ADB:Weißenborn, Georg

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Artikel „Weißenborn, Georg“ von Max Heinze in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 603–604, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wei%C3%9Fenborn,_Georg&oldid=- (Version vom 28. September 2021, 12:49 Uhr UTC)
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Weißenborn: Georg Frdr. Ludwig W , Philosoph, geboren am 11. April 1816 zu Wahren (Varchentini) in Mecklenburg-Schwerin, besuchte das Gymnasium zu Neu-Strelitz und studirte von 1838 in Halle Theologie. Neben den theologischen Vorlesungen, die er besonders bei Tholuck und Roediger hörte, besuchte er philosophische bei Erdmann und Schaller, durch die er veranlaßt wurde, sich eingehender mit Philosophie zu beschäftigen, Ostern 1840 ging er auf ein halbes Jahr nach Berlin und im Herbst nach Rostock, um auf Wunsch seines Vaters die Theologie zu absolviren. Doch kam er zur Vollendung der theologischen Studien nicht; er wandte sich vielmehr wieder nach Halle, wo er am 3. August 1841 zum Doctor der Philosophie promovirt wurde, und sich am 9. Mai 1843 für Philosophie habilitirte. Mit Erfolg lehrte er hier bis 1853, in welchem Jahre er ordentlicher Professor der Philosophie in Marburg wurde. Hier starb er nach über zwanzigjähriger Thätigkeit am 4. Juni 1874. Verheirathet hatte er sich 1842 mit einer Hallenser Bürgerstochter. Zuerst veröffentlichte W. in Halle gehaltene „Vorlesungen über Schleiermacher’s Dialektik und Dogmatik. 1. Th.: Darstellung und Kritik der Schleiermacher’schen Dialektik“ (Lpz. 1847). 2. Th.: „Darstellung und Kritik der Schleiermacher’schen Dogmatik“ (ebd. 1849). Er gibt hier seinen Standpunkt, der durch die Hegel’sche Rechte und durch Schleiermacher vielfach, aber nicht durchaus, bestimmt war, deutlich zu erkennen. Der Grund, weshalb Hegel die Lösung der metaphysischen Aufgabe nicht zum Abschluß gebracht hat, liegt nach W. in seiner einseitigen Auffassung der Idee Gottes. Vor einem consequenten speculativen Denken könne keine Immanenz des Absoluten bestehen; so sei der Theismus die einzig berechtigte [604] Anschauung. Zu der christlichen Wahrheit hatte W. das Vertrauen, daß es ihr gelingen werde, sich dergestalt dem Geiste einzubilden, daß jede Scheidewand zwischen Denken und Gefühl hinweggerissen werde, auch in der Vernunft das wahr sein müsse, was das Gefühl bejaht habe. Von der denkenden Freiheit aber hoffte er, daß sie früher oder später in das Stadium ihrer Entwicklung eintreten werde, wo ihr der christliche Inhalt als der Ausdruck ihres eigenen Selbstbewußtseins gelte, und wo sie ihren Kampf gegen diesen nur durch Hinweisung auf die Schranken zu entschuldigen wisse, die stets allen noch von der Wirklichkeit ihres Begriffs getrennten Entwicklungsstufen anklebten. So verzweifelte er weder an der Wahrheit der christlichen Religion, noch an der fühlenden, denkenden und wollenden Freiheit des Geistes. Daher war es für ihn die schönste Aufgabe, wie Schleiermacher in den Geistestiefen die Zeugnisse aufzusuchen, die den geoffenbarten unendlichen Inhalt bestätigten, seine Legitimität, Wesenhaftigkeit und Nothwendigkeit darthäten. Die Nothwendigkeit, dem Pantheismus gegenüber einen wissenschaftlichen Theismus zu begründen, betont er auch in seiner zweiten Schrift „Logik und Metaphysik“ (Halle 1850), in der er allerdings noch manches von Hegel nimmt, aber noch mehr von ihm abweicht. Dasselbe Ziel verfolgt er in den „Vorlesungen über Pantheismus und Theismus“ (Marb. 1859), in denen er zuerst die einzelnen Formen des Pantheismus bis zu dem logischen der Schelling-Hegel’schen Philosophie, der zwar, was in den früheren wahr sei, in sich enthalte, aber doch das religiöse Bedürfniß nicht gründlich befriedige. Es folgen die Formen des Theismus vom jüdischen an bis zu dem christlichen, der noch philosophisch zu begründen sei, aber keineswegs im Gegensatz zu den Ergebnissen der modernen Wissenschaft oder zu der neuen Kunst stehe. In seinen Vorlesungen scheint W. anregend gewirkt zu haben; sie erstreckten sich auf Geschichte der Philosophie in verschiedenen Cursen, auf die Dialektik, auf das System Schleiermacher’s, auf Pantheismus und Theismus, Logik und Metaphysik, Aesthetik, Religionsphilosophie und christliche Religionsphilosophie, auch auf Pädagogik.

Mittheilungen des Herrn Dr. L. Busse in Marburg. – Joh. Ed. Erdmann, Grundriß d. Gesch d. Philosophie II.