ADB:Wuttgenau, Gottfried Ernst Freiherr von

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Artikel „Wutginau, Gottfried Ernst Reichsfreiherr von“ von Carl von Stamford in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 44 (1898), S. 372–376, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wuttgenau,_Gottfried_Ernst_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 1. Oktober 2022, 14:08 Uhr UTC)
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Wutginau: Gottfried Ernst Reichsfreiherr v. W., k. k. Generalfeldzeugmeister, wurde am 31. August 1674 zu Bielau in Schlesien geboren, wo der Vater begütert war. Der Großvater Christoph Wuttky stammte aus der Ukraine, war von K. Leopold I. geadelt worden. Die Mutter, eine geborene v. Burchsthal, half dem Vater, den kräftigen, glücklich beanlagten Knaben sorgfältig zu erziehen. Im 18. Jahre bezog dieser die Universität Jena, wo er lateinische, französische und italienische Sprache, Mathematik, Kriegsbaukunst und Kriegsfeuerwerkerei betrieb, sich in Dichtkunst übte und allen Exercitien eines Cavaliers oblag. Im Hause und am Tische des berühmten Mathematikers Erhard Weigel half er diesem als ein Gesell an Globen und andern mathematischen und mechanischen Werken. Im J. 1697 hatte er auf dem adeligen Hofe zu Drakendorf einen blutigen Zusammenstoß mit Officieren, wobei sein Stubenbursche Wolf v. Werther das Leben verlor, W. viele Wunden davontrug und auch als verloren galt. Er verließ darauf Jena, sah sich an einigen Fürstenhöfen um und wirkte dann einige Jahre bei dem Grafen Balthasar Erdmann v. Promnitz in Sorau, mit dessen Sohne er auf Reisen ging, wobei er in Paris und Turin auf längerem Aufenthalte Belehrung suchte. Nach Vermählung seines Zöglings mit der Prinzessin Marie von Sachsen-Weißenfels 1705 scheint er dem Herzoge als Kammerjunker Dienste geleistet zu haben. Ein Baron v. Kittlitz setzte ihm sehr mit Trinken zu, er wies ihn ab, es kam zum Zweikampfe und er empfing eine Wunde an der Hand, die lange Cur erforderte.

Nun trat er im J. 1706 als Freiwilliger in das hessische Heer ein, dessen kriegerischer Ruhm viele Ausländer anlockte. Der Erbprinz Friedrich von Hessen-Kassel führte im Sommer 10 600 Mann über die Alpen zum kaiserlichen Heere in Italien, W. zeichnete sich durch Tapferkeit und Befähigung bald aus, so brachte er einst eine französische Schildwache, die er ausgehoben hatte, ins Lager; der Prinz nahm ihn zu seinem Generaladjutanten. Bei der Belagerung von Toulon im J. 1707 war W. Generalquartiermeister, war also unerhört rasch gestiegen. Anfangs 1708 überstiegen die Hessen wieder die Alpen, W. begleitete seinen General nach Kassel, wo Landgraf Karl ihn zum Führer seines Sohnes, Prinzen Georg, ersah. Beide begaben sich Ende April 1708 zur Armee unter Prinz Eugen und Marlborough. W. that freiwillig Dienst vor Lille, bemerkte eines Morgens, daß eine vorliegende Redoute unbesetzt war, nahm rasch 1 Officier und 4 Mann und besetzte das Werk. Die Franzosen erkannten ihre Versäumniß, [373] brachen mit 300 Mann vor, denen W. nicht widerstehen konnte; am Nachmittage wurde die Schanze mit Verlust von 200 Mann, großentheils Hessen, erstürmt. Prinz Georg wurde als Oberst an die Spitze eines Regiments gestellt, W. erhielt als Oberstlieutenant die eigentliche Führung. In der furchtbaren Schlacht bei Malplaquet, 11. September 1709, wurde das Regiment bei einem Angriffe auf die Flanke des französischen Heeres zurückgeworfen, W. führte es unter Trommelschlag wieder vor und half nun den glänzenden Sieg erkämpfen. Im J. 1710 wurden vorzugsweise Festungen belagert, wobei er Ingenieurdienste leistete, im Felde mit seinem Regimente die französischen Linien erstürmen half. 1711 schlug er vor Bouchain[WS 1] bei Nacht eine 680 Schritt lange Brücke über die Schelde, was man für unmöglich gehalten hatte, und trug viel zur Erstürmung eines Hornwerks bei. Ausgezeichnete Dienste that er im J. 1712 vor Quesnoy, führte am 4. Juli den Sturm, eroberte eine Redoute, von deren Besitz die Einnahme der Festung abhing, worauf diese Chamade schlug. Im November überschritt W. mit dem Regimente den Rhein, in die Winterquartiere.

