BLKÖ:Herbert, Joseph Ritter von

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 8 (1862), ab Seite: 351. (Quelle)
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Herbert, Joseph Ritter von (Physiker und Schriftsteller, geb. zu Klagenfurt 26. August 1725, gest. zu Linz als Domherr 28. März 1794). Sohn des von Kaiser Karl VI. im Jahre 1715 in den Ritterstand erhobenen Franz Edmund, und Enkel des Arztes Johann H., mit dem das Geschlecht der Herbert (ursprünglich Herwertes) in Kärnthen eingewandert ist. Joseph trat in den Jesuitenorden, lehrte die Logik und von 1760 an bis zum Jahre 1784 an der Wiener Universität die allgemeine und specielle Physik. Die Universität präsentirte ihn zum Domherrn an der Metropolitankirche St. Stephan, von wo er wegen Reduction der Präbenden in gleicher Eigenschaft nach Linz übersetzt wurde. Herbert verlegte sich mit besonderer Vorliebe auf die Erklärung der Erscheinungen der Electricität, des Wärmestoffes und der Elasticität der verschiedenen Körper, besonders auch der Flüssigkeiten. Seine Forschungen waren um so fruchtbarer, als er. ein geschickter Mechaniker und Experimentist, sich nicht mit bloßen Theorien begnügte, sondern alles in seiner Wirkung und Gegenwirkung mittelst selbsterfundener und construirter Maschinen und Apparate darzustellen suchte. Er bereicherte sonach jedes der einzelnen Fächer mit irgend einer Entdeckung oder Vorrichtung, worunter jene über die Zusammendrückung des Wassers, welche beinahe unmerklich ist, sich auszeichnete. Insbesonders gebührt ihm das Verdienst, die Entdeckungen in der Naturwissenschaft und Experimentalphysik von dem fremden auf den heimischen Boden übertragen zu haben. Die Errichtung von Blitzableitern war vorzüglich das Verdienst Herbert’s und seiner Ordensbrüder. Von ihm erschienen im Drucke: „Dissertatio de aqua aliorumque nonnullorum corporum fluidorum elasticitate“ (Wien 1771, 8°.; deutsch bei Anton Ambschel in Laibach 1778); – „Theoria Phänomenorum electricorum“ (Wien 1772, verm. und verbess. Laibach 1778); – „Dissertatio de aere et fluidis ad genus aeris pertinentibus“ (Wien 1779, 8°.); – „Dissertatio de fontibus certitudinis“ (Wien 1780, Kurzbeck, 8°.); – „Dissertatio de igne, triplicem ejus statum complectens“ (Wien 1773, 8°.). Deutsche zerstreute Aufsätze in der Wiener Zeitschrift: „Beiträge zu den verschiedenen mathematischen und physikalischen Wissenschaften von einigen österreichischen Gelehrten in Wien“, als: „Von den Streifen und Wellen im Glase“; – „Von dem Knallgolde“; – „Vermuthung über den Ursprung der Bergcrystalle“; – „Ueber die Ursachen der Versteinerung“; – „Ueber die Reibung als das vorzüglichste Erregungsmittel hoher Grade der Electricität, und über ihre grosse Wirkung auf Taube und Stumme“.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 557 [nach dieser geb. 2. September 1725 und gest. zu Wien 1794). – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1776, 8°.) I. Bandes 1. Stück, S. 195 [stimmt im Geburtsdatum mit der Oesterr. National-Encyklopädie überein]. – Stoeger (Joh. Nep.), Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu (Viennae et Ratisbonae 1856, gr. 8°.) p. 135 [nach diesem geb. 3. September 1725]. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, J. Ambr. Barth, gr. 8°.) Sp. 1074 [im Geburtsdatum mit De Luca [352] und der Oesterr. National-Encyklopädie übereinstimmend]. – Carinthia (Klagenfurter Unterhaltungsblatt) 1838, Nr. 1; – Dieselbe 1852, Nr. 27, S. 106. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850, 8°.) Tom. XXIV, p. 302. – Meusel (Joh. Georg), Das gelehrte Teutschland (Lemgo 1783, Meyer, 8°.) Vierte Auflage, Bd. II, S. 102. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, II. Section, 6. Theil, S. 131 [nach dieser geb. 2. September 1725]. – Wiederholte handschriftliche Mittheilungen des kärnthnerischen Historikers Heinrich Hermann, nach deren einer Joseph am 26., nach der andern am 28. August 1725 geboren ist.