Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section/H15

Heft 14 des Lausitzer Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.), Moritz Grimmel
Heft 15 der Section Markgrafenthum Oberlausitz
Heft 16 des Lausitzer Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Ober-Leutersdorf
  2. Dahren
  3. Drehsa
  4. Kuppritz


[113]
Ober-Leutersdorf.


Ober-Leutersdorf, in alten Urkunden Lutgers- oder Lutgardsdorf genannt, liegt 7 Stunden von Bautzen, 3 Stunden von Zittau, in gleicher Entfernung von Löbau, 2 Stunden von Herrnhut, 1 Meile östlich von der böhmischen Stadt Rumburg.

Wir müssen hier voraus schicken, dass Ober-Leutersdorf in den sächsischen und böhmischen Antheil zerfällt. Zu dem ersteren gehört: Ober-Leutersdorf I., der Ort, dem unsere specielle Beschreibung gewidmet ist, ferner Ober-Leutersdorf II. und III., Hetzwalde mit Mittel-Leutersdorf und Neu-Mittel-Leutersdorf und der zum Dominium gehörigen Bleiche. Letzterer umfasst die Orte Nieder-Leutersdorf, Josephidorf und Neuwalde in sich.

Ober-Leutersdorf I. zählt für sich nur 51 bewohnte Gebäude mit 78 Familien-Haushaltungen und 415 Bewohnern.

Ober-Leutersdorf I. gehört jetzt zum Gerichtsamte Grossschönau, zum Bezirksgerichte Zittau, zur Amtshauptmannschaft Zittau, zum Regierungsbezirk Bautzen. Zu dem Rittergute mit dem Ort Neuwalde gehören 300 Acker Feld, 100 Acker Wiesen und 200 Acker gut bestandene Waldung; der Viehstand besteht aus 50 Stück Rindvieh, 160 Schafen und 8 Pferden.

Ein von Bergen und Höhen begrenztes herrliches Thal umgiebt die Ortschaften Ober- und Niederleutersdorf. Unmittelbar aus diesem Thale erheben sich 3 sogenannte Spitzberge, der Oderwitzer, Spitzkunnersdorfer und Warnsdorfer und gewähren die herrlichste Rundsicht nach allen Himmelsgegenden hin. Nicht minder schön sind von den ringsum befindlichen Höhen die Fernsichten nach den böhmisch-lausitzer-böhmischen-schlesischen Gebirgen und nach den Niederungen der königl. preuss. Oberlausitz und des daran stossenden Schlesiens. Umgeben von den lebendigen Fabrikörtern, wie Eubau, Alt- und Neugersdorf, Rumburg, Seifhennersdorf, Warnsdorf, Grossschönau, Spitzcunnersdorf, Ober- und Nieder-Oderwitz gehört auch Oberleutersdorf I. zu denjenigen Orten, welche sich durch regen Fabrikfleiss auszeichnen. Leinene und meist baumwollene Stoffe werden hier gearbeitet und auf den Messen zu Leipzig und Frankfurt, auf den Märkten zu Wien, Prag und Brünn vertrieben.

Aus den früheren Zeiten haben wir über den Ort nur mangelhafte Nachrichten, da im Jahre 1719 durch einen Brand in Oberleutersdorf alle darauf bezügliche Urkunden ein Raub der Flammen geworden sind. Nur soviel wird erzählt, dass, als die Bischöffe von Meissen die Stadt Zittau befehdeten, die Meissner im Jahre 1347 hier plünderten, aber von den Zittauern angegriffen und überwunden wurden.

Aller Wahrscheinlichkeit zu Folge gehörte Leutersdorf in früherer Zeit zu dem Vassallagio der Standesherrschaft Seidenberg, und noch früher stand es in einem gleichen Verhältnisse zur Herrschaft Friedland.

Erst zu Anfang des 17. Jahrhunderts scheint der Ort aus seinem früheren Verbande gekommen zu sein. Wir finden in dieser Zeit als besondere Besitzerin die Familie von Haferland. Im Jahre 1639 war noch ein gewisser Siegismund von Haferland Besitzer des Gutes, von welchem es an dessen Schwiegersohn Herrn Joachim Ernst von Kyaw, dem Sohne eines Wilrich von Kyaw auf Giessmanndorf und Friedersdorf überging, welcher mit Veronica von Haferland vermählt war. Im Jahre 1647 kaufte das Gut Hans Georg von Oberland auf Lomnitz an der Saale, [114] welcher seit 1640 mit einer Tochter des vorerwähnten Wilrichs von Kyaw vermählt war, um den Preis von 4100 Thaler indem es durch den 30jährigen Krieg fast gänzlich verwüstet war.

Gleicher Zeit befand sich die Familie von Haferland noch in einem kleinen Besitze von Leutersdorf, was wohl das jetzt sogenannte Freigut Oberleutersdorf III. umfasst haben mag.