Prinz Georg trat 1713 in den preußischen Dienst, Oberst v. W. begleitete ihn als Stallmeister und Hofmeister; des Prinzen Regiment nahm an dem Feldzuge von 1715 in Pommern gegen Karl XII. theil. Anfangs 1716 trat der Oberst mit Georg eine große Reise an; während der Prinz am Hofe glänzende Aufnahme fand, nützte sein Begleiter die sieben Monate zu Paris, um bei dem berühmten Folard sich in den Kriegswissenschaften zu vervollkomnmen. Der Schauplatz der Belagerung von Toulon wurde besichtigt, der October am Hofe zu Turin, dann vier Wochen in der ewigen Stadt zugebracht; nach drei Wochen in dem bezaubernden Venedig, gelangten die Reisenden nach Augsburg, wo Georg ernstlich erkrankte. Doch am 14. Februar 1717 führte W. ihn gesund dem Vater zu.

Der Landgraf beauftragte ihn, das Regiment des Prinzen Maximilian kriegsbereit zu stellen, dem Kaiser zur Hülfe gegen die Türken. Ende März war die sehr umfassende Arbeit vollendet, im Mai rückte das Regiment ab, am 10. Juli rückte es vor Belgrad zur Armee. Am dritten Tage begann der Oberst die Anlegung der Dämme und Brücken über die Sümpfe zur Sicherung der Verbindung der Hauptarmee mit dem Heertheile bei Semlin, wobei heftige Angriffe der Türken zu bestehen waren. Früh 1/27 Uhr des 19. Juli, als er eine Redoute anlegen ließ, durchbohrte eine unter dem Kinn eingedrungene Flintenkugel seinen Kopf und ging durch das linke Ohr hinaus; nach wenigen Wochen hatte der athletische Leib die tödlich scheinende Beschädigung überwunden, in der Schlacht vom 16. August führte der Oberst sein Regiment. An der Spitze von 7 Bataillonen und 5 Grenadiercompagnien ging er etwa 800 Schritt voraus der Armee, warf drei wilde Angriffe der Türken zurück und eroberte 17 Kanonen nebst 5 Mörsern in dem türkischen Hauptbollwerke, wodurch der Sieg entschieden wurde. Beim Frieden von Passarowitz marschirte W. mit seinem Regimente am 15. Juli 1718 nach Italien ab, erreichte am 5. October Pavia, durchzog vom 7. Januar 1719 an Italien und vereinigte sich 22. März bei Neapel mit dem kaiserlichen Heere, um nach Sicilien übergesetzt zu werden. Hier kam es am 20. Juni bei Francavilla zur Schlacht gegen die Spanier, die ihre überaus günstige Stellung behaupteten, wogegen die Kaiserlichen große Verluste erlitten. Bei der Belagerung von Messina wirkte W. neben seinem Dienste noch als Kriegsbaumeister; als er eine Galerie gegen die Citadelle bauen ließ, traf ihn eine Flintenkugel in den gekrümmten linken Arm und blieb im Oberarm stecken, 11. September, er ließ sich aber nicht lange vom Dienste zurückhalten. Nach wüthenden Kämpfen um die Bresche ergab sich die Citadelle wegen Pulvermangels, 18. October.

