ADB:Tietjens, Therese Johanna Caroline

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Artikel „Tietjens, Therese Johanna Caroline“ von Heinrich Welti in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 38 (1894), S. 291–292, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Tietjens,_Therese_Johanna_Caroline&oldid=- (Version vom 29. September 2020, 05:35 Uhr UTC)
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Tietjens: Therese Johanna Caroline T. wurde am 17. Juli 1831 zu Hamburg geboren. Aus den Niederungen des Lebens in einer kleinen Vorstadtkneipe führte sie ihre künstlerische Laufbahn zu solchem Ruhm und solchen Ehren, daß an ihrem Begräbniß sich sogar die Königin von England vertreten ließ. Von einem Pianisten Jacob Schmidt vorgebildet, begann T. ihre Bühnenwirksamkeit an einem Hamburger Vorstadttheater im April 1848 als „Irma“ in Auber’s Maurer und Schlosser. Aufsehen erregte sie, als sie ein Jahr später für eine erkrankte Primadonna die Rolle der „Lucrezia Borgia“ plötzlich übernahm, und diese schwere Probe mit ziemlichem Glück bestand. Das war am Altonaer Stadttheater; von da führte das Loos die T. zunächst nach Frankfurt a/M. (1850), dann nach Brünn (1851/52) und endlich an die Wiener Hofoper (1853). Hier, neben einer Luise Meyer, Rosa Csillag, Mathilde Wildauer, neben Ander, Beck und Schmid, bildete sich die schöne, mit einer ächt dramatischen Stimme begabte Sängerin erst zu voller Künstlerschaft aus. Ihre Glanzrollen waren „Fidelio“, „Donna Anna“, „Norma“, „Valentine“. Während ihr für das lyrische Fach, die „Agatha“, „Pamina“, „Euryanthe“ der Zauber [292] der Anmuth und die weiche Empfindung fehlten, brachte sie für heroische Gestalten nicht nur die königliche Haltung einer schönen Figur, sondern auch Stimmkraft und Leidenschaft im Vortrag mit. Nach einem erfolgreichen Gastspiel auf der Hamburger Bühne siedelte sie 1858 nach London über, wo sie zuerst in Her majesty’s theatre und später in Drury Lane als „Stern“ galt. Außer den schon angeführten Rollen sang sie in London noch die „Leonore“ (Troubadour), „Amelia“ (Maskenball), „Martha“, „Alice“, „Semiramis“, „Medea“ und endlich auch die „Ortrud“ in Wagner’s Lohengrin. 1863 gastirte sie in Paris und 1875 unternahm sie eine Kunstreise nach Amerika. Sehr oft stellte sie ihre gewaltige und trefflich gebildete Sopranstimme in den Dienst des Oratoriums und galt in England wie in Deutschland als eine der besten Interpretinnen Händel’s. Sie starb am 3. October 1877.

Ueber Th. T. vgl. Ellen Creathorne Clayton, Queens of song II, 404 ff. – Signale für die musikalische Welt, 1877.