Im Jahre 1688 verkaufte Johann Georg von Oberland, Rittmeister in der chursächs. Armee, das Gut Oberleutersdorf seinem jüngsten Sohne, dem Obristwachtmeister Heinrich Eberhardt von Oberland, welcher bereits im Dienste der sächsischen Hilfstruppen an dem Feldzuge der Venetianer in Dalmatien und Morea Theil genommen hatte. Nach dessen Tode kam das Gut in den Besitz seines jüngsten Sohnes, des Obristlieutenant Eberhardt Gottlob Ehrenfried von Oberland. Letzterer verkaufte im Jahre 1735 nicht nur 2 Antheile von Oberleutersdorf, das sogenannte Haferlandische Freigut und das durch Einziehung einiger Bauergüter entstandene Dominium, welches jetzt den Namen Oberleutersdorf II. führt an Gottfried Hüttig, sondern auch das Vorwerk Mittel-Leutersdorf ebenfalls mit Gerechtsamen eines Rittergutes versehen, an Gottlob Schöbel.

Seit dieser Zeit zerfällt der Sächs. Antheil in Oberleutersdorf I., Oberleutersdorf II. mit Hetzwalde, Oberleutersdorf III. und Mittel-Leutersdorf mit Neu-Mittel-Leutersdorf.

Nach dem Tode des Obristlieutenant von Oberland im Jahre 1757 wurde dessen Bruder, Herr Kammerherr Adolph Ferdinand von Oberland, Besitzer des Gutes Oberleutersdorf I. Derselbe starb 1775 und ihm folgte seine einzige Tochter verehel. Frau Henriette Caroline Amalie von Nostitz, deren Gemahl Herr Gottlob Ehrenreich von Nostitz aus dem Hause Weigsdorf war. Frau von Nostitz verkaufte nach ihres Herrn Gemahls Tode im Jahre 1776 das Gut an Gottfried Glathe auf Niederzodel: An denselben Glathe, welcher in der Nacht vom 31. Juli bis zum 1. August des Jahres 1800 das Unglück hatte, durch gewaltsamen Einbruch der Räuberbande eines gewissen Karreseck aus Prag seines grossen baaren Geldes und anderer werthvoller Gegenstände beraubt zu werden. Die Bande wurde später durch ein sächs. Dragonerregiment aufgehoben, die Betheiligten an dem Raube eingezogen und zur verdienten Strafe gezogen, von der entwendeten Summe selbst ist aber nur sehr wenig wieder erlangt worden. Zur Karreseckschen Bande gehörten selbst Unterthanen der Gemeinden von Leutersdorf. Nach Glathes im Jahre 1810 erfolgtem Ableben übernahm dessen einzige Tochter, die verehel. Gottliebe Tugendreich Pohl, deren Gemahl Gottlieb Pohl Besitzer von Oberleutersdorf II. war, das väterliche Gut und hinterliess solches bei ihrem im Jahre 1823 erfolgten Ableben ihrem minorennen Sohne, Johann Gottfried Leberecht Pohl. Der Vormund dieses Pohls, Herr Pastor Noack, erbaute ein neues, schönes, herrliches, herrschaftliches Wohnhaus, wie es jetzt in der Abbildung zu sehen ist. Das in modernem Style erbaute Schloss liegt in dem untern Theile des Dorfes an dem geräumigen Marktplatze, das ehemalige Wirthschaftshaus so wie die ansehnlichen Wirthschaftsgebäude des Rittergutes schliessen sich dem an.

Im Jahre 1830 wurde Pohl majorenn und übernahm Oberleutersdorf I., wobei derselbe feierlich von seinen Gerichtsuntergebenen gehuldigt wurde.

Der jetzige Besitzer aber ist Herr Moritz Hermann. Der jedesmalige Besitzer von Oberleutersdorf I. ist auch Collator der Kirche.

Die Kirche der Parochie, von welcher die Sage geht, dass früher die Landesgrenze mitten durch dieselbe gegangen sei, liegt hart an der sächsisch-böhm. Landesgrenze, ist ein durch mehrmalige Erweiterung äusserlich wie innerlich in unregelmässigem Style gehaltenes Gebäude. Ursprünglich stand hier blos eine Kapelle, und war filia von Spitzcunnersdorf. Diese Verbindung wurde jedoch im Jahre 1576 aufgelöst und filia von Eubau, deren Pfarrer jedesmal am 3. Sonntage Predigt und Communion zu Leutersdorf hielt. Erst im Jahre 1647 wurde Leutersdorf durch Vermittlung des Herrn Georg von Oberland eine selbstständige Kirche, welche ihren eigenen Pfarrer erhielt.

Dieses Alles wurde mittelst Vorbeschieds bei dem Oberamte zu Bautzen mit dem Stadtrathe zu Zittau und der Herrschaft zu Spitzcunnersdorf ausgeglichen und festgestellt.