[374] Im Winter hatte der Oberst verschiedene Aufträge gegen einzelne Orte auszuführen, im Februar 1720 rückte das Heer gegen Palermo vor. W. und der Oberst Graf Neipperg hatten die Ehre des ersten Angriffs und warfen die Spanier am 29. April aus einigen Werken zurück, am 2. Mai erstürmten beide Obersten weitere spanische Werke, doch dies war der letzte Kampf, der spanische Feldherr hatte den Befehl zur Räumung Siciliens erhalten. W. mühte sich lange mehrfach, in Wien die für sein Regiment ausbedungenen Geldbeträge zu erlangen, es gelang erst 1723 vollständig.

Landgraf Karl wollte bei dem russischen Czaren zu Gunsten König Friedrich’s von Schweden einwirken, er vertraute W. diese Aufgabe an, beförderte ihn zum Generalmajor. Anfang Februar 1724 verließ der Gesandte Kassel, nach vielen Beschwerden und Unannehmlichkeiten erreichte er Peter’s junge Residenz St. Petersburg. Erst nach der Krönung der Gemahlin am 18. Mai zu Moskau wurde der Gesandte an des Kaisers Geburtstage, 31. Mai/11. Juni, in feierlicher Versammlung des ganzen Hofes und aller Gesandten sehr gnädig empfangen. Mit dem Hofe traf er am 15. Juli wieder in Petersburg ein. Die Lage seines alten Gönners und Kriegskameraden in Schweden war im höchsten Grade schwierig, die ältere Schwester seiner Gemahlin, die nach Erbrecht hätte vorgehen müssen, hatte einen Sohn, Karl Friedrich von Holstein, hinterlassen, welchen Rußland gegen die zur Königin gewählte Ulrike ausspielte. Die Aussicht auf die Hand der ältesten Tochter des Czaren gab dem persönlich sehr unbedeutenden, dem Branntwein ergebenen Herzoge großes Gewicht in Schweden. Um ein Bündniß Peter’s mit dem Könige anzubahnen, sollte W. ein hessisches Truppencorps von 3 Regimentern zu Pferde, 5 Regimentern zu Fuß nebst Geschütz zu dem erwarteten Türkenkriege dem Czaren anbieten, in dem er selbst das Fußvolk zu führen hätte. König Friedrich und seine Anhänger sprachen ihre Freude über des Landgrafen Verwendung in Kassel aus, da um diese Zeit des Holsteiners Hochzeit mit Peter’s Tochter aufgeschoben wurde. Für diese war von Frankreich schon früher Prinz Georg von Hessen zum Gemahl vorgeschlagen gewesen; Peter war dazu wohlgeneigt gefunden worden, zu den jungen Prinzessinnen war der Ruf von dem schönen ritterlichen Fürsten gedrungen, und der Landgraf wünschte sehr diese Verbindung. Sie scheiterte an Georg’s Abneigung vor dem angesonnenen Glaubenswechsel, wol auch der niedrigen Abkunft von Peter’s Gemahlin.

