Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 17 (1867), ab Seite: 78. (Quelle)
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Maschek, Paul (Tonsetzer geb. zu Zwikowecz im Pilsner Kreise Böhmens im Jahre 1761, gest. zu Wien 22. November 1826). Ein Bruder des Vincenz M. [s. d. Folgenden] und Großvater oder Großoheim des Camillo M. [s. d. Vorigen]. Paul’s Vater war Schullehrer zu Zwikowetz und ertheilte selbst seinen Kindern den Unterricht in der Musik. Paul gab frühzeitig ungewöhnliche Proben seines Talentes und componirte in noch jungen Jahren kleine Tonstücke, als Menuetten u. dgl. m. Im Alter von 15 Jahren trat er bei dem Schullehrer in Krczicz als Gehilfe in den Schuldienst und bildete sein musikalisches Talent weiter aus. Später kam er als Schulgehilfe nach Zlonitz und von dort als Subcantor nach Jarmeritz in Mähren. Durch sein Orgelspiel, in welchem er eine besondere Geschicklichkeit besaß, lenkte er die Aufmerksamkeit eines großen Musikfreundes, des Franz Grafen Nádasdy, auf sich, der ihm den Antrag stellte, als Musiklehrer seiner Tochter in seine Dienste zu treten, welchen Antrag M. auch annahm. M. reiste nun mit dem Grafen zuerst nach Stuhlweissenburg in Ungarn und später nach Wien. Fünf [79] Jahre verblieb M. im Dienste des Grafen Nádasdy und hatte während dieser Zeit auch manches für denselben componirt. Nun trat M. in gleicher Eigenschaft in die Dienste des Grafen Georg Niczky, und da sich mittlerweile sein Ruf als geschickter Tonsetzer allmälig weiter verbreitet hatte, fehlte es ihm nicht an Aufträgen zu Compositionen von Seite mehrerer ungarischer und croatischer Magnaten und Edelleute in Agram, Oedenburg, Warasdin, Güns u. a. O. Auch hatte er in dieser Zeit ohne Meister die Harmonika spielen erlernt und es auf diesem Instrumente zu solcher Meisterschaft gebracht, daß er später in Wien als einer der ersten Harmonikaspieler galt. Im Jahre 1792 kam er nach Wien, wo er durch einige Concerte auf der Harmonika seinen Ruf begründete und sich dann bleibend niederließ. Er lebte daselbst als sehr gesuchter Clavierlehrer und Compositeur. Von seinen Compositionen, die übrigens sehr zahlreich, aber nur zum kleinen Theile gedruckt sind, sind bekannt die Opern: „Waldraf der Wanderer“; – „Der Riesenkampf“; – eine „Solenne Messe“ – und „Sechs Quartetten“ für den Grafen Nádasdy; – „Das allgemeine Wiener Aufgebot. Eine charakteristische Sonate“ (Wien 1798), außer dieser eigenen Composition gab er auch noch eine Sammlung aller Stücke heraus, welche bei Gelegenheit des Wiener Aufgebotes erschienen sind (Wien 1800, Artaria); – „VI petits Rondos facil. et agréabl. pour le Fp.“ (1798); – „Sechs Symphonien für das Nationaltheater“; – „Sechs Compositionen für Blasinstrumente“; – „Eine Cantate für die Tonkünstler-Societät“; überdieß viele Messen, Motetten und andere Kirchenstücke, dann Sonaten, Rondo’s, Lieder, Tänze, Trio’s, Quartetten, Märsche und viele Arrangements. Von seinen Söhnen, die gleichfalls ihm seine musikalische Ausbildung verdankten, war Einer, wie Gaßner meldet, und zwar der älteste, Musikmeister in Laibach und Director der dortigen philharmonischen Gesellschaft. Dessen Sohn war der schon [S. 76] erwähnte Camillo M. und wäre somit Paul M. dessen Großvater.

Dlabacz (Gottfr. Johann), Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen und zum Theile auch für Mähren und Schlesien (Prag 1815, Gottl. Haase, 4°.) Bd. II, Sp. 265. Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 588. – Gerber (Ernst Ludwig), Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1813, A. Kühnel, gr. 8°.) Bd. III, Sp. 348. – Neues Universal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Eduard Bernsdorf (Dresden 1857, Rob. Schäfer, gr. 8°.) Bd. II, S. 908. – Gaßner (F. S. Dr.), Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Franz Köhler, Lex. 8°.) S. 592. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände ( (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XIX, S. 918, Nr. 2.