Der Sohn des Georg von Oberland, der Obristwachtmeister von Oberland liess nach seiner Rückkehr von Morea die Kirche erweitern und führte eine neue Liturgie des Gottesdienstes ein, so z. B. liess derselbe unter den Drangsalen des Schwedenkrieges die Kirchengemeinde das Vater Unser vor der Consecration des Brodes und Weines beim heiligen Mahle auf den Knieen beten, eine Anordnung, die seit 1706 zur Gewohnheit geblieben ist. In gleichem verdankt ihm das Anschlagen [115] der Glocken während des Gebetes des Vater Unser auf der Kanzel seine Einführung. Um der Sabbathentweihung und Verachtung des heiligen Abendmahls entgegen zu treten, befahl er den Kirchvätern die sorgfältigste Aufsicht an und bestimmte, dass jedem Hause, aus welchem ohne triftigen Grund nicht wenigstens eine erwachsene Person dem Gottesdienste beigewohnt habe, eine Strafe von zwei, im Wiederholungsfalle aber von vier Groschen auferlegt werden solle. Das Arbeiten an Sonn- und Festtagen wurde gänzlich und bei harten Strafen untersagt, sowie vorzüglich von diesem Herrn auch darauf gedrungen wurde, dass die Kinder fleissig die Schule besuchten; die Aeltern, die nicht darauf sahen, ermahnte derselbe ernstlich und erklärte ihnen eindringlich, wie dieses die beste Erbschaft wäre, die sie ihren Kindern hinterlassen könnten.

Demselben Herrn von Oberland wurde auch noch ein Mal im Jahre 1727 sein jus patronatus von der Frau von Kanitz und deren Gemahl auf Spitzcunnersdorf streitig gemacht und über ihn bei dem churfürstl. Sächs. Amte Görlitz Beschwerde geführt. Das nach Gehör der Partheien und erstattetem Bericht eingegangene Rescript lautete jedoch wörtlich folgender Maassen:

Friedrich August, König und Churferst:

Vnsser Rath, Lieber Getreuer, Uns ist geziemend vorgetragen worden, was ihr wegen des Kirchenlehns zu Oberleutersdorf und derer über Ersatzung dasiger vakanter Pfarrstelle zwischen Christian Tugendreich von Kanitz und dem Major Heinrich Ehrhardt von Oberland und dessen Sohne entstandenen Differenzien unterm 18. August unterthänigst berichtet. Wie wir nun denen von beiden Theilen eingewandten Appellationen zu deferiren Bedenken getragen:

Also begehren wir gnädigst, ihr wollet die Appellanten dessen bescheiden, den von Oberland bei der Possess in Ersatzung der vakanten Pfarrstelle gebührend schützen, im übrigen aber, wo die von Kanitz Gegentheilen Anspruchs zu erlassen, nicht gemeinet, die Sache zu rechtlicher Ausführung zu verweisen. An dem geschieht unser Wille und Meinung und wir seynd euch mit Gnaden gewogen.
Geben zu Dresden den 17. September 1728.      
L. A. von Seebach.
Erasmus Leopold von Gersdorf.

Die Ausführung des vermeintlichen Rechts wurde nicht unternommen, da der unglückliche Ausgang des Prozesses mit Gewissheit vorauszusehen war und Oberleutersdorf I. behielt bis auf die neuesten Zeiten sein jus patronatus.

Das Innere der Kirche bietet ausser einer ihrer Bedeutung nach räthselhaften Inschrift am Chore: Kaiser Ferdinand, renovirt 1623 etwas denkwürdiges nicht. Drei Gemälde, den letzten der Herren von Oberland und zwei Pfarrer Hermann sind nicht ohne Werth.

Das Kirchenvermögen, durch Vermächtnisse der Oberlandschen Familie immer vermehrt, ist nicht unbedeutend, sowie die Kirche selbst von ihren Gerichtsherrschaften reiche Geschenke an Altarbekleidung u. s. w. erhielt.

M. G.     




Dahren.


Dahren, Daren, auch Döberkitz genannt, liegt 1 Meile westlich von Bautzen, 3/8 Stunden nördlich von der Dresden-Bautzener Chaussee, an dem in das Schwarzwasser fallenden Gödauischen Wasser, in einer hügeligen, angenehmen und fruchtbaren Gegend, nächst bei Buschwitz, Janowitz und Döbschke.

Dahren, welcher Name von Dorn, im Wendischen Rasen, abgeleitet wird, hat öfter zu Irrungen und Missdeutungen Veranlassung gegeben, indem man nämlich das Gut unter dem Namen Dahren unter denen des früheren Stolpner Amtes aufgeführt findet, unter dem von Döberkitz aber als oberlausitzisches Gut bezeichnet ist. Es mag hier eine Verwechselung [116] mit einem gleichlautenden Namen stattgefunden haben: Denn es existirt blos ein Dahren oder Döberkitz und liegt in der oben von uns angegebenen Richtung, welches früher dem Stolpner Amte beigezählt war, seit dem Jahre 1835 aber, wo Bischoffswerda mit dem ganzen Amtsbezirke Stolpen zur Kreisdirection Bautzen geschlagen worden ist, zu diesem Regierungsbezirke gehört.

Dahren, ein kleiner Ort mit schönem Schloss und nicht unbedeutendem Rittergut, wozu ein Theil von Gödau und 3 Bauern aus Birkau gehörte, steht jetzt mit seinen 11 bewohnten Gebäuden, seinen 13 Familienhaushaltungen, seinen 72 Bewohnern unter dem Gerichtsamte, unter dem Bezirksgerichte, unter der Amtshauptmannschaft und – wie schon erwähnt – unter dem Regierungsbezirke Bautzen.

Dahren hat auch eine Mühle mit 2 Gängen.

Dahren ist ein sehr alter Ort und gehörte in den frühesten Zeiten zu den bischöfflichen Besitzungen.