Der König bat seinen Vater am 22. November 1724, den Gesandten noch am russischen Hofe zu belassen, doch fand der Fürst es zu kostspielig für den zu erreichenden Erfolg und ließ am 20. Februar 1725 die Abberufung an W. ergehen. Aber schon am 8. Februar war der gewaltige Czar von dieser Welt abgerufen worden und der General fand es nun angemessen, daß er noch die Beileidsschreiben überreiche, was des Landgrafen Zustimmung fand. Die Kaiserin Katharina I. empfing ihn am 16. Mai 1725 in Abschiedsaudienz, erst am 22. Juni verließ er Petersburg zu Schiffe. Durch Katharina’s Gunst für den Holsteiner war eine ersprießliche Wirksamkeit Wutginau’s nicht mehr zu erwarten. Er hatte seinem Herrn durch freimüthige Aufdeckung der Schwächen König Friedrich’s und auch im übrigen treue Dienste geleistet. Am russischen Hofe hatte sich in dem religiös angelegten Manne eine Stärkung in dieser Richtung unter dem Einflusse einer hochstehenden Dame vollzogen, worin er auf der Heimreise durch einige Tage geistlichen Unterrichts von A. H. Francke in Halle gefestigt wurde. In seiner zweiten Heimath Hessen konnte ihm eine Thätigkeit nur in engeren Grenzen zu theil werden, er gab im J. 1727 die Stellung im Dienste L. Karl’s auf, ohne daß sich ein bestimmter Anlaß dazu hat finden lassen. Es war zu seinem Glücke. Verehrung und Liebe für den Prinzen Eugen [375] zogen ihn in den kaiserlichen Dienst, in welchem er übrigens seit 1716 das Patent als Oberst besaß; er wurde unterm 28. Juni 1727 zum Generalfeldwachtmeister ernannt. Im Sommer 1728 war er wieder am Hofe zu Kassel, wo er Sophie Florentine v. Buttlar kennen lernte, seine spätere Gattin, Tochter des hessischen Generallieutenants v. Buttlar zu Nassenerfurt. Familienangelegenheiten führten ihn nach Dresden, König August II. nützte die Anwesenheit des bewährten Kriegsmannes, der die Vorbereitungen für das Lustlager bei Mühlberg 1730 traf, auch eine Brücke über die Elbe nach eigener Erfindung schlagen ließ; doch in den sächsischen Dienst ließ er sich nicht ziehen, trotz vortheilhaftester Versprechungen.

Er erhielt Befehl, nach Italien zu gehen, um in der kaiserlichen Armee unter Mercy ein Corps von 15 000 Mann zu übernehmen, im J. 1731 räumten jedoch die Kaiserlichen die besetzten Herzogthümer Parma und Modena. Im Frühjahr 1733 wurde unserem Generale der Auftrag, eiligst bei Oppeln ein Lager für eine kaiserliche Armee herzustellen, über welche er bis zum August den Befehl führte, wo das Lager nach Glogau verlegt wurde. Der Krieg war in Italien und am Rhein ausgebrochen. Prinz Eugen ersah den im Festungskriege bewährten tapferen Krieger dazu, die Reichsfestung Philippsburg zu vertheidigen, des Kaisers Befehl vom 28. October 1733 wies ihn dazu an, wobei er zum Feldmarschalllieutenant befördert wurde. Er fand die wichtige Festung im erbärmlichsten Zustande, viel zu schwach besetzt und noch dazu unter den 4000 Mann der Besatzung viele Neuangeworbene. Der rechte Mann war an den rechten Ort gestellt, mit Feuereifer ging er daran, den Platz zu verstärken und zur Belagerung bereit zu machen; Prinz Eugen setzte unbedingtes Vertrauen auf W. Der Marschall Herzog von Berwick führte ein Heer von 100 000 Mann heran, am 23. Mai 1734 begann die Belagerung Philippsburgs. Prinz Eugen hatte vorerst nur 15 000 Mann beisammen. Die Reichsfürsten waren saumselig in Stellung ihrer Contingente und der Commandant schrieb an den Feldherrn: „Euer Durchlaucht mögen nur erst ihr Heer stärken, ich werde Leib und Leben an die Erhaltung Philippsburgs setzen!“ Und so that er. Die Vertheidigung der Reichsfestung vom 23. Mai bis zum 21. Juli ist eine der glorreichsten Kriegshandlungen, wo ein tapferer, unerschütterlicher, umsichtiger Commandant trotz unzulänglicher Mittel einem weit überlegenen Feinde 8 Wochen lang Widerstand leistete; erst als es unmöglich geworden war, dem Sturmangriff der Franzosen zu stehen, knüpfte W. Unterhandlungen an, da trotz mehrfacher Meldungen über die Noth der Besatzung an den Prinzen Eugen eine Aussicht auf Entsatz geschwunden war. Die tapfere Besatzung durfte, ihre Vertheidigung zu ehren, mit wehenden Fahnen, klingendem Spiel, jeder Soldat mit 20 Schuß, jedes der mit ausrückenden 6 Geschütze mit 6 Schuß abziehen, dem Commandanten selbst schenkte der französische Marschall ein 6pfdg. Geschütz aus Hochachtung. Die Deutschen erlitten einen Verlust von 257 Todten, 509 Verwundeten und 159 Gefangenen, die Franzosen aber die außerordentliche Zahl von 6000 Mann, unter denen der Marschall Berwick, dem eine Kanonenkugel den Kopf wegriß. So viele Opfer waren vergebens gefallen, da im Frieden Frankreich Philippsburg dem Reiche zurückgab. W. allein hatte sich auf deutscher Seite Ruhm erworben, Eugen hätte trotz unzulänglicher Streitkräfte wol etwas mehr unternehmen können als er es that – man sah nur noch den Schatten des Siegers von Zenta und Belgrad. –

