BLKÖ:Röckel, später Mathes-Röckel, Luisabeth

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 26 (1874), ab Seite: 225. (Quelle)
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Röckel, später Mathes-Röckel, Luisabeth (k. k. Hofschauspielerin, geb. zu Weimar um das Jahr 1844). Die Verwandtschaft möchte wohl das bei weitem Interessanteste bei Fräulein Röckel sein. Ihr Großvater Joseph August Röckel (geb. 1783, gest. zu Köthen am 19. October 1870) war ein tüchtiger Musicus und Freund Beethoven’s, [226] dann ein Schwager des berühmten Joh Nep. Hummel; ihr Vater war Musikdirector der königlichen Hofcapelle zu Dresden, der durch seine Theilnahme an der Bewegung der Maitage im Jahr 1849 seine Stelle verlor. Ihre Mutter Karoline geb. Lortzing (gest. zu Wien 5. Juni 1871) war eine nahe Verwandte des bekannten Compositeurs Lortzing und viele Jahre ein beliebtes Mitglied der Weimarer Hofbühne. Luisabeth zeigte früh Lust und Liebe zur Bühne, für welche sie auch, sobald sie älter geworden, von ihrer Mutter ausgebildet wurde. Die Mutter, selbst eine tüchtige Künstlerin, welche noch so glücklich war, unter Goethe’s Leitung bei der ersten Aufführung des „Faust“ das Gretchen zu spielen, nahm mit ihr Rollen, wie Marianne in Goethe’s „Geschwistern“, Königin von 16 Jahren, Goldschmidt’s Töchterlein u. dgl. m. persönlich durch. In Weimar betrat Luisabeth in „Käthchen von Heilbronn“[WS 1] mit günstigem Erfolge zum ersten Male die Bühne. Im October 1858 wurde sie Mitglied des großherzoglichen Hoftheaters, welchem sie bis Juli 1863 angehörte. In der Zwischenzeit gastirte sie 1860 in Prag, 1862 in Leipzig und am Victoria-Theater in Berlin, 1863 in Erfurt und Schwerin und überall mit günstigem Erfolge. Im Jahre 1863 nahm sie ein Engagement am Hoftheater zu Schwerin an, wo sie unter Putlitz’ Leitung gute Fortschritte machte. Von Schwerin aus gab sie Gastrollen zu Frankfurt a. M., Hannover, Halle, Magdeburg, Köln, Heidelberg, Berlin, Königsberg und Wien: an letzterem Orte fiel ihr Gastspiel so befriedigend aus, daß sie Laube für das Hoftheater engagirte. Seit April 1866 ward sie Mitglied desselben. In Wien lernte Fräulein Röckel einen Herrn Mathes kennen, für den sie in solcher Neigung entbrannte, daß sie, ungeachtet aller Vorstellungen des Intendanten Baron Münch, der ihr längere Zeit die Einwilligung zu dieser Heirath vorenthielt, nicht rastete, bis sie dieselbe erlangte. Wenige Wochen nach ihrer Heirath begannen die Enttäuschungen. Endlich zwangen Schulden den Gatten der Frau Mathes-Röckel zur Flucht nach Amerika, und nach kaum zweijähriger Ehe sah sich die Arme in Folge der von ihrem Gatten zurückgelassenen Schulden gezwungen, aus dem Verbande der Wiener Hofbühne zu treten. Was nun ihre Leistungen als Schauspielerin betrifft, so erheben sich dieselben nicht über das Maß gewöhnlicher, besserer Durchführungen. Jedenfalls ist der Witz des „Floh“: „Wie, Fräulein Röckel heißt jetzt erst Mathes? – Jawohl, seitdem sie verheirathet ist. – Merkwürdig, und ich habe seit jeher nur Mathes Mattes) vor ihr gesehen“, zu bitter. Puttlitz in seinen Theaterbriefen, welche der von Rodenberg redigirte „Salon“ enthält, brachte in dem im 2. Hefte des Jahres 1873, S. 153, abgedruckten, das Treffendste über die talentbegabte und leider später durch eine sehr unglückliche Ehe in ihrer Fortbildung zurückgebliebene Darstellerin. Auch Laube, der sonst die von ihm entdeckten Mitglieder der Hofbühne ziemlich stark in den Vordergrund zu stellen pflegt, verhält sich dem Fräulein Röckel gegenüber in seinen dramaturgischen Berichten [Neue freie Presse 1868, Nr. 1278, im Feuilleton] ziemlich kühl und nennt ihre Darstellung „kräftig und warm, soweit es ihr kühleres Naturell zuläßt“. Ihre bedeutendste Rolle, die sie selbst schuf, war Wildfeuer in Halm’s gleichnamigem Stücke, dessen Aufführung eben nur [227] durch Fräulein Röckel’s Spiel möglich und von Erfolg begleitet war. Die Biographien in Sachse’s „Theater-Chronik“ und Perels’ „Deutsche Schaubühne“ duften stark nach – Reclame. Nach ihrem Austritte aus dem Burgtheater lebte sie anfänglich ganz zurückgezogen von der Bühne, dann nach einiger Zeit trat sie in Hermannstadt in Siebenbürgen auf und gegenwärtig befindet sie sich in St. Petersburg, wo sie beifällige Aufnahme findet, und wohin auch ihr Gemal, mit dem sie wieder sich versöhnt, ihr nachgereist sein soll; daß derselbe je nach Amerika sich geflüchtet, wird bezweifelt.

Deutsche Schaubühne. Herausg. von Martin Perels (8°.) 1866, S. 75: „Biographische Skizze“, von Müller von der Werra. – Wiener Theater-Chronik. Herausg. von C. A. Sachse, VIII. Jahrg. (1866), Nr. 30 u. 31. – Künstler-Album. Eine Sammlung von Porträts in Stahlstich nebst biographischem Text (Leipzig 1868, Dürr, 4°.) 4. Lieferung, S. 5. – Fremden-Blatt. Von Gust. Heine (Wien, 4°.) 1865, Nr. 328; 1871, Nr. 105; – dasselbe 1870, Nr. 304 [über ihren Vater]. – Constitutionelle Vorstadt-Zeitung (Wien, Fol.) 1865, Nr. 242, im Feuilleton; 1871, Nr. 105. – Die Bombe (Wiener Caricaturenblatt) 1871, Nr. 16 [mit ihrem Porträt]. – Porträt. Unterschrift. Facsimile ihres Namenszuges: Luisabeth Röckel. Nach einer Photographie. Stich u. Druck von Weger, Leipzig (Stahlstich, Verlag von Dürr, 4°.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: „Käthchen von Heibronn“.