ADB:Weingarten, Benedict von

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Weingarten, Benedict von“ von Emil Blösch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 502–503, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Weingarten,_Benedict_von&oldid=- (Version vom 31. Oktober 2020, 14:51 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 41 (1896), S. 502–503 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand April 2015, suchen)
GND-Nummer 139097767
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|41|502|503|Weingarten, Benedict von|Emil Blösch|ADB:Weingarten, Benedict von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=139097767}}    

Weingarten: Benedict v. W. gehörte einer Familie an, welche wahrscheinlich aus dem Dorfe Weingarten bei Aarberg im Kanton Bern stammte, zwar nicht adelig war, aber während einiger Zeit zu den angesehensten städtischen Geschlechtern zählte. Benedict, dessen Geburtsjahr nicht angegeben werden kann, erscheint seit 1488 als Mitglied des Großen Rathes oder der „Zweihundert“ von Bern; war dann, wie auch schon sein Vater, Landvogt zu Bipp, von 1494–98, nachher im aargauischen Amte Schenkenberg, 1498–1502, endlich auf dem Schlosse zu Aarwangen, 1502–1505; wurde aber 1506 zum Mitgliede des „Kleinen Rathes“ und zum „Venner“ erwählt. Er galt als einer der entschiedensten Gegner des französischen Einflusses und der Reislauferei unter die französischen Fahnen und scheint durch seine offene Parteinahme gegen die herrschende Unsitte sich viel Haß und Ungunst zugezogen zu haben. Als im J. 1513 die Eidgenossen ausziehen mußten, um das im Jahre vorher dem Herzog Maximilian Sforza wieder gewonnene Herzogthum Mailand gegen die Angriffe der Franzosen zu vertheidigen, wurde W. als „Hauptmann“ an die Spitze der Berner gestellt. Es war vorerst nur eine kleine Schaar von etwa 4000 Mann, welcher erst später ein zweiter Zug nachfolgen sollte. Sie stand einem gewaltigen und glänzend ausgerüsteten Heere gegenüber, das von den berühmtesten Feldherren der Zeit, den La Tremouille, Trivulzio und Robert von der Mark geführt war. Zuerst willens, mit dem Herzog Maximilian gegen Alessandria zu rücken, zogen sich die eidgenössischen Söldner, nachdem bereits Mailand gefallen war, nach dem festen Novara zurück, um dort die aus der Heimath zugesagte Verstärkung zu erwarten. Die Franzosen folgten ihnen auf dem Fuße nach, und Novara wurde belagert. Die Heftigkeit der Beschießung übertraf alles, was man bis dahin je gehört hatte. Bald waren die Mauern zerstört; bei offenen Thoren wurde die Stadt geschirmt. Dabei fehlte es nicht an Versuchen, die Gewalt des schwerfälligen Kugelgeschützes durch Mittel der Verlockung zu unterstützen, wie sie nur zu oft in diesen Feldzügen mit Erfolg sind angewendet worden; doch gelang es, die Truppen bei ihrer Pflicht zu erhalten. Am 5. Juni kam der mit Sehnsucht erwartete Gewalthaufe der Eidgenossen in die Nähe der bedrängten Stadt und vereinigte sich mit der Besatzung; die Franzosen dagegen bezogen ein festes Lager. Schon am folgenden Morgen, am 6. Juni 1513, schritten die Schweizer, jetzt etwa 9000 Mann stark, zum Angriff. Nachdem sie sich in gewohnter Weise durch Gebet ermuthigt, stürzten sie sich in ungeordnetem aber stürmischem Anlauf auf die Franzosen, sodaß La Tremouille nur halbbewaffnet zu Pferde stieg und Trivulzio in höchster Eile seine Truppen eintheilen mußte. Allein verderblich wütheten die französische Artillerie und die schwergepanzerten Kürassiere. Der Herzog wich in die Stadt zurück; die Eidgenossen hielten aus. Bald kam es zum Handgemenge, da man nicht mehr mit Streitäxten und Hellebarden, sondern mit Dolchen und Messern kämpfte. Da brach plötzlich, als das Gefecht am zweifelhaftesten stand, eine Abtheilung, welche durch die Reiterei aufgehalten worden war, dem Feinde in die Seite und entschied den Sieg. In wilder Flucht löste sich das französische Heer auf; vergeblich bemühte sich Trivulzio seine Mannschaft zusammenzuhalten. La Tremouille selbst war verwundet. Nicht weniger als 8000 Landsknechte und Franzosen bedeckten das Schlachtfeld, die Sieger selbst hatten in dem mehr als dreistündigen Kampfe wol 1500 Mann verloren. Unter den 200 todten Bernern lag auch der Hauptmann v. W. Der Bernische Chronist deutet an, daß nachher der Argwohn auftauchte, derselbe sei „erst nach [503] vergangenem strit von bösen fründen“ getödtet worden. Er gibt als Zeitgenosse dem Verstorbenen das Zeugniß, daß er „ein hantfester, ufrechter, witziger mann“ gewesen. Der Sieg war einer der glänzendsten, den die Schweizer Truppen je erfochten haben; wie viel Verdienst dabei v. W. zukömmt, kann nicht gesagt werden.

Benedict’s Bruder Hans v. W., 1506 Landvogt zu Erlach, war in den Mailänder Feldzügen von 1511–13 Pannerträger der Berner; ein eifriger Freund der Reformation und entschiedener Anhänger Zwingli’s (Zw. Werke, hgg. von Schuler und Schultheß, Bd. VIII, 488, 569, 611). Dessen Sohn, Wolfgang v. W., war erst Hauptmann im Dienste Frankreichs, dann Pannerträger der Berner im Kappelerkriege von 1531, und zweiter Feldhauptmann bei der Eroberung des Waadtlandes, 1536; er wurde 1562 zum Schultheißen erwählt, schlug jedoch diese Würde aus und ist 1574 gestorben.

Val. Anshelm, Berner Chronik III, 419 u. ff. – Leu, Helvet. Lexikon XIX, 238. – v. Tillier, Geschichte des Freistaates Bern III, 78–80. – Glutz-Blotzheim, Geschichte der Eidgenossen (Fortsetzung Joh. v. Müller’s) V, 2, S. 311–325.