Vor 400 Jahren hatte Peter von Haugwitz hier die Obergerichte, 470 Gr. Zinsen, 30 Gr. Dingegeld, 16 Scheffel Zinsgetreide.

Im Jahre 1620 war Besitzer des Gutes Kaspar von Haugwitz auf Gaussig. Von dem Geschlechte derer von Haugwitz überkam es im Jahre 1768 eine Wittwe Riede geb. Nicolai, welche Familie es noch im Jahre 1808 behauptete. Erst 1819 acquirirte es Heinrich Gottlob Benjamin Hering, von welchem es an den dermaligen Besitzer, Herrn von Wolffersdorf gekommen ist.

Die Reformation erfolgte hier erst im Jahre 1539, nachdem Churfürst August, der jüngere Sohn Heinrichs des Frommen, ein wahrer Vater seines Volkes in den Besitz von Stolpen und Bischoffswerda und der übrigen bischöfflichen Besitzungen gelangt war.

Dahren ist mit Birko, Buscheritz, Blonschütz, Bolberitz, Connewitz, Coblenz, Dobranitz, Döbschke, Dreikretzscham, Grosshainichen, Gross- und Kleinseitzschen, Grosswelka, Jannowitz, Kleinförstchen, Laschau, Leutwitz, Meuselwitz, Medaschütz, Oberförstchen, Ober-Uhne, Pietzschwitz, Potschapplitz, Praga, Preske, Prischwitz, Rottwitz, Roth- und Weissnausslitz, Semmichau, Schmochtitz, Siebitz, Solschwitz, beide Spittwitzer Gemeinden, Techritz, Welkau, Zischkowitz und Zschornitz nach Gödau eingepfarrt, ein Kirchspiel, welches um die 4000 Seelen zählt. Doch gehört dasselbe trotz dem noch nicht zu den stärksten in hiesiger Gegend, wo die Orte meist sehr klein sind und nahe beisammen liegen.

Die Kirche in Gödau, welche sehr hoch steht, und in alterthümlichem Style erbaut ist, hat seine Entstehung dem Bischoff Johann von Sahlhausen zu verdanken. Der erste bekannte Pfarrer, oder damals Rector genannt, ist Leutger von Hohendorf und der erste bekannte Capellan im Jahre 1381 Johann von Camenz gewesen. Seit 1383 vergab der dasige Pfarrer das Pfarrlehn zu Neschwitz und seit 1422 jenes zu Gaussig. Dafür erhielt er von jedem dortigen Pfarrer jährlich 20 Gr. Restauer d. i. Schadenersatz, sowie auch der Pfarrer zu Gödau bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation seinen eigenen Gerichtsdirector hatte, in Bezug auf die ihm zustehenden Erbgerichte über 19 Dotalen.

Im Jahre 1569 fungirte in Gödau Jacob Finkler als Pastor. Im Jahre 1580 brannte der Thurm der Kirche ab und dabei verlor Gödau das schönste und silberreichste Geläute. In Gödau soll – einer Volkssage zu folge – Bischoff Benno ein Schloss, wie in Briessnitz besessen haben und auf der Pfarre zu Gödau übernachtete im Jahre 1707 der polnische Gegenkönig Stanislaus.

Die Kirche zu Gödau wird in den Urkunden des 16. Jahrhunderts noch eine Stiftskirche, noch ein halber Thum (Dom) genannt, woher man auf ihre frühere Wichtigkeit schliessen kann. In den ältesten Zeiten soll das hiesige Pastorat sogar ein Archidiaconat des Bischoffs zu Meissen gewesen sein. Bis zur Reformation wurde hier das Andenken der Mutter des Bischoffs Benno, Bezela, welche sich oft in Gödau aufhielt, durch Seelenmessen gefeiert.

Das jetzige Pfarrgebäude war sonst ein bischöffliches Vorwerk mit Thoren und Schiessscharten, Gräben und steinerner Brücke versehen.

Der Pastor ist in Ansehung der Wendischen Pflege allemal Adjunct des Superintendenten zu Bischoffswerda.

Der Gottesdienst wird wendisch und deutsch gehalten. Die Collatur hat das Cultus-Ministerium. Pfarrer und Schullehrer stehen unter der Inspection Bischoffswerda.

Nicht unbemerkt kann hier bleiben, dass Gödau der Wohnort des Bauers Gelansky war, welcher 36 Sprachen erlernt hatte und Ganschwitz seinen Geburtsort nannte.

Im Jahre 1429 kamen die Hussiten auf ihrem Verheerungszuge [117] auch nach Dahren und Gödau, so wie auch die Kaiserlichen im 30jährigen Kriege in den Jahren 1631, 1632 und 1633 verschiedene Besuche diesen Orten machten, worüber die Einwohner sich absonderlich zu freuen keine Gelegenheit hatten. Ueberhaupt muss der 30jährige Krieg auf die Sitten des Volkes hier und in der Umgegend einen nachtheiligen Einfluss geübt haben. Denn in einer Vocation der damaligen Zeit heisst es: „das wilde und wüste Wesen unter den Wenden.“ Doch die nachherigen Gerichtsherren, welche sich meistens auf ihren Gütern aufhielten, wendeten alles Mögliche auf, durch Kirche und Schule zu bessern, zu erziehen, und Dank ihnen, das Werk ist gelungen. Die hiesige Gegend kann in jeder Beziehung in Sitte und Bildung, mit jeder andern in Sachsen sich messen.

