BLKÖ:Páriz-Pápai, Andreas

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Paris, Anton
Band: 21 (1870), ab Seite: 302. (Quelle)
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Páriz-Pápai, Andreas (Arzt, geb. zu Nagy-Enyed im Jahre 1703, gest. zu Klausenburg im Jahre 1763). Ein Sohn des berühmten Franz Páriz-Pápai (geb. zu Deés in Siebenbürgen im J. 1649, gest. zu Nagy-Enyed 10. September 1716). Der Vater Franz, der sich vornehmlich an ausländischen Hochschulen gebildet, in Heidelberg das Doctorat der Philosophie, in Basel jenes der Medicin erlangt hatte, war seit 1675 bis 1716 Professor der griechischen Sprache, der Physik und Logik am Collegium zu Nagy-Enyed. Er war eine Zierde des Lehrkörpers, ein trefflicher Theolog, ein gründlicher Historiker, ein sehr geschickter Arzt, mit einem Worte ein Polyhistor jener seltenen Art, wie deren das 17. und 18. Jahrhundert Etliche aufzuweisen hat. Von seinen zahlreichen Schriften sind anzuführen: „Rudus redivivum seu breves rerum ecclesiasticarum Hungariae et Transylvaniae inde a prima Reformatione Commentarii“ (Cibinii 1684, 12°.); – „Pax corporis“ (Claudiopoli 1690 u. noch öfter, 8°.); – „Pax Aulae“ (ibid. 1696, 12°.); – „Pax sepulchri“ ( (ibid. 1698 u. auch 1760, 8°.); – „Pax crucis“ (ibid. 1710, 12°.); – „Ars heraldica“ (ibid. 1695, 12°.); – „Dictionnarium Latino Hungarioum et Hungarico Latinum“ (Leutschoviae 1710, 8°., u. noch öfter); ein halbes Jahrhundert nach seinem Tode gab Petrus Bod aus Páriz-Pápai’s hinterlassener Handschrift mit einigen Zusätzen heraus: „Erdelyi Feniks“, d. i. Der Phönix Siebenbürgens (Cibinii 1767, 8°.), in welchem Werke die Annalen der Buchdruckerkunst Ungarns, die Angaben der einzelnen Druckereien, der Buchdrucker in Ungarn u. s. w. enthalten, sind, eine für die Bibliographie und Literargeschichte Ungarns sehr schätzenswerthe Arbeit. – Sein Sohn Andreas besuchte auch das Ausland, studirte in Frankfurt a. d. O. Medicin und erlangte im Jahre 1732 die medicinische Doctorwürde. Er ging nun auch nach Leipzig, Magdeburg, wo er aber weniger im Eifer für die Wissenschaft die Collegien berühmter Professoren besuchte, als vielmehr sich einer ausschweifenden Lebensweise hingab, in Schulden gerieth, für deren Bezahlung das ganze, nicht unbeträchtliche Erbe, das ihm seine Eltern hinterlassen hatten, verwendet werden mußte. So groß seine Kenntnisse und seine ärztliche Geschicklichkeit auch waren, bei seiner Lebensweise halfen sie ihm wenig, und verlassen von Allen, endlich [303] mit mit bitterer Noth kämpfend, starb er zu Klausenburg im Alter von 60 Jahren. Im Drucke sind von ihm erschienen: „De Therapia morborum morali“ (Halae Magdeb. 1714, 4°.)[WS 1]; – „De vero et necessario Medicorum arcano“ (Francof. ad Viadome 1732, 4°.), auch gab er seines Vaters oberwähnte Schrift „Pax corporis“ im Jahre 1756 in erneuerter und verbesserter Auflage heraus. P. hatte mit großer Mühe und Ausdauer ein Herbarium vivum der in Siebenburgen vorkommenden Pflanzen gesammelt; dieses wie die ungemein reichhaltige Bibliothek seiner Familie hat er der Bibliothek des Collegiums zu Nagy-Enyed legirt, wo sich dasselbe noch im Jahre 1848 befand.

Veszprémi (Steph.), Succincta medicorum Hungariae et Transylvaniae biographia (Lipsiae 1774, Sommer, später Viennae 1787, Trattnern, 8°.) Centuria tertia, tomus quartus, p. 230 [über den Vater Franz siehe: ebenda, Centuria prima, p. 124, Nr. 63]. – Horányi (Alexius), Memoria Hungarorum et Provincialium scriptis editis notorum (Viennae 1775, A. Loewe, 8°.) Tom. III, p. 32. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjték Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik (Pesth 1856, Gust. Emich, 8°.) Bd. I, S. 153. – Toldy (Ferenc), A Magyar nemzeti irodalom törtenéte a legrégibb időktől a jelenkorig rövid előadásban, d. i. Geschichte der ungarischen National-Literatur von der ältesten Zeit bis auf die Gegenwart (Pesth 1864–1865, Gust. Emich, gr. 8°.) S. 87, 90 u. 97. – Ungarischer Plutarch oder Biographien merkwürdiger Personen des Königreichs Ungarn. Aus authentischen Quellen geschöpft und ... dargestellt von Carl Vinc. Kölesy und Jacob Melzer (Pesth 1816, Jos. Eggenberger, 8°.) Bd. II, S. 131. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 157.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Hier handelt es sich um die Dissertation seines oben erwähnten Vaters, vergleiche die Angaben: (ULB).