BLKÖ:Lapiński, Theophil

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Lapády, Joseph von
Band: 14 (1865), ab Seite: 153. (Quelle)
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Lapiński, Theophil (Insurgentenführer, geb. in Galizien). Zeitgenoß. Aus dem Vorworte, welches Rupertus Bayer[WS 1] [Bd. I, S. 194] der von Lapiński herausgegebenen Schrift über den Feldzug der ungarischen Hauptarmee im Jahre 1849 vorangeschickt, erfährt man, daß „Lapiński ein Zögling des Wiener Theresianums gewesen, dann in die k. k. Artillerie eingetreten und später, nach seinem Austritte, zum Officier in einem Dragoner-Regiment ernannt worden sei“. Diese Angaben zeichnen sich durch eine kaum erklärliche Leichtfertigkeit aus. Was soll’s mit dieser nach seinem Austritte aus der Artillerie erfolgten Ernennung zum Officier? Das ist in der kaiserlichen Armee nicht üblich; man kommt wohl aus einem Corps mit Rangerhöhung in ein anderes und kann aus den unteren Chargen in der Artillerie als Lieutenant in ein Dragoner-Regiment befördert werden; aber man tritt nicht aus der Artillerie aus und wird zum Cavallerie-Officier ernannt. Wenigstens ist diese Ausdrucksweise nicht üblich, und würde, wenn Bayer nicht selbst Officier in der kaiserlichen Armee gewesen wäre, auch weniger auffallen. So aber steht zu vermuthen, daß hinter diesen oberflächlichen Angaben Unrichtigkeiten stecken. Weiter berichtet der Honvéd-Major Bayer: „Als der Völkerfrühling seine frischen Keime durch die starre Erddecke trieb, machte sich auch Lapiński von den Fesseln des Fürstendienstes (!) los und eilte unter die Fahnen des erwachten Ungarns. Als Artillerie-Officier im Corps Nagy-Sandor’s (erstes Armeecorps) erlebte er alle Schicksale desselben, bis zum Tage des Verrathes von Villágos, schlug alle Schlachten und Gefechte jener wackeren Truppe, an deren Erfolgen er als factischer Commandant der Corpsartillerie den wesentlichsten Antheil hatte und rettete sich dann in die letzte Burg der Freiheit, das jungfräuliche Komorn. Auch hier wollte er nichts von Uebergabe und Niederlegung [154] der so tapfer wie einsichtsvoll geführten Waffe wissen, trotzte sogar den Bestrebungen Klapka’s und wich nur gezwungen der eisernen Nothwendigkeit des Unglücks“. So lautet wörtlich der von Bayer mit dem Lapidarstyl der Revolution geschriebene Empfehlungsbrief, den er in der Vorrede seinem Freunde Lapiński für jeden mitgibt, der sich für Ungarns heiliges Recht interessirt. Wie Lapiński entkam, berichtet Bayer nicht; für das Weitere wird Kertbeny unser Gewährsmann. Von diesem erfahren wir, daß L. Komorner Capitulant gewesen und seit 1850 in Hamburg als deutscher Schriftsteller gelebt habe. Bald nach Ausbruch des orientalischen Krieges, erzählt nun Lapiński wieder selbst in der weiter unten genannten Schrift, begab er sich nach Constantinopel, in der Absicht ein Freicorps von Polen anzuwerben, um damit die Kaukasier zum neuen Aufstand gegen die Russen zu bewegen und den Kampf mit ihnen gemeinsam zu führen. Der Plan kam allerdings, aber weil er wenig Unterstützung von der Pforte fand, nur kläglich zur Ausführung; jedoch wurde L. als Tefik Bei Oberst und Commandant einer polnischen Schaar in Kaukasien, mit welcher er zwei Jahre lang im Verein mit den Abasen, die fälschlich gemeinhin Tscherkessen genannt werden, den Russen Scharmützel lieferte, ohne daß jedoch besondere Folgen daraus entsprangen. Als die Verbündeten abzogen aus der Krim, rückten die Russen im Kaukasus wieder ein, nachdem sie noch den entscheidenden Schlag bei Kars gegen die Türken geführt. Auch L. verließ nun den Schauplatz seiner bisherigen Kämpfe, legte den Namen Tefik Bei ab und begab sich beim Ausbruche des polnischen Aufstandes nach Polen, wo er längere Zeit als Führer einer Abtheilung Insurgenten thätig war. Von den Russen geschlagen, rettete er sich durch die Flucht nach Kopenhagen und lebt seit 1864 wieder in Paris. Seine Erlebnisse im ungarischen Revolutionskriege und im Kaukasus hat L. in zwei Werken geschildert. Das eine heißt: „Feldzug der ungarischen Hauptarmee im Jahre 1849, Selbsterlebtes“ (Hamburg 1850, Hoffmann u. Campe, 8°.), welches Buch von der militärischen Kritik der unwahren Angaben und Darstellungen wegen über die Schlachten bei Kapolna, Bitske, Waitzen, das Gefecht bei Raab u. s. w. hart mitgenommen, und nur der Bericht über das Gefecht bei Dreispitz als wahrheitsgemäß bezeichnet wird. Lapiński’s neueste Schrift heißt aber: „Die Bergvölker des Kaukasus und ihr Freiheitskampf gegen die Russen. Nach eigener Anschauung geschildert“, 2 Bände (Hamburg 1863, Hoffmann u. Campe, 8°.), in welchem L. theils Nachrichten über seine eigenen Abenteuer, theils aber Reichs-, Landes- und Sittenschilderungen über das Land der Kaukasier bringt.

Oesterreichischer Soldatenfreund, herausgegeben von J. Hirtenfeld (Wien, 4°.) III. Jahrg. (1850), Nr. 72: Ueber Lapiński’s Feldzug der ungarischen Hauptarmee; Nr. 77: Lapiński’s Broschüre und Kossuth’sche Bulletins“. – Kertbeny (K. M.), Die Ungarn im Auslande. 1. Namensliste ungrischer Emigration seit 1849, 2000 Nummern, mit biographischem Signalement (Brüssel und Leipzig 1864, Kießling u. Comp., 8°.) S. 34, Nr. 950. – Blätter für literarische Unterhaltung (Leipzig, Brockhaus, 4°.) Jahrg. 1864, S. 21, im Aufsatze von Eduard Schmidt-Weißenfels: „Aus und über Rußland“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. In diesem Vorwort unterschreibt er als „Rupertus Beyer, Major des 24. Honved-Bataillon’s und früherer Commandant der Festung Leopoldstadt.“.