BLKÖ:Majer, Joseph (Homilet)

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Mair, Joseph
Band: 18 (1868), ab Seite: 140. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Joseph Majer in Wikidata
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Majer, Joseph (Homilet)|18|140|}}

74. Majer, Joseph (ungarischer Homilet, geb. zu Stuhlweissenburg 26. Jänner 1785, gest. 13. December 1834). Sohn bürgerlicher Ettern, verlor frühzeitig den Vater, und Dechant Joseph Szabó mit dem Gelehrten Georg Féjer nahmen sich der Waise auf das Liebevollste an. Majer besuchte die unteren Schulen und das Gymnasium zu Stuhlweissenburg, ging dann nach Fünfkirchen, wo er die philosophischen Studien beendigte, worauf er nach Stuhlweissenburg zurückkehrte und in das dortige Seminar eintrat, um Theologie zu studiren. Im Jahre 1805 nach Pesth in das neueröffnete Central-Seminar geschickt, erlangte er dort am 7. August 1807 die theologische Doctorwürde. Anfänglich von seinem Bischof zum Studienpräfecten im Seminar ausgewählt, bekleidete er nicht lange diesen Posten und wurde, obgleich er ausschließlich die ungarische Sprache redete, als deutscher Caplan nach Stuhlweissenburg geschickt, wo er auch in kürzester Zeit die deutsche Sprache aus den Büchern und im Umgange [141] erlernte. Im Jahre 1809 beauftragt, im Seminar die Kirchengeschichte vorzutragen, übte er auch das Lehramt bis zum Jahre 1814 aus, in welchem er zum Pfarrdechant im oberen Bezirke des Stuhlweissenburger Comitates ernannt wurde, nachdem er schon früher die Würde eines Notars des apostolischen Stuhles erlangt hatte. Auf seinem Pfarrposten hatte er sich durch seine meisterhaft geschriebenen und vorgetragenen Predigten den Ruf eines glänzenden Kanzelredners erworben. Nachdem er fünfzehn Jahre das Pfarramt versehen hatte, wurde er zum Domherrn der Stuhlweissenburger Kathedrale ernannt, zugleich aber als Vicedirector des Seminars mit der Aufsicht der jungen Theologen betraut. Das Vertrauen auf ihn war ein so großes, daß er bei verschiedenen wichtigen Anlässen zu Deputationen in die benachbarten Comitate von Arad, Somogy, Veszprim und dann zu wiederholten Malen in den Landtag gewählt wurde. Von seinen Kirchenreden sind mehrere einzeln im Drucke erschienen, er selbst veranstaltete eine Sammlung derselben und gab sie in drei Bänden unter dem Titel: „Vasárnapi Homiliái“ (Pesth, 1823) heraus. Ein anderes katechetisches Werk, betitelt: „Kateketikai Oktatasokai“, gerieth bei einem Freunde, welchem er es anvertraut hatte, in Verlust. In früheren Jahren wendete sich M. und nicht ohne Erfolg der Dichtung zu, in welcher er, wenn er ihr treu geblieben wäre, nicht Gewöhnliches geleistet hätte; als er nämlich Studienpräfect im Stuhlweissenburger Seminar war, bearbeitete er einzelne Episoden aus dem Leben des heiligen Augustin, wie z. B. dessen Bekehrung, in dramatischer Form, und wurden diese geistlichen Dramen, die zwar nicht gedruckt erschienen sind, aber ihrer Sprache und ihres Schwunges wegen gerühmt wurden, von seinen Zöglingen dargestellt. M. starb im schönen Mannesalter von erst 49 Jahren.

Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjté Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik (Pesth 1856, Gustav Emich, 8°.) Theil I, S. 306.