jhrg. (1845), S. 71, 520. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, Fleischmann, 8°.) Bd. XIII, S. 211. – Kataloge der Jahres-Ausstellungen in der k. k. Akademie der bildenden Künste zu St. Anna in Wien (8°.) 1830, 1832, 1834, 1835, 1837–1848, 1850, 1852. – Auctions-Kataloge der Gemäldesammlungen von M. J. Schüler, Karl Esterle, Wilh. Koller u. A. – Kataloge der Monats-Ausstellungen des österreichischen Kunstvereins, 1852, Februar: 1853, Juni; 1854, Mai; 1858, Mai; 1868, Juli u. August. – Verzeichniß der Gemälde moderner Schule im Belvedere zu Wien. Herausg. von Erasmus v. Engert (Wien 1871, 8°.) S. 29.