BLKÖ:Likawetz, Joseph Calasanz

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Lihnie, Gotthard
Band: 15 (1866), ab Seite: 190. (Quelle)
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Likawetz, Joseph Calasanz (Schriftsteller, geb. zu Schinkau in Böhmen 25. November 1773, gest. zu Laibach 13. Jänner 1850). Sein Vater war Wirthschaftsbeamter auf der Herrschaft Schinkau, der Sohn trat nach beendeten Gymnasialclassen bei dem Prager Militär-Verpflegsamte als Praktikant ein und wurde bald Amtsschreiber. Als aber nach dem Reichenbacher Friedensschlusse bedeutende Reductionen im Verpflegsamte eintraten, traf auch ihn das Loos, seine besoldete Anstellung zu verlieren. Später trat er wieder bei dem Prager Verpflegsamte als Praktikant ein; da er bald darauf durch den Tod seinen Vater und mit ihm jede Unterstützung verlor, trat er im Jahre 1791 in den Orden der frommen Schulen, in welchem er nun seinen bisherigen Namen Franz Xaver mit dem Klosternamen Joseph Calasanz vertauschte. Im Orden setzte er seine Studien fort und erlangte im Jahre 1798 die Priesterweihe, zugleich aber war er an verschiedenen Lehranstalten seines Ordens, und zwar zu Leipnik, Nikolsburg, Freiberg, Kremsier im Lehramte thätig. Im Jahre 1798 kam L. als Professor der Grammaticalclassen an das Gymnasium zu Leitomischl, wo er bis zum Jahre 1802 blieb und in der Zwischenzeit auch die Dienste eines Feldcaplans der böhmischen Legion versah. Im Jahre 1803 wurde er zum Professor der Philosophie am Löwenburgischen Convict in Wien ernannt und versah zugleich die Stelle eines Präfecten, aber schon im Jahre 1805 wurde er als Professor der Rhetorik nach Prag berufen, wo er bis 1809 blieb, und dann nach Brünn an die dort neu errichtete philosophische Lehranstalt kam. In Brünn durch sieben Jahre bis 1815 thätig, wurde L. als Professor der theoretischen und praktischen Philosophie am k. k. Lyceum zu Gratz angestellt. Daselbst trat L. auch in der Stadtpfarre Maria-Hilf als Prediger auf und versah in den Jahren 1822 und 1823 das Lehramt der Religionswissenschaft. Nachdem er im Jahre 1825 an der dortigen Hochschule die philosophische Doctorwürde erlangt, wurde er im Jahre 1828 Universitäts-Rector und erhielt im Jahre 1832 das Ehrenamt eines Landes-Gymnasialdirectors. Als im Jahre 1836 der Laibacher Bibliothekar Zhop beim Baden den Tod in den Wellen fand, bat [191] Likawetz um diesen Posten, den er auch erhielt und durch 14 Jahre bis zu seinem im Alter von 77 Jahren erfolgten Tode versah. Im Jahre 1843 erhielt er noch das Ehrenamt eines Vicedirectors des Laibacher Gymnasiums, 1844 jenes eines Provinzial-Gymnasialdirectors für Illyrien und eines Localdirectors für Laibach, welche Ehrenämter von dem nach den Märztagen 1848 gebildeten Unterrichtsministerium alsbald aufgehoben wurden. Noch war L. als Mitglied der Landwirthschafts-Gesellschaft in Laibach und als Ausschußmitglied des historischen Vereins für Krain thätig. Die von ihm veröffentlichten Schriften sind: „Rede, welche am 16. November 1808 bey der feyerlichen Eröffnung der philosophischen Lehranstalt in Brünn vorgetragen worden“ Wien 1809, 4°.); – „Elementa Philosophiae“ (Brünn 1812, 8°.); – „Lehrbuch der Philosophie“ (Gratz 1812, 8°.), welches als Leitfaden bei den Vorlesungen über Philosophie an allen philosophischen Bildungsanstalten der deutschen Erblande vorgeschrieben war; – „Grundriss der Denklehre oder Logik nebst einer allgemeinen Einleitung in das Studium der Philosophie“ (ebd. 1838); – „Grundriss der Erkenntnisslehre oder Metaphysik“ (ebd. 1830) und „Rede bei der 300jährigen Jubelfeier der Gründung des Ursulinerinen-Klosters in Laibach“ (Laibach). Seine Lehrbücher bilden nicht durch sich selbst – denn sie sind ganz harmloser Natur, geradezu bedeutungslos – sondern durch das über sie nach Jahren verhängte Verbot, indem man, nachdem sie längere Zeit vorgeschrieben waren, mit einem Male „gegen die religiösen und politischen Tendenzen der darin aufgestellten Grundsätze in ihren Folgerungen Bedenken erhob“, ein für den Culturhistoriker der vormärzlichen Periode wichtiges Moment der Erziehungs- und Bildungsgeschichte in Oesterreich. Der arme Likawetz, in seinem Denken harmlos und durch und durch legal, der in seinen Lehrbüchern seine Schüler immer nur mit der Milch der frommsten Denkungsart säugte, konnte sich über eine solche Verdächtigung seines Denkens nimmer beruhigen. Dieses Verbot war das einzige, aber auch schwerste Leid seines Lebens, wenn es auch sonst für ihn in seiner amtlichen Stellung folgenlos blieb. Als Bibliothekar der Laibacher Lyceal-Bibliothek besitzt er das unbestreitbare Verdienst, die ziemlich beträchtliche und an manchen Schätzen reiche, bis dahin kaum geordnete Büchermasse durch gute Kataloge, die er zum großen Theile selbst schrieb, den Lesern und Benützern der Bibliothek zugänglich gemacht und durch Ankäufe guter Werke, vornehmlich aber der Kopitar’schen Sammlung, dieselbe in entsprechender Weise bereichert zu haben. Auch war seine Willfährigkeit gegen Benützer der Bibliothek über alles Lob erhaben.

Mittheilungen des historischen Vereins für Krain (Laibach, 4°.) Jahrg. 1850, S. 1. – Czikann (Joh. Jak. Heinrich), Die lebenden Schriftsteller Mährens (Brünn 1812, J. Traßler, 8°.) S. 98. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Frz. Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. IV, S. 1288. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 451; Bd. VI, S. 539. –