In Mainz schnitt des Kurfürsten Leibmedicus dem Feldmarschalllieutenant die Kugel aus dem Arme, die er 16 Jahre von Messina her in ihm getragen hatte, er konnte noch am selben Tage zu Hofe gehen. Zu Regensburg trug er am 31. Juli den Bericht der Vertheidigung Philippsburgs der Reichsversammlung [376] vor, die ihm hohes Lob und eine Belohnung von 5000 Thalern widmete. Prinz Eugen sprach aus: „Er habe das Aeußerste gethan, was man von einem rechtschaffenen Commandanten erwarten könne.“ Kaiser Karl VI. erkannte sein Verhalten in einem sehr gnädigen Schreiben an, wie er schon einmal nach der Schlacht bei Belgrad es gethan hatte. Im Januar 1735 sandte der Kaiser ihn nach Mantua, um diesen wichtigsten Platz Oberitaliens zu bewahren, wo fast alle kaiserlichen Besitzungen in Feindeshand waren. Eifrigst setzte W. die Hauptfestung in Stand und erwartete den Angriff des Feindes. Sein ihm sehr gewogener Monarch hatte ihn schon wieder befördert, im Mai 1735 zum Generalfeldzeugmeister ernannt. Die Franzosen unternahmen die Belagerung von Mantua nicht, der Friede kam zu Stande. Im folgenden Jahre brach ein neuer Türkenkrieg aus, der Kaiser ernannte deshalb W. zum Generaldirector aller kaiserlichen und des Reiches Festungen. Er bereiste im Herbste die Festungen Ungarns, erkrankte am 30. November bei Stuhlweißenburg, reiste jedoch noch bis Raab, wo er sich genöthigt sah, einen Arzt zu gebrauchen. Der Kaiser entsendete auf die Nachricht sogleich einen Leibmedicus, die Gattin eilte aus Schlesien von einem Gute Wutginau’s herbei. Allein ihre liebevolle Pflege wie des Arztes Kunst vermochten nicht das Leben zu retten, in den Armen seiner Sophie verschied W. am 23. December 1736, 62jährig. Mit den höchsten Ehren wurde die sterbliche Hülle des edeln Todten am 23. December zu Raab beigesetzt. Er hinterließ die erst im J. 1729 gewonnene Gattin sowie einen 1732 zu Bielau geborenen Sohn Gottfried. Ein Zeitgenosse hat ein Bild Wutginau’s hinterlassen, welches den tapferen und treuen Mann wie folgt schildert:

„Wutginau war ein vorzüglicher Soldat, aber ein sehr guter Christ, was fast ein Wunder war. Er hatte eine cholerische Complexion, seine Statur war eine der allergrößesten, der Leib von guter Proportion. Er ging sehr aufrecht, hatte ein bräunlich Gesicht und lebhafte, schwarze Augen. Gegen andere war er freundlich. So ordentlich und unermüdet er in Allem war, wollte er auch seine Befehle beachtet wissen. Doch nie hörte man ihn fluchen und er war ein guter Beter; Nichts that er ohne dieses und spürte den Erfolg. Gegen Arme, Kirchen und Schulen war er gutthätig.“

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Bauhain