Auch an Fleiss und Betriebsamkeit fehlt es in keiner Weise und die Wunden, die durch die Durchmärsche von 1812–1813 hiesiger Gegend geschlagen wurden, sind längst wieder vernarbt.

Dahren und die Umgegend baut schönes Getreide und gutes Obst.

M. G.     




Drehsa.


Drehsa liegt 2 Stunden östlich von Bautzen, an einem in die wurschener Teiche mündenden Bächlein, in hügeliger und nicht unangenehmer Gegend, westlich vom sogenannten Müllersberge, zwischen Belgern, Kumschütz, Canitz-Christina und Wawitz und nahe bei Wurschen. Bekannt ist die hiesige Gegend durch die am 21. Mai 1813 geschlagene Bautzener Schlacht, welche auch die Wurschener Schlacht genannt wird. Vor der Schlacht war Alexanders Hauptquartier zu Wurschen; im nahen Köditz war das des Königs von Preussen. Die ganze alliirte Armee stand in der Umgegend und hatte überall Verschanzungen. Am 20. schon griff Napoleon die Verschanzungen bei Wurschen an. Die Franzosen nannten die Ereignisse dieses Tages das Vorspiel des Kampfes von Wurschen. Dieser begann am 21. Mai mit Sonnenaufgang; der Widerstand der Verbündeten war furchtbar; der Fürst von der Moskwa (Ney) der Stolz des französischen Heeres, wurde mehre Male zurückgeworfen; auch der Herzog von Dalmatien kam in Verlegenheit. Durch seine Mannövre zwang Napoleon den Feind, eine rückgängige Stellung anzunehmen. Der Russen linker Flügel lehnte sich an das berühmte Hochkirch; aber derselbe musste, nachdem der rechte Flügel sich umgangen sah, weil schon Wurschen von Ney und Lauriston besetzt war, von dem Corps der Herzoge von Ragusa und Tarent heftig gedrückt, seine Position auch verlassen und sich nach Görlitz zurückziehen. Die Franzosen drangen bis Breslau vor. Die Siege Napoleons bei Bautzen und Wurschen hatten jedoch den Glanz seiner früheren Triumphe nicht. Sie wurden schwerer erkauft, gewährten nur wenig Siegeszeichen und unentscheidende Früchte. Auf den hierauf am 4. Juni zu Prischwitz geschlossenen Waffenstillstand, erfolgte bald darauf die Erklärung Oestreichs, welches schon von der Rolle des Verbündeten Napoleons zu jener des Vermittlers übergegangen war, als Feind und dreimal hunderttausend Gewaffnete mehr erschienen jetzt auf dem Kampfplatz. Die Tage von Marengo, Ulm, Austerlitz, Eckmühl und Wagram schienen Rache zu fordern.

Das letzte Lächeln des Glückes erfuhr Napoleon in der Schlacht bei Dresden. Von Dresden zog der grosse Kriegsmeister in die Ebenen von Leipzig und hier verliess die Siegesgöttin den Mann, den Herrscher, den erst die Nachwelt mehr als den Vorläufer der Zukunft, wie als Vernichter von Nationen, mehr als Staatsmann, wie als Krieger, mehr als Gesetzgeber, wie als Eroberer, mehr als Ordner, wie als Sieger bewundern wird.

Drehsa und die umliegende Gegend war auch im Religionskriege der Schauplatz harter Kämpfe und eine Schanze, die Schwedenschanze genannt, erinnert heute noch an jene trüben, unglücklichen Tage und 1758 bei der Schlacht bei Hochkirch brannte Drehsa mit Pomritz, Gröditz, Pochern völlig ab.

Zu Drehsa gehörte auch ein Theil von Wawitz, wendisch Wawezy, in welchem Orte ein besonderes Rittergut ist, das früher eine Appertinenz von Drehsa bildete. – Die Nachrichten über die Entstehung des Schlosses und über die ersten Besitzer von Drehsa fehlen gänzlich. Auf alle Fälle haben Drehsa wie Gröditz in den früheren Jahrhunderten die von Gersdorf besessen. Vor dem Jahre 1626 gehörte es den von Gersdorf [118] auf Baruth, der es nebst einer die Marschen genannten Holzparzelle einer Tochter als Heirathsgut mitgab, wodurch es an die Familie von Metzradt kam, durch Verheirathung mit einem kaiserlichen Hauptmanne Metzradt, welche Familie es längere Zeit besessen hat: Denn noch 1768 war der Waisenamtsassessor Kaspar Rudolph Gottlob von Metzradt Wawitz damit beliehen und noch im Jahre 1819 behauptete es diese Familie. Die Hauptmännin von Metzradt auf Wuischke, geb. von Rothe, welche nach ihres Ehemannes Tode einen Anverwanden des Letzteren heirathete, ebenfalls einen Hauptmann von Metzradt, sich jedoch selbst die Rechte einer Gerichtsherrin behielt, von welcher es der in der sächsischen Armee noch dienende Obristlieutenant Freiherr von Einsiedel erkaufte, der es im Spätherbst 1847 an Herrn Baron von Magnus abtrat.

