BLKÖ:Papsch, Ignaz

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 21 (1870), ab Seite: 283. (Quelle)
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Papsch, Ignaz (Agent des österreichischen Lloyd, geb. im Jahre 1800, gest.. zu Wien 10. März 1862). In seiner Jugendzeit wirkte er unter dem angenommenen Namen Pusch, nach Einigen unrichtig Busch, auf mehreren kleinen Residenz- und Provinzial-Hauptstadt-Bühnen als Schauspieler in Helden- und chargirten Rollen. Anfangs Juli 1836 eröffnete er, vom Casseler Theater kommend, in Prag mit dem Künstlerpaar Rettich[WS 1], mit dem er bis an sein Lebensende innig befreundet blieb und bei dem er mehrere Jahre hindurch wohnte, ein Gastspiel als Chevalier Riccaut in „Minna von Barnhelm“, welcher Rolle jene des Mephistopheles in einer fragmentarischen Aufführung von Goethe’s „Faust“ folgte. Das Gastspiel schloß mit einem Engagement an der Prager Bühne, wo er jedoch als Charakterspieler und Intriguant neben Polawsky nicht hervorzuragen vermochte. Seine beste Rolle war Perin in „Donna Diana“. Zu gleicher Zeit beschäftigte sich P. mit kleineren literarischen Arbeiten, zu welchen ihn eine nicht gewöhnliche Bildung befähigte und deren mehrere in der Prager politisch-belletristischen Zeitung „Bohemia“ abgedruckt waren. Im Jahre 1838 verließ er die Prager Bühne und mit ihr das Theater überhaupt, um eine Stellung beim österreichischen Lloyd, der in Triest eine großartige Thätigkeit nach verschiedenen Richtungen zu entfalten begann, anzunehmen, welche er bis an sein während einer Partie [284] Schach plötzlich eingetretenes Lebensende mit erfolgreicher Umsicht bekleidete. Zu der ersten Zeit dieser seiner Anstellung unternahm er im Interesse des „Lloyd“ eine Reise nach dem Orient, den er auch, ohne sich zu nennen, in einem Buche schilderte, das interessante Anhaltspuncte zur Kenntniß des dortigen politischen, commerciellen und socialen Lebens gewährt. Später besuchte er auch Italien, um dort Verbindungen für die Dampfschifffahrt in den östlichen und südlichen Häfen einzuleiten. Nach seiner Rückkehr unterzog er sich gemeinsam mit J. Löwenthal [Bd. XV, S. 449] der Redaction des „Journals des österreichischen Lloyd“, sowie später der Leitung der Buchdruckerei desselben Institutes in Triest, die er zu einer der blühendsten Typographien der Monarchie heranzubilden verstand. Im Jahre 1848 übersiedelte er nach Wien, wo er fortan als Vertreter des österreichischen Lloyd thätig war, im Jahre 1850 sich auch gemeinschaftlich mit Faustus Pachler [s. d. S. 164 dies. Bds.] an der Redaction des „Illustrirten Familienbuches des österreichischen Lloyd“ betheiligte, das einige Jahre hindurch in Ausstattung und Inhalt ein wahrer Hausschatz war, bis es den zahllosen Kreuzer-Unternehmungen dieser Art, die meist auf den Säckel des Publicums speculirten, weichend, zu erscheinen aufhörte. P. war 62 Jahre alt geworden. Seine Ruhestätte befindet sich auf dem Währinger Friedhofe und auf seinem Grabsteine stehen die von seinem Freunde, dem Dichter Halm, verfaßten Verse: „Reich waren deiner Liebe Gaben | Doch was sie alle überbot | Hier steht in Stein es eingegraben: | Treu warst du, treu bis in den Tod.“

Constitutionelle österreichische Zeitung (Wien, Fol.) 1862, Nr. 116. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1862, Nr. 70. – Fremden-Blatt. Von Gust. Heine (Wien, 4°.) 1862, Nr. 239. – Bohemia (Prag, 4°.) 1862, Nr. 63, S. 605.

Anmerkungen (Wikisource)