Das Schloss hat eine angenehme, schöne Lage und bildet mit seiner Umgebung eine herrliche Landschaft.

Drehsa, der Ort für sich, ist nicht bedeutend. Es zählt 53 bewohnte Gebäude, mit 71 Familienhaushaltungen und 343 Einwohnern.

Drehsa gehört jetzt zum Gerichtsamte Weissenberg, zum Bezirksgericht Löbau, zur Amtshauptmannschaft Zittau und zum Regierungsbezirk Bautzen.

Drehsa ist mit Cortnitz, Wuischke, Nechern, Wurschen, Belgern, Rackel, Briessnitz, Connewitz, Weicha, nach Gröditz eingepfarrt, dasselbe Gröditz, dessen Wilhelmine von Gersdorf in den Erheiterungen von Zschokke Erwähnung thut und in dessen Nähe der Czernebog sich erhebt, ein Berg, wo ehedem wahrscheinlich eine Sorbenwendische Gottheit gleichen Namens verehrt worden ist.

Die Kirche, welche schon lange vor der Reformation in Gröditz stand, wurde im Jahre 1790 auf den alten Grundmauern völlig erneuert.

Da die Parochianen aus Wenden und Deutschen bestehen und letztere zu den ersteren wie 1:20 sich verhalten, so findet der Gottesdienst an jedem Sonn- und Festtage zuerst in wendischer und gleich darauf in deutscher Sprache statt.

Die Collatur von Kirche, Pfarre und Kirchenschule ruht auf den beiden Rittergütern Nechern und Gröditz. Seit dem Jahre 1826 befinden sich in der Parochie 2 Nebenschulen zu Wurschen, wozu Nechern, Belgern und Drehsa gehören und zu Rackel, in die Kirchenschule dagegen gehen Cortnitz, Wuischke und Weicha. Ueber die Wurschener Schulstelle steht die Collatur der Gerichtsherrschaft zu Wurschen, über Rackel der zu Rackel zu. In dieser Parochie findet sich ein Denkmal, welches zwar durch keine Inschrift über seine Bestimmung Auskunft giebt, aber wegen seines Nutzens für den grössten Theil der Parochianen erwähnt werden muss.

Durch den am 21. Oct. 1821 erfolgten Tod des Herzogl. Braunschweig-Lüneburgschen Kammerherrn und Ritter des Preuss. Johanniter-Ordens, Friedrich Erdmann von Thielau, Gerichtsherrn auf Wurschen, Nechern, Belgern u. s. w. und ersten Collators an der Kirche zu Gröditz, fielen diese Güter an seine hinterlassene Wittwe, Frau Friederike Louise Christiane von Thielau geborene von Wurmgart und diese glaubte ihrem verstorbenen Gemahl als früheren Collator dadurch ein zweckmässiges Denkmal zu errichten, dass sie, ausser andern reichen Schenkungen an die Kirche, im Jahre 1822 auf dem Kirchwege von Nechern nach Gröditz an denjenigen Stellen, wo die Fussgänger wegen hohen Wasserstandes sehr oft bei Taufen, Leichenbegängnissen und anderen kirchlichen Handlungen an dem Besuche ihres Gotteshauses in Gröditz gehindert wurden, mit einem Kostenaufwande von mehr als 1500 Thalern ein schöne steinerne Brücke bauen und auf zwei langen Strecken hohe Steige von Steinplatten legen liess, so dass jetzt, wenn nicht eine ungewöhnliche Fluth sich einstellt, die Kirchgänger jene Strecke Weges ohne Gefahr passiren können.

Eine ähnliche Wohlthat wurde einem andern Theile der hiesigen Parochianen und ihren die Schule zu Gröditz besuchenden Kindern dadurch zu Theil, dass im Jahre 1839 durch den Herrn Besitzer von Gröditz, Herrn Kreisdirector von Gersdorf und unter Mitwirkung der betheiligten übrigen Gerichtsherrschaften und Gemeinden in dem Thale unweit der Gröditzer Mühle über die Löbau, die daselbst den Weg von Weicha nach Gröditz durchschneidet, da, wo sonst nur ein grosser hölzerner Steig sich befand, mit den Wagen aber durch den Fluss gefahren werden musste und wo schon bei mittelmässig hohem Wasserstande die Communication zwischen Weicha und Gröditz unterbrochen oder doch mit grosser Gefahr verbunden war, eine schöne grosse steinerne Brücke erbaut worden ist.

Das früher zu Drehsa gehörige Wawitz, welches im Jahre 1806 vom Kaufmann Pauli aus Bautzen dem dasigen Männerspitale durch testamentarische Bestimmung geschenkt wurde, von diesem aber zu dem verbundenen Armen- und Waisenhause kam, ist nach Hochkirch gepfarrt und liegt zwischen letzterem Orte und Wurschen, also auf dem Schlachtfelde von Bautzen.

Bemerkenswerth ist noch von Drehsa, dass unter der Herrschaft von der Hauptmänninn von Metzradt ein gastfreundliches Haus hier zu finden und deren Ehe mit mehreren sehr schönen Töchtern gesegnet war.

In den unglücklichen Kriegsjahren gingen Wuischke und Wawitz in andere Hände über.

Im Jahre 1835 schlug eines Sonntags Mittags 1 Uhr der Blitz in das Kuhstallsgebäude und in wenigen Stunden war der Drehsaer Hof, mit Ausnahme des Herrenhauses ein Aschenhaufen. Im Jahre 1836 ist Drehsa in seiner jetzigen Gestalt wieder aufgebaut worden und trägt an dem Wirthschaftshause die Anfangsbuchstaben des damaligen Besitzers Caesar Emil von Metzradt und an einer der Scheunen, des in Stein sehr sauber gearbeitete Metzradtsche Wappen.

M. G.     




[119]
Kuppritz.


Kuppritz liegt 11/2 Stunde östlich von Bautzen, am nördlichen Fusse der Hochkirchner Höhe und am niethenschen Bache, auch mit Woditz, Niethen und Kohlwesa rainend.

Kuppritz ist ein sehr altes, schönes Ritterschloss, welches in den frühesten Zeiten den Herren von Coperitz gehörte, woher auch der Name geleitet werden mag.

Ein Paul von Coperitz kommt 1335 am bischöfflichen meissnischen Hofe vor. Im 15., 16. und 17. Jahrhunderte gehörte es den Herren von Schwanitz, später bis zum Jahre 1791 war es im Besitze derer von Leubnitz auf Friedersdorf, von welchen es 1819 an Herrn Christian von Kind überging.

Mit Kuppritz combinirt ist das Vorwerk oder ursprüngliche Rittergut Hochkirch, südwestlich vom Kuppritzer Bache, mit Kuppritz, Plotzen, Sornzig, Nischwitz, Steindörfel u. s. w. rainend. Hier ist classischer Boden: Denn Hochkirch ist berühmt in der Weltgeschichte durch den nächtlichen Ueberfall des preussischen Heeres vom 13. zum 14. October 1758, ausgeführt vom österreichischen General Daun.

Als Friedrich der Grosse nach der Schlacht von Zorndorf nach Sachsen geeilt war und sich hier mit dem Prinzen Heinrich vereinigt hatte, um den Oestreichern unter Daun eine Schlacht zu liefern, sah er sich genöthigt, ein festes Lager zu beziehen, weil er den fest verschanzten Daun nicht zur Schlacht bewegen konnte. Friedrich suchte seinem Feinde die Zufuhr abzuschneiden und dadurch ihn nach Böhmen hineinzudrücken: Allein der schlaue Daun änderte seine Stellung und Friedrich that ein Gleiches durch Beziehung eines Lagers bei Hochkirch, ein höchst verwegenes Unternehmen in Hinsicht auf die Stellung der Oestreicher, welche die ringsherum liegenden sogenannten Steinberge besetzt hatten.

Wenn uns dieses Mal die Oestreicher in Ruhe lassen, erklärte General Keith gegen den König, – so verdienen sie gehenkt zu werden. Friedrich lächelte zwar, aber in seinem Innern mochte wohl auch schon eine trübe Ahnung aufsteigen.

Die Preussen hatten schon mehre Nächte ohne Schlaf sich kampffertig gehalten, als der auf dem nahen Rittergute Rodewitz sein Hauptquartier habende König, durch falsche Nachrichten seiner Kundschafter sicher gemacht, am 13. Oct. Abends befahl, die Armee auskleiden und ruhig schlafen zu lassen, weil in dieser Nacht Nichts zu befürchten sei. Allein tief im süssesten Schlafe ruhend, weckte gegen 3 Uhr bei rabenschwarzer Nacht auf ein Mal der östreichische Kanonendonner und das Kleingewehrfeuer der in geschlossenen Reihen heranrückenden Oestreicher die schlafenden Preussen aus dieser gefährlichen Ruhe. General Daun hatte seine Truppen von allen Seiten anrücken lassen: Die brennend gebliebenen Wachfeuer in dem östreichischen Lager und arbeitenden Holzhauer mussten den preussischen Wachen das Ausrücken der Truppen unwahrscheinlich machen: aber selbst dann noch, als die preussischen Vorposten Unrath merkten, und dem Könige Meldung machten, auch Ziethen und Seidlitz ihn baten die Soldaten wecken zu lassen, nahm er noch keine Rücksicht darauf. Erst dann als seine Vorposten überwältigt, seine Kanonen genommen und auf sein eigenes Lager gerichtet, schon ein Theil seiner Preussen schlafend dem Tode überliefert worden, erst dann glaubte er an den Ueberfall. Schnell ordnete er nun die Truppen, die noch halb entkleidet, halb im Schlafe zu den Waffen griffen: überall war kein geregelter Zusammenhang. Nur einzelne Regimenter fochten gegen die dichten Colonnen der Feinde.

Das Dorf Hochkirch, wo die Preussen eine starke Batterie hatten, gerieth bald in Flammen und erleuchtete im Dunkel der Nacht die grauenvolle Scene dieses blutigen Würgens. Mehre preussische Bataillione, welche durch einen Hohlweg und durch die Dorfgasse ihrer weggenommenen Batterie zu Hülfe eilten und mit Gewalt durchdringen wollten, wurden von dem Kartätschenfeuer des Feindes zu Boden gestreckt und lagen zu Tausenden dicht übereinander in der Dorfgasse, – unter ihnen der warnende Keith. – Noch am Morgen floss das Blut der Dorfgasse entlang gleich einem Bache. Zu dieser Niederlage kam noch die Umgehung des linken preussischen Flügels vom Herzog Ahremberg. Dadurch wurden die Preussen zum Rückzuge genöthigt. Friedrich hatte [120] die ganze Artillerie und Bagage verloren, viele Tausend seiner Soldaten lagen auf dem Schlachtfelde, mehre seiner besten Generäle waren nicht mehr unter den Lebenden. Dem Prinzen von Braunschweig hatte eine Kanonenkugel den Kopf weggerissen, Keith fiel von einer Kugel durch die Brust getroffen. Beinahe alle Generäle, Kleist und Moritz am schwersten, waren verwundet, der König selbst auch, welcher übrigens noch bald in die Hände der Feinde gerathen wäre. Noch auf dem Rückzuge zerschmetterte ein Schuss den einen Fuss seines Pferdes. Doch niemals war Friedrich grösser als im Unglück. Er entriss dem siegenden Daun alle Früchte des Triumphs durch überlegene Tacktik und behauptete Sachsen.

Dem General-Feldmarschall Keith wurde nach erfolgtem Frieden von dessen Bruder, dem englischen Gesandten in Berlin, aus weissem und buntem Marmor auf dem Kirchhofe zu Hochkirch am 13. Nov. 1776 ein Denkmal nach Oesers Zeichnung errichtet, für welches der berühmte Ernesti folgende lateinische Inschrift fertigte:

Jacobo Keith; Guilielmi commoroso heredi Regni Scotiae Mariae Drumond filio, Friderici Boruss. Regis summo exercitus, Praefecto viro, antiquis moribus et militari virtute claro, dum in praelio non procul hinc inclinatam suorum aciem, mente manu voce et exemplo restituebat, pugnans ut heroas decet occubuit D. XIV. Octobris 1758.

Später wurde dieses Denkmal in die Kirche hinter den Altar gebracht. Auf einer Bank im Haupteingange der Kirche zeigt man noch die blutige Stelle, auf welche Keith gelegt worden ist, als man ihn am Morgen nach der Schlacht im Hohlwege, bis aufs Hemde ausgeplündert fand.

Von einem zweiten weltgeschichtlichen Ereignisse war die hiesige Gegend im Mai 1813 Zeuge:

Durch den Ausgang der Schlacht bei Lützen am 2. Mai 1813 war die russisch-preussische Armee gezwungen über die Elbe zurückzugehen und ihre Feldherrn wählten die berühmte Stellung von Bautzen und Hochkirch, um dem Heere Napoleons eine zweite Schlacht zu liefern. Ihre Verschanzungen und Redouten waren fast unangreifbar. Aber der französischen Armee gelang es bei Wurschen den rechten Flügel der Preussen zu umgehen und so vermochte der an Hochkirch anlehnende linke Flügel nicht den vereinten Angriffen der Corps von Ragusa und Tarent zu widerstehen, er musste dem Rückzuge, zu dem die vereinte Armee sich genöthigt sah, folgen.

Kuppritz ist mit Kohlwesa, Lusko, Tzschorna, Klein-Tzschorna, Niethen, Rodewitz, Sornssig, Wuischke, Lohen, Pomritz, Tröbnitz, Plotzen, Dehlen, Meschwitz, Wobitz, Soritz, Schekwitz, Rachel und Waditz nach Hochkirch eingepfarrt.

Die hiesige Gegend ist eine der schönsten und anmuthigsten der Oberlausitz. Von Süden her stellt sich dem Auge eine dahin laufende angenehme Gebirgskette, und nach Norden hin eine mit Städten, Dörfern, Schlössern, Landhäusern, fruchtbaren Feldern und Wiesen geschmückte Landschaft dar.

Das Schloss Kuppritz ist gefällig und schön, die Wirthschaftsgebäude gut und geräumig. Jeder Reisende, der in hiesige Gegend kommt, versäume aber nicht den Hochkirchener Kirchthurm zu besteigen. Den Eindruck, den der Beschauer von hier mit wegnimmt, wird ein bleibender für das ganze Leben bleiben und der Greis wird sich noch gern erinnern, was der Jüngling, der Knabe hier gesehen hat.

Kuppritz gehört jetzt zum Gerichtsamte Löbau, zum Bezirksgericht Löbau, zur Amtshauptmannschaft Zittau, zum Regierungsbezirk Bautzen.

Der jetzige Besitzer von Kuppritz ist der Herr von Kind, auf dessen Gute die Armen des Ortes stets Beschäftigung und so Nahrung für sich und die Ihrigen finden, sowie die übrigen Einwohner durch Ackerbau und Viehzucht eine hinreichend nährende Beschäftigung.

Kuppritz hat 35 bewohnte Gebäude mit 49 Familienhaushaltungen und 224 Einwohnern.

M. G.     





[Ξ]
Ober - Leutersdorf
[Ξ]
Dahren
[Ξ]
Drehsa
[Ξ]
Kuppritz


Heft 14 des Lausitzer Kreises Nach oben Heft 16 des Lausitzer Kreises
{{{ANMERKUNG}}}
  Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.